Die Formen Berliner Straßenbrunnen (Brunnenständer, Brunnenkörper) haben sich seit den Anfängen durch Fortschritte in den Technologien zur Förderung von Grundwasser für die Wasserversorgung und seit dem 20. Jahrhundert für die Versorgung in Notfällen mehrfach geändert. Die Ausführungen wurden teilweise den Anforderungen der Nutzung angepasst.
Dieser Artikel ist ein Teil des Artikels Straßenbrunnen in Berlin und der dazugehörigen Listen der 12 Berliner Bezirke, in denen die einzelnen Brunnen beschrieben sind. Dieser Artikel soll die dort aufgeführten Typen der Brunnenständer näher erläutern und die technischen Fakten belegen.
Anfänge Kesselbrunnen Von Brunnen zur Trink- und Löschwasserversorgung im öffentlichen Straßenland berichtet um 1390 das „Berliner Bilderbuch“. Quellen wurden zu Ziehbrunnen ummauert und Wasserläufe in Becken gestaut. Die erste WasserkunstHilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 21 mit durchbohrten Baumstämmen als Holzrohren für das Wassernetz und einem Turm an der Schlosserweiterung war 1572 fertiggestellt, ist aber bald verfallen. Die Wasserkunst war wohl 1604 noch in Betrieb. Jedoch verfaulten die flach verlegten und nicht imprägnierten hölzernen Rohre schnell. 1607 nannte ein amtliches Brunnenverzeichnis für Cölln 16 „Gassenbrunnen“ und Berlin hatte davon 36 für die öffentliche Nutzung. Während des Dreißigjährigen Kriegs verfiel nahezu die Hälfte der Hausstellen und die Zahl der Brunnen war in dieser Zeit nicht gestiegen. Um 1660 zählten Berlin und Cölln 9000 Einwohner und es wurden ungefähr 50 öffentliche Zapfstellen gezählt.
Zum Zustand in Berlin Mitte des 17. Jahrhunderts nach Goldschmidt: Die Wasserläufe innerhalb der Stadt wurden durch den holländischen Baumeister Smids reguliert und mit Brücken versehen. Die Regierung sorgte für bessere Pflasterung und forderte energisch ihre Reinhaltung. Die Schweineställe sollten von den Straßenseiten der Häuser entfernt, das Herumlaufen der Tiere auf den Straßen verhindert werden. 1680 – mit der zweiten Brunnen- und Gassenordnung – wurde das Mästen von Vieh innerhalb der Stadt gänzlich verboten.14. August 2010 – Vor 350 Jahren: Brunnen- und Gassenordnung für Berlin und Cölln: „Was die in der Stadt und auff öffentlichen Gassen liegende Unsauberkeit für einen bösen Geruch verursacht! Und welcher Gestalt von solchem foetore oftmals die Lufft inficiret, und dadurch allgemeiner Stadt einige anklebende Kranckheit zugezogen werden könne!“ beklagt sich Friedrich Wilhelm im Jahr 1660. Seine Residenzstadt hat knapp 9.000 Einwohner. Deren Ausscheidungen, Ausdünstungen und Unrat will er in den Griff bekommen und erlässt am 14. August 1660 eine Brunnen- und Gassenordnung.
Neben der Versorgung mit Trinkwasser war auch die Versorgung mit Löschwasser bei Bränden nötig. Nach einigen Feuersbrünsten im 17. Jahrhundert war die Zahl der Brunnen auf 193 (1727) erhöht worden. Bis 1709 waren die öffentlichen Ziehbrunnen wohl alle in Rohrbrunnen mit Pumpwerk und hölzerner Ummantelung gewandelt. Mit Holzkästen war das Pumpwerk umgeben, Schwengel und Wasseraustritt ragten heraus, oben waren sie meist wettersicher abgedeckt.Hans-Werner Klünner: Straßenmöbel in Berlin. Katalog zur Ausstellung, Berlin 1983, S. 6. In wohlhabenden Vierteln waren die Brunnen aufwändiger gestaltet und ab 1810 bis 1830 wurden an ausgewählten Stellen attraktivere Modelle, teils die von Schinkel entworfenenAufnahme-Nr. 1.034.584 © Bildarchiv Foto Marburg / Foto: unbekannt; Fotokonvolut: Archiv Dr. Franz Stoedtner, Hersteller:Karl Friedrich Schinkel, Gattung:Brunnenskulptur mit Zinkgussgehäusen verkleidete Straßenbrunnen in der Innenstadt aufgestellt.bpk-bildagentur – Bild-Nr. 70347153: Max Panckow: Wasserpumpe in der Wilhelmstraße (mit Zinkgussgehäuse), Aufnahmedatum: 1870–1875
Im Jahr 1660 (nach dem Dreißigjährigen Krieg) waren in Berlin und Cölln 379 private und 51 öffentliche BrunnenHilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 23: „Eine Brunnenkarte von Berlin/Cölln für das Jahr 1660“. für 1260 Hausstellen vorhanden. Es waren nicht abgedeckte, aber ausgemauerte runde Kesselbrunnen von 1,5 m Durchmesser und 5 m Tiefe. Das Wasser wurde mit einem Strick und Wasserbottich gehoben, drei Brunnen in Cölln und einer am alten Markt waren überdacht, zum Hochziehen der Eimer gab es Eisenketten.Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 23: Für Mitte des 18. Jahrhunderts waren einige Kesselbrunnen zu Rohrbrunnen (Pumpenständer aus Holzrohren mit Rückschlagventil) umgestaltet worden. Die Brunnenzahl um 1740 nennt 242 Brunnen: 59 für Berlin, 29 für Cölln, 14 für Friedrichwerder, 73 für Friedrichstadt, 31 für Berliner Vorstädte, 13 für Cöllner Vorstädte; 1785 waren es 517 Brunnen. Das Schloss erhielt 1719/1720 eine eigene Versorgung. Hundert Jahre späterDie Zahlen stehen für 1802. In diesem Jahr war nach 15 Jahren Bauzeit die vier Meter hohe und 17 Kilometer lange Zoll- und Akzisemauer vollendet, die Berlin umschloss. Es gab 14 Tore und die Mauer umschloss 13,5 km² Stadtfläche. besaß Berlin 7241 Häuser (mit zwei oder drei Stockwerken) für 176.837 Einwohner (1709: 55.000) und 1806 sind im Verzeichnis 7314 Häuser, 133 Straßen, 91 Gassen, 18 Plätze und Märkte sowie 5588 Brunnen (davon 560 öffentliche) aufgeführt. 1845 gab es dann 7994 Vorderhäuser und dazu 7317 Hinterhäuser und Seitenflügel.Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 33 ff. Für diese Häuser (teilweise für zwei) existierten Hofbrunnen.Abbildungen dazu: Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 23 Hofbrunnen auf den Grundstücken außerhalb des öffentlichen Straßenraums standen teilweise bis in die 1930er Jahre.Bild eines Hofbrunnens in der Stralauer Straße: bpk-Bild-Nr.: 50132425 – Willy Römer: Ein Hof in der Stralauerstraße, ein typischer Berliner Hof mit Teppichstange und Plumpe. Aufnahmedatum: 1910, Inventar-Nr.: WR_02746_01 // auch Bild-Nr.: 50132425 – Willy Römer: „Kleinholz-Händler ruft auf dem Hof aus.“ 1932.Bild-Nr. 40000809 – Friedrich Seidenstücker: Hinterhof mit Stallungen in der Berliner Straße in Wilmersdorf, 1932 ©bpkBild-Nr.: 70268874 Willy Römer: Hof Kleine Kurstraße, eingebauter Brunnen. Aufnahmedatum: 1904Hofansicht mit Schwengelpumpe (links) Gasthof zur Stadt Ruppin, Spandauer Straße Nr. 79, Foto von F. Albert Schwartz, Quelle: bpk, dort Angabe 1880 Im öffentlichen Straßenraum zur allgemeinen Nutzung standen 817 Straßenbrunnen im Jahr 1845 und 20 Jahre später (1865) 937 Straßenbrunnen zur Verfügung. Die öffentlichen Brunnen waren (bei zunehmenden Umbau der Ziehbrunnen) mit Holzgehäusen umgebene Pumpen mit einem Dach als Abschluss und mit Stroh (gegen das Einfrieren im Winter) ausgefüllt. Ein Brett unter der Tülle schützte das Gehäuse vor Wasser. Die Pumpen waren durchbohrte Holzstämme aus Kiefer (Kiene) mit einem Holzschwengel. Zugstange und Kolben waren aus Eichenholz mit Lederdichtung, abgedichtet wurde mit Hanf und Rindertalg. Verbindungsteile waren aus Schmiedeeisen. Es gab mitunter Bleiverbindungsteile und Kupfer für Rohre, zunächst gusseiserne Tüllen. Der Anteil an schmiedeeisernen Teilen stieg zum 19. Jahrhundert und mit dem Ausbau der Eisengussindustrie kam Gusseisen zum Einsatz. Ab 1861 sind die ersten vollständig gusseisernen Pumpen („kalifornische Bauart“) aufgestellt, seither ließ der Magistrat die Holzpumpen ersetzen.Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 36
Mit der InbetriebnahmeDie ursprüngliche Wasserversorgung bestand in Berlin – wie anderswo – aus zu Ziehbrunnen ummauerten Quellen oder in Becken gestautem Wasserlauf. „Über die Brunnen wurden hölzerne Obelisken mit Zugwerk dran und Ausflussrohr gezimmert. 1660 hatte Berlin innerhalb der Stadtmauer 51 solcher Modelle. Wer seine Pumpe nicht instand hielt, hatte mit 10 Talern [ca. 150 Euro] Bußgeld zu rechnen.“ Aus Berlin – von Kennern für Kenner – Trinken verboten! In: taz-archiv, 17. Februar 2004. der zentralen Berliner Wasserleitung 1856 kamen die 957 vorhandenen öffentlichen Brunnen (davon 50 mit dekorativem Zinkgussgehäuse)Hans-Werner Klünner: Straßenmöbel in Berlin. ENKA-Druck, Berlin 1983, S. 9 – Bild 6. im (damaligen) Berliner Stadtgebiet in die Verwaltung des Königlichen Polizeipräsidiums, sie dienten vorwiegend für das Feuerlöschwesen. Nach Verhandlungen wurden im Jahr 1880 die 836 Brunnenkessel mit 1286 PfostenAls Pfosten wurden die Brunnenständer benannt, in denen sich der Pumpenzug befand. und 46 Rohrbrunnen in Stadtbesitz genommen. Damals saugten Pumpen Wasser aus gemauerten Brunnenkesseln, in denen sich Grundwasser sammelte. Diese Pumpen waren meist eingehaust wegen besserer Ansicht, vorrangig wohl zum Schutz vor Frostschäden im Winter. So standen übermannshohe KästenEin Beispiel bietet ein Bild von der Friedrich-/ Ecke Jägerstraße aus dem Jahr 1860/1865 auf stadtbild-deutschland.org mit einem Rohr an den Straßen, die jedoch zunehmend verschmutzten.Hilmar Bärthel: Wasser für Berlin. S. 42: Abbildung „Wasserpumpe und Abort dicht nebeneinander“.Ursachen der Verschmutzung waren Latrinen im Hof nahe zum Brunnenkessel. Wegen der Enge im Stadtraum wurde beim Bau der Sand im Hof für den Mörtel genutzt. So kam neben den Brunnenkessel Bauschutt, Abfall und Müll eingelagert. (Isidor Albu: Die öffentliche Gesundheitspflege in Berlin: Für Behörden, Baumeister und Ärzte unter Benutzung des gesamten amtlichen Materials. Berlin 1877, Verlag von E. H. Schroeder; )
Eiserne Rohrbrunnen
Nach einem geänderten Pumpenprinzip hatte der Ingenieur Otto Greiner in den 1870er Jahren einen eisernen Rohrbrunnen entwickelt,Die Abbildung einer Konstruktionszeichnung des Greinerschen Rohrbrunnens findet sich in Hans-Werner Klünner: Straßenmöbel in Berlin, ENKA-Druck, Berlin 1983, S. 11. der das Wasser auch aus tiefliegenden Bodenschichten ansaugen konnte. Je nach Qualität und Menge des erreichbaren Grundwassers wurden die (anfänglich ausschließlich) oberflächennahen Flachbrunnen zu Tiefbrunnen (Bohrbrunnen bis 40 Meter unter der Straßenoberfläche) umgestaltet.Kerstin Sittner-Hinz: An jeder Ecke: Berliner Strassenmöbel. Bezirksamt Mitte von Berlin Kulturamt (Hrsg.), Museum Mitte von Berlin, Berlin 2009. Die Brunnenschächte wurden weiterhin gemauert, für diese gab es die Abdeckung neben dem Brunnenfuß für Inspektionen. Von den Greinerschen Brunnen gab es drei Ausführungen, davon I und II mit gesondertem Anschluss für die Feuerwehr. Der Brunnenbaumeister Louis Lohde (Unternehmen seit 1807)Siehe auch : „Im Jahre 1807 entstand im alten Berliner Zentrum das heutige Brunnenbauunternehmen. Aufgrund von Innovationen und technischen Weiterentwicklungen wurden bereits 1888/1889 verrohrte Solquellenbohrungen bis in Tiefen von 328 m ausgeführt.“ Laut Website: Louis Lohde GmbH mit Unternehmensstandort Mehringdamm 47. schuf nach dem Greinerschen Prinzip seine ebenfalls in drei Gehäusetypen gestalteten Rohrbrunnen. Statt der Schwengel für das Pumpgestänge hatten alle sechs Ausführungen einen Handgriff zum Auf- und Niederziehen. Die Aufstellung der eisernen Rohrbrunnen begann nach einem Probestandort seit 1877 und ersetzte die Pumpkästen mit Schwengeln auf Kesselbrunnen. Bis 1892 wurden 450 Exemplare der neuen Straßenbrunnen aufgestellt. Davon existierten 1937 noch 118 Exemplare. Der Brunnenkörper des letzten Rohrbrunnens steht noch 2020 in Berlin-Mitte und ist in die Denkmalliste aufgenommen. Die Gestaltung der Gehäuse der Brunnen Greiners wurde vom Architekten Eduard Jacobsthal ausgeführt. Unterscheidungsmöglichkeit der sechs Typen ist die Form der Brunnendeckel. Die Schmuckelemente bei Greiner ziehen sich vom Ring in Ausflusshöhe nach unten. Die Ähnlichkeit der sich am Gehäuse hochziehenden Blütenmuster legt eine Arbeit ebenfalls von Jacobsthal nahe. Dem Wasseraustritt gegenüber tragen die Brunnen von Lohde ein Firmenwappen.