Daimler Empress ist die Modellbezeichnung für Oberklassefahrzeuge, die das Londoner Karosseriebauunternehmen Hooper von 1950 bis 1957 für den britischen Oberklassehersteller Daimler entwarf und baute. In fünf Serien entstanden insgesamt etwa 215 Fahrzeuge, die auf den Fahrgestellen des Daimler DB18/Consort (Empress I), Regency (Empress II, IIA und III) und Regina/DK400 (Empress IV) basierten. Die Empress-Versionen waren exklusive und sehr teure Alternativen zu den Standardmodellen dieser Baureihen. Heute gelten sie als begehrenswerte Klassiker.
Die Empress Line
mini|Eng mit Hooper verbunden: Daimler Motor Company mini|Empress Line in ihrer ursprünglichen Form: Empress I (1950) Stilistisch folgen alle Serien der Daimler-Empress-Reihe einem als Hooper Empress Line bekannt gewordenen Designkonzept.
Hooper in Westminster war eines der renommiertesten Karosseriebauunternehmen GroßbritanniensNick Walker: A–Z of British Coachbuilders 1919–1960. Shebbear 2007 (Herridge & Sons Ltd.) ISBN 978-0-9549981-6-5, S. 127: „quite simply the best“. und zeitweise Königlicher Hoflieferant. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Hooper vom Konzern Birmingham Small Arms (BSA) übernommen, zu dem auch die Daimler Motor Company gehörte, ein etablierter Hersteller von Staatskarossen. Hoopers Aufbauten galten als seriös und konservativ. Auf der Suche nach attraktiven, modernen Linien entwickelte Hoopers Chefdesigner Osmond Rivers in der zweiten Hälfte der 1940er-Jahre ein anfänglich New Look genanntes Designkonzept, das später als Empress Line bekannt wurde.
Die Empress Line verbindet das in der Vorkriegszeit etablierte Razor Edge Design, das Hoopers Konkurrent Freestone & Webb 1935 entwickelt hatte,Nick Walker: A–Z of British Coachbuilders 1919–1960. Shebbear 2007 (Herridge & Sons Ltd.) ISBN 978-0-9549981-6-5, S. 114.Kurze Darstellung der Geschichte von Freestone & Webb auf der Internetseite www.silvercloudinternet.com (abgerufen am 2. März 2020). mit Elementen der Pontonkarosserie.James Taylor: Coachwork on Rolls-Royce & Bentley 1945–1965, Herridge & Sons, Beaworthy, 2019, ISBN 978-1-906133-89-4, S. 91. Während die vorderen Kotflügel wie herkömmlich frei stehen, gibt es am Heck keine ausgeformten Kotflügel mehr. Das Passagierabteil ist hinten so breit, dass es die Hinterräder einschließt. Sie sind vollständig von sogenannten Spats abgedeckt. Die auslaufenden vorderen Kotflügel, die Linie der C-Säule und eine weitgehend waagerecht verlaufende Zierleiste treffen sich am unteren Ende des Wagenhecks.
Die Empress Line wurde ursprünglich für Daimler entwickelt. Daimler-Chassis mit Empress-Karosserien waren von 1950 bis 1958 im Angebot. Werksseitig wurden fünf verschiedene Chassistypen mit Empress-Karosserien ausgestattet. Sie werden als Empress I bis IV bezeichnet. Nur in Kombination mit den Daimler-Chassis war der Begriff Empress auch die offizielle Modellbezeichnung. Zwar stattete Hooper auch Chassis anderer Hersteller wie Rolls-Royce und Bentley mit entsprechend gestalteten Karosserien aus; diese Aufbauten trugen allerdings offiziell nicht die Bezeichnung Empress.Beschreibung eines Rolls-Royce Silver Cloud I mit individueller Karosserie im Stil der Hooper Empress Line (abgerufen am 30. Juli 2023).Verkaufsanzeige für einen Rolls-Royce Silver Wraith mit Individualaufbau im Empress-Stil (abgerufen am 3. Februar 2020).Beschreibung eines Bentley R-Type mit einer Empress-Line-Karosserie (abgerufen am 5. Februar 2020).Verkaufsanzeige für einen Rolls-Royce Silver Wraith mit Individualaufbau im Empress-Stil (abgerufen am 2. März 2020).
Die Baureihen
Vorläufer: The Green Goddess Einige Grundzüge der Empress Line verwirklichte Hooper erstmals 1948 beim Cabriolet Daimler Green Goddess, einem Showcar auf der Basis der Staatslimousine Daimler DE36, das ein konzeptioneller Vorläufer der sogenannten Docker Daimlers ist.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960, Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 79. Bei ihm wurde der Begriff Empress noch nicht verwendet. Daimler produzierte auf Kundenwunsch etwa zehn Nachbauten des Green Goddess.
Empress I mini|Four Lights: Hooper Empress I (Daimler DB18) mini|Eines von sechs Cabriolets der Empress-I-Reihe Das erste in Serie gefertigte Version des Daimler Empress basierte auf dem Daimler DB18, der ab 1949 als Daimler Consort vermarktet wurde. Der in der oberen Mittelklasse positionierte DB18/Consort war in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Einstiegsmodell der Marke. Es wurde standardmäßig als viertürige Limousine (Saloon) mit einer konservativ gestalteten Karosserie von Mulliners of Birmingham angeboten,Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 257. ab 1948 dann auch als Cabriolet mit einer eigenständigen Barker-Karosserie, die auf einem leicht veränderten Special-Series-Chassis aufbaut.
Auf der Earls Court Motor Show im Oktober 1950 stellte Daimler dem Standard-Saloon schließlich eine Sonderversion im Empress-Design zur Seite. Diese Version wird rückblickend als Empress I bezeichnet. Technische Grundlage war nicht das reguläre Saloon-, sondern das Special-Series-Chassis, das ursprünglich für das Barker-Cabriolet konstruiert worden war. Als Antrieb dient ein Reihensechszylindermotor mit 2,5 Liter (2522 cm³) Hubraum, dessen Höchstleistung mit 85 bhp (63 kW; 86 PS) geringfügig über der des Standard-Saloon mit Mulliner-Karosserie liegt. Der Empress I ist regelmäßig als viertürige Limousine mit zwei Fenstern auf jeder Seite (Four Lights) gestaltet; in der C-Säule befinden sich keine Seitenfenster. Die vorderen Türen sind vorn, die hinteren Türen hinten angeschlagen. Nach diesem Muster wurden 97 mehr oder weniger gleiche Empress gebaut. Sie waren mit 3.450 £ fast als doppelt so teuer wie der Standard-Consort (1.340 £) und ungefähr elfmal so teuer wie ein Ford Anglia (300 £).N.N.: The Ford Anglia 8hp Road Test. The Motor vom 27. Oktober 1948. Hinzu kamen sechs Cabriolets, von denen eines an König Georg VI. ging, und ein Zweitürer für Norah Docker.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960, Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 33.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History, Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 213, m. Abb. des Zweitürers auf S. 207.
Als Daimler den Consort 1953 durch den etwas kürzeren Conquest ersetzte, eine Abwandlung des Lanchester Leda,Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 263. gab es für dieses Fahrgestell keine serienmäßige Version mit Empress-Karosserie. Hooper stellte lediglich „eine Handvoll“ – wahrscheinlich vier – Prototypen her, die wegen des kurzen Radstands als Zweitürer gestaltet waren.Abbildung eines Daimler Conquest mit zweitüriger Empress-Karosserie (abgerufen am 19. Februar 2020). Zwei von ihnen wurden mit einem Kühlergrill von Daimlers Tochtermarke Lanchester ausgestattet und auf der Earls Court Motor Show im Oktober 1953 als Lanchester Dauphin präsentiert. Die Autos wurden zum Stückpreis von 3.000 £ angeboten.Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 264. Eine Serienfertigung kam weder in der Daimler- noch in der Lanchester-Version zustande.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960, Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 58.
Empress II mini|Six Lights: Empress II (Daimler Regency Mark I) Im Herbst 1951 führte Daimler die Regency-Reihe ein, die die Lücke zwischen dem DB18/Consort und den großen Repräsentationslimousinen DE27 und DE36 schließen sollte. In technischer Hinsicht war der Regency eine vergrößerte Ausgabe des Consort:Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 259. Die Fahrgestelle stimmen weitgehend überein, und der Motor des Regency basiert auf dem Reihensechszylinder des Consort.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History, Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 216. In der ersten, von 1951 bis 1953 gebauten und nachträglich als Mark I bezeichneten Reihe war der Regency als viertüriger Saloon (DF300/301) sowie – mit leicht verändertem Chassis und leistungsgesteigertem Motor – als zweitüriges Cabriolet erhältlich (DF302/303), deren Karosserien jeweils Barker zugeschrieben wurden. Beide Barker-Versionen waren weitgehend erfolglos: Der Saloon wurde nur sieben-,Milo Kelly, Dave Philpot: A Unique Passion - Regency 3-Litre, in: The Driving Member, Ausgabe Dezember 2012/Januar 2013, S. 32 ff. das Cabriolet wahrscheinlich nur dreimal gebaut.
Parallel zu den Barker-Karosserien hatte Daimler auf dem Chassis des Regency Mark I auch eine hochwertige Hooper-Karosserie im Empress-Stil im Angebot. Sie wird als Empress II bezeichnet. Der Empress II orientiert sich stilistisch am Empress I auf Consort-Basis, ist aber – anders als dieser – üblicherweise als Six-Light-Limousine gestaltet, hat also drei Fenster auf jeder Fahrzeugseite. Die hinteren Türen sind nach wie vor hinten angeschlagen. Einzelne Fahrzeuge entstanden auf Kundenwunsch auch als Zweitürer. Technisch baut der Empress II auf dem Chassis des Barker-Cabriolets (DF302/303) auf. Wie dieser hat er einen 3,0 Liter großen Reihensechszylindermotor, dessen Höchstleistung bei 100 bhp (102 PS) liegt. Bis Anfang 1953 entstanden insgesamt 33 Empress-II-Limousinen,Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960, Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 43. sodass die Empress-Version weitaus erfolgreicher war als Daimlers nur siebenmal produzierte Standardlimousine mit Barker-Aufbau.
Empress IIA Eineinhalb Jahre nach der Produktionseinstellung des Mark I präsentierte Daimler im Oktober 1954 mit dem Mark II die zweite Generation des Regency. Bei weitgehend unverändertem Fahrwerk umfasste das werksseitige Angebot eine viertürige Limousine mit drei Fenstern auf jeder Seite (Six Light Saloon), die wahlweise DF 303/304 mit einer auf 3,5 Liter Hubraum vergrößerten, 107 bhp starken Version des Reihensechszylindermotors oder als DF401/402 mit dem 4,5 Liter großen Motor der Repräsentationslimousine Regina (127 bhp; 95 kW; 129 PS)Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History, Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 230. erhältlich war. Hinzu kam als Four Lights Saloon der Sportsman mit einer Karosserie von Mulliners of Birmingham (DF 308/309), der üblicherweise von einer auf 130 bhp (96 kW; 132 PS) leistungsgesteigerten Version des 3,5-Liter-Motors angetrieben wird. Der Sportsman nahm die Rolle des sportlichen Modells ein und ersetzte das Barker-Cabriolet, dessen Produktion eingestellt wurde.
Auf der Basis des Regency Mark II baute Hooper erneut eine Empress-Variante, die als Mark IIA bezeichnet wird (DF306/307). Sie stimmt bis auf kleine Details im Bereich der Frontmaske stilistisch vollständig mit dem bisherigen Empress Mark II überein. Als Antrieb dient eine 114 bhp (85 kW; 116 PS) starke Version des auch im Standardmodell verwendeten 3,5-Liter-Motors. Das Getriebe und die Hinterachse entsprechen den Komponenten des Sportsman.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History, Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 229. Von dieser Empress-Variante entstanden 58 Fahrzeuge.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960, Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 43 und 46.
Empress III mini|Empress III (1956)