mini|Karl-Heinz Herrfurth beim Malen eines Ölgemäldes nach einer Collage anno 1967 in Berlin. mini|Karl-Heinz Herrfurth, ,,Maschine", vollendet Dezember 1970 in Berlin, 125 x 100 cm

Karl-Heinz Willy Martin Herrfurth (* 27. September 1934 in Berlin; † 12. November 2015 ebenda) war ein deutscher Maler, Zeichner, Graphiker und Professor sowie Vize-Präsident der Hochschule der Künste Berlin.

Biografie mini|Karl-Heinz Herrfurth beim Malen des Ölgemäldes mit dem Titel Arbeiter in seinem Atelier, Berlin 1972

Herrfurth studierte von 1954 bis 1960 Bildende Kunst, Malerei, Grafik, Kunstpädagogik und Werkerziehung an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin (HdK) bei den Professoren Fritz Kuhr, Gerhard Fietz, Ludwig Gabriel Schrieber, Helmut Thoma und Curt Lahs. 1960 beendete er das Studium als Meisterschüler bei Gerhard Fietz. Er arbeitete von 1963 bis 1974 als technischer Zeichner in Anstellung als Wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Berlin. 1974 wurde er zum Professor für Malen und Zeichnen an der Hochschule für Bildende Künste Berlin (später Hochschule der Künste (HdK)) berufen, wo er bis 2002 tätig war. In der Vorbereitungsphase zur Gründung der Hochschule der Künste war Herrfurth Mitglied der Strukturkommission, später Mitglied des Akademischen Senates und zwischen 1992 und 1994 Vizepräsident der HdK Berlin.

Während seiner Zeit als Professor war Herrfurth Mitglied der Karl Hofer Gesellschaft und beim Deutschen Künstlerbund. Zahlreiche Ausstellungen dokumentieren Herrfurths kontinuierliche Tätigkeit als Künstler seit den 1960er Jahren. Herrfurth bereiste schon Ende der 1950er Jahre Spanien, Griechenland und Marokko und lernte in Griechenland seine spätere Ehefrau Ourania kennen. Ab den 1960er Jahren lebte und arbeitete er in Berlin und in der Mani (Peloponnes). Die Auseinandersetzung mit der griechischen Landschaft, der Sprache, dem Licht und der Kultur beeinflussten sein künstlerisches Werk nachhaltig.

Werk Während sich Herrfurth in frühen Werken hauptsächlich der Malerei widmete, wandte er sich später stärker der Zeichnung zu. Etwa seit der Mitte der 1960er Jahre lässt sich sein künstlerischer Stil dem Kritischen Realismus, z. T. mit Anlehnung an die Pop Art, zuordnen. In dieser Zeit malte er großformatige, zum Teil fotorealistische Ölgemälde, die häufig in sozialkritischer und kontrastierender Art die Gegenüberstellung von Mensch und Technik, die Technologisierung des menschlichen Lebens zum Inhalt hatten. Daneben fertigte er vor allem Zeichnungen, Fotocollagen und Aquarelle. Sujets dieser Arbeiten waren Figurationen, Menschen, Körperteile, Werkzeuge, Pflanzen, Architektur, Landschaft und Symbole. Studienaufenthalte in Griechenlands führten ihn dazu, sich verstärkt der Zeichnung zuzuwenden.

Nach einer Arbeitsphase intensiven Zeichnens und Aquarellierens vor allem realistischer Sujets bis 1982 wechselte er seinen Stil in der Malerei, es folgten nun häufig kleinere Formate, wobei er in farblicher Anlehnung an Werke von Francis Bacon und anderer Künstler eigene, z. T. surrealistische Wege einschlug, in denen er Figurationen mit experimentellem Charakter im freien Malprozess schuf. Der Berliner Künstler Herrfurth vertiefte sich längere Zeit in Arbeiten auf Papier, insbesondere ab 1985 entstanden durch Übermalung Zeichnungen in Mischtechnik auf alten Papiergründen, die er in Griechenland für sich entdeckt hatte. In dieser Phase spielten neben realistischen Bildern auch abstraktere, freiere Darstellungen eine größere Rolle. Seine Werke tragen häufig symbolhaft-philosophischen Charakter, es verknüpfen sich Vergangenheit und Gegenwart, Realität und Phantasie zu einem unerwarteten neuen Ganzen. Auch Collagen, Aquarelle, Landschaftsaufnahmen und Zeichnungen verfertigte Herrfurth bis in die 2010er Jahre. Ein stetig wiederkehrendes Motiv seiner Arbeiten war über die Jahrzehnte hinweg der menschliche Körper und seine Körperteile. mini|Karl-Heinz Herrfurth, Zeichnung, Bleistift auf Papier, o.T., aus der Reihe "Objekte im Raum", Stillleben, August 1979

Auszeichnungen mini|Karl Heinz Herrfurth, Aquarell ,,Die Weltscheibe in der Hand", datiert auf den 20. März 1982

1961 Studienpreis der Großen Berliner Kunstausstellung 1967 Kunstpreis der Stadt Wolfsburg, „Junge Stadt sieht junge Kunst“

Arbeiten im öffentlichen Besitz (Auswahl) Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Berlin Städtische Kunstsammlungen Bonn

Ausstellungen (Auswahl) mini|Karl-Heinz Herrfurth, Mischtechnik auf historischem Papiergrund, ohne Titel, 22. Februar 1992

1966, 14. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Essen 1966, Karl-Heinz Herrfurth, Galerie am Wannseeheim, Berlin 1967 Appel Gallery, Caldwell, New Jersey, USA 1967, Große Berliner Kunstausstellung am Funkturm 1967, "Collage 67", Städtische Galerie im Lenbachhaus, München 1967, Große Kunstausstellung München, Haus der Kunst 1967, 15. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Karlsruhe 1967, Internationale Triennale für farbige Originalgrafik, Kunstverein Grenchen 1968, 16. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Nürnberg 1968, Große Kunstausstellung München, Haus der Kunst 1968, "Künstler des 20. Jahrhunderts", Ausstellungseröffnung der Kunsthalle Wilhelmshaven 1969, Große Berliner Kunstausstellung 1970, Berliner Künstler 1966–1969. Gemälde, Graphik, Plastik, Objekte. Wanderausstellung Wiener Künstlerhaus, Neue Galerie der Stadt Linz, Kulturamt Kapfenberg, Kunstverein Salzburg. Wien 1970, 18. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Bonn 1970, Juryfreie Kunstausstellung Berlin, bei Gruppe "Großgörschen" 1970, Große Kunstausstellung München, Haus der Kunst 1971. 19. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Stuttgart 1972, 20. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Bonn 1972–1995 Freie Berliner Kunstausstellung 1973, Große Kunstausstellung München, Haus der Kunst 1973/74, 21. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin 1974, "Malerei und Graphik der Gegenwart", Rheinisches Landesmuseum Bonn, in Kooperation mit dem Bundesverband der Arbeiterwohlfahrt 1976/77, Frauen machen Kunst, Galerie Megers, Bonn 1977, 25. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Frankfurt am Main 1978, "Die bildende Kunst und das Tier", Orangerie im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen 1978/79, 26. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin 1979, 27. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Stuttgart 1980, "30 Jahre BBK". Ausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlins, Staatliche Kunsthalle Berlin 1990, 38. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin 1992, 40. Jahresausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Aachen 1996, "Gedächtnis der Vorstellung", in der Hochschule der Künste (HdK) Berlin, Neue Galerie 1997 Galerie Ludwig Lange Berlin 2005/06, "UdK Berlin – Fakultät Bildende Kunst", Berlinische Galerie 2008, "Nota Bene", Villa Oppenheim, Galerie für Gegenwart und Kunst, Berlin

Literatur Deutscher Künstlerbund. 19. Ausstellung in Stuttgart 1971, 17. Juli bis 5. September 1971, Galerie der Stadt Stuttgart, Württembergischer Kunstverein, Kunstgebäude am Schlossplatz, Deutscher Künstlerbund e.V. (Hg.), Berlin, 1971. Kunst der Gegenwart : Kalender 1975 der Arbeiterwohlfahrt / Hrsg.: Arbeiterwohlfahrt Bundesverband e.V. Karl-Heinz Herrfurth: Noch ein Spiel (Vortrag vom 3. Februar 1994), in: Dieter Hacker, Stefanie Heckmann (Hrsg.): In Bildern denken. Hochschule der Künste Berlin, Fachbereich 6, Berlin 1994, S. 48–54, ISBN 3-89462-032-3 Stefanie Heckmann, Karlheinz Nowald: Gedächtnis der Vorstellung. Berlin 1996, ISBN 3-89462-050-1. Anna Holldorf: Karl-Heinz Herrfurth, Die Einsamkeit des Zeichners ist beendet (Katalog), Berlin 2016, im Eigenverlag "ars amelia edition" erschienenBiographie, auf anna-holldorf.de Ulrich Seeberg, Jessica Ullrich (Red.): Udk Berlin. Eine Ausstellung der Karl-Hofer-Gesellschaft in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin und der Berlinischen Galerie aus Anlass des Jubiläums 50 Jahre Karl-Hofer-Gesellschaft, 22. Oktober 2005 bis 29. Januar 2006, Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur. Universität der Künste, Fakultät Bildende Kunst. Grußwort Erwin Staudt. Berlin 2005

Weblinks

Website von Karl-Heinz Herrfurth

Einzelnachweise

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