mini|200px|Flagge von Barbados mini|200px|Lage von Barbados in der Region. Die Geschichte von Barbados umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des Staates Barbados von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart.
1627 wurde es britische Kolonie mit einem Gouverneur von Barbados. In der Zeit von 1833 bis 1885 war Barbados Teil der Kolonie der British Windward Islands, wobei der Gouverneur von Barbados zugleich auch Gouverneur der Windward Islands war. 1885 wurde die Jurisdiktion von Barbados über die Windward Islands beendet und ein separater Governor of the Windward Islands wurde in Grenada eingesetzt. Im 20. Jahrhundert war Barbados zwischen dem 3. Januar 1958 und dem 31. Mai 1962 Teil der Föderation der Westindischen Inseln mit den britischen Kolonien im Karibikraum als Provinzen der Föderation. Nach dem Auseinanderbrechen der Föderation 1962 gingen die einzelnen Provinzen eigene Wege, einige wurden schließlich unabhängig, andere sind weiterhin Commonwealth Realms.
Am 30. November 1966 erhielt Barbados als Teil des Commonwealth of Nations die Unabhängigkeit mit einem Generalgouverneur, der den britischen Monarchen als Staatsoberhaupt vertrat, und einem Premierminister als Chef der Regierung, nachdem zuvor bereits seit 1954 Premiers im Rahmen der Teilautonomie bestimmte Regierungsgeschäfte vornahmen.
Genau 55 Jahre nach der Unabhängigkeit wurde Barbados am 30. November 2021 zur Republik und die bisherige Generalgouverneurin Dame Sandra Mason erste Präsidentin der Republik Barbados.
Geschichte von Barbados Vorgeschichte mini|Verbreitungsgebiet der Arawak sowie die Gebiete, in denen sie früher gleichfalls lebten mini|links|Das indigene Volk der Arawaks lebte vermutlich von etwa 500 vor Christi Geburt an auf Barbados, Darstellung von 1818 (J.G. Stedman: Reize naar Surinamen, Joh. Allart, Amsterdam 1799–1800) Bis 1989 glaubte man noch, die Insel wäre zuerst von Europäern besiedelt worden.Nicholas P. Dunning, John G. Jones, Deborah M. Pearsall, Peter E. Siegel: Barbados, in: Peter E. Siegel (Hrsg.): Island Historical Ecology. Socionatural Landscapes of the Eastern and Southern Caribbean, Berghahn, New York / Oxford 2018, S. 182–202, hier: S. 189. Archäologisch nachweisen ließ sich die Anwesenheit von Menschen lange erst ab etwa 1600 v. Chr. Diese frühen Bewohner dürften mit Kanus aus dem Norden Südamerikas gekommen sein, möglicherweise über Trinidad. Ihre Kultur wird heute Saladoid-Tradition genannt, im Deutschen auch Saladoidkultur. An tierischer Nahrung konsumierten die Bewohner Reisratten, Hunde, nicht näher identifizierbare Schlangen und Tauben. Dieses geringe Nahrungsangebot dürfte die Ursache dafür sein, dass sich die meisten Bewohner an der Küste ansiedelten. Die bisher ältesten Nachweise menschlicher Besiedlung reichen jedoch bis etwa 2000 v. Chr. zurück (Fundstelle Heywoods).Peter L. Drewett, Mary Hill Harris, Lee Newsom, Elizabeth S. Wing: Excavations at Heywoods, Barbados, and the economic Basis of the Suazoid Period in the Lesser Antilles. In: Proceedings of the Prehistoric Society, 59 (2014), 113–137. Eine Erklärung für die vergleichsweise späte Besiedlung dürfte die Entfernung von den Nachbarinseln sein, eine andere die relative Armut der Flora und Fauna im Verhältnis zu den Bedürfnissen potentieller Siedler. Darüber hinaus war das Klima phasenweise sehr trocken, wie etwa zwischen 200 v. Chr. und 400 n. Chr., dann wieder von 800 bis 1000 und von 1300 bis 1600.Nicholas P. Dunning, John G. Jones, Deborah M. Pearsall, Peter E. Siegel: Barbados, in: Peter E. Siegel (Hrsg.): Island Historical Ecology. Socionatural Landscapes of the Eastern and Southern Caribbean, Berghahn, New York / Oxford 2018, S. 182–202, hier: S. 185. Dennoch kam es lange vor der europäischen Entdeckung zur Besiedlung, heute sind etwa 60 vor-europäische Fundstätten bekannt. Die Fundplätze befinden sich fast ausnahmslos an der Küste.
Zwischen etwa 350 und 650 n. Chr. holzten die Siedler den Urwald zu erheblichen Teilen ab und legten Gärten an. Eine Abfolge von Verzierungsstilen der Keramik, die sich aus der Saladoid-Tradition entwickelten, lässt sich bis etwa 1100 belegen. Der Oberbegriff für diese Keramikstile, die sich auch auf den übrigen Inseln der Karibik findet, lautet Troumassoid. Das anschließende Suazoid setzte die älteren Traditionen fort und reichte bis in die Zeit kurz vor der Ankunft der Europäer.
Wichtigster Fundplatz ist Chancery Lane, wo sich eine tausendjährige Siedlungskontinuität nachweisen ließ.Nicholas J. Saunders: The Peoples of the Caribbean. An Encyclopedia of Archaeology and Traditional Culture, ABC-CLIO, Santa Barbara 2005, S. 62 f. Von ähnlicher Dauerhaftigkeit war die Siedlung bei Heywoods, allerdings lag hier der Schwerpunkt auf der späteren vor-europäischen Epoche. Dort fanden sich Überreste eines mit Korallenschmuck versehenen Hauses. Silversands und Hill Crest datieren auf die Zeit um 1000.Nicholas J. Saunders: The Peoples of the Caribbean. An Encyclopedia of Archaeology and Traditional Culture, ABC-CLIO, Santa Barbara 2005, S. 25–27.
Von etwa 500 bis 1500 lebten wahrscheinlich Arawak und Kariben auf der Insel, die sie Ichirouganaim nannten. Historische Überlieferungen deuten darauf hin, dass sie Hunderte von Jahren in Frieden auf Barbados lebten und den Fischreichtum in den umliegenden Korallenriffen und den fruchtbaren Boden nutzten, wo sie Pflanzen wie Maniok anbauten, ein Grundnahrungsmittel vieler Bajan, wie sich die Bewohner selbst nennen. Um 1250 kam es möglicherweise zu einer „Kariben“-Invasion, als ein anderer indianischer Stamm, die „Kariben“, in die Siedlungen der Arawaks einfiel. Die Kariben waren ein Stamm mit überlegenen Kampftechniken. Sie töteten viele der Arawak oder vertrieben sie auf Nachbarinseln. In jedem Falle ging die Bevölkerung nach 1100 stark zurück, lange wurde angenommen, sie sei gänzlich verschwunden. Einige Quellen wiesen auf eine verlassene Insel hin. Andere Quellen verweisen auf die Versklavung von ursprünglichen Bewohnern der Insel.
Gescheiterte spanische Kolonisierung und Entvölkerung Der erste Kontakt mit Europäern dürfte im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert stattgefunden haben, als Spanier Barbados besuchten. Im Jahr 1492 sollen sie Barbados offiziell entdeckt haben, da der Bevölkerungsrückgang der Indianer die Insel „unbewohnt“ gemacht hatte. Auch die Portugiesen erreichten Barbados, während sie nach Brasilien weitersegelten. Sie unternahmen jedoch keine Anstrengungen, mit den Kariben zu kämpfen, also auch keine Bemühungen, die Insel zu kolonisieren. Zu dieser Zeit erhielt die Insel den Namen „Barbados“. Der portugiesische Entdecker Pedro Campos kam 1536 auf die Insel und nannte sie Barbados („Bärtige“), entweder wegen der bärtigen Feigenbäume oder der bärtigen Männer auf der Insel.
Es wird angenommen, dass die Ureinwohner, die der Versklavung entgingen, in andere Teile der Region flohen. Trotz der geschickten Kriegsführung der Kariben vernichteten die Spanier diese lokale Bevölkerung; entweder durch die Gefangennahme der Kariben und deren Deportation als Sklaven nach Spanien oder in dessen Kolonien, durch die Flucht der Kariben auf nahegelegene Inseln oder durch den Tod der Kariben durch ihnen unbekannte europäische Krankheiten.
Obwohl die Spanier die Kontrolle über die Insel übernahmen, verließen sie Barbados bald, um größere Karibikinseln zu übernehmen, wodurch Barbados erneut unbewohnt blieb. Bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts hatten europäische Entdecker – vor allem aufgrund der geringen Größe, der Abgeschiedenheit und der Entvölkerung der Insel – ihre Ansprüche auf die Insel praktisch aufgegeben, und Barbados blieb ohne Bevölkerung.
Britische Kolonie Gründung erster Siedlungen, House of Assembly 1639 und der landwirtschaftlichen Produktion mini|200px|Sir George Ayscue eroberte während des englischen Bürgerkrieges 1651 Barbados und die anderen noch unter Kontrolle der Royalisten stehenden Karibikinseln. Am 4. Mai 1625 landete Kapitän John Powell ein englisches Schiff an den verlassenen Küsten von Barbados. Diese Landung soll ein Navigationsfehler gewesen sein, als die Besatzung vom Kurs von Brasilien nach England abkam und auf Barbados landete. Dennoch beanspruchte Powell die Insel im Namen von König Jakob I. von England. Diese englische Expedition beurteilte dabei das Potenzial der Insel.
Die ersten britischen Siedler kamen am 17. Februar 1627 auf Barbados an, mitgebracht auf dem Schiff William and John unter dem Befehl von Kapitän Henry Powell, einem Bruder von John Powell. Sie bestand aus 80 englischen Siedlern und zehn entführten irischen und englischen Arbeitern. Die Engländer begannen mit der Besiedlung der von den Spaniern entvölkerten Insel.Der Große Ploetz, S. 710. Sie nannten die Siedlung „Jamestown“, das heutige Holetown. Die Siedler warben ca. 30 Arawaks in der niederländischen Kolonie Essequibo in Guiana an, um sie im Anbau von Tropenfrüchten zu unterweisen. Ihnen war eigenes Land versprochen worden. Bald nach ihrer Ankunft wurden sie jedoch versklavt.Jerome S. Handler: The Amerindian Slave Population of Barbados in the Seventeenth and Early Eighteenth Centuries. In: Caribbean Studies, 8/4, 1969, S. 38. Das genaue Datum ist unbekannt.Jerome S. Handler: The Amerindian Slave Population of Barbados in the Seventeenth and Early Eighteenth Centuries. In: Caribbean Studies 8/4, 1969, S. 43 f.
Im Laufe des nächsten Jahrzehnts wurde Barbados unter den wohlhabenden englischen Adligen aufgeteilt, die über die finanziellen Mittel und Verbindungen verfügten, um das Land zu verwalten und zu entwickeln. Obwohl die Portugiesen und Spanier Barbados schon früher besucht hatten, war England die erste europäische Nation, die eine dauerhafte Siedlung auf der Insel errichtete und als „erste Siedler“ bekannt wurde.
Die frühe Zeit der englischen Besiedlung war von der Unsicherheit geprägt, die sich aus der seltenen Versorgung mit Lieferungen aus England und der Schwierigkeit ergab, eine profitable Exporternte aufzubauen. Dies wurde durch erbitterte Auseinandersetzungen über die Ansprüche rivalisierender Grundherren und über die Frage der Loyalität gegenüber der britischen Krone oder dem Parlament während der Verfassungskonflikte der 1640er Jahre, die zu den englischen Bürgerkriegen führten, erschwert. Wie in den früheren Fällen von Bermuda und Virginia wurde 1639 unter Gouverneur Henry Hawley auf Barbados eine Versammlung (Barbados House of Assembly) bestehend aus Eigentümern von mindestens 10 Acres (4 Hektar) freiem Land gegründet. Jährlich fanden Wahlen statt, so dass es historisch gesehen auch die dritte parlamentarische Demokratie weltweit war. Es gab auch einen Rat und einen Gouverneur, die zunächst vom Gutsbesitzer und nach den 1660er Jahren vom König ernannt wurden. Die Bevölkerungszahl wuchs auf 40.000 an. Doch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts verdrängten großangelegte Plantagen die zahlreichen Kleinbauern. Diejenigen, die auf der Insel blieben, obwohl sie verarmt waren und auf schlechtem Land lebten, wurden als Poor Whites bezeichnet.Nicholas J. Saunders: The Peoples of the Caribbean. An Encyclopedia of Archaeology and Traditional Culture, ABC-CLIO, Santa Barbara 2005, S. 25–27, hier: S. 26.
Zuckerrevolution und Sklaverei (ab etwa 1640) mini|200px|Logo der Royal African Company, ein britisches Versklavungsunternehmen, das immer mehr afrikanische Männer, Frauen und Kinder zur Arbeit nach Barbados brachte.