McKamey Manor ist die Bezeichnung eines von Russ McKamey gegründeten Veranstaltungsformats, das zunächst als Haunted-House- und später als besonders extreme „Survival Horror“- beziehungsweise „Extreme-Haunt“-Erfahrung vermarktet wurde. Es entstand in San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien und wurde später nach Summertown im US-Bundesstaat Tennessee verlagert.
Die Bezeichnung als gewöhnliche Horrorattraktion ist umstritten. Im Gegensatz zu klassischen und auch zu den meisten sogenannten Extreme Haunts, bei denen eine intensive Inszenierung mit Sicherheitsregeln und der Möglichkeit zum Abbruch verbunden ist, wurde McKamey Manor insbesondere wegen realer körperlicher Belastungen, Verletzungsrisiken und des Umgangs mit dem Widerruf der Einwilligung kritisiert. Der Film- und Medienwissenschaftler Eliot Bessette ordnete McKamey Manor 2020 ausdrücklich als Ausnahme innerhalb der Extreme-Haunt-Szene ein: Während informierte Einwilligung und die Möglichkeit, eine Erfahrung mittels Safeword abzubrechen, für solche Veranstaltungen grundlegende Prinzipien seien, habe McKamey Manor gerade durch den Verzicht auf diese Rückzugsmöglichkeit Bekanntheit erlangt. Bessette beschrieb die daraus entstehende Situation als rechtlich unklar und McKamey Manor als Außenseiter innerhalb der Branche.
Eine zentrale Kontroverse betrifft deshalb das Verhältnis zwischen der vorab erklärten freiwilligen Teilnahme und umfangreichen Verzichtserklärungen einerseits sowie dem späteren Widerruf der Zustimmung andererseits. Ehemalige Teilnehmer berichteten, dass Aufforderungen zum Abbruch nicht oder nicht sofort beachtet worden seien; Russ McKamey bestritt dagegen, Teilnehmer rechtswidrig zu foltern oder andere illegale Handlungen vorzunehmen. Der Bezirksstaatsanwalt von Lawrence County, Brent Cooper, erklärte 2018, die freiwillige Teilnahme sei für die damalige rechtliche Einordnung wesentlich, zugleich könne eine erteilte Zustimmung nach dem Recht Tennessees widerrufen werden.
2023 leitete das Büro des Attorney General von Tennessee eine Untersuchung der Geschäftspraktiken von McKamey Manor ein. Zu den ausdrücklich genannten Fragen gehörten Berichte über nicht respektierten Widerruf der Einwilligung, der fehlende vorherige Zugang zur Verzichtserklärung sowie die tatsächliche Gewinnbarkeit eines beworbenen Preisgeldes von 20.000 US-Dollar.
Entwicklung des Formats
Ursprüngliche Haunted-House-Version in San Diego McKamey Manor begann in San Diego als privat betriebene Halloween- beziehungsweise Haunted-House-Veranstaltung. The Guardian beschrieb die frühen Fassungen als zunächst konventionellere Nachbarschaftsattraktion mit Requisiten, Kunstblut und Schauspielern. Spätestens ab den frühen 2010er-Jahren entwickelte sich das Format jedoch zu einer wesentlich körperlicheren und psychisch belastenderen Erfahrung.
Eine Reportage des Guardian aus dem Jahr 2015 dokumentierte unter anderem Fesselungen, Maskierungen, intensive körperliche Belastungen und Situationen mit Wasser. Zu dieser Zeit existierte nach Darstellung der Reporter kein Safeword, mit dem Teilnehmer die Erfahrung eigenständig und unmittelbar beenden konnten. McKamey erklärte gegenüber der Zeitung zugleich, ein erheblicher Teil der Wirkung beruhe auf Inszenierung, psychologischem Druck und der Erwartungshaltung der Teilnehmer.
Spätere Berichte ehemaliger Beteiligter beschrieben deutlich schwerwiegendere Vorgänge. The Guardian berichtete 2024 rückblickend über Teilnehmer, die unter anderem Waterboarding, Einsperren, beinahe vollständiges Eingraben, körperliche Verletzungen und psychische Zusammenbrüche schilderten. Eine ehemalige Helferin berichtete der Zeitung, Teilnehmer seien teilweise erst bei schweren psychischen Reaktionen aus dem Ablauf genommen worden.
Der Eintritt war nach damaligen Berichten kostenfrei; Teilnehmer wurden gebeten, Hundefutter mitzubringen.
Verlagerung nach Tennessee und Alabama-Ankündigung 2017 verlagerte McKamey seine Aktivitäten nach Summertown in Tennessee. Im selben Jahr wurde außerdem ein Standort beziehungsweise weiterer Teil im Raum Huntsville, Alabama, angekündigt.
Der angekündigte Abschnitt im Raum Huntsville wurde in den herangezogenen zeitgenössischen Berichten nicht als von Teilnehmern erreichter Teil dokumentiert. Megan Seling berichtete 2018 in der Nashville Scene, dass bis dahin kein Teilnehmer diesen Abschnitt erreicht hatte. Auch McKamey erklärte 2019 gegenüber der Washington Post, Teilnehmer würden Huntsville nur erreichen, wenn sie lange genug durchhielten; bis dahin sei dies niemandem gelungen.
Für die Tennessee-Version wurden ein Auswahlverfahren, gesundheitliche Voraussetzungen, Drogentests und umfangreiche Verzichtserklärungen beschrieben.
McKamey bewarb zeitweise ein Preisgeld von 20.000 US-Dollar für den erfolgreichen Abschluss. Seling stellte bereits 2018 die praktische Erreichbarkeit des Preisgeldes in Frage, da McKamey selbst darüber entschied, wann eine Teilnahme beendet wurde. Spätere Medienberichte wiederholten die Behauptung eines Preisgeldes, ohne einen erfolgreichen Gewinner nachweisen zu können. Die Frage, ob das Preisgeld tatsächlich vorhanden und unter den festgelegten Bedingungen überhaupt gewinnbar war, wurde 2023 ausdrücklich Bestandteil der Untersuchung des Attorney General von Tennessee.
Einwilligung, Verzichtserklärungen und Misshandlungsvorwürfe
Bedeutung der Einwilligung Im Zentrum der Kontroverse steht die Frage, welche Reichweite eine vorab erklärte Einwilligung besitzt, wenn ein Teilnehmer während des Ablaufs nicht mehr fortfahren will.
Die Forschung zu Extreme Immersive Horror beschreibt freiwillige Teilnahme, vorherige Information und insbesondere die Möglichkeit, die Einwilligung während des Ablaufs zu widerrufen, als wesentliche Sicherheitsmerkmale. Susan Weidmann schrieb 2026 im Journal of American Culture, dass solche Erfahrungen trotz ihrer körperlichen Intensität grundsätzlich in einem kontrollierten Umfeld stattfinden, in dem die Zustimmung jederzeit zurückgenommen werden kann; McKamey Manor hob sie ausdrücklich als Abweichung hervor, weil dort zeitweise gerade keine entsprechende Sicherheitsphrase vorgesehen gewesen sei.
Eliot Bessette kam bereits 2020 in seiner Dissertation über Horrorfilm und Haunted Attractions zu einer ähnlichen Einordnung. Er beschrieb informierte Einwilligung und die Möglichkeit des Abbruchs als grundlegende Normen von Extreme Haunts und bezeichnete McKamey Manor als Ausnahme, die für die Verweigerung eines Safewords bekannt geworden sei. Nach Bessettes Analyse entstand dadurch die paradoxe Situation, dass Teilnehmer vor Beginn einer Erfahrung faktisch dem späteren Verzicht auf eine Möglichkeit zum Widerruf zustimmen sollten.
Auch Vertreter der Haunted-Attraction-Branche distanzierten sich öffentlich von einer Einordnung McKamey Manors als normales Haunted House. 2019 erklärte der damalige Präsident der Haunted Attraction Association, Brett Molitor, gegenüber Coaster Nation, professionelle Haunted Attractions müssten sowohl erschrecken als auch eine sichere Umgebung gewährleisten. Der frühere Verbandspräsident Brett Hays bezeichnete McKamey Manor als Gegenmodell zu diesen Standards und erklärte, die Veranstaltung sei nicht mit einem gewöhnlichen Haunted House gleichzusetzen.
Berichte über nicht respektierten Abbruch Mehrere ehemalige Teilnehmer berichteten, während des Ablaufs ausdrücklich aufhören zu wollen, ohne dass die Aktivitäten unmittelbar beendet worden seien. The Guardian schilderte 2024 etwa den Bericht des früheren Teilnehmers Kris Smith, der nach eigener Darstellung während einer Situation in einem Metallbehälter mehrfach signalisierte und sagte, dass er aufhören wolle, woraufhin die Handlung nicht sofort beendet worden sei.
Auch der bestehende öffentliche Diskurs um McKamey Manor war schon Jahre zuvor von dieser Frage geprägt. Die Nashville Scene berichtete 2018 über Beschwerden und Polizeieinsätze in Lawrence County. Bezirksstaatsanwalt Brent Cooper erklärte, dass die Freiwilligkeit der Teilnahme für die Legalität der Veranstaltung von Bedeutung sei, Teilnehmer ihre Zustimmung nach dem Recht Tennessees jedoch widerrufen könnten.
2019 berichtete die Washington Post über eine Petition, in der McKamey Manor als Folterkammer bezeichnet und eine Schließung gefordert wurde. McKamey wies gegenüber der Zeitung zurück, dass tatsächliche Folter oder illegale Handlungen Bestandteil seiner Veranstaltung seien, und erklärte, viele besonders extreme Eindrücke entstünden durch psychologische Techniken und Inszenierung. Diese Aussagen McKameys stehen neben Teilnehmerberichten und veröffentlichtem Videomaterial, die reale körperliche Belastungen und Verletzungen beschreiben.
Verzichtserklärung Die Verzichtserklärung wurde zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Selbstdarstellung und der späteren Kritik. Verschiedene Fassungen wurden in Medien mit einem Umfang von etwa 20 bis 40 Seiten beschrieben und enthielten Hinweise auf zahlreiche mögliche körperliche und psychische Belastungen.
The Guardian berichtete 2024 unter Bezug auf eine Fassung von bis zu 40 Seiten, dass darin unter anderem Ertrinken, Elektroschocks, giftige Tiere, Schlagen, Stoßen, Fesselung, Knochenbrüche und Bewusstlosigkeit als Risiken genannt wurden. Die Zeitung ließ zugleich einen Anwalt aus Tennessee zu Wort kommen, der die rechtliche Wirksamkeit einzelner Bestandteile der Erklärung in Frage stellte.
Die rechtliche Reichweite der Verzichtserklärung blieb damit umstritten. Bezirksstaatsanwalt Brent Cooper verwies 2018 darauf, dass eine erteilte Zustimmung widerrufen werden könne; 2023 nahm das Büro des Attorney General von Tennessee sowohl den Zugang zur Verzichtserklärung als auch Berichte über Schwierigkeiten beim Abbruch ausdrücklich zum Gegenstand seiner Untersuchung.
Behördliche Untersuchungen
Untersuchung des Attorney General von Tennessee Am 31. Oktober 2023 übersandte das Büro des Attorney General von Tennessee McKamey ein Schreiben, in dem eine Untersuchung seiner Geschäftspraktiken angekündigt wurde. Nach Berichten von WSMV gehörten zu den Bedenken insbesondere Behauptungen, eine laufende Tour könne nicht zuverlässig beendet werden, die umfangreiche Verzichtserklärung könne vor dem Veranstaltungstag nicht eingesehen werden und für das beworbene Preisgeld fehle ein Nachweis.
Am 15. November 2023 folgte ein formelles Request for Information nach dem Tennessee Consumer Protection Act. Aus einer späteren Entscheidung des United States District Court for the Middle District of Tennessee geht hervor, dass die Behörde unter anderem Informationen zum Auswahlverfahren, zum typischen Ablauf, zur Verzichtserklärung, zu Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen sowie zum Preisgeld verlangte. Gefragt wurde ausdrücklich, wann Teilnehmer die Verzichtserklärung erstmals erhielten, ob diese vorher zugänglich war, ob die Mittel für das Preisgeld vorhanden waren, ob jemals jemand gewonnen hatte und ob ein Gewinn überhaupt möglich war.
Die Untersuchung prüfte mögliche Verstöße; sie stellte selbst keine gerichtliche Feststellung dar, dass die gegen McKamey erhobenen Misshandlungs- oder Foltervorwürfe strafrechtlich erwiesen seien.
McKamey erhob 2024 vor einem Bundesgericht Klage gegen den Attorney General von Tennessee und weitere staatliche Amtsträger und machte unter anderem Verletzungen seiner Verfassungsrechte durch die Ermittlungsmaßnahmen geltend. Das Gericht gab am 22. August 2024 dem Antrag der Beklagten auf Abweisung der Klage statt. Gegenstand dieser Entscheidung war McKameys Angriff auf die staatlichen Ermittlungsmaßnahmen, nicht eine strafrechtliche Entscheidung über die in Medien und Dokumentationen erhobenen Misshandlungsvorwürfe.
Brandschutz- und Gebäudeverfahren