Die Ziehenschule im Stadtteil Eschersheim von Frankfurt am Main ist mit rund 1340 Schülern eines der größten Gymnasien dieser Stadt. Sie wird vor allem von Schülern aus Eschersheim und den nordwestlichen Stadtteilen Frankfurts besucht. Die Schule wurde 1913 als Eschersheimer Realschule gegründet und 1926 nach dem Pädagogen Julius Ziehen (1864–1925) benannt.
Die Ziehenschule heute mini|links|In der alten Cafeteria, wo sich heute die Hausaufgabenbetreuung befindet mini|Vor dem Haupteingang Die Ziehenschule ist seit 2001 eine Europaschule in Trägerschaft der Stadt Frankfurt am Main und wurde im September 2001 als Mitglied in den Verein MINT-EC (Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen e. V.) aufgenommen, der Nachwuchs in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik fördert. Die Schule ist ein in der Regel fünfzügiges Gymnasium mit den Klassenstufen 5 bis 13. Das Kollegium umfasst ca. 80 Lehrer mit Voll- oder Teilzeitstellen sowie ca. 15 Referendare. Knapp 15 % der Schüler sind ausländischer Nationalität.
Bilingualer Zweig Die Ziehenschule hat seit 1974 ab Klassenstufe 7 einen in der Regel drei bis vierklassigen bilingualen Zweig. Ermöglicht wird dies, weil ab Klassenstufe 5 drei bis vier Klassen in Französisch als erster Fremdsprache unterrichtet werden. Ab Klassenstufe 7 bietet man weitere Sachfächer ebenfalls in Französisch an: jährlich wechselnd Politik und Wirtschaft, Erdkunde oder Geschichte. In der Regel entscheidet sich ca. einer von zwei Schülern der drei bis vier Klassen für den bilingualen Bildungsgang, wobei diese Entscheidung bis Klassenstufe 10 bindend ist. Aus den verbleibenden Schülern beider Klassen (die sich nicht für den bilingualen Unterricht angemeldet haben) werden 1–2 neue Lerngruppen gebildet, für die die Sachfächer parallel zum bilingualen Unterricht auf Deutsch unterrichtet werden. Jedoch auch für den Französischunterricht werden (je nachdem, ob man sich für den bilingualen Zweig entschieden hat, oder nicht) getrennte Lerngruppen gebildet. mini|Der Haupteingang verbindet „Anbau“ und „Altbau“ Für alle Schüler mit Französisch als erster Fremdsprache ist ab Klassenstufe 6 Englisch als zweite Fremdsprache verpflichtend, da in Hessen entweder die erste oder die zweite Fremdsprache Englisch sein muss.
Gegen Ende von Klassenstufe 10 können sich die bilingual unterrichteten Schüler wahlweise für eine Fortsetzung dieses Unterrichts in Klassenstufe 11 oder für einen Übergang in die nicht-bilinguale Lerngruppe entscheiden. Für die Klassenstufen 12 und 13 ist dann im Rahmen des Kursangebots erneut eine solche Wahlmöglichkeit gegeben. Die Schüler können schließlich, wenn sie bis zum Abschluss den bilingualen Zweig besuchen, zusätzlich zum deutschen Abitur und in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit diesem vor einer eigens aus Paris angereisten Regierungskommission des französischen Staates das französische Abitur (Baccalauréat) erwerben. Dies ermöglicht es den pro Abschlussjahrgang jeweils ca. 15 bis 20 Absolventen beider Prüfungen zum Beispiel, in Frankreich als „französische Inländer“ zu studieren. Wer mit Erfolg den bilingualen Zweig bis zum Abitur besucht, jedoch auf die Baccalauréat-Prüfung verzichtet, erhält immerhin einen schriftlichen Nachweis, der im Falle eines Studiums im Frankreich die dort normalerweise erforderliche Sprach-Eingangsprüfung ersetzt.
Im 2. Halbjahr der 8. Klasse, wird für alle Schüler, die sich für den bilingualen Zweig entschieden haben, ein Austausch mit einer französischen Schule organisiert. Zuerst reisen die Ziehenschüler nach Frankreich, wo diese bei ihren französischen Austauschpartnern für fünf Tage wohnen und mit ihnen die französische Schule besuchen. Etwas später geschieht das gleiche mit den französischen Austauschpartnern, die Frankfurt besuchen.
Darstellendes Spiel In den Klassenstufen 9 bis 13 kann man in der Ziehenschule – neben den allerorten üblichen musischen Fächern – auch Darstellendes Spiel wählen. Dieses Fach erfordert vor allem in Klassenstufe 12 ein über das übliche Maß weit hinausgehendes Engagement der Teilnehmer. Abschluss dieses Wahlpflichtunterrichts ist nämlich jeweils die mehrfache Aufführung eines gemeinsam entwickelten Theaterstücks mit hohen Ansprüchen an die Dramaturgie der Inszenierung und die schauspielerische Leistung. Im Jahr 2005 fanden die Aufführungen (Ein Sommernachtstraum) erstmals als Open-Air-Veranstaltung im Schulpark der Ziehenschule statt. Neuerdings ist es sogar möglich, Darstellendes Spiel als Prüfungsfach im Abitur zu wählen.
Ferner gibt es an der Schule seit 1998 eine Theater-AG, seit 2003 „English Drama Group“ genannt, die – in englischer Sprache – ebenfalls Theaterstücke erarbeitet. Diese Arbeitsgemeinschaft ist zugänglich für Schüler der Klassen 8 bis 13 und stellt die Inszenierung jährlich gegen Ende des Schuljahres an drei Tagen in der Aula, für alle Besucher öffentlich, vor. Seit mehreren Jahren nimmt die „English Drama Group“ an den Frankfurter Schultheatertagen teil und führt in dessen Verlauf ihr aktuelles Stück ein viertes Mal im Künstlerhaus Mousonturm auf.
Mentoren Um den Übergang von Klasse 4 der Grundschule ins Gymnasium zu erleichtern, wird jeder 5. Klasse eine zusätzliche „Starthilfe“ durch zwei Mentoren gegeben. Die Ziehenschule war 1982 das erste Frankfurter Gymnasium, das Mentoren einführte.Jahresbericht 1990/91, S. 32 Als Mentoren stellen sich Schüler der 10. oder 11. Klassenstufe als zusätzliche Ansprechpartner neben den Klassenlehrern zur Verfügung. Ihre Aufgaben sind nicht fest umrissen, es bleibt ihrer Phantasie und Initiative überlassen, wie sie ihre Tätigkeit gestalten; Mentoren können beispielsweise klassenübergreifende Feste organisieren. Zwecks Erfahrungsaustausch finden gelegentlich Mentoren-Treffen statt. Mentoren begleiten die Klassen unter anderem während der ersten gymnasialen Schulwoche beim Erkunden der Schulgebäude und bei Ausflügen, später auch bei Klassenfahrten und sind bis zum Ende der 6. Klassenstufe auch Ansprechpartner bei schulischen Konflikten. Bei Bedarf können sich die Mentoren vom eigenen Fachunterricht befreien lassen.
Schülerbücherei mini|links|In der Schülerbücherei vor dem Brand 2021 Seit Dezember 1986 betreiben Eltern ehrenamtlich eine Schülerbücherei im Erdgeschoss des „Anbaus“. Grundstock waren etwa 1.100 Bücher aus den diversen Fachbüchereien der Schule, hinzu kam allein in den ersten vier Jahren Literatur für 30.000 Deutsche Mark (umgerechnet ca. 15.338,76 EUR) aus städtischen Mitteln. Auch die Katalogisierung des Buchbestands nahmen anfangs allein die Eltern vor, seit 1989 übernimmt dies die Schulbibliothekarische Arbeitsstelle der Frankfurter Stadtbücherei.
Die Schulbücherei wird von ca. 15 Personen besetzt, die alle ehrenamtlich arbeiten. Sie ist an allen Schultagen ab 8:00 Uhr geöffnet, wobei sie Montag–Mittwoch um 15:00 und Donnerstag–Freitag um 13:10 schließt. Sie dient vor allem jüngeren Schülern auch als Arbeitsplatz für das Anfertigen von Hausaufgaben und verfügt über 8 internetfähige Computer.
Medienausstattung Die Schule hat zwei Computerräume. Die Klassenzimmer im Neubau sind mit Smartboards ausgerüstet. Im Altbau haben die Klassenzimmer Beamer.Ziehenschule – Informationen auf einen Blick, Stand Dezember 2019. Abgerufen am 1. November 2020
Ziehen-Hausaufgabenhilfe e. V. Im Jahr 2000 wurde aufgrund einer Initiative von Mitgliedern des Schulelternbeirats ein Verein gegründet, der seitdem in den Räumen der Schule eine „Lernwerkstatt“ für ca. 50 Schüler der Klassenstufen 5 bis 7 betreibt. In ruhiger Umgebung können die Hausaufgaben erledigt und häufig auch Verständnisprobleme im Zusammenhang mit dem Lernstoff beseitigt werden.
Verein der Freunde und Förderer Der Verein wurde im Jahr 1923 gegründet, inmitten der Hyperinflation und als Abhilfe gegen den durch sie hervorgerufenen Mangel an Unterrichtsmaterial. Seitdem wirbt er in der Elternschaft um Geldspenden, „damit den Schülern ein zeitgemäßer Unterricht geboten werden kann.“Jahresbericht 1991/92, S. 237 In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg stand zunächst die Bereitstellung von Mobiliar, Schulbüchern und der naturwissenschaftlichen Sammlung im Vordergrund der Beschaffungsmaßnahmen. Später wurden von den Spendengeldern unter anderem Musikinstrumente, Notensätze für Chor und Orchester sowie Computer erworben. Ferner vergibt der Verein Beihilfen, falls Schüler andernfalls auf die Teilnahme an Klassenfahrten verzichten müssten.
Wettbewerbe und Erfolge Die Ziehenschule bietet jährlich zahlreiche Wettbewerbe an. Darunter auch den Heureka WettbewerbHeureka Wettbewerb zum Thema „Weltenkunde“. 2023 waren dabei vier Schüler der Ziehenschule besonders erfolgreich: Joaquim Rodríguez Arranhado: 1. Platz der Bundesrepublik Deutschland mit 180 von 180 Punkten Jens Jakob: 2. Platz von Hessen der Klassenstufe 7 mit 155 von 180 Punkten Yusuf Skran: 3. Platz von Hessen der Klassenstufe 8 mit 159 von 180 Punkten Luis Loff: 3. Platz von Hessen der Klassenstufe 7 mit 152 von 180 Punkten
Außerdem bietet die Ziehenschule noch zahlreiche andere Wettbewerbe an:
Mathematik: Bolyai Teamwettbewerb Pangea-Wettbewerb Problem des MonatsProblem des Monats Känguru-Wettbewerb Mathematik-Olympiade Wettbewerb der E-Phase Mathematik ohne Grenzen Bundeswettbewerb Mathematik Tag der Mathematik Mathematikwettbewerb des Landes HessenMathematikwettbewerb des Landes Hessen *)
Biologie: Jugend forscht / Schüler experimentieren Biologie-Olympiade
Chemie: Jugend forscht / Schüler experimentieren Chemie Olympiade Dechemax - Wettbewerb Wettbewerb „Chemie – die stimmt!“ Wettbewerb „Chemie – macht mit!“
Physik Jugend forscht / Schüler experimentieren Physik Olympiade MINT Messe
Informatik Jugend forscht / Schüler experimentieren MINT Messe Informatik-Biber
*) Die erste Runde des Mathematikwettbewerbs des Landes Hessen muss in allen hessischen weiterführenden Schulen verpflichtend geschrieben werden. Das Ergebnis zählt als Klassenarbeit und fließt somit in den schriftlichen Teil der Mathematiknote ein.
Einbruch, Brandstiftung und Vandalismus, März 2021 In der Nacht vom 22. auf den 23. März 2021 wurde in die Ziehenschule eingebrochen und ein Brand gelegt. Außerdem kam es zu Vandalismus. Das führte u. a. dazu, dass das Erdgeschoss des Anbaus für ca. ein Jahr nicht zugänglich war, weshalb mehrere Klassen der Unter- und Mittelstufe in das umliegende Gemeindehaus der Franziskus-Gemeinde verlegt werden mussten. Zudem mussten zahlreiche Schüler der Oberstufe und deren Lehrer während der Pausen zu einer Außenstelle in der Fritz-Tarnow-Straße fahren, um dort Unterricht abzuhalten. Zu Beginn des 2. Halbjahrs Anfang Februar 2022, ca. ein Jahr nach dem Einbruch, wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen, sodass der Unterricht wieder regulär im Anbau stattfinden konnte.
Weitere Besonderheiten mini|Kein gewöhnlicher „Pausenhof“: der Schulpark … mini|… und sein Wäldchen. Obwohl die Schule in Frankfurt am Main vor allem für ihr sprachliches und musikalisches Engagement (zwei Klassik-Orchester, eine Big Band, eine Brassband und mehrere Chöre) bekannt ist, bietet sie auch naturwissenschaftlich Interessierten einige Besonderheiten, unter anderem im Wahlpflichtunterricht der Mittelstufe einen Chemie-Kurs in den Räumen des Fachbereichs Chemie der Frankfurter Universität, eine Astronomie-AG und eine Gartenbau-AG.
Ihr Mittagessen können die Schüler in der 2011 eröffneten Mensa im Neubau einnehmen. Ein warmes Mittagessen wird Schülern für 3,00 € angeboten.
Aufgrund ihrer großen Schülerzahl kann als zweite Fremdsprache für die Englischklassen auch Spanisch angeboten werden und als dritte Fremdsprache unter anderem Latein. Auch in der Oberstufe kann, anders als bei vielen kleineren Schulen, die volle Breite der Unterrichtsfächer nicht nur angeboten, sondern dank ausreichender Teilnehmerzahl auch unterrichtet werden.