mini|hochkant|Jens Harzer (2017) Jens Harzer (* 14. März 1972 in Wiesbaden) ist ein deutscher Schauspieler und seit März 2019 Träger des Iffland-Ringes.

Leben und Wirken Jens Harzer wurde 1972 in Wiesbaden geboren und wuchs dort auf. Die Schauspielerei entdeckte er als Schüler in der Theater-AG des Gymnasiums am Mosbacher Berg für sich. Daneben war er in seiner Jugend ein talentierter Mittelstreckenläufer und nahm an Deutschen Meisterschaften teil. Im Alter von 19 Jahren bewarb Harzer sich zur Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Die Mitglieder der Prüfungskommission hatten zunächst Zweifel, da Harzer zu zurückhaltend auf sie wirkte. Daraufhin übte Jörg Hube, der damalige Leiter der Schule, mit Harzer die Rolle des St. Just aus Dantons Tod ein, woraufhin Harzer die Aufnahmeprüfung bestand und von 1991 bis 1993 seine Schauspielausbildung absolvierte.Jens Harzer beim Schauspielhaus Bochum, abgerufen am 24. Juli 2023.

Münchner Kammerspiele und Residenztheater Noch vor Ende der Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule wechselte Harzer an die benachbarten Münchner Kammerspiele unter Intendanz von Dieter Dorn. In Dorn fand Harzer einen Förderer, dem er sich in seiner „Sprachversessenheit“ verbunden fühlte und mit dem er ab 1992 fast zwei Jahrzehnte lang zusammenarbeitete. An den Kammerspielen spielte Harzer früh große Rollen wie etwa Roberto Zucco, Urfaust, Torquato Tasso und Amphitryon. Wegweisend für Harzers weiteren Werdegang sollte die Uraufführung des Stücks Ithaka von Botho Strauß unter der Regie von Dieter Dorn im Jahr 1996 werden. Harzer, der auf Bitten von Dorn für einen Kollegen einsprang, spielte darin den Sohn des Odysseus, der von Harzers Idol Bruno Ganz verkörpert wurde. Obwohl es ihre einzige gemeinsame Inszenierung blieb, waren Harzer und Ganz sich fortan eng verbunden.

Einen Wechsel an die Berliner Schaubühne 1999 zu Thomas Ostermeier brach Harzer nach nur einer Produktion ab und kehrte zu Dieter Dorn nach München zurück. Als Dorn 2001 von den Kammerspielen ans Residenztheater wechselte, folgte ihm Harzer dorthin. Gastspiele führten Harzer in dieser Zeit etwa ans Wiener Burgtheater und ans Deutsche Theater in Berlin. Dort feierte 2008 die Inszenierung von Onkel Wanja unter Regie von Jürgen Gosch Premiere, in der Harzer den Arzt Michail Lwowitsch Astrow spielte. Die Inszenierung war ein überragender Erfolg und wurde von der Jury der Zeitschrift Theater heute zur „Inszenierung des Jahres“ gewählt. Für ihre Rollen des Onkel Wanja und Astrow wurden Ulrich Matthes und Harzer 2008 gemeinsam zum „Schauspieler des Jahres“ gewählt. Das Stück gehört auch im Jahr 2020 noch zum Repertoire des Deutschen Theaters.

Salzburger Festspiele Bereits ab dem Jahr 2000 trat Harzer neben seinem Ensemble-Engagement in München regelmäßig bei den Salzburger Festspielen auf. Von 2002 bis 2004 spielte er in Hugo von Hofmannsthals Jedermann in der Inszenierung von Christian Stückl die Rolle des Tods. 2011 war Harzer in der Uraufführung von Peter Handkes Immer noch Sturm unter Regie von Dimiter Gotscheff in der Rolle des Ich-Erzählers zu sehen. Die Inszenierung wurde an das Thalia Theater übernommen und stand dort auch 2020, neun Jahre nach der Premiere, noch auf dem Spielplan.

Thalia Theater 2009 wechselte Harzer nach 16 Jahren im Ensemble von Dieter Dorn ans Thalia Theater in Hamburg, an dem Joachim Lux in jenem Jahr die Intendanz übernommen hatte. Seit 2009 liest Harzer in Hamburg einmal jährlich aus den Verhörprotokollen des NS-Widerstandskämpfers Georg Elser, für den Harzer nach eigener Aussage „große Sympathie“ empfindet. Für seine Rolle des Marquis Posa in Schillers Don Carlos, inszeniert von Jette Steckel, wurde Harzer 2011 von der Jury der Zeitschrift Theater heute erneut als „Schauspieler des Jahres“ ausgezeichnet.

Harzer ist ein großer Verfechter der Idee des Ensembletheaters. 2017 mahnte er in einer Laudatio bei der Verleihung des Boy-Gobert-Preises, die Schlagzahl an Premieren und Events nicht weiter zu erhöhen und sich auf das Spielen zu konzentrieren.

Nach dem Tod von Bruno Ganz wurde im März 2019 dessen Verfügung bekanntgegeben, mit der er Harzer zum neuen Träger des Iffland-Ringes bestimmt hatte. Wenige Tage zuvor hatte Harzer bei der Trauerfeier von Ganz die Trauerrede verlesen. Die Übergabe erfolgte am 16. Juni 2019 im Wiener Burgtheater.

Im April 2024 wurde bekanntgegeben, dass Harzer das Thalia Theater mit dem Ende der Intendanz von Joachim Lux nach der Spielzeit 2024/2025 verlassen wird. Zur Spielzeit 2025/26 wechselte er an das Berliner Ensemble.

Film, Fernsehen und Hörspiel Obwohl Harzers Schwerpunkt immer das Theater geblieben ist, wirkt er gelegentlich in Kino- und Fernsehfilmen mit. In Requiem von Hans-Christian Schmid war er 2006 in der Rolle eines katholischen Priesters zu sehen, in Bülent Akıncıs Der Lebensversicherer ebenfalls 2006 als lebensmüder Vertreter. 2016 spielte er in der Verfilmung von Die schönen Tage von Aranjuez von Wim Wenders nach dem gleichnamigen Zwei-Personen-Stück von Peter Handke die Rolle des Schriftstellers. Im Fernsehen war er in drei Tatort-Filmen, der finalen Episode des Tatortreinigers sowie in Babylon Berlin zu sehen. Daneben wirkt Harzer auch bei Hörspielen und Hörbüchern mit.

Jens Harzer lebt in Hamburg. Er ist verheiratet mit der Schauspielerin Marina Galic und hat zwei Kinder.

Seit 2013 ist er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin, in der Sektion Darstellende Kunst; außerdem ist er Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

Kritiken

Theaterrollen

Münchner Kammerspiele

1994: Bauerntheater von Franz Xaver Kroetz, Rolle: Garfunkel, Regie: Franz Xaver Kroetz 1995: Roberto Zucco von Bernard-Marie Koltès, Rolle: Roberto Zucco, Regie: Christian Stückl 1996: Ithaka von Botho Strauß, Rolle: Telemach, Regie: Dieter Dorn 1996: Das Gleichgewicht von Botho Strauß, Rolle: Markus Groth, Regie: Jens-Daniel Herzog 1997: Urfaust von Johann Wolfgang von Goethe, Rolle: Faust, Regie: Thomas Bischoff 1997: Richard der Dritte von William Shakespeare, Rolle: Sir William Catesby, Regie: Peter Zadek 1998: Feuergesicht von Marius von Mayenburg, Rolle: Kurt, Regie: Jan Bosse 1998: Cymberlin von William Shakespeare, Rolle: Posthumus, Regie: Dieter Dorn 1999: Hekabe von Euripides, Rolle: Polydorus, Regie: Dieter Dorn 1999: Amphitryon von Heinrich von Kleist, Rolle: Amphitryon, Regie: Dieter Dorn 1999: Torquato Tasso von Johann Wolfgang von Goethe, Rolle: Torquato Tasso, Regie: Jan Bosse

Bayerisches Staatsschauspiel

2002: Der Narr und seine Frau heute Abend in Pancomedia von Botho Strauß, Rolle: Zacharias Werner, Regie: Dieter Dorn 2003: Die Wände von Jean Genet, Rolle: Said, Regie: Dieter Dorn 2005: Die eine und die andere von Botho Strauß, Rolle: Timm, Regie: Dieter Dorn 2005: Die Bakchen von Euripides, Rolle: Pentheus, Regie: Dieter Dorn 2007: Woyzeck von Georg Büchner, Rolle: Woyzeck, Regie: Martin Kušej 2008: Molières Misanthrop von Molière/Botho Strauß, Rolle: Alceste, Regie: Hans-Joachim Ruckhäberle 2009: Leichtes Spiel. Neun Personen einer Frau von Botho Strauß, Regie: Dieter Dorn

Thalia Theater

2009: Peer Gynt von Henrik Ibsen, Rolle: Peer Gynt, Regie: Jan Bosse 2010: Kinder der Sonne von Maxim Gorki, Rolle: Protassow, Regie: Luk Perceval 2010: Was ihr wollt von William Shakespeare, Rolle: Malvolio, Regie: Jan Bosse 2011: Don Carlos von Friedrich Schiller, Rolle: Marquis von Posa, Regie: Jette Steckel 2012: Quijote – Trip zwischen Welten von Miguel de Cervantes, Rolle: Quijote, Regie: Stefan Pucher 2012: Platonow von Anton Tschechow, Rolle: Platonow, Regie: Jan Bosse 2012: Ein Sommernachtstraum von William Shakespeare, Rolle: Puck, Regie: Stefan Pucher 2013: Die Brüder Karamasow von Fjodor M. Dostojewski, Rolle: Iwan Karamasow, Regie: Luc Perceval 2013: Hedda Gabler von Henrik Ibsen, Rolle: Tesman, Regie: Jan Bosse 2014: Die Möwe von Anton Tschechow, Rolle: Trigorin, Regie: Leander Haußmann 2014: In Ende einer Liebe von Pascal Rambert 2014: Deutschstunde von Siegfried Lenz, Rolle: Jens Ole Jepsen, Regie: Johan Simons 2015: Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist, Rolle: Graf vom Strahl, Regie: Bastian Kraft 2015: Srebrenica – I counted my remaining life in seconds von Armin Smailovic/Branko Šimić, Regie: Branko Šimić 2016: Warten auf Godot von Samuel Beckett, Rolle: Wladimir, Regie: Stefan Pucher 2016: Der Schimmelreiter von Theodor Storm, Rolle: Hauke Haien, Regie: Johan Simons 2017: Cyrano de Bergerac von Edmond Rostand, Rolle: Cyrano de Bergerac, Regie: Leander Haußmann 2018: Fountainhead von Ayn Rand, Rolle: Howard Roark, Regie: Johan Simons 2018: Iran-Konferenz von Iwan Wyrypajew, Rolle: Daniel Christensen, Regie: Matthias Günther 2019: Amphitryon von Heinrich von Kleist, Rolle: Amphitryon, Regie: Leander Haußmann 2020: Der Geizige von Molière, Rolle: Harpagon, Regie: Leander Haußmann 2021: Der Idiot von Fjodor M. Dostojewskij, Rolle: Fürst Myschkin, Regie: Johan Simons 2021: Die Wildente oder Der Kampf um die Wahrheit frei nach Henrik Ibsen, Rolle: Gregers Werle, Regie: Thorleifur Örn Arnarsson 2022: “H” 100 seconds to midnight inspiriert von Stephen Hawking und Etel Adnan / Musik Philip Glass u. a. / Uraufführung, Regie: Robert Wilson 2023: Intervention! von Sven Regener und Leander Haußmann / Regie Leander Haußmann / Uraufführung 2024: Das Leben ein Traum von Pedro Calderón de la Barca / Regie: Johan Simons

Berliner Ensemble

2025: De Profundis von Oscar Wilde, Regie: Oliver Reese 2026: Antigone von Sophokles (in der Übertragung von Friedrich Hölderlin), Regie: Johan Simons

Salzburger Festspiele

2000: Der Name von Jon Fosse, Rolle: Der Junge, Regie: Thomas Ostermeier (Koproduktion mit der Schaubühne am Lehniner Platz, Berlin) 2002: Jedermann von Hugo von Hofmannsthal, Rolle: Tod, Regie: Christian Stückl 2004: Eines langen Tages Reise in die Nacht von Eugene O’Neill, Rolle: Edmund, Regie: Elmar Goerden (Übernahme ans Bayerische Staatsschauspiel) 2008: Verbrechen und Strafe von Fjodor M. Dostojewski, Rolle: Raskolnikoff, Regie: Andrea Breth 2011: Immer noch Sturm von Peter Handke, Rolle: Ich, Regie: Dimiter Gotscheff (Übernahme ans Thalia Theater)

Andernorts

2001: Oedipus von Sophokles, Rolle: Oedipus, Regie: Jan Bosse, Deutsches Schauspielhaus Hamburg 2004: Offene Gruben, offene Fenster von Werner Schwab, Rolle: Er, Regie: Jennifer Minetti, Schauspiel Frankfurt 2004: Am Ziel von Thomas Bernhard, Rolle: Ein dramatischer Schriftsteller, Regie: Jan Bosse, Schauspiel Frankfurt 2005: Nächte unter Tage von Albert Ostermaier, Regie: Andrea Breth, Ruhrtriennale/Essen 2008: Onkel Wanja von Anton Tschechow, Rolle: Astrow, Regie: Jürgen Gosch, Deutsches Theater Berlin 2011: Die schönen Tage von Aranjuez von Peter Handke, Rolle: Der Mann, Regie: Luc Bondy, Wiener Festwochen 2018: Penthesilea von Heinrich von Kleist, Rolle: Achilles, Regie: Johan Simons, Schauspielhaus Bochum 2020: Iwanow von Anton Tschechow, Rolle: Iwanow, Regie: Johan Simons, Schauspielhaus Bochum 2023: Macbeth von William Shakespeare, Rollen: Hexe/Macbeth/Duncan/Malcolm/Mörder; Regie: Johan Simons, Schauspielhaus Bochum

Filmografie

Hörspiele und Hörbücher 2002: Paul Divjak: Lichtstunden – Regie: Christiane Klenz (Hörspiel – BR) 2008: Louis-Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht – Regie: Ulrich Lampen (Hörspiel (3 Teile) – BR) 2012: Alexander Wwedenski: Wann wo oder Eine gewisse Anzahl Gespräche – Bearbeitung und Regie: Oliver Sturm (Hörspiel – HR/DLF) 2013: Gunnar Gunnarsson: Schwarze Vögel – Regie: Judith Lorentz (Hörspiel – DKultur) 2013: Händl Klaus: Eine Schneise – Regie: Erik Altorfer WDR 2014: Joachim Ringelnatz: Als Mariner im Krieg – Regie: Harald Krewer (Hörspiel – NDR/DKultur) 2014: Michael Farin: Wintersoldat – Regie: Michael Farin (Hörspiel – DKultur) 2014: Raoul Schrott: Theogonie – Bearbeitung, Komposition und Regie: Klaus Buhlert (Hörspiel (2 Teile) – SWR/NDR)