mini|hochkant=1.3|Salzen eines Schaf-Rohfelles beim Rauchwarenzurichter (Rötha, 2009) Als Rohfell wird die einem Pelztier abgezogene, noch unzugerichtete oder ungegerbte Haut bezeichnet. Die für die Pelzverarbeitung geeigneten Felle werden auch differenzierter als Pelzrohfelle bezeichnet. Die grob entfleischte Haut befindet sich entweder noch im nassen Zustand oder ist getrocknet und vielleicht vorgespannt. Größere Posten Rohfelle werden im Rauchwarenhandel Rohware genannt.

Soweit die jeweilige Gesetzgebung es zulässt, werden die anfallenden Felle entsprechend ihrer Eignung wirtschaftlich genutzt. Je nach Beschaffenheit der Behaarung, des Leders (Stärke und Zustand der Haut), der Größe der Fellfläche, teils auch nach dem Grad der Färbung werden sie verschiedenen Industrien als Rohprodukt zugeführt. Dies ist neben anderen Zwecken die Rauchwarenwirtschaft, die Haarschneide-Industrie, die Gerberei-Industrie und die Leimfabrikation. Bei entsprechender Eignung lässt sich der höchste Nutzen in der Regel bei der Zuführung für Pelzzwecke erzielen. Die bei der Haarverwertung abfallenden Häute lassen sich zusammen mit den nicht für Pelz geeigneten Fellen zu Leder gerben.

Rohfellkonservierung mini|Trocken konserviertes Swakarafell in Namibia Je nach Fellart und Brauch kommen die Felle aufgeschnitten (offen) oder geschlossen (rund abgezogen), Haar innen oder außen, in den Handel. Nur voll ausgereifte, unbeschädigte und gut getrocknete Rohfelle erzielen höchste Tagespreise. Diese Felle in ihrer besten Qualität sind auch von der Lederseite aus zu erkennen. Sie haben ein helles Leder („weißledrig“), im Gegensatz zu nicht ausgereiften, grünlichledrigen Fellen („grünledrig“).R. Fritzsche, Friedrich Joppich, Curt Kniesche, Walter Krauße, Paul Schöps, W. Spöttel: Rohfell-Gewinnung und Verwertung, Arbeit Nr. 30. Deutsche Gesellschaft für Kleintier- und Pelztierzucht, Leipzig 1933, S. 3.

Die Gewinnung der Rohfelle geschieht in den Stufen: Töten des Tieres, Abziehen, Reinigen, Spannen und Trocknen des Felles und einer Nachbehandlung.

Die Rohfelle sind nach dem Abbalgen mit Aas- und Fettresten behaftet. In diesem feuchten Zustand beginnen sie sehr schnell zu faulen und werden von Insekten befallen. Alle Konservierungsverfahren beruhen darauf, den Wassergehalt der Haut auf ein solches Minimum zu senken, dass die Lebensbedingungen für Bakterien und andere Mikroorganismen, die den Zersetzungsprozess hervorrufen, unterschritten werden. Um das Faulen zu verhindern, müssen die Felle sofort getrocknet, durch Einsalzen, Trockensalzen oder Pickeln haltbar gemacht werden. Unter Trockensalzen wird eine Behandlung des Rohfells in gesättigter Kochsalzlösung mit anschließender Trocknung oder Salzen mit zusätzlicher nachfolgender Trocknung verstanden. Eine Säure-Salz-Lösung, als Pickel bezeichnet, wirkt ebenfalls entwässernd und konservierend. Eventuell vor dem Trocknen eingesalzen werden unter anderem Seehundfelle und die auch gelegentlich als Salzfelle bezeichneten Bagdadlammfelle. Sachgemäß getrocknete Rohfelle können bei weiterer richtiger Behandlung jahrelang in rohem Zustand gelagert werden.

Rohfellschäden Wertminderungen an Rohfellen entstehen vor allem durch falsche Behandlung, abgesehen von bereits beim lebenden Tier entstandenen Fehlern, wie Kahlstellen, Nachwuchsstellen, Bisswunden oder sonstigen Hautverletzungen. Beim Abziehen und beim Entfleischen dürfen die Felle nicht eingerissen oder durch das Messer beschädigt werden. Fleisch und Fettteile sind Fäulnisherde und müssen möglichst entfernt werden. Insbesondere Felle aus warmen Ländern weisen häufiger glasige, harte, als „rohverbrannt“ bezeichnete Stellen auf, die bei der Zurichtung nicht mehr weich und zügig gemacht werden können. Der Fehler entsteht meist, wenn Felle in zu heißer Sonne oder am Ofen getrocknet werden. Betroffen ist das Kollagen, dem Gerüsteiweiß des Bindegewebes, aus dem die Haut fast ausschließlich besteht; das sich in heißem Wasser zu Glutinleim auflöst. Bei nicht sachgemäßer Konservierung gefährden bei längerer, ungekühlter Lagerung Pelzschädlinge das Fell (Motten, Speckkäfer und andere).

Rohfellhandel mini|hochkant=2|Eine der ersten Sortiermaschinen für Nerz-Rohfelle (2009) Die Staaten, die aufgrund ihres natürlichen Vorkommens im besonderen Maß zum Fellaufkommen beitragen, bezeichnet der Handel als Rohfelllieferanten. Das sind neben anderen vor allem Kanada, insbesondere mit Alaska die Vereinigten Staaten, Russland, China und Australien. Die Exporte der Felle können als Rohfelle oder zugerichtet erfolgen. Verschiedene Länder schränken oder schränkten in der Vergangenheit den Export von Rohfellen ein, um die eigene Fellverarbeitungsindustrie zu schützen, beispielsweise Argentinien.

Als Rohfellsaison bezeichnet der Handel den Zeitraum, in der aus der Natur entnommene Felle in ihrer besten Qualität anfallen. In nördlichen Gegenden ist das die Zeit von Anfang November bis Ende Februar. Südlich des Äquators sind das die Monate, in denen in Mitteleuropa Sommer ist. Vorzeitig anfallende Felle gelten als Herbstanfall („Falls“), der Spät- oder Frühjahrsanfall („Springs“) ist ebenfalls wesentlich geringer in der Qualität. Die Rohfellsaison kann zudem durch gesetzliche Schonzeiten eingeschränkt sein.

Der Rohfellhandel der vor Ort gesammelten oder aus Zucht stammender Felle findet hauptsächlich über Auktionsgesellschaften statt. Die erste Fellauktion wurde 1671 von der Hudson’s Bay Company in London veranstaltet. Auf den Auktionen werden fast ausschließlich rohe, noch nicht zugerichtete Felle angeboten.Ulf D. Wenzel: Das Pelztierbuch. Verlag Eugen Ulmer, Köln 1990, S. 22. Die Auktionsgesellschaften haben ihren Sitz in den Ursprungsländern der Felle, einige versteigern und handeln im Freihandverkauf auch ausländische Ware. Die Käufer hatten wegen Kosten- und Zeitaufwand immer schon ein Interesse daran, möglichst wenig Auktionsplätze aufsuchen zu müssen. Die Möglichkeit des Online-Bietens verringert künftig wahrscheinlich zunehmend das persönliche Einkaufen im Auktionssaal. Die mit Abstand größte Auktionsgesellschaft war bis 2024 Kopenhagen Fur, eine Gründung der dänischen Pelztierzüchter. Das Unternehmen handelt nicht nur weltweit den größten Anteil der anfallenden Nerzfelle, sondern unter anderem auch die „Swakara“ genannten Lammfelle aus Namibia. Hier werden die rohen Felle ein letztes Mal sortiert, um dem Käufer eine zusammenpassende Ware anzubieten und um einen der jeweiligen Qualität angepassten unterschiedlichen Preis zu ermöglichen. Sie werden nach Sorten getrennt und in für die erwarteten Käufer geeignete Losgrößen aufgeteilt.

Nach den Auktionen werden die erzielten Preise der verschiedenen Fellarten, Fellsorten, Fellgrößen und Qualitäten als Marktnotierungen veröffentlicht und mit den Ergebnissen der vorangegangenen Auktion derselben Gesellschaft verglichen. Verschiedene Länder erstellen Handelsstatistiken, in denen Angaben über den Wert und die Menge der jährlichen Ein- und Ausfuhr von Rohfellen aufgeführt sind. Die Rohfellposition gibt die jeweilige Stellung, beziehungsweise Notierung an, in der die Felle gegenüber anderen Zollgütern aufgeführt werden. Innerhalb des Zollverfahrens oder in der Ein- und Ausfuhrstatistik wird das Pelzwerk aufgeteilt in Rohfelle, zugerichtete Felle, gefärbte Felle, Pelzhalbfabrikate, Fertigfabrikate usw.

Bereits in den 1920er Jahren kaufte der endverarbeitende Kürschner nicht mehr „nur rohe Füchse, Marder, Iltisse, Wiesel, Eichhörnchen, Maulwürfe, Kanine und Katzen, er zieht es ab und zu vor, einen Versuch mit rohen Skunks, amerikanischen oder australischen Opossums und anderen zu machen. Silber-, Kreuz-, Polar-, Blau- und Alaskafüchse kommen ebenso oft im rohen Zustand zum Kürschner, wie obgenannte heimische Sorten.“ (→ Inhaltsverzeichnis).

Hauptabnehmer der Rohfelle ist jedoch zuerst der Rauchwarengroßhandel, der die Felle entweder direkt vor Ort oder auf den Auktionen erwirbt. Auf den Auktionen kaufen außerdem große Konfektions- und Kürschnerbetriebe. Die Rohfelle gehen in deren Auftrag meist direkt zu den für die Ware am besten geeigneten Pelzveredlungsfirmen. Die Aufgabe des Zwischenhandels ist es außerdem, die Felle noch einmal zu sortieren, zu kürschnergerechten Mantel-, Jacken- und Besatzsortimenten, und sie am Lager bereitzuhalten. Er trägt damit unter anderem einen Teil des Risikos bei der Auswahl der marktgerechten Ware, von Konjunkturschwankungen und, vor allem bei Wildware, das Risiko von Ausfällen durch versteckte Mängel.Arthur Hermsdorf, Gerd Kursawe, Peter Tonert: Der Fellgroßhandel nach 1945 - Eine Rückschau. In: Rauchwarenmarkt Br. 11–12, Dezember 1985, S. 6.

Bundesrepublik Deutschland Im Jahr 1963 wurden aus der Bundesrepublik Rohfelle im Wert von 11,5 Millionen DM ausgeführt. Die Importe von Pelzrohfellen betrugen:Klothar J. Müller: Die Bundesrepublik wichtiges Zentrum des europäischen Pelzhandels. In: Rund um den Pelz Nr. 6, Juni 1965, S. 42. aus in Mill. DM aus in Mill. DM USA 40,7 Volksrepublik China 26,7 Dänemark 22,5 Schweden 19,1 Norwegen 15,4 Kanada 12,7 Brasilien 12,2 Großbritannien 5,6

Bis vor dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend um den Leipziger Brühl der Hauptumschlagplatz für Pelzrohfelle, bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten und gleichzeitiger Vertreibung der zumeist jüdischen Fellhändler im Jahr 1933 einer der drei weltgrößten Rauchwarenhandelsplätze überhaupt. Diesen Platz nahm nach dem Krieg sehr schnell das Viertel um die Frankfurter Niddastraße ein, hauptsächlich mit ehemals Leipziger Rauchwarenhändlern. Bereits zehn Jahre nach Kriegsende expandierte die Pelzbranche in ungewöhnlichem Ausmaß. Im Frankfurter Pelzviertel gab es immer mehr Pelzkonfektionäre und ihnen zuarbeitende Kürschnereien. Anders als in Leipzig waren die Pelzzurichtereien nicht mehr um die Stadt herum angesiedelt, sondern verteilten sich, bevorzugt im Süden der Bundesrepublik. Aber alle wesentlich überregional tätigen Pelzveredler unterhielten Geschäftsstellen im Pelzviertel Niddastraße, in der Branche Frankfurter „Brühl“ genannt.

Im Jahr 1980 lag der Wert der in diesem Jahr in die Bundesrepublik Deutschland eingeführten Felle, bei einem Zuwachs von 12 Prozent, erstmals über einer Milliarde DM. Den Hauptanteil an der Gesamteinfuhr im Wert von 1.057,4 Mill. hatten Nerzrohfelle, 4,5 Mio. Stück im Gesamtwert von 402 Mill. DM. Die Einfuhr von Karakulfellen war dagegen leicht rückläufig, entsprechend dem anhaltenden Modetrend mit einem Wechsel vom Persianer zum Nerz.Pelzein- und Ausfuhr 1980: Rohfelleinfuhr erstmals über eine Million. In: Winckelmann Pelzmarkt Nr. 583, Winckelmann Verlag, Frankfurt am Main, S. 1–2. Primärquelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden.