mini|Teilnehmer des ersten Zionistenkongresses 1897 in Basel, Schweiz mini|Teilnahmekarte für den ersten Zionistenkongress in Basel. Jüdisches Museum der Schweiz in Basel Als Zionistenkongress oder Zionisten-Kongress (), seltener auch als Zionistischer Kongress oder Zionistischer Weltkongress, wird eine internationale Zusammenkunft von Vertretern und Anhängern des Zionismus bezeichnet. Der Kongress findet traditionell in Basel in der Schweiz statt, dem Ort des ersten derartigen Kongresses.Theodor Herzl und die Gründung des Staates Israel: «Der grösste Beitrag der Schweiz zur jüdischen Geschichte». In: Neue Zürcher Zeitung vom 20. August 2022.

Solche Kongresse fanden seit Gründung der Zionistischen Weltorganisation (World Zionist Organisation, WZO) 1897 im Stadtcasino Basel bis 1901 jährlich, bis 1939 in der Regel alle zwei Jahre mit Delegierten aller zionistischen Teilorganisationen und Parteien statt. Während des Zweiten Weltkriegs konnten keine Kongresse abgehalten werden. Seit der Staatsgründung Israels wird nach Bedarf ein World Jewish Congress veranstaltet, zuletzt im Oktober 2020.

Kongresse unter Theodor Herzl (1897–1903) mini|«Basler Programm» von 1897 Die ersten sechs Kongresse erfolgten unter dem Vorsitz Theodor Herzls, der 1904 starb. mini|Flagge des ersten Zionistenkongresses Der erste Zionistenkongress sollte zunächst in München im Hotel Bayerischer Hof stattfinden. Dies scheiterte aber an der strikten Ablehnung des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes und des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Münchens. Dann war Wien im Gespräch, was aber am Widerstand des Oberrabbiners Moritz Güdemann scheiterte. Als Alternative fand man Basel, wo der Kongress von David Farbstein organisiert wurde und vom 29. bis 31. August 1897 stattfand. Dort wurde das Basler Programm formuliert.

Um dieses Ziel zu erreichen, gründeten die 204 Abgesandten von jüdischen Gemeinden aus aller Welt die WZO und wählten den Tagungsleiter und Initiator Theodor Herzl zu deren erstem Präsidenten. Das Programm folgte Herzls politischer Vorstellung, den jüdischen Staat nicht durch ungesicherte Besiedlung Palästinas, sondern durch diplomatische Verträge mit den europäischen Grossmächten zu erreichen. Nach Abschluss des Kongresses schrieb Herzl am 3. September 1897 in sein Tagebuch:

Der zweite Kongress in Basel vom 28. bis 31. August 1898 mit schon erheblich gesteigerter Zahl an Delegierten (349) warb für die Anerkennung der WZO in den jüdischen Gemeinden (das von Herzl ausgegebene Motto hiess Eroberung der Gemeinden, d. h. die jüdischen Gemeinden sollten zionistisch gemacht und somit die bereits vorhandene jüdische Infrastruktur genutzt werden, eine Idee, die wohl zeitgleich in den Köpfen Herzls und Nordaus entstanden war) und initiierte die Gründung einer finanziellen Körperschaft zur Erschliessung Palästinas, die Jüdische Kolonialbank, die einige Monate später unter dem Namen Jewish Colonial Trust in London gegründet wurde (Tag der Registrierung: 22. März 1899 – zur Geschichte dieser Institution vgl. Bank Leumi). Das Aktionskomitee (d. h. sämtliche 23 ihm angehörende Mitglieder) wurde (auf Antrag Bodenheimers) zugleich als diejenige Korporation gewählt, die die Aufsicht über die Jüdische Kolonialbank ausüben sollte. Erstmals traten sozialistische Zionisten als eigene Gruppe in Erscheinung. Auf dem zweiten Kongress wurde auch die Kolonisationskommission gegründet. Ihr gehörten an: Moses Gaster, London; Murray Rosenberg, London; David Wolffe, Birmingham; Abraham Korkis, Lemberg; Johann Kremenezky, Wien; Alexander Marmorek, Paris; S. Barbasch, Odessa; Israel Isidor Jasinowsky, Warschau; Menachem Ussishkin, Ekaterinoslaw; Chaim Chissin, Bern; Samuel Pineles, Galatz; A. Lindenberg, Bukarest, und Bodenheimer in Köln.

Auf dem dritten Kongress in Basel vom 15. bis 18. August 1899 (Teilnahme von 153 Delegierten) berichtete Herzl über seine Treffen mit Kaiser Wilhelm II. in Konstantinopel und Jerusalem, die ohne praktische Folgen blieben, aber die zionistische Bewegung als jüdische Nationalbewegung öffentlich bekannter machten. Die politischen Bemühungen Herzls stiessen bei vielen Vertretern jüdischer Siedlervereine auf Unverständnis und Widerspruch: Sie stellten dagegen die Bedeutung einer «kulturellen» bzw. ethnischen Identität heraus. Man vereinbarte, dass der Jewish Colonial Trust sein Aufkommen nur in Palästina oder Syrien einsetzen sollte.

Der vierte Kongress fand vom Montag, 13. August, bis zum Donnerstag, 16. August 1900, in London statt, um die öffentliche Meinung in Grossbritannien für den Zionismus zu gewinnen. Zugleich flohen damals tausende Juden vor Pogromen aus Rumänien und machten so die Dringlichkeit einer zionistischen Verfassung deutlich, um die Ziele der WZO organisatorisch durchzusetzen. Die religiösen Zionisten unter Rabbiner Isaak Jakob Reines forderten eine klare Arbeitsteilung: Die WZO solle sich auf politische Angelegenheiten beschränken. Der Kongress war der bisher bestbesuchte und hatte 497 Delegierte. Herzl selbst äusserte sich nach dem Kongress so: «Der vierte Zionisten Congress ist zu Ende. Es war viel Lärm, Schweiss und Trommelschlag. ‹Gearbeitet› wurde natürlich nichts, u. dennoch war das Resultat vorzüglich. Wir haben vor der englischen Welt manifestiert und die Manifestation wurde bemerkt. Die englischen Blätter brachten im Ganzen u. Grossen solche Berichte, wie wir sie brauchen konnten u. können … » (Tagebücher, 20. August 1900). Erstmals wurde zum Abschluss des Kongresses die HaTikwa gesungen.

Auf dem fünften Kongress in Basel vom 26. bis 30. Dezember 1901 berichtete Herzl über sein Treffen mit dem türkischen Sultan Abdülhamid II. und die Erfolge des Jewish Colonial Trust. Die Vertreter der neu entstandenen Demokratischen Fraktion in der WZO, darunter Leo Motzkin, Martin Buber und Chaim Weizmann, forderten ein Programm für hebräische Kultur und mehr Demokratie in der Organisation. Der Jüdische Nationalfonds JNF/Keren Kajemeth wurde durch Hermann Schapira gegründet, um Mittel zum Landkauf in Palästina aufzubringen (Schapira hatte das bereits beim ersten Kongress 1897 vorgeschlagen). «Zum Zwecke der Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Körperschaften unserer zionistischen Organisation» wurde ein Kongressgericht mit Sitz in Paris geschaffen. Man beschloss ausserdem, dass die folgenden Zionisten-Kongresse nur noch zweijährlich stattfinden sollten.

Der sechste Kongress in Basel vom 23. bis 28. August 1903, der letzte, an dem Herzl persönlich noch teilnehmen konnte, diskutierte dessen Vorschlag für eine Verfassung der WZO im Zeichen des vorherigen Pogroms von Kischinjow. Um dieser Bedrohung der russischen Juden zu begegnen, beriet Herzl auch das El Arisch-Projekt mit den britischen Diplomaten Joseph Chamberlain und Lord Lansdowne. Nachdem dieses scheiterte, boten die Briten Herzl eine autonome jüdische Ansiedlung in Ostafrika an: den irreführend so genannten Uganda-Plan. Obwohl Herzl betonte, dass Uganda Palästina als Heimstätte nicht ersetzen könne und solle, stiess er auf heftige Ablehnung. Die russischen Zionisten verliessen unter Protest den Kongress. Dennoch stimmte eine Mehrheit von 295 zu 178 Delegierten bei 98 Enthaltungen für die Entsendung eines Komitees nach Ostafrika, um jüdische Ansiedlungsmöglichkeiten dort zu prüfen. Franz Oppenheimer schlug kooperative Siedlungen in Palästina vor: Diese Idee führte einige Jahre darauf zur Gründung des ersten genossenschaftlichen Kibbuz in Palästina. 1904 starb Herzl mit 44 Jahren, ohne die Vollendung seiner Bemühungen noch miterleben zu können.

Kongresse vor der Staatsgründung (1904–1948) mini|Russische Delegierte während des siebten Zionistenkongresses in Basel (1905) mini|Die Baselstrasse in Tel Aviv (ca. 1939), die zu Ehren des ersten Austragungsortes des Kongresses von 1897 benannt wurde Der siebte Kongress vom 27. Juli bis 2. August 1905 in Basel begann mit Max Nordaus (zugleich Vorsitzender des Kongresses) Nachruf auf Theodor Herzl. Die Ostafrika-Kommission berichtete von ihrer Reise und kam zu dem Ergebnis, dass Uganda als jüdisches Ansiedlungsziel ungeeignet sei. Andere Zwischenlösungen einer Ansiedlung ausserhalb Palästinas wurden erörtert, aber mehrheitlich abgelehnt. Daraufhin verliess eine Gruppe unter Israel Zangwill unter Protest den Kongress und gründete die Jüdische Territoriale Vereinigung. Gleichwohl verlagerte auch die WZO ihren Schwerpunkt nun und beschloss, landwirtschaftliche Siedlungen und industrielle Unternehmungen von Juden in Palästina organisatorisch und finanziell zu unterstützen. Nach Herzls Tod gab es in der Führerschaft der Bewegung ein Vakuum. Verschiedene Kandidaten waren als Nachfolger Herzls im Gespräch, und schliesslich erhielten beim siebten Kongress drei die Zustimmung: David Wolffsohn, Nordau und Otto Warburg. Auf dem Zionistenkongress im Jahr 1905 spaltete sich die Bewegung zwischen den Anhängern einer jüdischen Heimstatt in Palästina und der Aussicht, von den Briten in Uganda Land zugeteilt zu bekommen. Nachdem der Kongress den Uganda-Plan verworfen hatte, wurde in Basel unter Führung von Israel Zangwill die Jüdisch-Territorialistische Organisation (ITO) gegründet. Sie versuchte, passende Territorien für jüdische Siedlungen in Afrika, Asien und Australien ausfindig zu machen, hatte aber kaum Erfolg. Durch die Balfour-Deklaration und die erneute Stärkung des Zionismus verlor diese Bewegung ihren Einfluss und wurde 1925 aufgelöst (Auflösung der I.T.O. 1918). Andere territorialistische Versuche wurden in der Zwischenkriegszeit in der Sowjetunion unternommen. In der südlichen Ukraine und auf der nördlichen Krim wurden in den 1920er Jahren vier nationale Distrikte eingerichtet, die nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion ausgelöscht wurden. Ein anderes Gebiet war Birobidschan, wo 1934 das Jüdische Autonome Gebiet ausgerufen wurde. Auch dieses Unternehmen war ein Fehlschlag. 1935 wurde in London die «Freiland Liga» gegründet, die erfolglos versuchte, eine jüdische Autonomie in einem spärlich besiedelten Gebiet Ecuadors, Australiens oder Surinams zu errichten. – Der siebte Kongress nahm den Vorschlag Otto Warburgs unter allgemeinem Beifall an, ein Gelände mit künstlich angelegten Olivenbäumen in Palästina Herzl-Wald zu nennen.

Der achte Kongress unter Vorsitz von David Wolffsohn fand vom 14. bis 21. August 1907 in Den Haag parallel zur Zweiten Internationalen Friedenskonferenz statt, um diese positiv zu beeinflussen. David Wolffsohn wurde zum Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation gewählt, da Max Nordau den Vorsitz überraschend abgelehnt hatte. In der Folge wurde das Exekutivbüro von Wien nach Köln verlegt. Beim achten Kongress diskutierten wiederum praktische und politische Zionisten ihre gegensätzlichen Prioritäten: Herzls Anhänger forderten eine Verfassung, der die praktische Arbeit in Palästina folgen solle; ihre Gegner argumentierten, ohne bestehende jüdische Ansiedlung würden die Grossmächte eine solche Verfassung nicht bestätigen. Vor allem Chaim Weizmann befürwortete ein Zusammengehen beider Richtungen («synthetischer Zionismus»). Dazu gründete der Kongress eine palästinensische Zweigstelle der WZO, die die Siedlungsarbeit vor Ort koordinieren sollte. Auf dem achten Kongress wurde die Nationalbibliothek gegründet und die Errichtung des Palästinaamtes in Jaffa beschlossen. Der englische Philanthrop Jacob Moser verpflichtete sich auf dem Kongress zu einer Spende in Höhe von 90 000 Mark für den Ausbau des Herzlija-Gymnasiums (Jaffa) und als Unterstützung für die Bezalel-Kunstakademie.