mini|hochkant=0.8|Stolpersteine in Neapel Die Liste der Stolpersteine in Kampanien enthält die Stolpersteine in der italienischen Region Kampanien, die an das Schicksal der Menschen aus dieser Region erinnern, die von Nationalsozialisten ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbstgewählten Wohnort des Opfers. Ihre Bezeichnung lautet auf Italienisch: .

Die ersten Stolpersteine in dieser Region wurden am 4. Januar 2020 in Neapel verlegt.

Jüdische Geschichte von Neapel Über Jahrhunderte hinweg hatte Neapel eine aktive jüdische Gemeinde, die gute und schlechte Zeiten erlebte, bis sie im Jahr 1541 definitiv aus der Stadt vertrieben wurden. Zwar wurden einige wenige Juden 1740 von den Bourbonen zurückgerufen, doch dauerte die Periode der Toleranz diesmal nur sieben Jahre. Erst ab 1831 konnten sich Juden wieder dauerhaft in Neapel ansiedeln, aber es waren nur wenige, die in die Stadt kamen. Die jüdische Präsenz war insbesondere für Geldgeschäfte gefragt und Carl Mayer von Rothschild war 1831 der erste, der sich hier niederließ, ein Bankhaus gründete und den Bourbonen einen großen Kredit gewährte, der ihnen die Rückkehr auf den Thron von Neapel ermöglichen sollte. Die Rothschilds bewohnten die heutige Villa Pignatelli, in der auch ein Oratorium untergebracht war, und förderten in den 1860er Jahren die Errichtung einer Synagoge in der Via Cappella Vecchia. In den 1920er Jahren lebten rund tausend Juden in Neapel, der historische Höchststand. Danach sank die Zahl der ansässigen Juden kontinuierlich. Die italienischen Rassengesetze trafen auch die Jüdische Gemeinde von Neapel hart. Juden waren von zahlreichen Berufen ausgeschlossen und durften nicht mehr studieren. Die neapolitanischen Juden griechischer Herkunft wurden ausgewiesen und mussten nach Griechenland zurückkehren. Die meisten von ihnen wurden später im Rahmen der Shoah aus Thessaloniki und Athen deportiert und ermordet. Im September 1942 wurden 36 junge Juden aus Neapel zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft eingeteilt. Sie kamen nach Tora e Piccilli, eine Gemeinde in der Provinz Caserta. Dort knüpften sie Kontakte zur örtlichen Bevölkerung und so konnten Ende 1942 einige jüdische Familien vor den Bombenangriffen aus Neapel in die kleine Ortschaft flüchten. Nach dem Waffenstillstand von Cassibile versteckten die Einheimischen rund fünfzig Juden in den Wäldern und konnten sie so vor Deportationen retten. In einem 4-tägigen Aufstand befreite sich Neapel Ende September 1943 selbst von der deutschen Besatzung. Dadurch, und durch den darauf folgenden Einmarsch der Alliierten, waren auch die in der Stadt verbliebenen Juden vor Deportation und Ermordung geschützt.

14 Juden aus Neapel jedoch, die vor den Bombardierungen nach Mittel- und Norditalien geflohen waren, wurden von deutschen Streitkräften gefasst, deportiert und ermordet. Darunter befand sich auch die Familie Pacifici, die neun der elf Familienmitglieder verlor. Nach dem Ende des Nazifaschismus hatte die jüdische Gemeinde von Neapel nur mehr 534 Mitglieder. Diese Zahl sank in den folgenden Jahrzehnten auf rund die Hälfte.Napoli ebraica: Storia della Comunità, abgerufen am 11. Mai 2020

Verlegte Stolpersteine Neapel In Neapel wurden bisher dreizehn Stolpersteine an drei Adressen verlegt. Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen. Stolperstein ÜbersetzungVerlegeort Name, Leben120pxHIER WOHNTEIOLE BENEDETTIGEBOREN 1884VERHAFTET 6.12.1943DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 6.2.1944 Piazza Bovio, 33 wurde am 28. Mai 1884 in Florenz geboren. Ihre Eltern waren Davide Benedetti und Enrica Lopes Pegna. Sie hatte zumindest eine Schwester, Elena. Sie war Hausfrau und verheiratet mit Amedeo Procaccia. Das Paar hatte drei Kinder: Aldo, Ivonne und Elda und drei Enkelkinder (Renato, Paolo und Luciana). 1918 zog die Familie nach Neapel, weil ihr Ehemann Schammes in der dortigen Synagoge wurde. Die jüngste Tochter wurde bereits in Neapel geboren. Schwiegertochter und Schwiegersöhne lebten später ebenso im Familienverband. Die Familie wollte sich 1943 in Sicherheit bringen und sie gingen gemeinsam in die Toskana, wo sie sich zu acht in einem alten Haus in Cerasomma, einem Stadtteil von Lucca versteckten, Sie wurden verraten und am 6. Dezember 1943 verhaftet. Nicht bei ihnen befand sich Tochter Yvonne, deren Ehemann und der gemeinsame Sohn. Iole Benedetti wurde gemeinsam mit ihren sieben anderen Familienmitgliedern in Bagni di Lucca interniert. Am 30. Januar 1944 wurde das Ehepaar mit sieben Verwandten, ihren Schwiegersohn hatte man am 20. Januar 1944 verhaftet, von Mailand mit dem Transport Nr. 6 nach Auschwitz deportiert. Die einzige Enkeltochter starb im plombierten Viehwaggon. Iole Benedetti und ihr Mann wurden unmittelbar nach der Ankunft am 6. Februar 1944 in der Gaskammer ermordet.CDEC Digital Library: Benedetti, Jole, abgerufen am 23. Februar 2020Judaica Mediterranea,: VIA LUCIANA PACIFICI - Napoli, 17 novembre 2015, abgerufen am 23. Februar 2020Nico Pirozzi: La Shoah in Campania, S. 9–10, abgerufen am 23. Februar 2020La Repubblica: Luciana e Sergio, due bambini nella Shoah, abgerufen am 23. Februar 2020The Central Database of Shoah Victims’ Names: Iole Iula Procaccia, beruhend auf einer Meldung eingereicht von ihrer Tochter Yvonne Molco, mit einem Foto von Iole Benedetti, abgerufen am 27. Februar 2020

Der größte Teil ihrer Familie wurde in Auschwitz ermordet, nur ihre Tochter Yvonne konnte sich und ihren Sohn Renato retten. 120pxHIER WOHNTEMILENA MODIGLIANIGEBOREN 1915VERHAFTET 6.12.1943DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET 6.2.1944 Piazza Bovio, 33 wurde am 8. September 1915 in Livorno geboren. Sie war die Tochter von Gino Modigliani und Emma Benedetti. Sie war Hausfrau und verheiratet mit Aldo Procaccia. Das Paar hatte einen Sohn, Paolo (geboren 1943). Die Familie wollte sich 1943 in Sicherheit bringen und zog gemeinsam mit den Schwiegereltern und weiteren Familienmitgliedern in die Toskana. Sie wurden verraten und Milena Modigliani wurde gemeinsam mit Ehemann und Sohn und fünf weiteren Verwandten am 6. Dezember 1943 in Cerasomma festgenommen und war danach in Bagni di Lucca und im Mailänder San-Vittore-Gefängnis interniert. Am 30. Januar 1944 wurde das Lager aufgelöst und das Ehepaar Procaccia wurde mit sieben Verwandten im Transport Nr. 6 vom Bahnhof Milano Centrale nach Auschwitz deportiert. Milena Modigliani wurde dort am 6. Februar 1944, am Tag der Ankunft des Transportes, zusammen mit ihrem Sohn in einer Gaskammer ermordet.CDEC Digital Library: Modigliani, Milena, abgerufen am 23. Februar 2020 (mit einer Fotografie von Milena Modigliani mit ihrem Sohn)The Central Database of Shoah Victims’ Names: Milena Melania Procaccia, beruhend auf einer Meldung eingereicht von ihrer Schwägerin Yvonne Molco, abgerufen am 23. Februar 2020

Ihr Ehemann musste Zwangsarbeit verrichten und wurde am 1. Mai 1944 ermordet. 120pxHIER WOHNTEORESTE SERGIOMOLCOGEBOREN 1911VERHAFTET 20.1.1944DEPORTIERTAUSCHWITZTOT 28.2.1945 Piazza Bovio, 33 wurde am 8. Januar 1911 in Viareggio als Sohn von Augusto und Lina Molco geboren. Er war ElektrikerThe Central Database of Shoah Victims’ Names: Sergio Molco, beruhend auf einer Meldung eingereicht von seiner Witwe Yvonne Molco, abgerufen am 23. Februar 2020 und verheiratet mit Ivonne Procaccia und ging zur Familie seiner Frau nach Neapel. Das Paar hatte einen Sohn, Renato. Die Großfamilie wollte sich 1943 in Sicherheit bringen und zog gemeinsam in die Toskana. Während seine Schwiegereltern mit dem Großteil der Familie nach Cerasomma ging, zog Oreste Sergio Molco mit seiner Frau und seinem Sohn in seine Heimatstadt. Am 20. Januar 1944 wurde er verhaftet, seine Frau und sein Sohn befanden sich nicht im Haus, sahen die Verhaftung aus der Ferne und konnten sich retten. Er wurde nach Bagni di Lucca überstellt, wo bereits die Schwiegereltern und weitere Familienmitglieder, die am 6. Dezember 1943 verhaftet wurden, seit Wochen interniert waren. Am 30. Januar 1944 wurde er mit den Verwandten seiner Frau im Transport Nr. 6 von Mailand nach Auschwitz deportiert. Mit dem Transport langten 700 Menschen in Auschwitz an, nur 97 Männer und 31 Frauen überstanden die Selektion und wurden in das Lager eingewiesen. Oreste Sergio Molco war einer von ihnen.Danuta Czech: Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau 1939–1945. Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-498-00884-6, S. 720 Sergio Oreste Molco starb am 28. Februar 1945 an den Folgen der Lagerhaft.La memoria ritrovata, istruzioni per l’uso, abgerufen am 23. Februar 2020CDEC Digital Library: Molco, Oreste Sergio', abgerufen am 23. Februar 2020 (mit einem Porträt)

Frau und Sohn überlebten die Shoah und wanderten nach Israel aus. 120pxHIER WOHNTELORIS PACIFICIGEBOREN 1910VERHAFTET 6.12.1943DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET Piazza Bovio, 33 wurde am 3. Juni 1910 in Livorno geboren. Seine Eltern waren Flaminio Ruggero Pacifici und Elisa Servi. Er war Vertreter und verheiratet mit Elda Procaccia. Das Paar hatte eine Tochter, Luciana geboren am 28. Mai 1943 in Neapel. Die ganze Familie, auch seine Schwiegereltern und die Geschwister seiner Frau, flüchtete aus Neapel in die Toskana. Loris Pacifici, seine Frau und seine Tochter sowie weitere Verwandte wurden verraten und am 6. Dezember 1943 in Cerasomma, einem Stadtteil von Lucca verhaftet. Die Familie war wochenlang in Bagni di Lucca interniert. Am 30. Januar 1944 wurde das Lager aufgelöst und Loris Pacifici mit Frau und seiner acht Monate alten Tochter von Mailand nach Auschwitz deportiert. Seine Tochter erfror im plombierten Viehwaggon. Loris Pacifici, seine Schwiegereltern und weitere Verwandte seiner Frau wurden in Auschwitz ermordet.CDEC Digital Library: Pacifici, Loris, abgerufen am 24. Februar 2020The Central Database of Shoah Victims’ Names: Loris Pacifici, beruhend auf einer Meldung eingereicht von seiner Schwägerin Yvonne Molco, mit einem Foto von Loris Pacific, abgerufen am 24. Februar 2020

Seine Frau wurde in das KZ Bergen-Belsen überstellt und kam dort ums Leben. 120pxHIER WOHNTELUCIANA PACIFICIGEBOREN 1943VERHAFTET 6.12.1943DEPORTIERTAUSCHWITZERMORDET Piazza Bovio, 33 wurde am 28. Mai 1943 in Neapel geboren. Ihre Eltern waren Loris Pacifici und Elda Procaccia. Die Familie wollte sich in gemeinsam mit den Großeltern und weiteren Verwandten in Sicherheit bringen und ging 1943 nach Cerasomma, einen Stadtteil von Lucca in der Toskana. Sie wurden verraten und verhaftet. Sie wurden wochenlang im neu errichteten Lager in Bagni di Lucca interniert. Am 30. Januar 1944 wurde das Lager aufgelöst und sie wurde, im Alter von acht Monaten, mit dem Transport Nr. 6 von Mailand nach Auschwitz deportiert. Luciana Pacifici erfror im plombierten Viehwaggon.Judaica Mediterranes: VIA LUCIANA PACIFICI - Napoli, 17 novembre 2015, abgerufen am 24. Februar 2020

mini|hochkant=0.6|Passerella Luciana Pacifici in Viareggio Ihre Mutter wurde im Dezember 1944 im KZ Bergen-Belsen ermordet.CDEC Digital Library: Pacifici, Luciana mit einem Foto des Babys, abgerufen am 24. Februar 2020 Ihr Vater, ihre Großeltern mütterlicherseits und weitere Verwandte wurden in Auschwitz ermordet.