mini|Ein Folienteich als Zierteich (Teichfolie links im Bild). Die Teichoberfläche ist mit Gitter abgedeckt, um Wasservögel abzuhalten oder Kleinkinder vor dem Ertrinken zu schützen (was wegen des Absperr-Gitterzauns naheliegender ist). Ein Folienteich ist ein künstlich angelegtes Stillgewässer, dessen Abdichtung aus Folien (sogenannten Teichfolien) oder folienähnlichen Beschichtungsstoffen oft direkt auf der Baustelle aus verbundenen Einzelbahnen oder Reaktionskomponenten hergestellt wurde. Dieselben Werkstoffe oder Bauverfahren, die für Folienteiche verwendet werden, werden oft auch für Schwimmbecken und Pools, (Bewässerungs-)Wannen im Gartenbau oder zur Abdichtung von Flachdächern, Balkonen, Parkdecks und Deponien eingesetzt. Generell werden vorgefertigte flächige Dichtstoffe am Bausektor als Bahnen bezeichnet und der Begriff Folien für Verpackungsstoffe verwendetHochpolymerbahnen für Abdichtungen im Bausektor. Eine Zusammenstellung über hochpolymere Dach- u. Dichtungsbahnen, ihre Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten; Kopie des Abschlussberichtes einer vom Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen -BMVBW- geförderten Forschungsarbeit; Institut für das Bauen mit Kunststoffen e. V.; „Im Auftrage des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, 5300 Bonn“; Stand März 1983 (2. Ausgabe); Bauforschung, Inventarnummer 1895; Kopie publiziert vom Fraunhofer IRB Verlag (PDF-Datei), allerdings hat sich für Abdichtungen von Teichen der Begriff Teichfolie eingebürgert. Gelegentlich werden Dachdichtungsbahnen als Teichfolien angeboten, diese enthalten zusätzlich Flammschutzmittel (Brandhemmer) und höhere Gehalte an UV-Stabilisatoren, welche für die Verwendung als (abgedeckte) Teichfolie nicht nötig sind oder in stehendem Wasser in Lösung gehen.
Folienteiche stehen im Gegensatz zu hartschaligen Fertigbecken und Teichabdichtungen mit Ton oder Lehm oder Becken aus Beton.Garten – Das Grüne von GU. S. 162 ()., zuletzt abgerufen im Februar 2020 Teichabdichtungen mit Ton oder Lehm stehen in der Gefahr undicht zu werden, wenn Pflanzenwurzeln durch die Abdichtungsschicht wachsen oder wenn Tiere das Ufer beschädigen; sie werden eher bei Naturteichen angewandt, bei denen Zufluss und Abfluss vorhanden sind. Beton ist aufgrund von Mikrorissen und Kapillarporen (siehe dazu wasserundurchlässiger Beton) nicht wasserdicht und muss mit Gussasphalt, Unterlagsfolien oder zugesetzten Dichtmitteln abgedichtet werden.
Geschichte mini|Mit Gussasphalt abgedichtetes älteres Betonbecken in den Royal Botanic Gardens (Kew), London Wasserbassins wurden anfangs aus Steinen und Beton hergestellt, später mit Pech oder Gussasphalt abgedichtet, kleine Gartenteiche wurden aus glasfaserverstärkten Kunststoffen errichtet.
Mit der Entwicklung und Markteinführung von Schwimmteichen, ab etwa 1975Richard Weixler: Garten- und Schwimmteiche: Bau – Bepflanzung – Pflege; Stocker Verlag, 2008, wurden vermehrt Folienteiche gebaut und die Fertigungsverfahren laufend verbessert. Technologie-Weiterentwicklungen bedingte auch das in den 1980er-Jahren gestiegene Umweltschutzbewusstsein und die damit verbundene vermehrte Abdichtung von Deponien samt Sickerwasser-Erfassung.
Einsatzzwecke Folienteiche finden Verwendung beispielsweise als Zierteich oder Wasserbassin in Gärten und Parks und in der Stadtgestaltung Schwimm- oder Badeteich Fischteich, Fischkalter oder Amphibienlaichgewässer Wassersammelbecken (beispielsweise als Löschwasserteich, Rückhaltebecken, Güllegrube, Klärteich, Pflanzenkläranlage, Aufstellbecken, stehender Hochbehälter)
Verwendete Materialien
Nötige Eigenschaften
UV-Stabilität Die Folien sind der Sonneneinstrahlung ausgesetzt, deshalb müssen sie besonders stabil gegenüber der energiereichen Ultraviolettstrahlung sein. UV-Strahlen zerstören häufig Kunststoffe (es entstehen reaktionsfreudige Radikale, in der Folge werden Molekülketten der Polymere geknackt und zerbrochen). Im Fall von Polyvinylchlorid werden dabei Chloratome freigesetzt, die das Material verätzen und oxidieren würden. Als Gegenmaßnahme werden Kunststoffen UV-Stabilisatoren zugesetzt, die mit diesen Radikalen (Chloratomen) Verbindungen eingehen. Die UV-Strahlung erreicht die Folie auch unter Wasser, da Wasser für UV-Strahlung durchlässig ist.
Elastizität Als Teichfolien werden solche Materialien bevorzugt, die zwecks besserer Verarbeitbarkeit und um sich infolge des Wasserdrucks dem Untergrund ohne Rissbildung anschmiegen zu können, ausreichend elastisch sind. Meist wird entsprechend dem Untergrund die Folienart gewählt. Folienteiche, mit einer Anmutung wie ein Swimming Pool (so gebaut oder als Reparatur eines älteren Pools) können auch mit härteren Folien und Kunststoffteilen als Abdichtung ausgekleidet werden. Für unregelmäßige Formen werden weiche Folien oder aufgespritzter Kunststoff eingesetzt.
(Weiter-)Reißfestigkeit Bei Lochbildung (aufgrund von Beschädigungen oder inhomogener Zusammensetzung, die meist bei Verwendung von Regenerat-Kunststoffen auftritt) soll ein Loch nicht weiterreißen und den Schaden nicht vergrößern.
Kältefestigkeit Bei tieferen Temperaturen soll eine Teichfolie nicht spröde werden, was zu Bruch und Leckagen führen könnte. Gealterte wegen Verlust von Weichmachern (siehe unten) spröde gewordene Folien lassen sich nicht mehr schweißen, dann ist ein Totalaustausch erforderlich. Derartige Brüche treten meist bei den schwer vermeidbaren Falten und Biegebelastung dieser (durch Druckbelastung oder Eisdruck) auf, speziell wenn manche Werkstoffe zu lange dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.
Rutschfestigkeit Aufwachsende Biofilme machen die meisten Folien rutschig, die gummiähnlichen EPDM-Folien etwas weniger. Bei Stiegen und Stufen werden daher oft extra Noppen-Gummimatten verlegt und das Betreten / Verlassen von Badeteichen mit Handläufen sicherer gemacht.
Durch Biomineralisation werden mit der Zeit mineralische Biominerale aus dem Wasser ausgeschieden. So fällen beispielsweise Armleuchteralgen oder zur Photosynthese fähige Cyanobakterien („Blaualgen“) Calciumcarbonat aus, letztere bilden in Mikrobenmatten mattenförmige Stromatolithen. Die Mikroorganismen in den Biofilmen sind dann an der Basis inaktiv und sterben ab und wachsen an der Filmoberfläche weiter. Kieselalgen (Diatomeen) fällen Kieselsäure aus dem Wasser aus und bilden daraus bei Normaltemperatur und Normaldruck wasserhaltiges amorphes Siliziumdioxid. Vermeintliche „Kalkablagerungen“ auf den Folien bestehen daher meist aus homogenen Gemischen von Calciumcarbonat, Mischcarbonaten, Apatit, Siliziumdioxid und Silikaten und sind deswegen auch mit Säuren nur schwer lösbar.
Materialstärke Die Folien werden in verschiedenen Dicken hergestellt, häufig werden sie in einer Stärke von etwa 1 mm verwendet. Die Folien sollen dem mit der Tiefe zunehmenden Wasserdruck widerstehen. Als Richtwerte werden publiziert:, bei gartenteich-info.de Dicke 0,5 – 0,8 mm für Teiche mit einer Tiefe bis zu 80 cm. Dicke 1,0 mm für Teiche mit einer Tiefe bis zu 120 cm. Dicke von 1,0 – 1,5 mm für Teiche mit einer Tiefe über 150 cm. Dicke von 1,5 – 2 mm für Schwimmteiche.
Verwendete Grundstoffe
Polyvinylchlorid (PVC) Für Folienteiche werden Folien aus Weich-PVC verwendetGartenteiche anlegen und gestalten. S. 12 (), zuletzt abgerufen im Februar 2020
PVC-Folie ist eine sehr preisgünstige Folie, denn der Rohstoff Chlor ist ein „Zwangsnebenprodukt“ bei der Herstellung der häufigst gebrauchten Natronlauge. Unter anderem der günstige Preis führte zum Boom von PVC-Produkten wie etwa Bodenbelägen, Garten- und Campingmöbeln, Rohren, Fensterrahmen oder eben PVC-Folien.
mini|200px|Teichfolien werden meist mit einem Heißluftgebläse zusammengefügt. Ein weiterer Vorteil beim Bau von Folienteichen ist die leichte Schweißbarkeit von (neuen) PVC-Folien, das Verbinden von einzelnen Bahnen können auch Laien und ungelernte Hilfsarbeiter schnell erlernen. Dass dabei gesundheitlich gefährliche ChlordämpfeUnterschätzte Gefahren bei der Kunststoffverarbeitung. Gesundheitsgefährdende Dämpfe beim Kunststoffschweißen/-schneiden. Informationsblatt der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen; bei unfallkasse-nrw.de (PDF) oder Dioxine, BenzolExpositionsbeschreibung der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft: Warmgas-Schweißen von PVC im Freien (PDF), bei bgbau.de, zuletzt abgerufen im Februar 2020, Naphthalin, Phosgen, Toluol oder Xylol und Phthalate entweichen wird (bei Arbeiten im Freien) häufig ignoriert. Bei einer Studie bezüglich Chlorwasserstoff- und Phthalatexposition beim Warmgasschweißen von PVC-Folien auf 72 Baustellen im Freien wurde keine Arbeitsplatzgrenzwert-Überschreitung festgestellt, bei solchen Arbeiten in geschlossenen Räumen (bei anderen Untersuchungen) schon.
Beim häufigst verwendeten Warmgasschweißen werden die Bahnen ausgelegt, 2–5 cm überlappt und mit einem Handschweißgerät (Heißluftgebläse) und einer Andruckrolle homogen miteinander verbunden.
Der häufige Einsatz und die gute Färbbarkeit führten zu einem breiten Verkaufsspektrum an Stärken und Farben. Sie stehen üblicherweise in der Stärke zwischen einem halben und zwei Millimetern zur Verfügung, an Farben meist olivgrün, hellgrün, blau, grau, schwarz oder beige.
Die weiche flexible Folie schmiegt sich gut an den Untergrund und an unregelmäßige Formen an. Weil dabei Faltenbildung unvermeidlich ist, kann die Folie gestückelt und (beispielsweise bei Treppen) individuell angepasst werden (ansonsten wird eine Betontreppe auf einer Folie errichtet).
Die Haltbarkeit liegt bei etwa 10–15 Jahren (in Pools mit Chlorwasser auch weniger). Wegen zugesetzter Additive ist die Folie frostbeständig, gealterte Folie kann jedoch (besonders bei Falten unter der Biegebelastung) brechen.
PVC-Folie ist schwerer als Wasser (die Dichte schwankt je nach Weichmachergehalt zwischen 1,20 und 1,35 g/cm³.Datenblatt eines Herstellers ()), in Wasser sinkt PVC-Folie ein. Generell kann jede Teichfolie eines (halb)entleerten Teiches aufschwimmen, wenn im Zuge eines Hochwassers ein erhöhter Grundwasserspiegel die dann leichte Folie nach oben drückt. Gärgase unter der Folie können auch Aufbeulungen im gefüllten Zustand verursachen, wenn der Teich auf einer ehemaligen Deponie errichtet wurde.
Besondere Nachteile von PVC sind die Entsorgungsproblematik (siehe dazu beispielsweise Polyvinylchlorid#Umweltaspekte, Entsorgung und Recycling), der hohe Gehalt an Additiven (siehe auch Polyvinylchlorid#Additive) und Weichmachern, möglich vorhandene Restmonomere (VinylchloridHandbuch Wasser im Garten. (), zuletzt abgerufen im Februar 2020), Bisphenol A (als Stabilisator)Phthalat- und Bisphenol A-Belastung in Österreich – Ergebnisse einer Human-Biomonitoring-Studie; Umweltbundesamt Wien; 2015; Seite 7 (PDF, zuletzt abgerufen im Februar 2020), sowie Regenerat-PVC (kann früher erlaubte aber mittlerweile verbotene Zusatzstoffe enthalten) und Schwermetallverbindungen (als UV-Stabilisator) und die Migration dieser aller Stoffe in die Umwelt. Siehe dazu auch Kunststoff#Umweltproblematiken.