Naomi Seibt (* 18. August 2000 in Münster) ist eine deutsche Webvideoproduzentin und politische Aktivistin mit Wohnsitz in den USA, die durch ihre rechtsextremen Positionen und ihre Nähe zur Alternative für Deutschland (AfD) Bekanntheit erlangte. Sie wurde zunächst als Widersacherin zur Klimaaktivistin Greta Thunberg bekannt, da sie in ihren YouTube-Videos den menschengemachten Klimawandel leugnete und sich gegen die Klimaschutzbewegung positionierte. Im April 2021 wurde ihr YouTube-Kanal wegen Verstößen gegen die Gemeinschaftsrichtlinien, insbesondere aufgrund von Fehlinformationen und Belästigung, gesperrt, 2024 wurde er wieder freigeschaltet.

Im Jahr 2024 zog Seibt in die USA. Ihre Bekanntheit steigerte sich, als Elon Musk mehrfach ihre Beiträge auf seinem sozialen Netzwerk X teilte und kommentierte.

Leben

Jugend, Ausbildung und Anfänge im Aktivismus Naomi Seibt wurde am 18. August 2000 in Münster geboren und ist die Tochter einer Rechtsanwältin. Als Kind habe sie unter gesundheitlichen Herausforderungen gelitten und ihren Vater nie kennengelernt.Thomas Escritt: Meet the influencer who has Elon Musk's ear on Germany's far-right. Reuters. 10. Januar 2025.

Nach der Grundschule besuchte Seibt das bischöfliche Gymnasium St. Mauritz in Münster. Im Jahr 2013 erreichte sie den ersten Platz im Bereich Physik beim Münsteraner Regionalwettbewerb des Schülerwettbewerbs „Jugend forscht – Schüler experimentieren“ und siegte 2014 beim Landeswettbewerb Nordrhein-Westfalen im Bereich Chemie.Erfolg beim Landeswettbewerb "Jugend forscht!", gymnasium-st-mauritz.de, 14. Mai 2014. 2014 gewann sie einen Debattierpreis mit einem „veganen Manifest“, in dem sie ausführte, dass „Fleischkonsum durch den Menschen per se unmoralisch ist“.

2017 legte sie ihr Abitur ab und begann ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Mannheim. Nach eigenen Angaben brach sie dieses Studium ab, um ein Fernstudium der Psychologie aufzunehmen.

Im Jahr 2019 traf Seibt auf Christopher Monckton, der den Kontakt zum Heartland Institute herstellte. Diese US-amerikanische Denkfabrik, die den menschengemachten Klimawandel leugnet, unterstützte Seibt über drei Monate hinweg mit einem monatlichen Betrag von 4.000 US-Dollar. Im Mai 2019 startete sie einen YouTube-Kanal, auf dem sie regelmäßig ihre Ansichten äußerte. Ihr erstes Video auf dem Kanal war ein Gedicht, mit dem sie an einem Wettbewerb der AfD teilnahm. Bekanntheit erlangte sie durch einen Auftritt im November 2019 auf der Jahreskonferenz der Klimaleugnerorganisation EIKE.

Im März 2020 sagte Seibt in einem Interview mit der FAZ, dass sie für sich „gerade keine wirkliche Zukunftsperspektive“ sehe und zuletzt „fast depressiv“ gewesen sei. Im März 2021 gab Seibt an, das Psychologiestudium abgebrochen zu haben, um sich selbstständig zu machen. (Offline) Nach eigener Aussage schwebte sie nach einer Blinddarmoperation in Lebensgefahr, habe nach dieser an einer Magenlähmung gelitten und nur noch ein Gewicht von 28 Kilo auf die Waage gebracht.

Im April 2021 wurde von YouTube zwischenzeitlich die Sperrung ihres YouTube-Kanals aufgrund von Verstößen gegen die Community-Richtlinien zu Fehlinformationen und Belästigung veranlasst. 2024 war der Kanal wieder erreichbar.

Übersiedlung in die USA und Unterstützung rechter Politiker Im Jahr 2024 verlegte Seibt ihren Hauptwohnsitz in die Vereinigten Staaten, was sie im Gespräch mit der Jungen Freiheit damit begründete, dass Deutschland „aktuell zu gefährlich“ für sie sei; die Medien hätten sie zur „Zielscheibe“ gemacht. Aus den USA berichtete sie regelmäßig über den Präsidentschaftswahlkampf und schloss sich den Unterstützern von Donald Trump an. In einem Interview mit dem rechtsextremen Sender AUF1 sagte sie, die Gegenkandidatin Kamala Harris sei „nicht eloquent, [...] nicht intelligent, [...] überhaupt nichts“. Im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2025 warb Seibt für ein Live-Video-Gespräch auf X zwischen der AfD-Politikerin Alice Weidel und dem US-Unternehmer Elon Musk.

Seit Juni 2024 hat Elon Musk mehr als vierzigmal auf Beiträge Seibts auf X reagiert. Laut einer Übersicht der internationalen Nachrichtenagentur Reuters zählt sie damit zu einer Gruppe europäischer Influencer, deren Inhalte er in den letzten Monaten besonders häufig aufgegriffen hat.Fact check: Climate change skeptic Naomi Seibt was not banned from social media for her views and she is appealing a regulator’s order to remove two videos, Reuters Fact Check, 28. Mai 2020.

Ende Dezember 2024 hat Musk die AfD mindestens sechs Mal explizit in Tweets erwähnt und sich mehr als ein Dutzend Mal in weiteren Tweets mit Seibt ausgetauscht, hauptsächlich über deutsche Politik. Ende 2024 sprach Musk schließlich eine Wahlempfehlung für die AfD aus und begründete diese mit einem Video von Seibt. Bereits zuvor hatte Musk sich mehrfach auf Äußerungen von ihr bezogen.Sie erklärt Elon Musk die deutsche Politik: Wer ist Naomi Seibt?. In: T-Online, 20. Dezember 2024. Abgerufen am 20. Dezember 2024. Nach Recherchen der Wochenzeitung der Freitag ließ sich Musk zuvor von Seibt die deutsche Parteienlandschaft erklären und kommentierte ein Kurzvideo von ihr mit dem Satz „Only the AfD can save Germany“ (nur die AfD kann Deutschland retten). In dem Kurzvideo warnte Seibt vor einer schwarz-grünen Koalition, die einen „öko-sozialistischen nationalen Suizid“ zeitigen würde.Ole Nymoen: Naomi Seibt: Die rechtsextreme Streberin. der Freitag 9. Januar 2025.

Im Herbst 2024 besuchte Seibt laut ihrem X-Profil die Wahlparty von Donald Trump.

Seibts YouTube-Kanal verzeichnete im Dezember 2024 zirka 110.000 Abonnenten. Sie ist überzeugt, dass ihre Tätigkeit als selbsternannte „freie Journalistin“ mit sehr vielen Followern auf der Plattform X der AfD zugutekommen könnte. Sie behauptete allerdings, dass die Partei sie ignoriere: „Der Kontakt zu mir wird aus irgendeinem Grund abgeblockt, obwohl ich mich sehr bemühe.“

Asylantrag in den USA Im Oktober 2025 beantragte Naomi Seibt in den USA politisches Asyl. Seibt erklärte in Deutschland wegen ihrer politischen Ansichten und ihres Eintretens für Meinungsfreiheit verfolgt zu werden. Ihr drohe eine Gefängnisstrafe und Gewalt.Jens Greinke: Die Anti-Greta aus dem Münsterland / Die rechte Influencerin Naomi Seibt beantragt in den USA politisches Asyl In: Westfälischer Anzeiger, Ausgabe Drensteinfurt, vom 12. November 2025, Seite 3

Konkret begründet Seibt ihren Asylantrag damit, aus dem linksextremen Milieu Mord- und Vergewaltigungsdrohungen erhalten zu haben – insbesondere nachdem Medien eine ideologische Nähe zwischen ihr und dem Tatverdächtigen für den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt suggerierten. Sie wirft der Polizei vor, sie mit derartigen Drohungen in der Vergangenheit allein gelassen zu haben. Sie äußerte zudem im Zusammenhang mit der Fahndung nach dem rechtsextremen Aktivisten Aron Pielka überwacht worden zu sein. Die Überwachung richtete sich laut Medienrecherchen jedoch nicht gegen Seibt selbst, sondern gegen den Anschluss eines gemeinsamen Freundes von ihr und Pielka.

Als weiterer Hintergrund von Seibts Aussage politisch verfolgt zu werden gilt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz seit 2019 Daten zu ihr gespeichert hat und es strafrechtliche Ermittlungen wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung gegen sie gibt. So soll sie im Kurznachrichtendienst X ein Video von Migranten in Deutschland geteilt und hierzu geschrieben haben: „Wer würde ein Mädchen unter diesen blutrünstigen Migrantentieren großziehen?“. Gegen einen entsprechenden Strafbefehl hat Seibt Rechtsmittel eingelegt. Der Strafprozess gegen sie soll im November 2026 beginnen. Zwei weitere Ermittlungsverfahren gegen sie wurden eingestellt.

Ermutigung für ihren Asylantrag hat Seibt nach eigener Aussage von Elon Musk erhalten.Andreas Scheiner: Eine AfD-Influencerin beantragt Asyl in den USA / In Deutschland sei sie nicht sicher, behauptet Naomi Seibt In: Neue Zürcher Zeitung vom 18. November 2025, Seite 2 Unterstützt wird sie hierbei zudem durch die republikanische Kongressabgeordnete Anna Paulina Luna aus Florida.

Positionen Während sich Seibt zunächst vor allem zu Klimathemen äußerte, propagiert sie mit Stand 2024 auch weitere rechte Narrative.Die Deutsche, die Elon Musk zum AfD-Fan macht. In: Stern, 23. Dezember 2024. Abgerufen am 26. Dezember 2024.

Attentat von Halle 2019 In einem Video des ZDF sagt Seibt nach dem Attentat auf die Synagoge in Halle 2019, dass „der Otto-Normalverbraucher-Deutsche“ ganz unten stehe, darüber kämen Muslime, und ganz oben stehe „der Jude als das Unterdrückungsmerkmal schlechthin“. Seibt verneinte später, sich antisemitisch geäußert zu haben, sie habe ausdrücken wollen, dass zwischen den Gruppen keine Unterschiede gemacht werden sollten. Imran Ahmed vom Center for Countering Digital Hate hielt es jedoch für offensichtlich, dass Seibt mit ihren Aussagen uralte Stereotype einer jüdischen Privilegiertheit zum Ausdruck bringe; Weiße würden nach dieser Sicht von Juden unterdrückt. Auf Nachfrage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung führte Seibt aus, der Anschlag in Halle sei zwar antisemitisch motiviert gewesen und zu verurteilen, aber es sei „falsch, nur über jüdische Opfer zu sprechen“. Sie finde es nicht richtig, dass man „die Juden in den Himmel lobt“, da es „auch deutsche Opfer“ gegeben habe. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ordnete diese Aussagen als „wirr und haarsträubend“ ein.

Kontakte zur neurechten Szene Im Alter von sechzehn Jahren veröffentlichte Seibt erstmals einen Beitrag auf dem neurechten Blog Philosophia perennis. Ihre Mutter, die bereits zuvor auf dieser Plattform publiziert hatte, ebnete ihr dabei den Weg und schuf die Grundlage für ihre spätere Karriere als Meinungsmacherin in der neurechten Szene. Laut der Investigativ-Plattform Correctiv wurde Seibt bereits 2017 von David Berger unterstützt, dem Betreiber von Philosophia Perennis, in dem sie einen Gastbeitrag zum Thema Nationalismus veröffentlichen konnte. Kurz darauf habe die rechtsextreme Identitäre Bewegung in ihrem Blog auf ein Interview von Seibt verwiesen. Im Juli 2019 sei sie schließlich von Brittany Pettibone, der damaligen Freundin und heutigen Ehefrau von Martin Sellner, interviewt worden. Hierin zeige sich die Strategie eines „Netzwerkes“ aus der „Sphäre der Neuen Rechten“, „Nachwuchs“ aufzubauen, um „ein junges Publikum zu erreichen“.

In einem ihrer Videos bezeichnete Seibt laut dem Guardian den umstrittenen Internetaktivisten Stefan Molyneux, der der weiß-nationalistischen Alt-Right-Bewegung zugerechnet wird, als „Inspiration“. Ihre Mutter, die Rechtsanwältin Karoline Seibt, wies hingegen entschieden zurück, dass ihre Tochter die extreme Rechte unterstütze. Kurz darauf bestätigte Seibt jedoch in einem Interview auf Nachfrage, dass sie „weiterhin ein Fan, absolut“ von Molyneux sei. Im Jahr 2020 äußerte sie scharfe Kritik an der Sperrung von Molyneux’ YouTube-Kanal und verglich diese Maßnahme mit einer Bücherverbrennung.

Darüber hinaus engagierte sich Seibt für den verschwörungstheoretischen Autor und Journalisten Oliver Janich, indem sie einen Teil seines Buches Sicher ohne Staat auf Englisch für Spotify einsprach. Nach eigenen Angaben handelte es sich dabei um einen unentgeltlichen Freundschaftsdienst.Uwe Buse: Die Anti-Greta In. Der Spiegel, Nr. 38, 2020, S. 50. (spiegel.de)

Interview-Anfragen für Seibt wurden von Sendern wie Fox News, InfoWars und RT Deutsch gestellt. Zudem trat sie in Beiträgen und Diskussionen auf den Kanälen von Verschwörungsideologen wie Oliver Flesch und Samuel Eckert auf.Richard Buchner, Lisa Geffken, Una Titz: „Verschwörungserzählungen und Klimakrise: die Netzperspektive“ In: Tobias Meilicke, Cornelius Strobel (Hrsg.): Verschwörungserzählungen rund um die Klimakrise. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2023, S. 91–106, hier S. 93