Die Sankt-Nikolai-Kirche ist eine im Jahr 1670 aus Holz errichtete evangelisch-lutherische Kirche in Altenau, Landkreis Goslar.
Geschichte
Erste Gemeindearbeit (bis 1588) Erste Gottesdienste in Altenau wurden in einem alten Zechenhaus von 1520 durch Geistliche aus Clausthal gehalten. Im Jahr 1579 ist in der Kirchenvisitation des Herzberger Schlosspredigers Johannes Schellhammer von einem Pastor uff der Altenaw die Rede. Er habe nicht viel uber 50 leichte gülden und bitte um eine Wiese, um sich nebenerwerblich Vieh halten zu können. Auf seine Bitte hin wurden ihm Weideplätze an der heutigen Schützenklippe, am Hang des Mühlenbergs in Richtung der Kleinen Oker und an der Straße nach Sankt Andreasberg gewährt. 1582 hat der Pastor der Gemeinde Geld zu 4 Gulden Zins geliehen. Wenn die Schuldiger pro Quartal 5 Gulden zahlen, will er den Zins streichen.
Erste Sankt Nikolai Kirche (1588–1668) 1588 wird urkundlich erstmals eine Kirche in Altenau erwähnt, sie war bereits als Sankt Nikolai Kirche geweiht.Heinrich Mohr: Altenau einst blühende Bergstadt. In: Allgemeiner Harzer Bergkalender, 1950 (Wikisource). Diese stand an derselben Stelle wie die jetzige Kirche, auf einer Terrasse über der Oker am Übergang von Oberstraße zu Bergstraße. Ausgangslage des Standortes war die damalige Siedlungssituation Altenaus. Damals existierten zwei Siedlungen, eine am oberen Teil der Oberstraße, wo Bergbau in den Gruben Schatzkammer und Rose betrieben wurde, und ein anderer Siedlungskern existierte an der damaligen Silberhütte im Bereich der Rothenberger Straße. Bewohner beider Ortsteile hatten so einen ähnlich weiten Kirchweg zurückzulegen. Um die Baukosten für die erste Kirche finanzieren zu können, nahm die Gemeinde bei der clausthaler Knappschaft ein Darlehen in Höhe von 20 Gulden auf. Dieser Bau war zunächst ohne Wetterschutz ausgeführt. Die Wände des Gebäudes bestanden lediglich aus zusammen getrockneten Baumstämmen, das Dach war mit Holzschindeln gedeckt und der Dachreiter war kaum höher als der Dachfirst. Der damalige Pastor Brennecke ließ 1592 zwei in Altenau verfasste Bergpredigten in Wittenberg drucken. Der bauliche Zustand der Kirche änderte sich 1603 mit einer notdürftigen Verkleidung, der Dachboden wurde mit Dielenbrettern versehen und die Fenster im Turm erhielten Fensterläden. Dies konnte erst mithilfe der Forstverwaltung geschehen, welche zinsfrei Bauholz vom Schwarzenberg zur Verfügung gestellt hatte. Der Maler Heinrich Schwieger aus Zellerfeld verzierte von 1603 bis 1605 den Innenraum der Kirche mit biblischen Motiven, und die Aegidienkirche zu Osterode schenkte im selben Jahr eine Altarplatte. 1606 erhielt der Kirchturm die erste Uhr und 1614 wurde der Fußboden der Kirche mit Dielen ausgelegt. Das Ziffernblatt und die Uhr wurden um 1630 erstmals erneuert. Der Kirchturm wurde 1642 abgerissen und ein neuer Turm für 600 Gulden errichtet. Die Gemeinde bekam 1603 ein Zechenhaus geschenkt, das 1644 nach einem Brandschaden neu gebaut wurde und bis in die 1960er Jahre als Schulgebäude diente. Der Vorgängerbau der St.-Nikolai-Kirche, der auf einem Stich von Caspar Merian aus dem Jahre 1654 zu sehen ist, wurde aufgrund der steigenden Einwohnerzahl Altenaus sowie seines schlechten Erhaltungszustandes 1668 abgerissen. Unterhalb der Kirche verlaufen die Gruben Lustgarten, Berg Zion und Georg der 3., welche dem Kirchberggang zuzuordnen sind und die bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Betrieb waren.Dennert-Tanne am Marktplatz Altenau
Errichtung der jetzigen Sankt Nikolai Kirche (1669) An derselben Stelle der Vorgängerkirche, entstand der Neubau. Für die geplante Baumaßnahme baten Richter und Kirchenvorstand am 24. Mai 1668 beim Landdrosten in Osterode um Spenden. Am 8. Juni gleichen Jahres wurde die am Altenauer Bergbau beteiligte Witwe Herzogin Dorothea Sophie des verstorbenen Herzog Christian Ludwig von Braunschweig-Lüneburg um Gaben gebeten. Am 26. September 1668 ging man auch den Landesherren um eine Beihilfe an. Im Mai 1669 vereinbarten Richter und Rat mit dem Zimmermeister Thomas Eckhard, dass die neue Kirche 80 Fuß lang (25 Meter), 46 Fuß (13,4 Meter) breit und bis zur Saumschwelle 24 Fuß (7,3 Meter) hoch sein sollte. Als Tageslohn für den Zimmermeister vereinbarte man 18 Groschen, für den Gesellen 9 und für den Lehrling 6 Groschen. Das neue Gebäude wurde an Pfingsten 1670 (25. Mai 1670) vom Pastor Bertram in Gegenwart des Zehntners, des Hüttenmeisters und des Forstschreibers der Bergstädte Altenau und Clausthal der Dreifaltigkeit geweiht. Dazu wurden am nördlichen und am südlichen Eingang folgende Inschrift eingefügt, welche 1791 entdeckt wurden und als Chronogramm ausgeführt ist:
Die Bezeichnung als Trinitatiskirche wurde nur sporadisch bis in die 1970er Jahre genutzt, der Name des Vorgängerbaus St. Nikolai wurde dennoch beibehalten. mini|Dachstuhl
Baubeschreibung Die Sankt-Nikolai-Kirche ist als Fachwerkgebäude aus Nadelholz auf einem massiven Sockel auf einem stark abschüssigen Nordhang über der Oker errichtet worden. Im Sockelbereich des Nordhangs befindet sich zudem der Eingang zum Heizungskeller. Der Sockel ist leicht zum Gebäude hin geneigt und besteht aus Grauwacke-Bruchsteinen, welche mit einer Putzschicht bedeckt sind. Das Gelände der Südfassade liegt zwei bis drei Meter tiefer als das Straßenniveau der davor befindlichen Ober- und Bergstraße. Als wesentliche Merkmale des Gebäudes sind der Dachreiter mit Welscher Haube und Laterne im Westen, die in den Dachraum einschneidende Holztonne, der 3/8-Chorschluss und die eingeschossige Empore zu nennen.
Das Gebäude hat die folgenden Außenabmessungen:
Die Breite beträgt 13,3 m, wobei die beiden Vorbauten noch einmal 2,1 m und 2,4 m über die jeweilige Fassade vorspringen. Die Länge beträgt 25,1 m, im Westen ist ebenfalls ein Vorbau vorhanden mit einer Tiefe von 2,7 m. Die Höhe bis zur Traufe beträgt 6,5 m und bis zum First des Kirchenschiffes 12,5 m.
Die Holzkirche mit dreiseitigem Chorraum wurde aus Fichten- und Eichenholz in Fachwerkbauweise errichtet. Die Gefache des Fachwerks sind harztypisch nicht mit Stein oder Lehm, sondern mit waagerechten Ausladhölzern gefüllt und mit einer senkrecht verschalter Fassade geschützt. Die Emporen sind auf der Süd-, West- und Nordwand angeordnet. Die Träger der Emporen sind in die Stiele der Außenwände mit hölzernen Zapfen verbunden und im Inneren mit profilierten Stützen. Die beiden östlichen Säulen der Emporen sind als Hängesäulen konstruiert und werden von einem Hängewerk im Dachbereich getragen. Die hölzerne Tonne besteht aus Brettern, welche auf halbrunde Spanten genagelt sind und erstreckt sich zwischen den beiden Säulenreihen vom Turm ausgehend zum 3/8 Chorschluss. Die Holztonne durchbricht den Dachboden über der Empore und teilt diesen in einen umlaufenden Gang. Bei den Fenstern handelt es sich um Sprossenfenster und das Gebäude hat ein abgewalmtes Dach, welches als Kehlbalkendach mit stehendem Stuhl ausgeführt ist. Die Deckenbalken lasten hierbei in der ersten Kehlbalkenlage, wobei die Ständerbalken auf den Stützsäulen im Innenraum lasten. Im Bereich des Chorschlusses ist das Gebälk radial angebracht, lastet auf dem Außenrähm und wird durch einen Hängebalken im Inneren gehalten. Die Kirche hat drei Eingänge, die mit Vorbauten versehen sind. Der Haupteingang liegt am Übergang von Oberstraße zu Bergstraße. Ein weiterer Eingang befindet sich in einem Vorbau am Uhrturm und der letzte Eingang liegt gegenüber dem Haupteingang an den Treppen zum Marktplatz. Somit ergeben die Eingänge eine Art Querschiff.
Umbauten und Instandsetzungen Bereits 1684 musste der Zimmermann Elias Heinemann die Kirche mit 16 Eichenstämmen unterschwellen und ein Jahr später das Dach mit 200 Schindeln neu eindecken. 1689 wurde die Außenseite mit neuer Fassade versehen und 1700 sollte der Turm mit 20 neuen Eichenstämmen neu errichtet werden. Die Reparaturen, welche 232 Taler kosteten, verzögerten sich aus Kostengründen jedoch bis 1735. Der Westgiebel wurde 1742 für 139 Taler neu verschalt, was 1820 abermals geschah und 136 Taler kostete. Erst 1857 bekam die Kirche ihren ersten Innenanstrich, zuvor hatte sich Lehrer Rögener schon 1827 über den vernachlässigten Eindruck wie folgt geäußert:
1858 wurde der Turm für 118 Taler instand gesetzt. Die Orgelempore musste 1861 vergrößert werden. 1866 wurde das Dach erstmals mit Dachziegeln statt mit Holzschindeln neu gedeckt. 1905 bekam das Kirchenschiff die erste Heizung, welche jedoch schon 1924 ersetzt werden musste, da das Heizwasser im Winter gefror. 1910 wurde ein Blitzableiter installiert.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es in dem Zeitraum von 1951 bis 1957 zu Renovierungen an der Kirche. 1951 erhielt das Gotteshaus einen neuen Außenanstrich. Die Heizung von 1924 ist 1955 durch eine Warmluftheizung der Firma Kori (Berlin) ersetzt worden, 1956 wurde der Turm neu beschiefert und 1957 erhielt die Kirche einen neuen Innenanstrich. Zum Abschluss der Bauarbeiten fand am 15. Dezember 1957 ein Festgottesdienst mit Landesbischof Hanns Lilje statt. Der Außenanstrich wurde 1961 erneuert. 1987 ist eine Gas Warmluftheizung eingebaut worden und die Fenster erhielten 1980 eine zweite Innenverglasung.
Weitere Instandsetzungen fanden 1999 sowie 2006 statt. 1999 wurden der Kirchturm, der Westgiebel und Teile des Fundaments instand gesetzt, nachdem Fäulnisschäden auftraten. Der Dachreiter hatte sich zu dem Zeitpunkt um 22 cm geneigt. Die Turmhaube und Laterne mussten abgetragen und komplett neu aufgebaut werden. Dabei hat man den Dachreiter statt mit Schiefer nun mit Blei gedeckt. Die Bauarbeiten wurden 2001 beendet und kosteten über 1,5 Mio. DM / 715.000 Euro.
2004 wurden weitere Schäden im Fundament und in der Dachkonstruktion festgestellt. Hervorgerufen durch einen undichten Regenwasserkanal setzte sich das Fundament im südöstlichen Chorbereich um bis zu 21 cm. Daher mussten ein tragender Schwellbalken aus dem Jahr 1684, das Fundament, die beiden Portale, verzogene Dachbalken im Chorbereich und drei Säulen der Empore saniert werden. Zudem erhielt das Gebäude eine Fassadensanierung und im Zuge dessen seinen derzeitigen weinroten Außenanstrich. Am 1. Oktober 2006 wurden die Baumaßnahmen abgeschlossen. 2021 wurden die Bänke im Kirchenschiff neu gestrichen.
Denkmalschutz Die St. Nikolai-Kirche mit ihrem historischen Gestühl steht zusammen mit dem ehemaligen Pfarrhaus in der Bergstraße 1 und dem ehemaligen Küsterhaus in der Oberstraße 1 unter Denkmalschutz und bildet das Gruppendenkmal „Kirchhof“ (Kennziffer 153001Gr0006).
Inneres mini|hochkant|Eingang Marktplatz mini|Blick von der Orgel Richtung Altar mini|Blick vom Altar Richtung Orgel Der recht schlicht gehaltene Innenraum, welcher einen oliv grauen und violettfarbenen Anstrich von 1957 hat, ist tonnengewölbt dreischiffig und verfügt über ein Langhaus mit Mittelschiff, Seitenschiffen und Altar abgeht. Das Mittelschiff verfügt über ein Kirchengestühl mit 22 Laienbänken und das Seitenschiff über Prichen, welche nun jedoch ebenfalls für Gottesdienstbesucher zur Verfügung stehen. Von der Vierung geht weiteres Chorgestühl in nördliche Richtung ab. Von der Vierung aus führen Treppen zur dreiseitigen, U-förmigen Empore, welche mit dreireihigen Sitzbänken versehen ist. Gestützt wird die Empore durch marmorisierte Pfeiler aus Fichtenholz, die auch das Tonnengewölbe tragen. Die Gemeinde saß ursprünglich nach Geschlechtern getrennt, die Frauen und Kinder saßen auf den längs zum Kirchenschiff installierten Emporen, welche 1730 verlängert wurden und die Männer auf den Kirchenbänken und Sitzabteilen im Erdgeschoss. Insgesamt bietet das Gebäude 450 Plätze.
Die Sankt Nikolai Kirche trägt das Signet der verlässlich geöffneten Kirche, womit es Interessierten während der Sommermonate täglich für Besichtigungen offen steht. mini|Altarraum zur Weihnachtszeit mit Krippe