mini|Die Teilreiche des Königreichs der Inseln um 1200 Der Norwegisch-Schottische Krieg von 1263 bis 1266 war ein militärischer Konflikt zwischen Norwegen und Schottland. In dem Krieg brachte der schottische König Alexander III. die westschottischen Inseln in seinen Besitz, was der neue norwegische König Magnus VI. in einem 1266 geschlossenen Frieden anerkannte.
Vorgeschichte Die westschottischen Inseln standen seit dem 9. Jahrhundert unter norwegischer Oberhoheit. Der schottische König Alexander II. versuchte 1249 mit einem Feldzug, die Inseln zu besetzen, jedoch erkrankte er und starb. Daraufhin wurde der Feldzug abgebrochen und die Inseln blieben weiter unter der Herrschaft mehrerer Kleinkönige und unter norwegischer Oberhoheit.
Nachdem Alexanders Sohn und Nachfolger König Alexander III. volljährig geworden war, setzte er die Versuche seines Vaters fort, die westschottischen Gebiete von Norwegen zu erwerben. Im Jahre 1261 machte er dem norwegischen König Håkon IV. ein Kaufangebot, was dieser aber ablehnte. Die schottische Gesandtschaft wurde sogar den Winter über in Bergen festgehalten, nachdem sie ohne Erlaubnis des norwegischen Königs nach Schottland hatten zurückreisen wollen.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom (The Edinburgh History of Scotland; Vol. I). Oliver & Boyd, Edinburgh 1975. ISBN 0-05-00203-7-4, S. 577. Der schottische König ermunterte nun offenbar mehrere schottische Magnaten wie den Earl of Menteith und Uilleam, 2. Earl of Ross, ihre Herrschaft auf westschottische, von Norwegen beanspruchte Gebiete auszudehnen. Der Earl of Menteith zwang den lokalen Lord Dugald MacSween zum Verzicht auf Knapdale, und 1262 plünderte der Earl of Ross die Insel Skye.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 82. Dabei nutzte der schottische König die Schwäche des englischen Königs Heinrich III. aus, der ein Verbündeter des norwegischen Königs war, sich aber in England einer Adelsopposition gegenübersah und deshalb nicht in Schottland eingreifen konnte.
Der norwegische Feldzug von 1263 Überfahrt von Norwegen nach Schottland Angesichts der aggressiven schottischen Politik bereitete Håkon IV. im Frühjahr 1263 einen Feldzug nach Westschottland vor, den er als erster norwegischer König seit 1102 selbst anführen wollte. Er sandte Kundschafter nach Shetland und Orkney aus, um Lotsen anzuwerben, und sammelte in Norwegen eine Flotte von über 100 Langbooten. Sein Flaggschiff Kristsuden soll 300 Männern Platz geboten haben.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 72. Neben dem König gehörte Vigleikr Prestsson, der als Marschall des Königs bezeichnet wurde, zu den Anführern des norwegischen Heeres.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 105. Der norwegische König hatte bereits in den Jahren zuvor seinen Einfluss nach Westen wieder ausgebaut. 1262 hatte Island seine Herrschaft akzeptiert. Mit seinem Feldzug nach Schottland wollte der König abtrünnige Vasallen auf den westschottischen Inseln einschüchtern, Verbündete gewinnen und die Schwäche Schottlands demonstrieren. Nach den norwegischen Sagas brach die norwegische Flotte entweder am 5. oder am 11. Juli auf. Sie erreichte zunächst rasch die Shetlandinseln, wo sie zwei Wochen lang im Bressay Sund rastete. Dann segelte die Flotte weiter nach Shapinsay, eine der ebenfalls unter norwegischer Oberhoheit stehenden Orkneyinseln. König Håkon wollte einen Teil der Flotte zum Moray Firth schicken, um dort die Region zu plündern, während der König mit der Hauptflotte auf Orkney bleiben wollte. Die norwegischen Krieger weigerten sich aber, ohne ihren König loszuziehen, so dass der Plan fallengelassen wurde. Nach der Feier des Olaftags am 29. Juli brach die Flotte zur Widewall Bay vor der Insel South Ronaldsay auf.R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 172. Der Jarl von Orkney, der als Earl of Caithness gleichzeitig auch Vasall des schottischen Königs war, folgte dem Aufruf des norwegischen Königs und schloss sich der norwegischen Flotte zunächst an.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 83. Der schottische König aber erpresste die Bewohner von Caithness. Er nahm 21 Geiseln und drohte den Bewohnern Strafen an, wenn sie den norwegischen König unterstützten.Barbara E. Crawford: The Earldom of Caithness and the kingdom of Scotland, 1150–1266. In: K. J. Stringer (Hrsg.): Essays on the Nobility of Medieval Scotland, John Donald Publishers, Edinburgh 1985, ISBN 0-85976-113-4, S. 37. Doch auch norwegische Truppen zogen durch Caithness und erpressten Tribute. Noch als die norwegische Flotte in der Widewall Bay lag, gab es am 5. August eine Sonnenfinsternis, welche die Krieger beunruhigte. Kurz darauf erfuhr der norwegische König, dass Ewen Macdougall, der eigentlich unter seiner Oberhoheit stehende Lord of Argyll, sich auf die schottische Seite gestellt hatte. Nach der Ankunft weiterer Schiffe aus Norwegen segelte die weiter, wobei der Jarl von Orkney an dem weiteren Feldzug wahrscheinlich nicht teilnahm.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 84. mini|Übersichtskarte der westschottischen Inseln mit den wichtigsten Orten des Feldzugs von 1263
Schottische Abwehrmaßnahmen Zur Abwehr der norwegischen Flotte konnte der schottische König auf die Unterstützung seiner Magnaten bauen. Alan Durward und der Earl of Buchan stellten ihre Aufgebote auf und dienten als Kommandanten der schottischen Heere,Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 56. ebenso wie der Earl of Menteith und Alexander Stewart. Neben den Aufgeboten seiner Magnaten stellte der König 1263 und 1264 eine kleine Armee aus bezahlten Rittern und Sergeanten auf, die etwa 60 Reiter stark war. Dazu unterstützte er die Verteidigungsbereitschaft von Burgen wie Ayr, Wigtown, Dumfries und Inverness und bezahlte deren Wachen. Der Earl of Menteith bot 120 Sergeanten für die Besatzung von Ayr Castle auf, die drei Wochen lang zur Abwehr der Norweger bereitstanden. Im Vergleich zu Heeren von anderen Reichen war dieses Aufgebot klein, aber für den König kostengünstig und damit finanzierbar. Vor allem reichte es aus, um die vereinten Kräfte aus Norwegen und von den Baronen der westschottischen Inseln in Schach zu halten.Michael Brown: The wars of Scotland, 1214–1371. Edinburgh University Press, Edinburgh 2004, ISBN 0-7486-1237-8, S. 57.
Vorstoß der Norweger bis zum Firth of Clyde Von South Ronaldsay segelte die norwegische Flotte durch den Pentland Firth und weiter entlang der Küste bis nach Lewis, dann weiter nach Rona und dann durch den Sound of Sleat, der die Isle of Skye von Schottland trennt. Dort soll der gälische Ortsname Kyleakin () an den Aufenthalt des norwegischen Königs erinnern.R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 173. Vor Skye schloss sich die Flotte von König Magnus von Man den Norwegern an. Als die Flotte weitersegeln wollte, erschien Dugald Macruairi, König der Inseln, in einem kleinen Kutter, und drängte die Norweger, ihm zu folgen.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 119. Durch den Sound of Mull segelten die Norweger weiter nach Kerrera, wo sich ihnen Schiffe von Dugald Macruairi und anderen Lords anschlossen. Der Großteil der norwegischen Flotte segelte in den Firth of Clyde, wo sie vor den Cumbraes vor Anker ging. Eine kleinere Abteilung unter Magnus von Man und Dugald Macruairi stieß bis Tarbert in Kintyre vor, um Angus Mor von Islay zur Unterstützung zu bewegen. Angus Mor und sein Bruder Alan leisteten zunächst erbitterten Widerstand, ehe sie sich der gegnerischen Übermacht ergaben.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 120. Eine Flotte von fünf, nach anderen Angaben fünfzehn Schiffen segelte zur Isle of Bute, wo die Norweger Rothesay eroberten. König Håkon segelte dagegen mit der Hauptmacht nach Gigha. Dort suchte ihn Ewen Macdougall, Lord of Argyll auf und bat ihn, ihn von seinem Treueschwur zu entbinden, worauf der König ihn in milder Haft nahm.R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 174. Dann segelte er weiter zur Isle of Arran, wo Dominikanerbrüder als Abgesandte des schottischen Königs Alexander III. dem norwegischen König Verhandlungen anboten. Diese verliefen jedoch ergebnislos,R. Andrew McDonald: The Sea Kings. The late Norse Kingdoms of Man and the Isles, c. 1066–1275. John Donald, Edinburgh 2019, ISBN 978-1-910900-21-5, S. 176. weil der schottische König womöglich angesichts der nahenden Herbststürme auf Zeit spielte.G. W. S. Barrow: Kingship and unity: Scotland 1000–1306. Edinburgh University Press, Edinburgh 2015, ISBN 978-1-4744-0183-8, S. 117. Daraufhin suchte der norwegische König eine Entscheidung. Um die schottischen Kräfte zu zersplittern, sandte er Magnus von Man, Dugald Macruari, Rudri und andere Unterführer mit ihren Schiffen zum Loch Long. Von Arrochar transportierten sie ihre Schiffe über Land zum Loch Lomond, wo sie dann die Siedlungen am Ufer plünderten.Edward J. Cowan: Norwegian Sunset – Scottisch Dawn: Hakon IV and Alexander III. In: Norman H. Reid (Hrsg.): Scotland in the Reign of Alexander III 1249–1286. John Donald, Edinburgh 1990. ISBN 0-85976-218-1, S. 121. Ewen Macdougall wurde vom norwegischen König freigelassen.
Die Schlacht von Largs und der Rückzug der Norweger