Die Daimler Regency sind Oberklassefahrzeuge des britischen Automobilherstellers Daimler, die mit eineinhalbjähriger Unterbrechung von 1951 bis 1958 gebaut wurden. Die Regency-Reihe besteht drei Serien, deren letzte die Bezeichnung Daimler One-0-Four trägt. Neben den Standardausführungen gab es jeweils auch Sonderversionen, zu denen der Sportsman sowie verschiedene Empress-Modelle mit Hooper-Karosserien gehören. Im Laufe der Jahre entstand so eine weit gefächerte, verschachtelte Modellpalette mit unterschiedlichen Aufbauten und Motorisierungen. Ungeachtet dieser Vielfalt war die Regency-Reihe nicht erfolgreich. Alle Varianten zusammengenommen, entstanden weniger als 1000 Autos.

Entstehungsgeschichte mini|Daimler Motor Company Die 1896 gegründete Daimler Motor Company war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der exklusivsten britischen Automobilhersteller. Das seit 1910 zur Birmingham Small Arms Company (BSA) gehörende Unternehmen lieferte regelmäßig Fahrzeuge für das britische Königshaus. Die Stellung des Unternehmens änderte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als der Konkurrent Vanden Plas nach und nach eine führende Rolle im Bereich der großen Limousinen übernahm.Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 272. Daimler versuchte daraufhin, parallel zu den weiterhin produzierten Repräsentationsfahrzeugen mit dem kleineren Modellen preisgünstigere Marktsegmente zu bedienen.

Als Einstiegsmodell diente in der unmittelbaren Nachkriegszeit der DB18 und dessen weiterentwickelte Version Consort, die kleine Sechszylindermotoren hatten. Um die Lücke zu den großen Staatskarossen DE27 und DE36 zu schließen, führte Daimler 1951 ergänzend den Regency ein, der in technischer Hinsicht vom DB18/Consort abgeleitet war.Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 259. Der Regency debütierte auf dem Pariser Autosalon 1951.Roger Gloor: Alle Autos der 50er Jahre: 275 PKW-Marken aus 32 Ländern mit 1070 zeitgenössischen Fotos. Motorbuch Verlag 2007, ISBN 978-3-613-02808-1, S. 119. Nachdem seine Produktion Anfang 1953 eingestellt worden war, kam es im Oktober 1954 zu einem Neustart mit einer überarbeiteten Version. Insgesamt war die Regency-Reihe weitgehend erfolglos. Alle Versionen zusammengenommen, entstanden in sieben Jahren weniger als 1000 Fahrzeuge. Der kleinere Daimler Conquest dagegen, der 1953 den DB18 als Einstiegsmodell ablöste, wurde bis fast zehnmal so oft gebaut. Der Regency war die technische Grundlage für die Repräsentationslimousine Regina, die 1955 den DE27 und den DE36 ersetzte und im Grunde ein verlängerter Regency war.James Taylor: British Luxury Cars of the 1950s and ’60s. Bloomsbury Publishing, 2016, ISBN 978-1-78442-187-8, S: 27. Im August 1958 nahm der Majestic die Rolle der Regency-Reihe ein.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 246.James Taylor: British Leyland: The Cars, 1968–1986. The Crowood Press, 2018, ISBN 978-1-78500-392-9.

Die einzelnen Modelle

Übersicht Serie Modell Chassisbezeichnung Produktion Rechtslenker LinkslenkerRegency Mark I Saloon DF 300 DF 301 7 Special Sports ConvertibleDF 302DF 303 3 Hooper Empress Mark II 33 Regency Mark II Saloon Mark II 3,5 Litre DF 304 DF 305 ca. 320 Saloon Mark II 4,5 Litre DF 400 DF 401 ca. 25 Hooper Empress Mark IIa DF 306 DF 307 58 Hooper Empress Mark III DF 308 DF 309 14 Sportsman Saloon 33–69Die Angaben hierzu sind sehr unterschiedlich. Serie 3 One-0-Four Saloon 3,5 Litre DF 310 DF 311 559 One-0-Four AutomaticDF 314 One-0-Four Saloon 4,5 Litre DF 402 DF 403 Four Lights Saloon (Sportsman) DF 310 DF 311

Erste Generation: Regency Mark I

Die erste Generation des Regency wird rückblickend als Mark I bezeichnet. Sie wurde von 1951 bis Anfang 1953 gebaut. Daimler bot drei verschiedene Karosserieversionen an, die jeweils auf der gleichen technischen Basis beruhen. Die Baureihe war weitgehend erfolglos. Alle Versionen zusammengenommen, entstanden bis Anfang 1953 maximal 50 Fahrzeuge, wahrscheinlich weniger. Ein wesentlicher Grund für die Erfolglosigkeit der ersten Regency-Reihe war die britische Steuerpolitik. Als der Regency Mark I auf den Markt kam, lag der Satz der beim Kauf des Autos fälligen Luxussteuer (Purchase Tax) bei 66,6 %. Eine angekündigte, aber immer wieder verschobene Steuersenkung veranlasste viele Interessenten zum Abwarten.Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 263.

Gemeinsame technische Merkmale Der Regency hat einen Leiterrahmen mit kreuzförmiger Verstrebung, der von dem Rahmen des Daimler DB18/Consort abgeleitet war. Alle Mark-I-Varianten haben einen Reihensechszylindermotor mit 3,0 Liter (2954 cm³) Hubraum. In der Basisversion leistet er 90 bhp (67 kW; 92 PS), die bei 4100 Umdrehungen pro Minute anfallen. 1952 erschien eine leistungsgesteigerte Version mit einem Zylinderkopf aus Aluminiumguss und einer Höchstleistung von 100 bhp (75 kW; 101 PS).Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 261. Die Kraftübertragung übernimmt serienmäßig das bei Daimler seinerzeit noch übliche Vorwählgetriebe.

Versionen Basismodell ist der Saloon (Chassisbezeichnung DF301 für die rechts- und DF302 für die linksgelenkte Version), eine sechssitzige Stufenhecklimousine mit vier Türen und drei Fenstern auf jeder Seite (sog. Six Light), deren Aufbau dem traditionsreichen Karosseriehersteller Barker zugeschrieben wurde, tatsächlich aber in Daimlers eigenen Werksanlagen in Coventry entstand.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 216. Mit der 90-bhp-Version des Reihensechszylinders erreicht der Saloon eine Höchstgeschwindigkeit von 131 km/h. Der Kaufpreis betrug bei Markteinführung 2.334 £ einschließlich Steuern. Damit war er deutlich teurer als ein ähnlich großer, aber wesentlich schnellerer Jaguar Mark VII. Bis zur Produktionseinstellung entstanden nur sieben Regency Saloons, von denen drei im 21. Jahrhundert noch existieren.Milo Kelly, Dave Philpot: A Unique Passion – Regency 3-Litre. In: The Driving Member, Ausgabe Dezember 2012/Januar 2013, S. 32 ff. Einer der Saloons gehörte der Britischen Königinmutter.

1952 debütierte das als Barker Special Sports bezeichnete zweitürige Cabriolet (DF302/303), dessen Karosserie keinen Bezug zu der des Saloon hat. Es ist mit dem 100-bhp-Motor ausgestattet.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 217. (abgerufen am 3. März 2020). Der Preis lag bei der Vorstellung des Autos bei 2.661 £. Der Special Sports war „extrem selten“; einige Quellen gehen davon aus, dass nur drei Fahrzeuge entstanden. Eins hat ein wie der spätere Sportsman ein Hardtop mit dreiteiliger Heckscheibe im Panoramastil.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 220.

Ebenfalls 1952 erschien der Empress II (DF302/303), eine Sonderversion mit einem Hooper-Aufbau, dessen Form der sogenannten Hooper Empress Line folgt. Mit ihm setzte Daimler eine Tradition der Sondermodelle fort, die 1950 beim kleineren DB18/Consort unter der Bezeichnung Empress Mark I begonnen hatte.Lord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 257. Die auf dem Regency basierenden Empress-II-Modelle sind üblicherweise (aber nicht ausnahmslos) sogenannte Six-Light-Limousinen mit drei Fenstern auf jeder Fahrzeugseite. Bis 1952 entstanden 33 Empress II.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960. Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 43.

Zweite Generation: Regency Mark II

Mehr als eineinhalb Jahre nach Einstellung der ersten Serie brachte Daimler im Oktober 1954 den Regency Mark II auf den Markt. Erneut waren mehrere Aufbauten und Motorisierungen erhältlich, die verschieden kombiniert wurden. Die zweite Serie des Regency blieb ein Jahr lang im Programm.

Gemeinsame technische Merkmale Das Chassis des Regency Mark II wurde weitgehend unverändert vom Mark I übernommen. Neu waren zwei unterschiedlich große Motorisierungen. Eine auf 3,5 Liter vergrößerte Version des bekannten Reihensechszylindermotors war in Leistungsstufen von 107 bhp (80 kW; 109 PS) über 114 bhp (85 kW; 116 PS) bis 130 bhp (96 kW; 132 PS) erhältlich. Daneben bot Daimler eine 127 bhp (95 kW; 129 PS) starke Variante mit 4617 cm³ an, die – nicht ganz präzise – auch als „4,5 Litre“ bezeichnet wird.

Versionen Das Standardmodell war der Regency Mark II Saloon, der als DF 304/305 mit 3,5 Liter und als DF 400/401 mit 4,6 Liter Hubraum („4,5 Litre“) erhältlich war. Seine sechssitzige Six-Light-Karosserie ist von der des Mark I abgeleitet, ist aber 10 cm länger und im Bereich der Flanken anders gestaltet: Die vorderen Kotflügel laufen nun in geringerer Neigung nach hinten aus, und die hinteren Kotflügel schließen senkrecht ab. Der Kaufpreis für einen Saloon mit 3,5-Liter-Motor lag 1954 bei 2.324 £,Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960. Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 46. der für die „4,5-Litre“-Version bei 2.775 £. Insgesamt baute Daimler 345 Fahrzeuge vom Typ Mark II Saloon, etwa zwei Dutzend davon hatten den größeren Motor.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960. Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 60.

Als sportliche Alternative zum Saloon war ab Oktober 1954 der viertürige Sportsman (DF308/309) mit Four-Lights-Karosserie (zwei Fenster auf jeder Fahrzeugseite) von Mulliners of BirminghamLord Montagu of Beaulieu, David Burgess-Wise: Daimler Century. Patrick Stephens Ltd., 1995, ISBN 1-85260-494-8, S. 266. erhältlich. Der Sportsman hat eine hintere Panoramascheibe, stark gewölbte hintere Kotflügel mit abgedeckten Rädern und kleinen Heckflossen.Roger Gloor: Alle Autos der 50er Jahre: 275 PKW-Marken aus 32 Ländern mit 1070 zeitgenössischen Fotos. Motorbuch Verlag 2007, ISBN 978-3-613-02808-1, S. 120.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 230. Fahrwerk und Kraftübertragung waren leicht überarbeitet. Der Sportsman war mit dem 3,5-Liter-Motor (96 kW; 132 PS) zu einem Preis von 2.650 £ oder mit der 4,5-Litre-Version für 3.103 £ erhältlich. Der Sportsman ist selten. Je nach Quelle ist von insgesamt 33Der Daimler Sportsman auf der Internetseite www.jaguarheritage.com (abgerufen am 24. Februar 2020). oder 69 Fahrzeugen die Rede. (abgerufen am 24. Februar 2020).

Auf der Basis des Regency Mark II baute Hooper wieder eine Empress-Variante, die als Mark IIa bezeichnet wird (DF306/307). Sie stimmt stilistisch vollständig mit dem Empress Mark II überein. Als Antrieb dient eine 114 bhp (85 kW; 116 PS) starke Version des 3,5-Liter-Motors. Das Getriebe und die Hinterachse entsprechend dem des Sportsman.Brian Long: Daimler & Lanchester. A Century of Motor History. Longford International Publications, 1995, ISBN 1-899154-01-9, S. 229. Von dieser Empress-Variante entstanden 58 Fahrzeuge.Richard Townsend: Docker’s Daimlers. Daimler and Lanchester Cars 1945 to 1960. Amberley Publishing, Stroud, 2017, ISBN 978-1-4456-6316-6, S. 43 und 46.