mini|General de Gaulle, Gründer der Forces françaises libres (ca. 1942) 300px|mini|Die Flagge der Forces françaises libres1940–1944 Die Forces françaises libres (deutsch Freie Französische Streitkräfte, sinngemäß Streitkräfte für ein freies Frankreich, kurz FFL oder France libre) waren französische Truppen, die im Zweiten Weltkrieg nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 auf der Seite der Alliierten weiter gegen das nationalsozialistische Deutschland, dessen Verbündete und das Vichy-Regime kämpften. Sie wurden am 1. Juli 1940 von Charles de Gaulle im Exil in Großbritannien ins Leben gerufen und eroberten schrittweise die französischen Kolonien in Afrika und im Nahen Osten zurück.
Sie vereinigten sich am 1. August 1943 mit der Armée d’Afrique unter Henri Giraud zur Armée française de la Libération. Davon zu unterscheiden sind die im Februar 1944 gebildeten Forces françaises de l’intérieur als bewaffnete Einheiten der französischen Résistance, die sich jedoch ebenfalls als Truppen des „freien Frankreichs“ (France libre) bzw. „kämpferischen Frankreichs“ (France combattante) verstanden. Beide Einheiten waren zusammen mit den Alliierten an der Befreiung Frankreichs von der deutschen Besatzung beteiligt.
Geschichte mini|Appell vom 18. Juni 1940 De Gaulles „Appell vom 18. Juni“ mini|hochkant|Gedenkmünze 2010 General Charles de Gaulle war als Staatssekretär im Verteidigungsministerium seit dem 5. Juni 1940 Kabinettsmitglied und floh nach London, um nicht den Deutschen in die Hände zu fallen. Von dort sprach er am 18. Juni 1940 um 19 Uhr über die BBC zum französischen Volk. Das britische Kabinett hatte versucht, seine Rede zu verhindern; de Gaulle war jedoch darin von Winston Churchill unterstützt worden. Er forderte die Franzosen auf, den Krieg gegen Hitler-Deutschland fortzusetzen. Diese als Appel du 18 juin bekannte Rede konnte nur in wenigen Teilen Frankreichs unmittelbar empfangen werden. Aber sie löste einen enormen nationalen Diskurs aus, da sie in den Folgetagen von der BBC wiederholt ausgestrahlt und im noch nicht besetzten Süden Frankreichs von den Zeitungen abgedruckt wurde. Diese Ansprache wurde in der französischen Geschichte sehr berühmt und auch nach Kriegsende oft zitiert.
Am 28. Juni 1940 erkannte Churchill de Gaulle als Führer aller Franzosen an, die den Krieg fortsetzen wollten. Außerdem bot die britische Regierung an, die Ausgaben des Freien Frankreichs zu finanzieren. De Gaulle bestand aber darauf, dass die Summen als rückzahlbare Vorschüsse und nicht als Spenden gewährt würden, die später einen Schatten auf ihn und die Unabhängigkeit seiner Organisation werfen würden.
Nachdem US-Präsident Franklin D. Roosevelt am 14. August 1941 die Atlantik-Charta unterzeichnet hatte, die allen Völkern ihr Selbstbestimmungsrecht zubilligte, gründete de Gaulle am 24. September 1941 das Comité national français (dt.: Französisches Nationalkomitee, kurz CNF), die Exilregierung des Freien Frankreichs. Am 24. November des gleichen Jahres garantierten die USA dem CNF nach dem Leih- und Pachtgesetz Hilfe.
Bildung der FFL (Forces françaises libres) mini|Forces françaises libres,Hoheitszeichen (rotes Patriarchenkreuz), von de Gaulle als Lothringer Kreuz bezeichnet De Gaulle gründete das Komitee freies Frankreich und sammelte etwa 1.300 französische Teilnehmer der Narvik-Expedition sowie einige Zivilisten, Piloten und Angehörige der Marine, die die Kapitulation nicht akzeptierten.Jean-Louis Crémieux-Brilhac: La France libre, S. 86–88 u. 91–95. Sie bildeten die ersten Freiwilligen in französischen Einheiten der britischen Armee. Bis Ende Juli 1940 waren 7.000 Freiwillige dem Aufruf gefolgt und hatten sich den Freien Französischen Streitkräften angeschlossen.Pierre Goubert: Initiation à l'histoire de France, Paris, Fayard 1984. Von den fast 140.000 evakuierten Franzosen der Operation Dynamo (von Dünkirchen nach England) ließen sich die meisten repatriierenHastings, Max, S. 80. und es folgte kaum einer dem Appell de Gaulles.
Die Freien Franzosen trugen im Unterschied zu den Streitkräften des Vichy-Regimes die Flagge des Freien Frankreichs mit dem roten Lothringer Kreuz in einem weißen Band. BCRA, Bureau Central de Renseignements et d'Action Seit 1940 wurde dieser militärische Geheimdienst unter dem Kommando von Oberst Passy aufgestellt, der schon früh über geheime Quellen in Frankreich verfügte. Das Deuxième Bureau, der traditionelle Militärgeheimdienst der Französischen Republik, widmete sich während der Dauer des Vichy-Regimes dem nachrichtendienstlichen Schutz der Waffenstillstandsarmee und der geheimdienstlichen Sammlung vieler militärischer und ziviler Informationen über die Achsenmächte. Der bedeutendere Teil dieses Geheimdienstes wurde 1942 nach Algier verlegt, wo er exklusiv Giraud Informationen lieferte, bis er 1943 mit dem BCRA fusionierte. Spezialeinheiten: Einzelne Angehörige der früheren französischen Kommandoeinheiten Groupes Francs schlossen sich dem SAS bzw. den Royal Marines an. Unter der Bezeichnung FFL, Forces françaises libres (dt. Freie Französische (Streit-)kräfte), wurden sowohl die gesamte Streitmacht (die aus Heer, Marine, Luftwaffe etc. bestand) als auch das Heer selbst geführt. Die FAFL, Forces aériennes françaises libres (dt. Freie Französische Luftwaffe), wurden mit nach England geflohenen Piloten, Mechanikern und Fallschirmjägern, deren prominenteste Angehörige André Malraux und Pierre Mendès France waren, gebildet. Obwohl bereits im Juli 1940 aufgestellt, wurden die ersten Jäger- und Bombereinheiten erst im Juli 1941 eingesetzt. Aus deren Bestand rekrutierte sich auch 1942 das Personal des Jagdfliegergeschwaders Normandie-Njemen, das innerhalb der Roten Armee gegen die Achsenmächte kämpfte. Die FNFL, Forces navales françaises libres (dt. Freie Französische Marine), bestanden anfangs aus ca. 3.600 Mann, die 50 Schiffe als Hilfstruppe der Royal Navy bemannten. Als de Gaulle seinen berühmten Appell vom 18. Juni 1940 über die BBC verlas, war die Île de Sein, anders als die übrige Bretagne, noch nicht von der Wehrmacht besetzt. Noch in der gleichen Nacht legten alle männlichen Bewohner im wehrfähigen Alter, die als Fischer tätig waren, mit ihren Schiffen ab und schlossen sich den Streitkräften des Freien Frankreichs an. Sie machten ein Viertel der FNFL aus und veranlassten de Gaulle zu der Frage, ob denn ein Viertel aller Franzosen auf der Île de Sein lebe.
Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine des Vichy-Regimes, Admiral François Darlan, hatte die Verlegung eines beträchtlichen Teils der noch intakten Kriegsmarine vor die Küste Französisch-Nordafrikas befohlen. Damit diese Schiffe nicht in deutsche Hände fielen – was einer geplanten deutschen Landung in England entgegengekommen wäre – versenkte die Royal Navy am 3. Juli 1940 in Mers-el-Kébir und Dakar mehrere Schiffe der französischen Kriegsmarine, was 1.300 Marinesoldaten das Leben kostete und beträchtliche Verbitterung in Frankreich auslöste. Dieses Ereignis hielt viele französische Soldaten davon ab, sich den Freien Französischen Streitkräften anzuschließen.
Frankreichs Kolonialreich Churchills Garantie und Hilfe mini|Frankreich und seine Kolonien im Jahre 1920
Am 7. August 1940 einigten sich Churchill und de Gaulle auf den accord des Chequers (Chequers-Abkommen), nach dem Großbritannien die Integrität aller französischen Besitzungen und die „integrale Restauration und Unabhängigkeit und die Größe Frankreichs“ schützen und erhalten solle.
Am 26. August 1940 erklärte der Gouverneur des Tschad, Félix Éboué, die Unterstützung der Exilregierung de Gaulles. Im Herbst 1940 schlossen sich die französischen Kolonien Kamerun und Französisch-Äquatorialafrika dem Freien Frankreich an. Die französischen Territorien in Neukaledonien, Französisch-Polynesien, Saint-Pierre und Miquelon und den Neuen Hebriden folgten ihrem Beispiel später. 1942 schloss sich nach der Besetzung im Rahmen der Operation Ironclad auch Madagaskar dem Freien Frankreich an.
Französisch-Indochina unter Generalgouverneur Jean Decoux blieb bis zur Besetzung gegen geringen Widerstand durch japanische Truppen im September 1940 unter Kontrolle des Vichy-Regime und fiel erst 1945, nach der Kapitulation Japans, wieder in den französischen Machtbereich. Der französische Resident von Wallis und Futuna, Léon Vrignaud, unterstellte sich ebenfalls 1940 dem Generalgouverneur von Französisch-Indochina anstatt dem de-Gaulle-treuen Gouverneur Neukaledoniens und war somit auch unter Kontrolle des Vichy-Regimes. Ebenso blieben die westindischen Inseln Guadeloupe und Martinique und Französisch-Guayana (bis 1944) vichytreu.
Auch der Versuch, die vichy-französischen Truppen in Dakar sowie die Kolonie Französisch-Westafrika dem Einfluss des Vichy-Regimes zu entziehen und sie den Freien Französischen Streitkräften de Gaulles zu unterstellen beziehungsweise zum Übertritt auf die alliierte Seite zu bewegen, scheiterte zunächst, als im September 1940 eine britisch-freifranzösische Streitmacht erfolglos versuchte den Hafen von Dakar einzunehmen (siehe Gefecht von Dakar) und eine empfindliche Niederlage erlitt. Dakar und Französisch-Westafrika blieben bis November 1942 im Machtbereich Vichy-Frankreichs. Erst im Rahmen der Operation Torch konnten sowohl Französisch-Nordafrika als auch Dakar und Französisch-Westafrika für die Freien Französischen Streitkräfte gesichert werden.
Frankreichs Kolonialarmee Die Frage der Loyalität gegenüber Großbritannien oder Frankreich, die de Gaulle so sorgfältig darauf achten ließ, seine Integrität innerhalb der Allianz zu wahren, ließ anfangs viele Offiziere noch für das Vichy-Regime optieren. Dieses durfte nach dem Waffenstillstandsabkommen mit Hitler-Deutschland nur noch 100.000 Mann mit leichten Waffen, ohne Artillerie oder Panzer, unterhalten (analog zu den Bedingungen des Versailler Friedensvertrags für die Weimarer Republik). Der größte Teil der französischen Armee im Mutterland ging in deutsche Kriegsgefangenschaft.
Umso bemerkenswerter war der 2500 km lange Marsch von Oberst Philippe Leclerc de Hauteclocque an der Spitze einer 16.500 Mann starken französischen Kolonialarmee von Französisch-Äquatorialafrika in das von den Briten kontrollierte Ägypten, wo er sich den Truppen de Gaulles anschloss, die an der Seite der Engländer entlang der Mittelmeerküste kämpften.
Rückeroberung der afrikanischen Kolonien mini|links|hochkant|Félix Éboué begrüßt Charles de Gaulle, 1940 mini|Frei-französisches Afrika, 1940 Der Haupteinsatz der FFL in der ersten Phase des Krieges galt der Rückeroberung der Kolonien Frankreichs in Afrika.
Rückeroberung von Gabun Mit der Besetzung Gabuns zwischen dem 9. und dem 11. November 1940 durch die Forces françaises libres trug das gesamte Französisch-Äquatorialafrika mit Rohstoffen, Steuereinnahmen und Personal zur Befreiung Frankreichs bei. Französisch-Westafrika hingegen blieb bis zur Eroberung Französisch-Nordafrikas durch die Operation Torch vichytreu.
Kampf in Ostafrika Freie Französische Streitkräfte beteiligten sich ab Dezember 1940 am Ostafrikafeldzug gegen italienische Truppen in Äthiopien und Eritrea. Das unter Vichy-Kontrolle befindliche Französisch-Somaliland trat allerdings erst nach einer längeren Blockade durch britische Kriegsschiffe im Dezember 1942 zum Freien Frankreich über.
Rückeroberung Libanons und Syriens Im Juni und Juli 1941 beteiligten sich Truppen der FFL am syrisch-libanesischen Feldzug gegen Vichy-treue französische Truppen im Völkerbundmandat für Syrien und Libanon. Das Gebiet wurde anschließend bis zur Unabhängigkeit Syriens und des Libanon von den FFL und ihren britischen Verbündeten kontrolliert.