mini|Stiftsruine Bad Hersfeld, die Klosterkirche der Reichsabtei mini|Wappen der Reichsabtei Hersfeld nach Siebmachers Wappenbuch von 1605 mini|Wappen von Abt Ludwig V. (1571–1588) im Eingangsbereich von Schloss Eichhof mini|Wappen von Abt Joachim (1592–1606) im Giebelfeld einer Pforte in der Hersfelder Stadtkirche

Die Liste der Äbte und Administratoren der Abtei Hersfeld umfasst alle 66 Äbte, die der Reichsabtei Hersfeld während ihrer Existenz als Benediktinerabtei von 769 bis 1606 vorstanden. Aufgeführt sind ebenso alle von 1606 bis 1648 amtierenden Administratoren und ein in dieser Zeit ernannter Kommendatarabt des Reichsstifts. Vor allem in den ersten Jahrzehnten sind nicht alle Daten sicher belegt, aber auch in späteren Jahrhunderten bestehen Unklarheiten, die beispielsweise auf Namensgleichheiten oder den oft mehrere Monate betragenden Zeitraum zwischen Abtwahl und päpstlicher Anerkennung zurückzuführen sind.

Überblick

Gründer und erster Abt der Abtei Hersfeld war der Mainzer Bischof Lullus. Das genaue Gründungsjahr ist unbekannt, meist wird als Gründungsjahr 769 angenommen. Lullus gründete die Abtei an der Stelle einer Einsiedelei, die der spätere Gründungsabt des Klosters Fulda, Sturmius, bereits 736, noch vor der 744 erfolgten Gründung Fuldas, angelegt hatte. Sie sollte vor allem der Missionierung in Sachsen und Thüringen dienen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Abtei Hersfeld im Jahr 775. Karl der Große erhob die Abtei in diesem Jahr zur Reichsabtei und beschenkte sie umfangreich mit Gütern. Durch die von Lullus nach Hersfeld überführten Gebeine des Hl. Wigbert gewann die Abtei auch als Wallfahrtsort Bedeutung. Unter den nachfolgenden Karolingern baute die Abtei ihren vorwiegend regional in Hessen und Thüringen liegenden Besitz weiter aus.Hessisches Staatsarchiv Marburg: HStAM Bestand Urk. 56, Titel: Reichsabtei Hersfeld (ehemals: Urkunden M I). Laufzeit: 775-1743, abgerufen am 16. Februar 2022.

Im Früh- und Hochmittelalter besaß die Reichsabtei eine wichtige und einflussreiche Rolle in der Reichspolitik. Unter den Ottonen und Saliern war sie ein bedeutender und wiederholt von den römisch-deutschen Kaisern und Königen aufgesuchter Pfalzort. Die Hersfelder Äbte übernahmen für die Herrscher wiederholt Funktionen als Berater und Gesandte und standen ihnen in den diversen Konflikten mit dem Papsttum in der Regel zur Seite. Mehrere Könige und Kaiser nahmen auf die Besetzung des Hersfelder Abtstuhls direkten Einfluss und veranlassten Reformen im Kloster, das um diese Zeit etwa 50 Mönche aufwies. In dieser Zeit entstammten die Äbte meist dem fränkischen und thüringisch-hessischen Adel, vor allem mit der benachbarten Reichsabtei Fulda gab es einen auch personell engen Austausch. Mehrere Hersfelder Äbte wurden auf wichtige Bischofsstühle des Reichs berufen. Die Reichsabtei war in dieser Zeit eines der wichtigsten Reichsklöster und war auch auf kulturellem Gebiet durch ihre Klosterschule und die dort tätigen Gelehrten wie etwa Lampert von Hersfeld hoch angesehen. Die Größe der nur noch als Ruine erhaltenen, zwischen 1038 und 1144 erbauten Stiftskirche zeigt diese Bedeutung noch heute. Durch die Anlage von Tochterklöstern und Propsteien und die Abwerfung der Vogteirechte der Landgrafen von Thüringen bauten die seit dem Wormser Konkordat zu den Reichsfürsten zählenden Äbte ihren Herrschaftsbereich aus, aus dem sich allmählich ein geschlossenes Territorium im osthessischen Raum entwickelte.

Das Ende der Staufer, denen die Hersfelder Äbte treu zur Seite gestanden hatten, hatte einen erheblichen Bedeutungs- und Machtverlust der Abtei zur Folge. Konflikte mit dem erstarkenden Bürgertum der Stadt Hersfeld, den eigenen Vasallen sowie den benachbarten Fürsten und Herren, insbesondere den Landgrafen von Hessen, und daraus resultierende wirtschaftliche Probleme führten ab etwa 1300 dazu, dass die Äbte zunehmend Rechte und Besitz verpfänden oder verkaufen mussten. Die Äbte dieser Zeit kamen in der Regel aus Familien von Edelfreien und Ministerialen des hessischen Raumes. Im Sternerkrieg stand die Abtei auf der Verliererseite und war zu Erbschutzverträgen mit den hessischen Landgrafen gezwungen, die ihr weitere Rechte entzogen.

Um 1500 war die Bedeutung der Abtei stark abgesunken, auch der Konvent bestand nur noch aus wenigen Mönchen. Martin Luther besuchte 1521 auf dem Heimweg vom Reichstag zu Worms Hersfeld und predigte auf Einladung des Abtes in der Stiftskirche. Die durch Luther ausgelöste Reformation fand im Gebiet der Reichsabtei begeisterte Aufnahme, binnen weniger Jahre waren weite Teile der Bevölkerung und des Konvents der Abtei evangelisch geworden, befördert auch durch die hessischen Landgrafen als Schutzherren der Abtei. Die hessische Schutzherrschaft führte allerdings dazu, dass den Äbten auf Reichstagen die Reichsstandschaft und das Stimmrecht im Reichsfürstenrat bestritten wurde.Deutsche Reichstagsakten: Der Reichstag zu Regensburg 1556/57; C) Fürstenratsprotokoll ‹ Nr. 113 1556 August 25, Dienstag; Anmerkungen, abgerufen am 22. März 2024Deutsche Reichstagsakten: Der Reichstag zu Regensburg 1556/57; H) Protokoll für die Versammlungen der katholischen und geistlichen Stände ‹ Nr. 390 1556 September 22, Dienstag, abgerufen am 22. März 2024 Im Bauernkrieg war die Abtei erneut auf die Hilfe der Landgrafen angewiesen, die sich dies mit weiteren Rechten und Verpfändungen bezahlen ließen. Die Äbte entstammten inzwischen bürgerlichen Familien. Der letzte Abt, Joachim Roell, setzte schließlich Erbprinz Otto von Hessen-Kassel, den Sohn des Landgrafen Moritz, als Koadjutor ein. Nach dem Tod des Abtes 1606 erlosch das letzte Klosterleben und Erbprinz Otto übernahm als Administrator die Herrschaft im Stiftsgebiet. Während des Dreißigjährigen Kriegs kam es kurzzeitig zu einer Wiederbesetzung der Abtei mit Mönchen, nachdem kaiserliche Truppen das Stiftsgebiet besetzt hatten. Kaiser Ferdinand II. setzte einen seiner Söhne als Kommendatarabt ein, in dessen Vertretung übernahm der Fuldaer Abt die Administration. Mit der Eroberung durch schwedische Truppen endete dieses Kapitel. Im Westfälischen Frieden ging das Stiftsgebiet schließlich 1648 als weltliches Fürstentum Hersfeld dauerhaft an die Landgrafen von Hessen-Kassel.

Die nachfolgende Liste der Äbte und Administratoren orientiert sich hinsichtlich der Äbte an dem 1970 erschienenen Überblick von Elisabeth Ziegler,Elisabeth Ziegler: Mit Mitra und Krummstab – Die Äbte des Reichsklosters (der Reichsabtei) Hersfeld- in: Bad Hersfelder Jahresheft, Band 16, Bad Hersfeld 1970, S. 6–22. ergänzt um biographische Angaben aus der Hessischen Biographie sowie weiteren wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Es existiert keine erhaltene historische Chronik der Abtei mehr, die entsprechenden Werke von Lampert von Hersfeld und anderen mittelalterlichen Geschichtsschreibern sind nicht oder nur fragmentarisch überliefert. Aus Lamperts übrigen Werken, vor allem den Annales, sowie aus anderen mittelalterlichen Chroniken sind jedoch viele Angaben zu den Äbten und ihren Amtszeiten bekannt. Wesentlich sind auch die aus dem umfangreichen überlieferten Archivbestand der Abtei mit diversen Kaiser-, Königs- und Papsturkunden wissenschaftlich aufbereiteten Daten und Informationen. Der erhaltene Archivbestand der Reichsabtei befindet sich im Hessischen Staatsarchiv Marburg.

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