mini|Pfarrkirche St. Martin, Feldkirch St. Martin ist die römisch-katholische Pfarrkirche von Feldkirch, durch Eingemeindung 1974 Teil der Gemeinde Hartheim am Rhein. Die Pfarrgemeinde Feldkirch ist eine der acht Pfarrgemeinden in der 2015 begründeten Seelsorgeeinheit Bad Krozingen-Hartheim.
Kirchengeschichte Im Breisgau gibt es verschiedene „-kirch“-Orte, die entweder nach ihrem Besitzer oder nach ihrer Lage („Feld“) benannt sind. Sie wurden durch die Franken gegründet, nachdem diese 742–746 die Herrschaft von den Alamannen übernommen hatten. So spricht für eine planmäßige Anlage von Feldkirch die Lage der Kirche, auf die alle Wege aus den umliegenden Orten hinführen.Georg Bohrer: Aus der Geschichte des Dorfes Feldkirch im Breisgau. In: 1200-Jahrfeier der Gemeinde Feldkirch mit 40jährigem Stiftungsfest der Musikkapelle. Feldkirch 1961, S. 5 Als „Veltchilcha“ wird das Dorf zuerst 1160 im Rotulus Sanpetrinus erwähnt – der Ort leitet seinen Namen von der Kirche (chilcha) auf dem freien Feld (velt) her.(Edmund Weeger:) Feldkirch im Breisgau. In: 1250 Jahre Feldkirch. Hartheim (2011), Seite 17
Die erste Erwähnung als Pfarrei datiert von 1264, als S. de Windegge als rector in Feldkilch genannt wird, also als „Pfarrherr“.Bohrer, wie vor, S. 6. Martin, Reinhard Faller: Hausen an der Möhlin. Bad Krozingen 2018, ISBN 978-3-9815245-0-5, S. 281 (mit Auflistung der weiteren Pfarrer bis zum Verlust der Selbstständigkeit 1988). Die Kirche ist dem heiligen Martin gewidmet. Martinskirchen lassen meist auf eine frühe ChristianisierungHermann Brommer: Kath. Pfarrkirche St. Martin Staufen i. Br. Lindenberg 2001, S. 2. und eine mögliche Mutterkirche schließen. Tatsächlich erwähnt das Kirchenregister von 1360/1370 die Feldkirche als Mutterkirche mit den Filialen Hartheim (1910 zur selbstständigen Pfarrei erhoben) und Hausen (1988, immer noch als Filialkirche, zur Pfarrei Bad Krozingen).
2001 wurde eine Seelsorgeeinheit Hartheim begründet, der neben Bremgarten auch die ursprüngliche Pfarrei Feldkirch angehörte. Nachdem seit 2010 der Pfarrer der Seelsorgeeinheit Bad Krozingen auch Hartheim betreut hatte, kam es 2015 zu der Vereinigung beider Seelsorgeeinheiten.
Baugeschichte „Lediglich die wissenschaftliche Forschung beweist das Bestehen der fränkischen Kirche im 8. Jahrhundert.“Bohrer, wie vor, S. 6. Der Turm, ein ehemaliger Wehrturm, soll 750 worden erbaut sein.Beschreibung der Kirche auf der Homepage der Seelsorgeeinheit online Auch die bei der Anlage einer Außendrainage freigelegten Grundmauern lassen auf einen mittelalterlichen Ursprung der Kirche schließen.Weeger, wie vor, S. 29
Von der gotischen Kirche ist nur der Turm erhalten. Das Kirchenschiff und der Chor wurden nach einem Brand im Dreißigjährigen Krieg, dessen Spuren bei einer Restaurierung 1961 entdeckt wurden, 1650/1660 behelfsmäßig erneuert und 1748/1749 unter Pfarrer Friedrich Krayser umgebaut und vergrößert. Der durch Blitzeinschlag beschädigte Turm erhielt die barocken Giebel, während die großen Ausblicke nach Norden und Süden, die den Charakter eines Wehrturms betont hatten, teilweise zugemauert wurden.Bohrer, wie vor, S. 10. 1934 erhielt das Gebäude auf der Nordseite einen zweigeschossigen Anbau zur Aufnahme der neuen Orgel. Die letzte Renovierung erfolgte 1997.
Gebäude Außen mini|St. Martin Die Kirche ist geostet. Der viergeschossige Turm ist leicht in die Westfassade eingestellt. Wie das Kirchenschiff trägt er ein Satteldach, das von den im 18. Jahrhundert errichteten, mit Schweifungen versehenen Giebeln überragt wird, die von einem Kreuz gekrönt werden. Die Nord- und Ostseite haben je ein schmales, spitzbogiges Fenster, während die Südseite drei übereinander zeigt. Über einem Gurtgesims befindet sich das Glockengeschoss mit je einer rundbogigen Klangarkade; lediglich die Ostseite wird durch ein Paar davon betont. Zifferblätter der Turmuhr sind auf allen vier Seiten des Turmes zu sehen, auf der West- und Ostseite im Giebelbereich oberhalb der Klangarkaden, auf der Nord- und Südseite unterhalb des Gurtgesimses.
Im Turm hängen drei Kirchenglocken:Glockeninspektion Erzbistum Freiburg: Kath. Pfarrkirche St. Martin in Hartheim-Feldkirch Hartheim am Rhein Glocke Gießer Gussjahr Durchmesser Gewicht Schlagton 1 H. Kurtz, Stuttgart 1951 700 mm 230 kg cis″+3 2 H. Kurtz, Stuttgart 1951 590 mm 135 kg e″+4 3 H. H. Weitnauer, Basel 1725 520 mm 85 kg fis″+3
Der Eingang führt durch die Mitte des Turms. Über dem Portal befindet sich eine Nische mit dem heiligen Martin auf einem Pferd, eine hölzerne Skulptur aus dem 18./19. Jahrhundert mit neuer Fassung. An der Südseite steht zwischen Kirchenschiff und Chor ein Sakristeianbau mit Walmdach. mini|Der Blick in den Chor
Innen mini|Deckenfresko mit dem Pfingstwunder Die Turmvorhalle hat ein Kreuzrippengewölbe, während das Kirchenschiff flach gedeckt ist. Es hat, wie auch der dreiseitig geschlossene Chor, unregelmäßig angeordnete stichbogige Fenster. An die Saalkirche schließt sich der Chor hinter einem rundbogigen Triumphbogen an. In diesem befindet sich eine gotische Sakramentsnische, die von einer spitzbogigen Maßwerkplatte bekrönt war, die bei der letzten Renovierung unter dem Putz entdeckt und an die südöstliche Chorseite versetzt worden ist. Im Westen steht eine Empore auf hölzernen Rundstützen mit Profilierungen. Sie hat ein Deckengemälde von Manfred A. Schmid. Im Bereich der Empore finden sich zwei kleine stichbogige Fenster übereinander.Auszug aus dem Denkmalbuch des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald, in der Kirche ausliegend. Daraus auch die nicht einzeln nachgewiesenen Angaben zur Ausstattung
„Die Deckenfresken stammen von Johann Burghart aus Feldkirch nach der Renovierung im Jahre 1961.“ Im Kirchenschiff zeigen sie Szenen aus dem Leben des heiligen Martin, die Mantelspende, hinter dem Triumphbogen ist „in einer atemberaubenden Treppenuntersicht-Architektur […], kurz nachdem man den Chor betreten hat, das Pfingstwunder zu sehen.“Kunstgeschichtliche Darstellung der Gemeinde Hartheim online
Ausstattung Die Ausstattung der Kirche ist überwiegend barock. Der Hochaltar mit doppelter Säulenstellung stammt aus der Zeit um 1750. Im Aufsatz zeigt er eine Halbfigur Gottvaters, umgeben von Wolken und Puttenköpfen. Im Gemälde ist „das seltene Thema, der Tod Josephs, […] in einer schwungvollen Komposition dargestellt. Vieles deutet auf eine italienisch geschulte süddeutsche Schule, etwa in der Art der Nachfolge von Adam Elsheimer.“Kunstgeschichtliche Darstellung der Gemeinde Hartheim, wie vor.
Die zwei Seitenaltäre vom Ende des 17. Jahrhunderts haben einen Aufbau mit einfacher Säulenstellung und an den Seiten durchbrochene Ranken. Sie werden von einem Sprenggiebel mit achteckigem Oberbild und zwei Putten bekrönt. Im linken Altar zeigen das Hauptbild eine sitzende Madonna mit Kind, von Rosen umrahmt, möglicherweise nach einem Vorbild des 16. Jahrhunderts, und das Oberbild aus dem 18. Jahrhundert die heilige Cäcilia. Im rechten Altar ist im Hauptbild der heilige Nepomuk zu sehen, „um 1660. Der Heilige führt die rechte Hand an den Mund – Zeichen seiner standhaften Weigerung, das Beichtgeheimnis zu brechen. Ein Engel hält den Märtyrerkranz über sein Haupt. Sein Martyrium im Hintergrund: Folter und Ertränken – er wird von der Brücke in die Moldau gestoßen“.Kunstgeschichtliche Darstellung der Gemeinde Hartheim wie vor Das Oberbild mit dem heiligen Martin ist vielleicht älter.
Im Chor stehen hölzerne, neu gefasste Skulpturen der heiligen Martin, Florian, Sebastian und Barbara aus dem 18. Jahrhundert, die ohne weiteren Nachweis Franz Anton Xaver Hauser zugeschrieben worden sind. Gemeindeanzeiger Bad Krozingen, Nr. 11, 7. Juli 1985.
Das Chorgestühl stammt aus der Zeit um 1760. Es hat Felder verschiedener Hölzer mit geschnitzten Aufsätzen, in denen in Intarsien das Wappen der Herren von Wessenberg-Ampringen dargestellt ist. Zwei Beichtstühle, denen die Aufsätze fehlen, sind aus dem 18. Jahrhundert, Aufsätze fehlen.
An der südlichen Langhauswand befindet sich eine Mondsichelmadonna mit Kind aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist ebenso neu gefasst, wie ein lebensgroßes hölzernes Kruzifix aus dem 18./19. Jahrhundert an der nördlichen Langhauswand und ein Vortragskreuz aus dem 18. Jahrhundert an der Westwand. Im Langhaus wird ein Kreuzwegzyklus auf Holztafeln mit ornamental geschweiften Rändern aus der Mitte des 18. Jahrhunderts präsentiert.
Herren von Wessenberg-Ampringen In der Kirche gibt es mehrere Stiftungen der Herren von Wessenberg-Ampringen. Auf sie verweisen die Wappen im erwähnten Chorgestühl, in der Turmvorhalle drei KindergrabsteineAusführliche Beschreibung der Grabmale in und an der Kirche auf der Homepage der Wessenberg-Akademie online von 1512 (Frantz Christof), 1607 (Christofel) und 1626 (Maria Elisabetha), der Grabstein des Rupert Florian von Wessenberg (1687–1777) und an der Langhauswand neben dem linken Seitenaltar ein Epitaph seines Sohnes Philipp Carl von Wessenberg († 1794), zugeschrieben an Franz Anton Xaver Hauser.Arnold Tschira: Das Denkmal des Freiherrn Philipp Carl von Wessenberg in Feldkirch, in: Schau-ins-Land 1938/39, Seite 188–193 online, übernommen von Hermann Brommer: Die Bildhauer Hauser in Kirchzarten, Schlettstatt und Freiburg i. Br. , in: Schau-ins-Land 1976/77, Seite 181 online. In der Darstellung der Kirchengemeinde falsch als das des Johann Philipp von Wessenberg bezeichnet online Seine Söhne waren Johann Philipp (Grabstein an der Nordwand des Chores) und Ignaz Heinrich von Wessenberg, der letzte Generalvikar und Bistumsverweser der Diözese Konstanz.
Der Kirchenfonds bewahrt ein silbernes Doppel-Ölgefäß von 1603Weeger, wie vor, S. 21. und ein weiteres Ölgefäß von 1604Hartheimer ‚Wettersegen‘ – Monstranz 1791 online, gestiftet von Hans-Christoph von Wessenberg und seiner Frau Judith Reich von Reichenstein.
Orgel Die heutige Orgel befindet sich in einem historischen Gehäuse aus der Zeit um 1740 mit profilierten Gesimsen und durchbrochener Rankenornamentik. Es stammt von einer Orgel aus der Kirche St. Cyriak in Lehen. Die dortige Gemeinde hatte Nikolaus Schuble mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt und die alte deshalb verkauft. Sie wurde 1809 in Feldkirch aufgestellt, ebenfalls von Nikolaus Schuble.Sulzmann, S. 34. Das erhaltene Gehäuse dieser Orgel weist Spitztürme auf. Da diese Bauart in Südbaden sehr selten ist, nimmt Bernd Sulzmann an, es müsse von Johann Georg Fischer stammen, der sie angewendet hat.Bernd Sulzmann: Historische Orgeln in Baden, 1690–1890. Schnell und Steiner 1980, ISBN 978-3-795-40421-5, S. 34, 146. Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer, die die aktuelle Orgel 1998 renoviert haben, geben an, sie befinde sich „im historischen Ronzoni-Gehäuse aus dem 19. Jahrhundert“.(sic! Muss heißen: 18. Jahrhundert).Feldkirch in der Orgelgalerie von Jäger & Brommer online dem folgend die Kirchengemeinde online. Ambrosius Ronzoni (um 1730 Mailand–um 1800 Mähren) kam über die Schweiz und das Elsass an den Oberrhein, wo er im Zeitraum von 1767 bis 1793 arbeitete.Sulzmann, S. 287. Eine ihm zugeschriebene Orgel befindet sich in Feldkirch (Haut-Rhin).A la découverte de l’Orgue. Orgues d’Alsace: Feldkirch, St-Rémi online. Jäger & Brommer unterliegen mit dem Verweis auf Ronzoni für diese Orgel daher wohl einer Verwechselung.
mini|Orgelprospekt 1933 wurde in einem separaten Gehäuse hinter dem verbliebenen alten ein Neubau mit 13 Registern und einer Windabschwächung durch M. Welte & Söhne, Freiburg im Breisgau errichtet. 1961 nahm Gebr. Späth Orgelbau eine Erweiterung um zwei Register vor, die in das historische Gehäuse eingebaut wurden. Gleichzeitig wurde das ursprüngliche Register Dulciana durch eine Vox celeste ersetzt und das Werk erhielt einen gebrauchten, freistehenden Welte-Spieltisch aus einer anderen Kirche, der nun in Feldkirch neun blinde, funktionslose Registerzüge aufweist.Orgel-Verzeichnis von Andreas Schmidt: Feldkirch online. 1998 erfolgte die erwähnte Renovierung der Orgel durch die Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer.