Die Schlacht um Okinawa (Alliierter Codename: Operation Iceberg) begann am 1. April 1945 mit der amerikanischen Invasion der japanischen Insel Okinawa und endete am 30. Juni 1945. Die Schlacht war Teil der Pazifikkriegskampagne im Zweiten Weltkrieg. Aus japanischer Sicht war Okinawa die letzte Verteidigungslinie, die einer Invasion der japanischen Hauptinseln durch die Alliierten im Weg stand. Entsprechend planten die Alliierten, Okinawa zur Luftunterstützung der geplanten Invasion der Hauptinseln zu nutzen.

Mit koordinierten Selbstmordattacken durch Shimpū-Tokkōtai-Einheiten versuchte die japanische Marineluftwaffe, der amerikanischen Pazifikflotte einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Den Auftakt zu dieser Schlacht bildeten die alliierten Luftangriffe auf Kyūshū am 18. März 1945.

Die Kämpfe auf Okinawa dauerten bis zum 30. Juni an und endeten mit der Eroberung der Insel durch die amerikanischen Truppen. Im Verlauf der Schlacht starben mehr als zwei Drittel der japanischen Verteidiger. Unter der Zivilbevölkerung und auf amerikanischer Seite waren ebenfalls hohe Verluste zu beklagen. Es war aber auch das erste Mal, dass sich japanische Soldaten zu Tausenden ergaben.

Vorgeschichte mini|links|Karte Japans, Ryūkyū-Inseln markiert

Strategische Bedeutung Okinawa, die größte Insel in der Ryūkyū-Gruppe, 250 Seemeilen von Japan entfernt, etwa 100 km lang und 10 bis 25 km breit, war ab 1871 unter japanischer Verwaltung sowie seit 1609 als Königreich Ryūkyū Vasallenstaat. Als 1941 der Pazifikkrieg mit dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor ausbrach, wurden die beiden Inseln Okinawa und Taiwan, damals unter japanischer Militärkontrolle, zu starken Marinestützpunkten ausgebaut, wobei die auf Taiwan befindlichen Flugplätze den japanischen Flugzeugen ermöglichten, die von den amerikanischen Truppen gehaltenen Philippinen sowie bestimmte Teile des nationalrevolutionären Chinas anzugreifen. Auf Okinawa wurden deshalb auch mehrere Flugplätze erbaut, von denen der bei Naha besonders ausgebaut wurde. Japanische Schiffe, die im Laufe der Kämpfe im Pazifik beschädigt worden waren, konnten in den Werften der Kaiserlich Japanischen Marine in den größten Häfen Okinawas repariert werden. Die japanischen Schiffe, die mit Erdöl und weiteren Rohstoffen von Südostasien nach Japan fuhren, konnten in den besetzten Philippinen, in Taiwan oder in Okinawa repariert werden. Die Insel Okinawa sicherte die rechte Flanke des japanischen Verteidigungssystems um die beiden südlichen Hauptinseln Kyūshū und Honshū.

Für die Japaner war es strategisch wichtig, die Ryūkyū-Inseln unter ihrer Kontrolle zu behalten, da die amerikanischen Truppen von dort aus die japanischen Verbände im südlichen Pazifik von den restlichen Streitkräften, die in Korea, Nordchina und Japan stationiert waren, abschneiden konnten. Die Ryūkyū-Inseln hätten von den amerikanischen Truppen, im Falle einer von den Amerikanern bereits geplanten Eroberung der Hauptinseln, als vorgeschobene Operationsbasis benutzt werden und auch als Basis für Luftangriffe gegen japanische Städte dienen können. Strategisch besetzten die Ryūkyū-Inseln für Japan eine Schlüsselposition auf den Seerouten von Borneo und Sumatra, auf denen kriegswichtige Materialien nach Japan transportiert wurden.

Amerikanische Angriffsplanung Der amerikanische Generalstab, der Joint Chiefs of Staff, hatte bereits 1944 einen Operationsplan für einen Angriff auf die Ryūkyū-Inseln ausgearbeitet. Dieser sah vor, zunächst die japanischen Verbände im Norden der Insel Okinawa und in der Hauptstadt Naha anzugreifen und sie von der restlichen Garnison im Süden der Insel durch eine amphibische Landung im Zentrum der Insel und eine Durchquerung Okinawas abzuschneiden. Ende 1944 forderte General Douglas MacArthur, dessen Truppen gerade die philippinischen Inseln Leyte und Mindoro angriffen, persönlich den Stab auf, in den Plänen nach der Eroberung Nahas einen endgültigen Vorstoß in Richtung Süden vorzusehen. General Simon B. Buckner, der mit der Führung der Operation betraut wurde, stimmte diesem Plan ebenfalls zu. Die weiteren Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte, die für die Ausführung der Operation gegen Okinawa vorgesehen waren, insbesondere General Roy Geiger, der während der Operation das taktische Kommando der Marineinfanteristen führen und als Stabschef Buckners dienen würde, wurden über diese Entscheidung sofort informiert. Die Verteidiger der Insel wurden auf höchstens 70.000 Mann geschätzt, da der Operationsstab annahm, mehrere tausend Soldaten seien nach Japan oder Korea verlegt worden.

Zusätzlich wurde auf Druck von General Buckner und General Geiger eine Landung auf mehrere Nachbarinseln Okinawas, die Kerama-Inseln, beschlossen, um von dortigen Flugstützpunkten aus die Landungen zu unterstützen. Darüber hinaus wurden auch die Flugzeugträger der Fast Carrier Task Force und mehrere weitere Einheiten der Marine, unter ihnen die Schlachtschiffe Mississippi, Missouri, Nevada und Colorado, der Invasionsflotte zugeführt. Die Landungen auf den Kerama-Inseln fanden am 26. März 1945 statt, innerhalb des nächsten Tages wurden die wenigen japanischen Soldaten auf den Inseln aufgerieben, und sie wurden am 28. komplett eingenommen.

Operationsplan mini|Eine Operationskarte der Landungen um Okinawa Die endgültigen Aufträge an die einzelnen Divisionen der Landestreitmacht wurden am 10. März erteilt. Für die Invasion wurden die Truppen des XXIV. Armeekorps unter General John R. Hodge sowie die Marineinfanteristen der III. Marine Expeditionary Force ausgewählt. Um die enge Kooperation zwischen Armeetruppen und Marineinfanteristen zu gewährleisten, wurden diese Truppen operativ der neu aufgestellten 10. Armee unterstellt, worauf sie eine einheitliche Streitmacht von 182.821 Mann bildeten. Die Marineinfanteristen sollten die erste Landungswelle bilden, danach entlang der Straße nach Naha angreifen und nach dem gelungenen Durchbruch der japanischen Linien die Insel durchqueren. Die Armeetruppen sollten in mehreren, weiteren Landungswellen an Land gehen, danach die Marineinfanteristen an der Front verstärken und zusammen mit diesen Einheiten gegen die Stadt Naha und den Raum Shuri einschwenken, um die feindlichen Positionen um die Hauptstadt und Shuri zu isolieren. Nördlich davon hatten einige Marineinfanterietruppen, die durch Armeeeinheiten unterstützt wurden, die japanischen Verteidigungslinien im Norden des Landungsstrandes zu durchbrechen und die nördliche Hälfte der Insel zu säubern, bevor sie wieder nach Süden marschierten und ebenfalls gegen die feindlichen Positionen bei Shuri vorgingen. Die inneren Flügel beider Gruppierungen sollten aus Panzereinheiten bestehen, um japanische Gegenangriffe zu stoppen oder kleinere Kessel zu säubern. Die Marine-Corps-Flugzeuge bekamen den Auftrag, zur Unterstützung der 10. Armee Luftangriffe gegen Naha und Shuri durchzuführen sowie den vorstoßenden Truppen Luftnahunterstützung zu leisten. Die Marineflugzeuge schließlich, die dem Oberkommando der Invasionsflotte und somit Admiral Raymond A. Spruance unterstanden, sollten die japanischen Installationen und Maschinen auf den Flugplätzen Kyushus und Formosas angreifen, um feindliche Luft- oder Kamikazeangriffe gegen die amerikanischen Marineeinheiten vor der Küste zu verhindern. Vor der amphibischen Landung an den Weststränden der Insel sollten die Großkampfschiffe der Geleitflotte die Landungsabschnitte durch schweren Artilleriebeschuss ebnen, um etwaige feindliche Positionen zu vernichten. Gleichzeitig sollten auch die Geschwader der Marine und des Marine Corps Luftangriffe gegen die Küstenabschnitte fliegen, indem sie die durch Fotoaufklärung identifizierten japanischen Positionen durch Napalm- und Sprengbomben zerstörten. Mehrere Geschwader, die mit F4U-Corsair-Jagdflugzeugen ausgerüstet waren, sollten durch den Einsatz von Luft-Boden-Raketen die gemeldeten feindlichen Bunker, Flugabwehr- oder Küstenbatterien zerstören. Die erste Landungswelle der Marineinfanteristen sollte am Morgen des 1. April die Mutterschiffe verlassen.

Japanische Lage Befestigungsarbeiten Bereits kurz nach dem Beginn der Kämpfe um die Marianen verfügte das japanische Oberkommando, unter Druck durch das Kabinett Koiso, den Ausbau der Verteidigungsstellungen im Raum Westpazifik. Nach einer weiteren Niederlage nach dem Verlust von Saipan, Tinian und Guam waren Okinawa und Iwojima für die japanischen Truppen nun die letzten Bastionen im Pazifik, da nach ihrer Eroberung vermutlich ein alliierter Angriff auf die Hauptinseln erfolgen würde. Seit Anfang September 1944 wurde deswegen auf der Insel, meist unter Heranziehung einheimischer Zwangsarbeiter, alliierter Kriegsgefangener und japanischer Soldaten, der Bau mehrerer befestigter Verteidigungslinien betrieben. Die erste dieser Linien verlief im Raum Shuri, die zweite im Raum Naha, die dritte an der südlichen Spitze der Insel, während eine vierte, jedoch unfertige, Verteidigungslinie im Norden verlief. Etwa 60.000–100.000 Arbeiter und Soldaten beteiligten sich an den Arbeiten. Bis zum Beginn der amerikanischen Landungen auf Okinawa waren die verschiedenen Verteidigungsbauten, vorwiegend Bunker, Panzersperren, Gräben, Einzellöcher, Tunnelsysteme, Panzerfallen und MG-Nester, erst zu je 50 bis 80 Prozent vollendet. Zusätzlich existierten einige alte Festungen: Besonders zu nennen ist hier die Burg Shuri aus der Sanzan-Zeit, deren Anbauten und Einrichtungen von den japanischen Truppen als Quartier und Verteidigungspositionen genutzt wurden. Die Munitionsdepots, die in der Burg eingerichtet wurden, und die Quartiere der rund 2000 Mann starken japanischen Garnison waren von mehreren MG-Nestern und Artilleriebatterien verteidigt. Die Verteidigungslinie, die im Raum Shuri verlief, wurde von rund 23.000 japanischen Soldaten gehalten.

Truppenstärke Bereits am 15. Juli 1944 landeten auf Okinawa etwa 20.000 Soldaten der neu aufgestellten 32. Armee. Die Verlegung der japanischen Truppen vom japanischen Festland oder von Formosa aus nach Okinawa war schwierig: Die 44. selbständige gemischte Brigade verlor 5.600 Mann, fast ihre gesamte Stärke, und mehrere Artilleriegeschütze und schweres Gerät, als am 29. Juni 1944 die Toyama Maru auf dem Weg von Kyushu nach Okinawa durch das U-Boot USS Sturgeon versenkt wurde. Nach den gewaltigen Verlusten, welche die Kaiserlich Japanische Armee 1943 und 1944 erlitten hatte, mangelte es diesen Truppen nun an gut ausgebildeten Offizieren und Soldaten. Zudem fehlte es den Einheiten an Fernmelde-Gerät, sodass die Verbindung unter den einzelnen Einheiten schlecht und anfällig für Störungen war. Deswegen wurden auf Okinawa teilweise Telefonleitungen angelegt, um den Mangel an elektronischen Gerätschaften durch Telefonverbindung auszugleichen. Die Verbände der 32. Armee bestanden überdies nur noch teilweise aus ausgebildeten Veteranen, die man in der 24. Infanteriedivision zusammengefasst hatte, welche mit praktisch unausgebildeten und frisch eingezogenen japanischen Reservisten ergänzt worden waren. Den Reservisten fehlte es wegen ihrer hastigen Mobilmachung an Ausbildung, da die meisten Einheiten nur eine sehr kurze Grundausbildung erhalten hatten.