mini|Kampfgelände von La Bassee Die Erste Schlacht von La Bassée war Teil der Kämpfe an der Westfront des Ersten Weltkrieges. Dabei kam es im Zuge des Wettlaufes zum Meer zwischen 10. Oktober und Anfang November 1914 auf beiden Seiten des Kanals von La Bassée zu heftigen Kämpfen zwischen dem britischen II. und dem deutschen VII. Armeekorps. In der Schlussphase wurde beim Ringen um den Besitz von Neuve-Chapelle auch das frisch an der Westfront eingetroffene Indische Korps eingesetzt.

Parallel dazu wurden weiter nördlich die Schlacht von Armentières durch das englische III. Korps mit dem deutschen XIII. Armee-Korps ausgetragen. Die Ergebnisse beider Schlachten waren auf britischer Seite ernüchternd, denn es war nicht gelungen, die Höhen von Aubers zu besetzen, die einen wichtigen Stützpunkt an der neu gebildeten Front geboten hätten. Die Schlacht von La Bassée und Armentières wurde von den noch gewaltigeren Kämpfen überschattet, die sich gleichzeitig weiter nördlich bei Ypern in der Ersten Flandernschlacht abspielten.

Vorgeschichte Im Zuge des Wettlaufs zum Meer hatte General Maudhuy, der Befehlshaber der französischen 10. Armee der schwachen Garnison von Lille unter Oberst Felix Pardieu baldigen Entsatz versprochen. Anfang Oktober hatte das französische XXI. Korps (General Maistre) seine linke Flanke (13. Division) bis nach Vermelles südlich des La Bassée-Kanals ausgedehnt. Westlich davon schoben sich das französische 1. und 2. Kavalleriekorps Conneau und de Mitry und einige Chasseurs auf die neue Frontlinie über Béthune nach Estaires und Merville zum La Lys Kanal vor. Die französische 6. Kavallerie-Division erreichte die Linie Fôret de Clairmarais bis Saint-Omer, wo der Anschluss an die 87. Territorial-Division erfolgte, welche eine wage Verbindung zum Hafen Dünkirchen hielt. Cassel und Lille waren noch von französischen Truppen besetzt.

mini|Feldmarschall John French Die British Expeditionary Force unter Feldmarschall John French war nach dem Abflauen der Aisneschlacht nach Flandern umgruppiert worden: am 8. und 9. Oktober traf die Masse der Truppen mit der Bahn in Abbeville ein und erhielt Weisung getrennt vorzurücken: Das II. Korps unter Smith Dorrien wurde über Béthune als Vorhut nach La Bassée, das III. Korps unter Pulteney über Estaires nach Armentières und das I. Korps unter General Haig über Hazebrouck nach Ypern verlegt. Das britische Kavalleriekorps unter General Allenby (1. und 2. Kavalleriedivision unter Lisle und Gough) deckte die Ankunft der Infanterie und drang bis 10. Oktober etwa 35 km tief nach Norden vor. Das II. Korps versuchte die noch nicht in nennenswerter Stärke versammelten deutschen Kräfte (29. Division) bei La Bassée nach Lille zurückzutreiben. Die 3. Division (General Hamilton) hatte sich entlang des Aire-Kanals, direkt an den Übergängen aufgestellt und stand dort mit der 5. Division (General Fergusson) in Kontakt. Zu seiner Linken befand sich das französische 1. Kavalleriekorps von General Louis Conneau, welches seine Divisionen nach La Couture – Richebourg und St. Vaast vorgeschoben hatte. Die englische 3. Division rückte am 8. Oktober ab 14:30 Uhr nachmittags mit der 8. Brigade in Richtung Herlies zu den Höhen von Aubers vor, die 7. Brigade machte die Franzosen bei La Couture frei. Mit der 7. Brigade war auch das 2. Royal Irish Schützen in die Kämpfe eingetreten. Die 8. Brigade wurde gestoppt und blieb mit Masse in Vieille-Chapelle stehen.

Am 9. Oktober traf das deutsche XIV. Armee-Korps (28. und 29. Division) unter General von Watter gegenüber den französischen Truppen ein und machten das 1. und 2. Kavalleriekorps frei, das dann einen flankierenden Marsch über Armentières ausführte. Das deutsche 4. Kavalleriekorps (3. und 6. Kavallerie-Division) unter General von Hollen, das noch nördlicher operierte, erschien am 7. Oktober in Ypern, bevor es von französischen Territorialtruppen vor Bailleul nach Osten zurückgedrängt wurde. Südlich des La Bassée-Kanals um Lens und Béthune lag ein Kohlebergbaugebiet voller Schlackenberge, Grubenhaufen (Fosses) und Bergarbeiterhäuser (Corons), welche den Franzosen gute Verteidigungsmöglichkeiten eröffnete. Nördlich des Kanals bildeten die Städte Lille, Tourcoing und Roubaix einen Industriekomplex mit abgelegenen Standorten in Armentières, Comines, Halluin und Menen.

Verlauf mini|Horace Smith-Dorrien Am Abend des 9. Oktober etablierte sich das englische II. Korps an der Frontlinie zwischen Hinges und Chocques, mit rechts flankierenden Einheiten etwa 5,6 km südlich und mit dem linken Flügel 7,2 km westlich der Stadt Béthune. Das deutsche I. und II. Kavalleriekorps unter General von der Marwitz versuchte den britischen Vormarsch aufzuhalten. Teile des deutschen XIV. Armeekorps verstärkten die Kavallerie und marschierten am nächsten Tag nach Hinges und am folgenden Tag nach La Couture, wo sie mit französischer Kavallerie in Kämpfe gerieten. Das englische II. Korps rückte vor, bis es entlang der Linie Estaires – Richebourg – Festubert – Givenchy auf deutsche Truppen traf. Daraus entwickelte sich ab 10. Oktober die Schlacht von La Bassée. An diesem Tag wurde dem britischen II. Korps (General Horace Smith-Dorrien) befohlen, nach Osten auf eine Linie vorzugehen, die von Givenchy nach Norden führte. Das deutsche XIII. Armeekorps wurde im Raum Valenciennes ausgeladen und war am 12. Oktober mit der 25. Reserve-Division und am folgenden Tag mit der 26. Division einsatzbereit. Teile des deutschen XIX. Armee-Korps hatten Lille besetzt und hatten bereits die Kavalleriedivisionen im Raum westlich der Stadt abgelöst.

Britische Angriffe ab 12. Oktober Die eigentliche Schlacht von La Bassée begann erst am 12. Oktober. Die britische 3. und 5. Division griffen an, um eine Linie von Givenchy nach Pont du Hem, 9,7 km nördlich des La Bassée-Kanals und die Höhen von Aubers zu erreichen. Am 13. Oktober gewann der Angriff der englischen 3. Division und der französischen 7. Kavalleriedivision nur wenig an Boden. In der Morgendämmerung des 13. Oktober kämpften die abgestiegenen Reiter der deutschen Kavalleriedivisionen und die angeschlossenen Jäger-Bataillone bei La Bassée noch um jeden Meter an Gelände. Um 12.30 mittags hatte das 3. Worcestershire-Regiment Richebourg und St. Vaast erreicht, wo die französischen Vorposten vor den Deutschen zurückgegangen waren. Links erreichte das 2. South Lancashire Regiment und die 2. Royal Irish Schützen den Abschnitt Croix Barbée und wurden dann durch deutsches Maschinengewehrfeuer gestoppt. Im Abschnitt der 5. Division ging der Ort Givenchy verloren, als Gegenangriffe der deutschen 28. Division einsetzten.

mini|Eberhard von Claer ca. 1915 Das deutsche VII. Armeekorps (General der Infanterie Eberhard von Claer) übernahm am 14. Oktober die Stellungen bei La Bassée, das XIII. Armeekorps bezog an den folgenden Tag mit der 26. Division die Linien bei Ennetières. Am 14. Oktober griff das II. Korps auf beiden Seiten des La Bassée-Kanals bei Givenchy und Cuinchy an, mit Hilfe der französischen Kavallerie folgten Einbrüche an den gegnerischen Flanken, die durch deutsche Gegenangriffe in der Nacht wieder beseitigt werden konnten. Während die deutsche 13. Division noch bei Souchez und der Lorettohöhe gebunden blieb, befand sich die 14. Division bereits in Verlegung nach Neuve-Chapelle. Die 25. Brigade (Generalmajor von Unruh) der 13. Division folgte nach La Bassee und rang nach der Ablöse der 28. Division um den Ort Givenchy. Die englische 3. Division, am linken Flügel des II. Corps eingesetzt, erlitt an diesem Tag einen schweren Verlust durch den Tod ihres Kommandeurs, Generalmajor Hubert Hamilton, dem früheren Militärsekretär Lord Kitcheners in Südafrika und Indien. Hamilton wurde um 10 Uhr durch Granatsplitter in der Nähe von Bout Deville (südlich von Estaires) tödlich verwundet, worauf Generalmajor Colin J. Mackenzie die Führung der Division bis zu dessen eigener Verwundung am 29. Oktober innehatte. Dann übernahm der Artillerieführer der 3. Division, Generalmajor F. D. V. Wing stellvertretend bis zum 22. November, dem Tag an dem General James Aylmer L. Haldane als neuer Kommandeur bei der 3. Division eintraf.

Erst am 15. Oktober erkannten die Briten, dass das deutsche Kavalleriekorps durch Linientruppen abgelöst worden war. Das VII. Armeekorps (14. Division und 25. Infanterie-Brigade) begann sofort Gegenangriffe an der gesamten Front des englischen II. Korps. La Bassée wurde von der 28. Division genommen, die 14. Division (Generalleutnant Fleck) drang auf Neuve-Chapelle vor. Um 14 Uhr nach der Bombardement die den ganzen Vormittag andauerte, gingen die Kämpfe weiter. General Smith-Dorrien befahl eine neue Offensive nach Südosten: Ziel war es, die deutschen Truppen, die die französischen Linien angegriffen hatten, nach Süden hin zu überflügeln. Die 2. Royal Irish Schützen, die bei der 8. Brigade auf der linken Flanke standen, stürmten durch Croix Barbée und erreichten die Hauptstraße nach Estaires.

Der 16. Oktober brachte dichten Nebel, was den englischen Angriff erheblich behinderte. Nachdem sich die Kolonnen langsam vorwärts fühlten, hielten sie um 11.30 Uhr auf der Straße Neuve-Chapelle – Fauquissart an. Givenchy wurde am 16. Oktober von den Briten zurückerobert, auch Violaines wurde erstürmt und am 17. Oktober konnte auf den Höhen von Aubers Fuß gefasst werden. Bis 18. Oktober strebten die Angriffe der 8. Brigade (Brigadegeneral Beauchamp J. C. Doran) nach Aubers vor, gegen den deutschen Widerstand um jedem Graben und jeder Brücke ringend, wobei Verluste von fast 1000 Mann eintraten.

Der 17. Oktober wurde für die Alliierten der erfolgreichste Tag der Schlacht, ihre Truppen konnten etwa zehn Kilometer in Richtung Osten bis zum Höhenrücken von Aubers vordringen. Die 9. Brigade (Brigadegeneral Frederick Charles Shaw), welche die 8. abgelöst hatte, vertrieb die Deutschen aus Aubers, während es französischer Kavallerie gelang in Fromelles einzudringen. Die Royal Irish Schützen eroberten das Dorf Pommereau an den Hängen des Aubers Ridge, der deutsche Widerstand schien zu erlahmen. Die britische 9. Brigade drängte unwiderstehlich vorwärts und nahm hinter den Kamm den Ort Herlies ein. Noch bevor dieses genommen war, wurden deutsche Verstärkungen erkannt, die von Fournes nach La Bassée anrückten.

Am 18. Oktober nahm der deutsche Widerstand wieder zu, der das englische II. Korps schrittweise zum Stehen brachte. Am frühen Morgen wurde das vordere Bataillon des 2. South Lancashire Regiment abgelöst und zog nach Pont Logy ab, wo es einige Stunden Ruhe hatte, bis es am Abend östlich des Bois du Biez wieder vorne eingesetzt wurde. Der Tag brachte einen erfolgreichen Angriff des 2. South Lancashire auf das Dorf Illies. Am 19. Oktober eroberte die 7. Brigade (Brigadegeneral Frederick McCracken) und französische Kavallerie den Ort Le Pilly (Herlies) und mussten sich dann vor dem deutschen Artilleriefeuer zurückziehen. Am Nachmittag stand die 7. Brigade mit allen Bataillonen im Abwehrkampf, hielt aber ihre Stellungen. Obwohl Le Pilly gehalten wurde, blieben alle weitere Bemühungen den Durchbruch zu erzwingen, erfolglos.

Deutsche Gegenangriffe ab 20. Oktober mini|Schlachtskizze 19. Oktober bis 2. November 1914 mini|Generalleutnant Paul Fleck, Kommandeur der 14. Division