Kleine Mühle ist ein Wohnplatz im Ortsteil Egsdorf der Stadt Teupitz im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg. Der Ursprung des Wohnplatzes geht auf eine Wassermühle zurück, die 1546 erstmals urkundlich genannt wird. Der Mühlenbetrieb wurde um 1880 eingestellt. In der Nähe des Mühlenstandorts etwas näher zum Teupitzer See entstand am Anfang des 19. Jahrhunderts eine Ziegelei; etwas weiter entfernt, aber zur Kleinen Mühle gehörig eine Kalkbrennerei. Der Name Kleine Mühle wurde dann auch auf eine schon 1879 aufgebaute Windmühle nordöstlich des Standorts der Wassermühle übertragen. Die Windmühle wurde 1908 an einen anderen Standort südwestlich der ursprünglichen Wassermühle versetzt. 1939 wurde sie abgebaut und 1940/41 in Schönewalde im Landkreis Elbe-Elster wieder aufgebaut, wo sie heute – etwas umgebaut – noch existiert. Der Name Kleine Mühle wurde auch auf ein um 1900 entstandenes Ausflugsetablissement in der Nähe der Windmühle übertragen. mini|Ruine der Kleinen Mühle (Wassermühle), Längsseite
Geographische Lage Der ursprüngliche Kern des Wohnplatzes, die Wassermühle Kleine Mühle, lag zwischen Neuendorf und Egsdorf, am Kleinen Mühlengraben, der – von Süden kommend – in den Teupitzer See zieht. Die Wassermühle Kleine Mühle ist heute Ruine. Die weitere Wohnbebauung liegt nordöstlich etwas weg vom Kleinen Mühlengraben näher am Teupitzer See. Der Wohnplatz liegt nur etwa 400 Meter südöstlich des Ortskerns von Egsdorf und etwa 600 Meter nordöstlich vom Ortskern von Neuendorf bzw. etwa 1,6 km Luftlinie (über den Teupitzer See gemessen) vom Stadtkern von Teupitz entfernt. Die L 74 von Teupitz nach Egsdorf führt an der lockeren Wohnbebauung vorbei.
Geschichte Die Geschichte des Wohnplatzes Kleine Mühle ist im Grunde die Geschichte von fünf verschiedenen Siedlungskernen bzw. Objekten, die daher auch separat behandelt werden: der ursprünglichen Wassermühle, der Ziegelei, der Kalkbrennerei, der/den Windmühle(n) und des Ausflugslokals gleichen Namens und des späteren Hotels. mini|Ehemaliger Mühlenteich südlich der Ruine der Kleinen Mühle (Wassermühle) mini|Kleine Mühle (Wassermühle), ehemaliges Gerinne vor Einmündung in den Mühlengraben (im Hintergrund)
Die Wassermühle Kleine Mühle Die Wassermühle Kleine Mühle wurde 1546 erstmals als die kleine Molle urkundlich erwähnt und gehörte über viele Jahrhunderte zum Besitz der Familie Schenk von Landsberg, die 1437 der Stadt Teupitz die Stadtrechte und Stadtsiegel verliehen. Der Wohnplatz besaß nie eine eigene Kirche, sondern war immer nach Teupitz eingepfarrt. Die Gläubigen konnten die dortige, 1346 errichtete Heilig-Geist-Kirche besuchen. Bereits für 1644 ist die heutige Schreibweise Kleine Mühle überliefert. 1624 hatte die Wassermühle des Kleinen Müllers ein Rad. Nach dem Schoßbuch von 1624 musste der Müller 4 Taler Kontribution, 2 Taler Kavalleriegeld und 12 Groschen Kriegsfuhrgeld entrichten. Vergleichsweise mussten die Müller der Hohen Mühle und der Mittelmühle 7 Taler Kontribution, 3 Taler Kavalleriegeld und 1 Taler Kriegsfuhrgeld bezahlen. 1664 gab der Müller drei Taler Dienstgeld und dem Pfarrer zu Teupitz zwölf Scheffel Korn. 1711 beliefen sich die Abgaben an die Herrschaft auf zwei Taler und 18 Groschen.
Am 18. Dezember 1717 kaufte der brandenburgische Kurfürst und König in Preußen Friedrich I. die Herrschaft Teupitz für 54.000 Taler von Ludwig Alexander Schenk von Landsberg. Aus dem Schenkenländchen wurde das Amt Teupitz gebildet, das er in seine Herrschaft Königs Wusterhausen eingliederte. Um 1824 wurde das Amt Teupitz mit dem Amt Buchholz zusammengelegt. Wann die Kleine Mühle in Erbpacht gegeben wurde, ließ sich bisher nicht ermitteln.
Aus dem Jahr 1743 ist überliefert, dass die Kleine Mühle eine Wassermahlmühle mit einem Gang und Schneidemühle war. Im Schmettauschen Kartenwerk von 1767/87 ist sie als Kl. M. eingezeichnet. 1804 beschrieb Friedrich Wilhelm August Bratring die Kleine Mühle als Wassermahl- und -schneidemühle unweit Teupitz mit einer Feuerstelle (=Haushalt), die drei Bewohner hatte. Die Topographisch-militärische Karte von Sachsen von 1812 verzeichnet die Wassermühle unter dem Namen Kleine M. 1817 hatte die Kleine Mühle schließlich 6 Einwohner. 1835 wurde die unterschlächtige Schneidemühle und die im Bau befindliche Mahlmühle des Mühlenmeisters Johann Friedrich Gädert, beide Mühlen mit je einem Gang, öffentlich versteigert. Zur Versteigerungsmasse gehörten auch ein noch nicht vollständig ausgebautes Wohnhaus, eine Scheune, ein Viehstall, ein Schweinestall und ein Brunnen sowie 13½ Morgen Acker, 4½ Morgen Wiesen und 4 Morgen Gärten, die meist in unmittelbarer Nähe der Mühle lagen. Alles zusammen wurde gerichtlich auf 1777 Taler, 2¾ Pfennige geschätzt. Erwähnt wird noch Dorothee Sophie Dähne, die Ehefrau eines früheren Besitzers, der noch eine Gerechtsame von 187 Talern, 6 Silbergroschen und 6 Pfennigen zustand.
Vermutlich wurde die Mühle von einem Lindner ersteigert. Die Kleine Mühle gehörte im Jahr 1837 ausweislich der Topographie der Untergerichte der Kurmark Brandenburg und der dazugeschlagenen Landesteile den Lindnerschen Erben. Bis 1840 kamen im Wohnplatz Kleine Mühle zwei weitere Wohnhäuser hinzu; in den drei Häusern wohnten 13 Personen. Um 1820 war eine Kalkbrennerei und eine Ziegelei, etwas näher zum Teupitzer See gelegen, hinzugekommen. Das Urmesstischblatt 3847 Teupitz von 1841 verzeichnet deutlich zwei voneinander getrennte Siedlungskerne. 1849 wechselte die Gerichtsbarkeit über die Kleine Mühle vom Land- und Stadtgericht Buchholz zur Gerichtsdeputation nach Mittenwalde (1879 bis 1952 Amtsgericht Mittenwalde). Nach Berghaus gehörten zur Kleinen Mühle 99 Quadratruten Hofstelle, 6 Morgen 84 Quadratruten Garten, 21 Morgen 6 Quadratruten Acker, 6 Morgen 7 Quadratruten Wiesen, zusammen 34 Morgen 86 Quadratruten. 1851 wurde das Anrecht des Mühlenbesitzers auf kostenlose, durch das Amt gelieferte Reparaturhölzer durch eine Einmalzahlung abgelöst. Die Mühle gehörte damals dem Mühlenbesitzer Julius Schöneberg. Schöneberg ist auch noch 1859 als Besitzer der Kleinen Mühle belegt.
1858 arbeiteten im Wohnplatz Kleine Mühle zwei nebengewerbliche Landwirte (Müller und Kalkbrenner), die eine Magd und drei Arbeiter beschäftigten. Sie bewirtschafteten eine Besitzung mit einer Größe von bis zu 24 Morgen sowie eine weitere Besitzung mit einer Größe von bis zu vier Morgen. Außerdem ist aus diesem Jahr ein in Kleine Mühle wohnender Beamter überliefert.
In der Ortschafts-Statistik des Regierungs-Bezirks Potsdam mit der Stadt Berlin von 1861 ist die Kleine Mühle unter Tornow aufgeführt. Der Wohnplatz bestand aus einer Kalkbrennerei und einer Wassermühle. Zu dieser Zeit existierten zwei Wohn- sowie sieben Wirtschaftsgebäude. Insgesamt wurden 16 Morgen Acker, vier Morgen Wiese, vier Morgen Weide sowie weitere vier Morgen Gartenland bewirtschaftet. Die Wassermühle war damals ausschließlich eine Wassersägemühle. Sie musste einen Taler Grundsteuer, 10 Taler Klassensteuer und fünf Taler Gewerbesteuern bezahlen. 1865 wurde die Kleine Mühle von Albert Marwitz erworben, er war der Stiefvater des späteren Windmüllers Franz Zacharias, der bis um/nach 1925 Müller auf der Kleinen Mühle (der Windmühle) war. 1871 standen (nur noch) zwei Wohnhäuser in Kleine Mühle; der Wohnort hatte 15 Einwohner.
Wann der Mühlenbetrieb der Wassermühle eingestellt wurde, ließ sich bisher nicht ermitteln. Möglicherweise hängt die Einstellung des Betriebs mit dem Aufbau der Windmühle 1879 zusammen. Die heutige Ruine dürfte noch in die Zeit der Wassermühle zurück reichen. Der ehemalige Mühlenteich liegt heute trocken, ist aber noch gut zu erkennen. Das Gerinne unterhalb der Wassermühle ist als fast stehendes Gewässer noch gut sichtbar. mini|Kleine Mühle, Wassermühle, Ziegelei und Kalkofen, Ausschnitt aus dem Urmesstischblatt 3847 Teupitz von 1841 Ziegelei Unterhalb der Kleinen Mühle näher zum Teupitzer See hin wurde um/nach 1800 eine Ziegelei angelegt. Die Anlage ist im Urmesstischblatt 3847 Teupitz von 1841 als Ziegelei eingetragen. In der späteren Literatur ist dann von einer Ziegelei bei der Kleinen Mühle keine Rede mehr.
Kalkbrennerei bzw. Kalkofen Die Kalkbrennerei lag etwa 1,2 km entfernt in Richtung Teupitz (Lage:). Sie hatte anscheinend zunächst Qualitätsprobleme, wie eine Meldung im Amtsblatt von 1829 vermuten lässt. Es wurde ungahrer und verdorbener Kalk in halbvollen Gebinden bemängelt. Die Kalkbrennerei musste sich nun für jede Lieferung ein Zertifikat des Königlichen Salzkassen-Rendanten in Teupitz ausstellen lassen. 1848 wurden die Abgaben des Kalkbrennereibesitzers Ernst Heinrich Moritz in Kleine Mühle bei Teupitz an das Amt Buchholz gegen eine Geldzahlung abgelöst. In der Ortschafts-Statistik des Regierungs-Bezirks Potsdam mit der Stadt Berlin von 1861 ist die Kalkbrennerei unter Tornow und der Kleinen Mühle erwähnt. 1867 wird der Kalkbrennerbesitzer J. Merten genannt. Eine weitere Nennung des Kalkbrennereibesitzers Merten stammt von 1878. In der Topographischen Karte 1:25.000 Bl. 3947 Teupitz von 1901 ist die Kalkbrennerei bzw. der Kalkofen noch verzeichnet. Wann der Betrieb der Kalkbrennerei eingestellt wurde, ließ sich bisher nicht ermitteln. mini|Ehemalige Windmühle von Kleine Mühle, heute in Schönewalde, Lkr. Elbe-Elster mini|Kleine Mühle, Standort der Windmühle (1879 bis 1908), Ausschnitt aus dem Messtischblatt 3847 Teupitz, Aufnahme 1901 mini|Kleine Mühle, Standort der Windmühle (1908 bis 1939), Ausschnitt aus dem Messtischblatt 3847 Teupitz um 1910 Die Windmühle(n) Die Windmühle, die in der Literatur näher beschrieben wird, stand ursprünglich auf der Anhöhe nordöstlich der Wassermühle und soll 1879 errichtet worden sein (siehe aber auch andere Daten). Allerdings stand hier schon früher eine Windmühle; im Urmesstischblatt 3847 Teupitz von 1841 ist an diesem Standort bereits eine Windmühle eingezeichnet. Sie muss aber nach 1841 irgendwann abgebaut oder zerstört worden sein, denn in der Ortschafts-Statistik des Regierungs-Bezirks Potsdam mit der Stadt Berlin von 1861 ist unter der Kleinen Mühle nur eine Kalkbrennerei und eine Wassermühle aufgeführt. 1865 wurde die Kleine Mühle (die Wassermühle) von Albert Marwitz erworben, er war der Stiefvater des Windmüllers Franz Zacharias, der bis um/nach 1925 Müller auf der Kleinen Mühle war.