Die COVID-19-Pandemie in Italien war ein Teilgeschehen der weltweiten COVID-19-Pandemie. Die COVID-19-Krankheit wird von dem Ende 2019 neu aufgetretenen SARS-CoV-2-Virus verursacht. Die Pandemie hat sich 2020 von China ausgehend weltweit ausgebreitet.Lungenärzte im Netz: . Online unter www.lungenaerzte-im-netz.de. Abgerufen am 14. April 2020. Italien war eines der Länder in Europa, die sehr früh und besonders stark von der Pandemie betroffen waren. Der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens lag im März und April 2020 in Norditalien.
Das Gesundheitssystem in vielen norditalienischen Provinzen war so überlastet, dass viele Patienten nicht oder nicht angemessen behandelt werden konnten und Klinikärzte genötigt waren, eine Triage vorzunehmen.Dramatische Entscheidungen in Corona-Krise: Ärzte zu Triage gezwungen – was bedeutet das?Der Moment, wenn Corona-Ärzte über den Tod entscheidenWenn zwischen Sterben und Leben entschieden wird Vielerorts fehlten Schutzmasken; unter anderem deshalb haben sich viele Angehörige des medizinischen Personals mit dem Virus infiziert. Am 19. März 2020 zählte Italien 3405 COVID-19-Todesfälle und damit erstmals mehr Opfer als China. Die italienische Regierung riegelte zunächst die Epizentren ab; seit dem 8. März wurden in rascher Folge Maßnahmen beschlossen, die viele wirtschaftliche Aktivitäten unterbanden und die Bewegungsfreiheit der Bürger einschränkten; öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt, Kirchen und Museen geschlossen, der Karneval in Venedig wurde abgebrochen. Ab der zweiten Märzwoche mussten viele Geschäfte und wenig später auch Produktionsbetriebe schließen; für die Allgemeinheit galten massive Ausgangsbeschränkungen, die jedoch in der ersten Maiwoche gelockert wurden.
Anfang Oktober 2020 begann eine zweite COVID-19-Welle. Immer mehr Zonen wurden vollständig abgeriegelt.FAZ.net vom 12. November 2020, Matthias Rüb: Italien droht ein zweites Bergamo Nach einer leichten Entspannung wurde Italien im März 2021 von einer dritten COVID-19-Welle getroffen; die ansteckendere Alpha-Variante setzte sich durch (siehe unten). Mit steigender Impfquote und dem Ende der kalten Jahreszeit sank die Zahl der Neuinfektionen stark.
Stand Ende August 2021 gab es in Italien seit Beginn der Pandemie rund 4,5 Millionen registrierte SARS-CoV-2-Fälle.
Die Impfquote gegen COVID ist seit dem Sommer 2021 deutlich höher als in den deutschsprachigen Ländern. Dazu haben auch Auflagen für Ungeimpfte beigetragen. Das Personal im Gesundheits- und Bildungswesen hat eine Impfpflicht gegen Corona. Diese wurde (Stand 24. November 2021) ausgeweitet auf das Verwaltungspersonal im Gesundheitswesen sowie des Schulsektors, auf das Militär, Polizeikräfte und Rettungsdienste. Alle Mitarbeiter in Gesundheitsberufen müssen sich ab Mitte Dezember 2021 ein drittes Mal impfen lassen (Auffrischungsimpfung).Christian Schubert: Italien führt den „super grünen Pass“ ein (faz.net)
Zum 1. Mai 2022 hob die Regierung Draghi die meisten COVID-Beschränkungen auf.www.auswaertiges-amt.de Die nach den Parlamentswahlen am 25. September 2022 ins Amt gekommene Regierung Meloni erklärte Ende Oktober 2022 die COVID-19-Pandemie in Italien faktisch für beendet.Matthias Rüb (FAZ): Italien erklärt Pandemie faktisch für beendet
Statistik mini|Über Italien verliefen zahlreiche SARS-CoV-2-Infektionswege in andere Staaten, in denen keine oder erst wenige andere SARS-CoV-2-Infektionen bekannt waren (orange markiert)
Die Tabellen in diesem Abschnitt basieren auf den Zahlen des nationalen Istituto Superiore di Sanità, wo jede Probe nochmals überprüft wird, bevor der Fall als gesicherte Infektion gilt.
Am 3. März 2020 waren laut Statistik über 10 % der positiv diagnostizierten Personen auf Intensivstationen. Am 25. März 2020 waren es etwa 6 %, diese Zahl liegt deutlich über dem Anteil anderer Länder, z. B. 1,6 % in Österreich. In diesem Vergleich ist nicht berücksichtigt, dass in Italien längst nicht mehr alle intensivpflichtigen Patienten einen entsprechenden Platz erhalten. Ein Grund für auffällige Unterschiede auch in der Hospitalisierungsrate und in der Sterblichkeit könnte eine hohe Zahl nicht erkannter Fälle in Italien sein, die die Statistiken verfälscht. Eine Modellrechnung vom 16. März 2020 kommt zu der These, dass die tatsächlichen Fälle in Italien wohl ein Vielfaches der labortechnisch bestätigten ausmachen und sich möglicherweise im ein- bis zweistelligen Millionenbereich bewegen. Weitere Gründe für die hohe Sterblichkeit, die mit 21. März 2020 bei rechnerischen 9 % lag, werden im überlasteten Medizinsystem, im hohen Durchschnittsalter der Infizierten und in der Luftverschmutzungsiehe auch spektrum.de vom 23. April 2020: Warum Luftverschmutzung Covid-19 tödlicher macht in der Po-Ebene gesehen. Dass die Epidemie in Italien früher eingesetzt hat als in den anderen europäischen Ländern und sich mittlerweile mehr schwere Verläufe entwickeln konnten, spielt wohl auch eine Rolle.
Als weitere Erklärungen sind genannt worden eine Tendenz zu engem Körperkontakt (z. B. Begrüßung mit Wangenküssen) sowie die Tatsache, dass in vielen italienischen Familien Großeltern regelmäßig die Kinder betreuen, welche symptomlos infiziert sein können und so die Krankheit in einer stark gefährdeten Altersgruppe verbreiten. In mehreren Berichten wurde spekuliert, dass die hohe Sterblichkeit unter anderem aus der Zählweise resultieren könnte, da in Italien jeder Verstorbene mit einer nachgewiesenen Infektion als COVID-19-Todesfall gilt, also auch Personen mit Grunderkrankungen, bei denen die Todesursache nicht eindeutig zu bestimmen war. Laut Robert Koch-Institut wird aber in Deutschland, das eine sehr geringe Sterblichkeit verzeichnet (ca. 0,3 % mit 22. März 2020) dieselbe Zählweise angewandt.
Zwischen dem 20. Februar und dem 31. März 2020 starben laut einer Untersuchung des nationalen Statistikamtes ISTAT und des Istituto superiore di sanità, das dem Gesundheitsministerium untersteht, 25.354 Menschen mehr in Italien als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 in diesem Zeitraum. Offiziell gab es zwischen 20. Februar und 31. März 2020 13.710 COVID-19-Tote.
In der Lombardei gab es massive Engpässe in den Intensivstationen: Patienten, die eine Intensivtherapie benötigten, mussten auf andere Stationen verlegt werden. Italien hatte zu Beginn der Epidemie über insgesamt 5.100 Betten auf Intensivstationen; dies sind etwa 8,5 Betten pro 100.000 Einwohner. Diese Quote ist höher als etwa in Großbritannien (6,6 Betten pro 100.000 Einwohner), aber viel niedriger als in Deutschland (29,2 Betten). Auch die Zahl der normalen Krankenhausbetten ist in Italien vergleichsweise niedrig (340 pro 100.000 Einwohner, gegenüber 830 in Deutschland), während bei der Ärztedichte kein wesentlicher Unterschied zu Deutschland besteht.
Entwicklung der Epidemie mini|800px|links|Bestätigte Infizierte nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte
mini|800px|links|Bestätigte Todesfälle nach Daten der WHO. Oben kumuliert, unten Tageswerte