mini|De facto-Souveränitätsverhältnisse auf Zypern. Die grünen Zonen sind die britischen Militärbasen Akrotiri und Dekelia. Die von der UNO kontrollierte entmilitarisierte Pufferzone ist hellblau. Die Verhältnisse der Staatsangehörigkeit auf Zypern, einer Insel im östlichen Mittelmeer, sind wegen der de facto dreigeteilten Souveränität komplex.
Wo im Folgenden von „zypriotischer Staatsbürgerschaft“ gesprochen wird, ist die der Republik Zypern gemeint.
Historisches mini|Britischer Reisepass aus der Regierungszeit Georg VI.
Bis zur 1878 erfolgten Übernahme der Insel durch die Briten“Convention of Defensive Alliance Between Great Britain and Turkey with Respect of the Asiatic Provinces of Turkey. Signed at Constantinople, 4th June 1878.” Dazu der Annex vom 1. Juli waren die Einwohner osmanische Untertanen, für die das Staatsangehörigkeitsgesetz von 1869 galt.
Wer in den Jahren des Protektorats (1878–1914) auf Zypern geboren wurde, erhielt den Status einer „British Protected Person“. Während der Kolonialzeit regelte zunächst der British Nationality and Status of Aliens Act 19144&5 Geo. c.17, in Kraft 1. Jan. 1915. die Staatsangehörigkeit einheitlich für „British Crown Dominions“.
Später erging der British Nationality Act 1948, der den Status kolonialer Untertanen (“British subjects”) neu regelte.11 & 12 Geo. 6 c. 56, in Kraft 1. Jan. 1949. Neugeschaffen wurde der Status des „Citizen of the United Kingdom and Colonies“ (CUKC) und für Einwohner neu unabhängig werdender Gebiete der des „Commonwealth citizen“ zusätzlich zu den jeweiligen Staatsbürgerschaften.
Republik Zypern Volljährige British Subjects, geboren zwischen dem 5. November 1914 und 16. August 1960, hatten sich für die zyprische Staatsbürgerschaft zu registrieren und eine Treueerklärung abzugeben. Genauere Regeln fanden sich im Citizenship of the Republic (Renunciation) Law von 1962, das 1967 aufgehoben wurde.
Auslandszyprioten, die vor der Unabhängigkeit nicht fünf Jahre ihres Lebens auf der Insel gelebt hatten, erfüllten nach 1960 nicht die Vorbedingungen für die neue Staatsangehörigkeit,Treaty of Concerning the Establishment of Republic of Cyprus Annex D sie blieben CUKCBritish Nationality (Cyprus) Order, 1960. SI 1960/2215 und wurden später dann, wenn sie keine andere Staatsangehörigkeit erwarben, British Overseas citizen – ein Status der ihnen zwar Reisepässe verschafft, aber nirgendwo Daueraufenthaltsrecht, sie somit effektiv staatenlos macht.Auch blieb dieser Status erhalten (und vererbt), wenn die neue Staatsbürgerschaft Doppelstaatlichkeit gestattete. Vgl. High Court of Australia: Re Canavan; Re Ludlam; Re Waters; Re Roberts [No 2]; Re Joyce; Re Nash; Re Xenophon 45 (27 October 2017).
Staatsangehörigkeitsgesetz 1967 Grundlegend war das 1967 in Kraft getretene Staatsangehörigkeitsgesetz,Citizenship law of the Republic of Cyprus: A law to make provision for the citizenship of the Republic and for matters connected therewith, Law No. 43/1967 vom 28. Juli 1967, geändert 1972, 1983, mehrfach 1998, 1999, 2001 und 2002. zusammen mit der 1969 erlassenen Citizenship Regulation of the Republic of Cyprus. Die Zuständigkeit liegt beim Innenministerium. Gleichberechtigung in Staatsangehörigkeitsfragen schuf das Republic of Cyprus Citizenship (Amendment) Law of 1999. Volljährig war man ab 21 Jahren. Durch spätere Änderungen wurde das Volljährigkeitsalter auf 18 Jahre gesenkt. Einbürgerungen für minderjährige Kinder sind eigens zu beantragen.
Erwerb bis 1999: durch Geburt, jedes eheliches Kind eines zypriotischen Vaters. Seitdem auch uneheliche Kinder zyprischer Mütter. wer seit dem 16. August 1961 auf Zypern geboren wurde, mit mindestens einem zyprischen Elternteil, sofern innerhalb von zwei Jahren eine Registrierung erfolgt. auf Antrag, vorbehaltlich einer Treueerklärung, „guten Charakters“ und mindestens zwölf Monaten legalen Aufenthalts auf der Insel Personen zyprischer Herkunft. Dies gilt auch für ausländische Ehepartner (und seit 1998 Witwen), wenn die Ehe mindestens zwei Jahre gedauert hat. (Seit Dezember 2015 sind gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften anerkannt.) Nachfahren von Personen, die durch die Annexation of Cyprus Order in Council of 1914Cyprus Annexation Order of 1914, dazu Proclamation as to Citizenship, &c., 5. November 1914 (am selben Tag erging die britische Kriegserklärung an die Türkei) und Proclamation as to citizenship, 1915 3. März 1915, die osmanischen Untertanen, die solche bleiben wollten einen einmonatige Option zur Erklärung und zwei Monate bis zur dann verpflichtenden dauerhaften Ausreise gab. britische Untertanen geworden waren. Einbürgerungen (πολιτογράφηση) auf Antrag, vorbehaltlich einer Treueerklärung, „guten Charakters“ und mindestens zwölf Monaten legalen Aufenthalts auf der Insel vor Antragstellung, und: in den letzten sieben Jahren mindestens vier in Zypern gelebt oder im Staatsdienst gestanden hat.Die Praxis, Arbeitserlaubnisse über 4 Jahre hinaus nur in außergewöhnlichen Fällen zu verlängern, hat den anspruchsberechtigten Personenkreis klein gehalten. Erst die verspätete Umsetzung der EU-Richtlinie 203/109/EC brachte hier 2007 Besserung. Bauböck (2009), S. 402. Für Sportler, Hausangestellte, Pflegekräfte und Angestellte von Off-Shore-Firmen ist diese Frist neun Jahre innerhalb von zwölf. seit drei Jahren (bis 2001 zwei) mit Zyprioten verheiratet sind und die als Familie seit zwei Jahren im Lande gelebt haben.
Änderungen bezüglich der Staatsangehörigkeit werden am Tage der Registrierung,Deren Formalien folgen den Bestimmungen des Civil Registry Law bzw. dem Law on the Population Data Archives Nr. 141(I)/2002. oder Aushändigung des Certificate of Citizenship gültig. Mehrstaatlichkeit wird toleriert. Die Aufgabe andrer Staatsangehörigkeiten kann jedoch vom Minister zur Auflage einer Einbürgerung gemacht werden.
Zwischen 1985 und März 2009 gab es 5.395 Einbürgerungen, 12.824 Personen, die aufgrund Heirat Zyprer wurden, zu beiden noch 5.106 minderjährige Kinder. Knapp 24.000 „Abstammungszyprioten“ registrierten im selben Zeitraum.
Verlust Die Staatsbürgerschaft kann auf Antrag aufgegeben werden. Das Innenministerium kann seit 1972 eine solche Registrierung in Kriegszeiten oder, wenn der Verdacht auf Wehrdienstvermeidung vorliegt, verweigern.
Die Staatsbürgerschaft kann Eingebürgerten vom Ministerrat entzogen werden, wenn: beim Einbürgerungsantrag falsche Angaben gemacht wurden. der Neubürger innerhalb der ersten fünf Jahre zu mehr als einem Jahr Haft verurteilt wurde. ein Eingebürgerter sich durch der Republik gegenüber illoyal verhält oder gegen sie zu den Waffen greift. seit mindestens sieben Jahren im Ausland lebt, dort nicht für den Staat oder eine internationale Organisation tätig ist und seiner jährlichen Meldepflicht bei der zuständigen konsularischen Vertretung nicht nachkommt. Betroffene haben ein Recht auf Anhörung.
Diese Bestimmungen wurden im August 2020 verschärft. Entzug ist nun auch möglich wenn der Neubürger innerhalb von zehn Jahren wegen eines Sexualdelikts (“offense involving a moral obscenity”) verurteilt wird oder auf die Sanktionsliste der EU oder Interpol kommt.
Kauf Offiziell heißt das Programm des käuflichen Erwerbs der Staatsangehörigkeit „Scheme for Naturalization of Investors in Cyprus by exception“.Die Bedingungen hierfür wurden durch Ministerratsbeschluss vom 13. Sept. 2016 geändert Anträge stellen können Unbescholtene, die mit Aufenthaltserlaubnis im Lande lebend und hier über selbstgenutztes Wohneigentum im Mindestwert von € 500.000 verfügen, sowie: Geschäftsführer o. ä. sind, die über drei Jahre mindestens € 100.000 Steuern gezahlt haben, oder Investoren mit Landbesitz u. ä. im Werte von mehr als € 2 Mio. Derartiges darf drei Jahre nach Einbürgerung nicht verkauft werden. Eigentümer von Firmen, in die mehr als € 2 Mio. im Lande investiert wurden und die mindestens fünf Zyprer oder EU-Bürger angestellt haben. Antragstellung ist fünf Jahre nach Aufnahme des Geschäftsbetriebs möglich. Eigner von Anteilen im Wert von über € 2 Mio. in zugelassenen Alternative Investment Funds,Gem. dem neugefassten Alternative Investment Funds Law 124(I)/2018, das die Bestimmungen von 2014 ablöste. Ein International Collective Investment Schemes Law, Nr. 47 (I)/1999 hatte es vorher schon gegeben. die drei Jahre nicht abgezogen werden dürfen.
Für Ehegatten oder Lebenspartner kann ein gemeinsamer Antrag gestellt werden. Minderjährige Kinder können nach Genehmigung registriert werden. Ebenso können Eltern und volljährige Kinder dann Anträge stellen. Seit einer Gesetzesänderung 2019 entscheidet ab Februar 2020 nicht mehr alleine das Kabinett, sondern eine Kommission des Parlaments hat ein Mitspracherecht. Nun durften gegen Antragsteller auch keine Ermittlungsverfahren anhängig sein und sie sich nicht auf einer westlichen Sanktionsliste finden. Ebenso ausgeschlossen wurden “politically exposed persons.” D.h. Personen, die in den letzten fünf Jahren eine bedeutende staatliche Stellung innegehabt hatten, was auch für Familienangehörige galt. Als erste von einem Entzug nach den neuen Regeln betroffen waren im Oktober 2020 als (mutmaßliche) Milliardenbetrüger u. a. die Iraner Maleksabet Ebrahimi und sein Sohn Maleksabet Ebrahim, der Malaysier Jho Low sowie die Kambodschanerin Sopheap Choeung (samt Mann und Kind).
Von der Einführung 2014 bis Februar 2020 wurden etwa 4000 Investoren eingebürgert, in gut 50 Fällen dies wieder zurückgenommen. Unter den 2351 Antragstellern 2017–19 waren 922 Russen, 432 Chinesen (darunter Yang Huiyan), 100 Ukrainer (darunter Mykola Slotschewskyj), je knapp unter 100 Libanesen und Jordanier sowie je 30–40 Inder (darunter Apurv Bagri, Sohn des Baron Bagri), Südafrikaner, Ägypter und US-Amerikaner. Etwa 60 Ablehnungen erfolgten wegen (mutmaßlichen) kriminellem Hintergrund.Cyprus Papers
Mit Wirkung zum 1. November 2020 wurde, nach Aufdeckung korrupter Praktiken, das Investorenprogramm abgeschafft.
Menschenrechtsproblematik Zwar erhebt die Republik Zypern einen Alleinvertretungsanspruch über die ganze Insel, gleichzeitig betrachtet sie alle aus dem Norden Kommenden als illegal eingereist,: . Abgesehen von Einwohnern und EU/EFTA-Bürgern (gem. ) dürfen nur Angehörige der USA, Kanadas, Australiens, Israels, Moldovas und Serbiens die Grenzposten der innerzyprischen Grenze überqueren. denen Bürgerrechte verweigert werden. Es werden geschätzt 160–170.000 Personen türkischer Abstammung (Halb- und Vierteltürken) vom Erwerb durch Registrierung ihrer Staatsbürgerschaft ausgeschlossen.Vgl. Cyprus OHCHR common core documents forming part of the reports of States Parties (HRI/CORE/CYP) Das Committee on the Rights of the Child kritisierte Zypern 2009 und 2014 für seine restriktive Auslegung des Staatsangehörigkeitsrechts hinsichtlich „zyprischer Kinder türkischer Abstammung“ (geschätzt etwa 17.000 Halbtürken). Anträge auf Registrierung für diese Personenkreise werden oft einfach bei der Bearbeitung „vergessen“, im Jahr 2018 schätzte der UNO-Menschenrechtskommissar 15.000–25.000 solcher Fälle. Die längste bekannt gewordene Bearbeitungsdauer war 14 Jahre.
Seit 2012 ist der kostenfreie Zugang zum staatlichen Gesundheitssystem auf Personen mit Wohnanschriften im Süden beschränkt. Auch ihr Wahlrecht dürfen zypriotische Staatsbürger nicht ausüben, wenn sie im Norden wohnen.Das betrifft aber nur rund 100 Personen. Bauböck (2009), S. 392.
Bei Einbürgerungsverfahren gibt es eine institutionelle Bevorzugung griechischstämmiger Antragsteller: Etliche der 15.000–20.000 „pontischen Griechen“, die nach dem Zerfall der Sowjetunion ins Land kamen, werden nach sieben Jahren anstandslos eingebürgert. Um aus Griechenland Zuwanderer anzulocken, gab es Steueranreize und „Rabatt“ beim Wehrdienst (3 oder 6 Monate statt der üblichen 25, heute verkürzt).