mini|hochkant=1.3|Rennsieger Philippe Étancelin mini|hochkant=1.3|Philippe Étancelin während des Rennens mini|hochkant=1.3|Der sechstplatzierte Robert Sénéchal in seinem Delage Der XXIV. Große Preis von Frankreich (XXIV Grand Prix de l’Automobile Club de France)Das erste als Grand Prix de l’ACF organisierte Rennen fand 1906 statt. In den 1920er Jahren wurden jedoch rückwirkend auch den „großen“ Stadt-zu-Stadt-Rennen der Anfangsjahre zwischen 1895 und 1903 dieser Titel verliehen, obwohl das Gründungsdatum des ACF sogar erst nach dem Rennen Paris-Bordeaux-Paris 1895 liegt. Durch diese Zählweise wurde die Veranstaltung von 1906 nachträglich zum offiziell neunten Grand Prix de l’A.C.F ernannt. Diese Nummerierung wurde auch nach der 1968er Umbenennung des Grand Prix de l'ACF zum Grand Prix de France durchgängig weiter fortgeführt. fand am 21. September 1930 auf einem Dreiecks-Rundkurs über öffentliche Straßen bei Pau in Frankreich statt. Obwohl als Grande Épreuve eingestuft und zunächst als Lauf zur Automobilweltmeisterschaft vorgesehen, wurde die Ausschreibung später geändert und das Rennen nach der sogenannten Freien Formel ausgetragen, bei der es bis auf eine geforderte Mindestgröße der Motoren von 1,1 Litern Hubraum im Prinzip keinerlei Teilnahmebeschränkungen für Wagen und Fahrer gab. Das Rennen wurde über 25 Runden à 15,835 km ausgetragen, was einer Gesamtdistanz von 395,88 km entsprach.
Sieger des Rennens wurde der Franzose Philippe Étancelin mit einem privat gemeldeten Bugatti Type 35C. Bemerkenswert war auch der zweite Platz des Briten Sir Henry Birkin auf einem 4,5-Liter-Bentley mit Kompressor, bei dem es sich um einen in Renntrim gebrachten, im Prinzip straßentauglichen Tourenwagen handelte.
Rennen Als Austragungsort des Grand Prix de l’ACF für 1930 wurde zum ersten Mal die Stadt Pau im Südwesten Frankreichs bestimmt, die bereits auf eine lange Motorsporttradition zurückblicken konnte. Unter anderem war hier 1901 überhaupt das erste Automobilrennen ausgetragen worden, bei dem dem Sieger ein Preis unter dem Titel Grand Prix verliehen wurde.
Das Rennen von 1930 wurde noch nicht auf dem später bekannten Innenstadtkurs, sondern auf einem speziell dafür eingerichteten Dreieckskurs auf öffentlichen Straßen außerhalb der Stadt durchgeführt, der trotz seiner Bezeichnung als Grand Circuit permanent de Pau nur für diese eine Veranstaltung verwendet wurde.
Wie alle Grandes Épreuves sollte das Rennen ursprünglich nach der obligatorischen Internationalen Rennformel ausgetragen werden, die im Wesentlichen ein Verbrauchslimit von 14 kg Betriebsstoffen (Benzin und Öl) pro 100 gefahrene Rennkilometer bei ansonsten vorgegebenen Mindestabmessungen von 1,1 Litern Hubraum, 900 kg Wagengewicht und 100 cm Wagenbreite beinhaltete. Ebenso war es ursprünglich auch als Lauf zur Markenweltmeisterschaft für Automobile vorgesehen, die in dieser Saison trotz zweier zuletzt gescheiterter Versuche noch einmal ausgeschrieben worden war.
Nachdem jedoch bis drei Monate vor dem Rennen noch kein einziger Teilnehmer eine Meldung abgegeben hatte, blieb dem Automobile Club de France schließlich kaum etwas anderes mehr übrig, als auf ein sogenanntes formelfreies Rennen umzuschwenken, wobei Rennwagen aller Art von mindestens 1,1 Litern Hubraum zugelassen wurden. Gleichzeitig wurde das Nenngeld deutlich abgesenkt und nach einem öffentlichen Appell an den Patriotismus gelang es schließlich, ein Feld von 25 Wagen zusammenzubekommen, das sich allerdings fast ausschließlich aus einheimischen Teilnehmern zusammensetzte. Einziger Farbtupfer im Feld der ansonsten durchweg blauen Wagen war der grüne Bentley „Blower“ von Sir Henry „Tim“ Birkin mit 4,5-Liter-Kompressormotor, bei dem es sich im Wesentlichen um einen modifizierten viersitzigen Tourenwagen handelte, der aufgrund seiner Dimensionen auch als „Lastwagen“ verspottet wurde.
Favoriten des Rennens waren aber natürlich die beiden vom Bugatti-Werk eingesetzten 2-Liter-Grand-Prix-Rennwagen vom Typ 35C, von denen einer von Guy Bouriat und Louis Chiron geteilt und der andere von dem unter dem Pseudonym „Williams“ startenden, in Frankreich lebenden Briten William Grover-Williams gefahren wurde. Eigentlich war sogar der Start des Nachfolgemodells vom Bugatti Type 51 beabsichtigt gewesen, deren Entwicklung war jedoch noch nicht weit genug fortgeschritten. Mit weiteren 15 privat eingesetzten Wagen stellte Bugatti auch insgesamt die Mehrheit der Teilnehmer. Komplettiert wurde das Feld durch zwei Eigenbauten von Charles und Ferdinand Montier (Vater und Sohn) auf Ford-Basis, einem Ariès-Sportwagen, dem Grand-Prix-Delage von Robert Sénéchal aus 1927 und schließlich zwei älteren, eigentlich für Ausdauerwettbewerbe konzipierten Peugeot 174 S Rennsportwagen mit seitengesteuerten 4-Liter-Vierzylindermotoren, gefahren von René Ferrant und Henri Stoffel, dem Beinahe-Helden des vorangegangenen Großen Preises von Belgien. Zu einem wirklich erstklassigen Rennen fehlten dagegen vor allem die Spitzenteams und –Fahrer aus Italien, die aufgrund der kurzfristigen Änderung der Ausschreibung nicht mehr entsprechend umdisponieren konnten.
Nach dem Start bildete sich schnell eine Spitzengruppe mit „Williams“, Bouriat und den Privatfahrern Juan Zanelli und Philippe Étancelin, alle auf Bugatti, in der die beiden Werksautos – insbesondere nachdem Chiron Bouriat wie vorgesehen am Steuer abgelöst hatte – zunächst das Tempo vorlegten. Allerdings hielten ihre etwas zu stark profilierten Reifen die angeschlagene Geschwindigkeit nicht durch, so dass beide zu außerplanmäßigen Stopps an die Box kommen mussten. Der eigentlich völlig unnötige Fahrerwechsel hatte außerdem bereits zuvor schon Zeit gekostet, so dass die Piloten nun Wagen und Material noch stärker beanspruchten, um den verlorenen Boden wieder gutzumachen. Dies führte jedoch nur zu weiteren Reifenproblemen und schließlich auch zum Ausfall beider Wagen, während Étancelin mit seinem privat gemeldeten Auto ganz im Sinn seiner sich vorher zurecht gelegten Rennstrategie – um Reifen und Motor zu schonen hatte er seinen Rennwagen mit einer besonders langen Achsübersetzung versehen und vermied es außerdem, eine bestimmte Motorendrehzahl zu überschreiten – die Renndistanz ohne gravierende Probleme und vor allem ohne Boxenstopp buchstäblich mit dem letzten Tropfen Benzin im Tank zurücklegen konnte und am Ende von einer jubelnden Menge als Sieger aus dem Auto gehoben wurde. Mit einer ganz ähnlichen Strategie wurde Birkin Zweiter, wobei er dank der überragenden Motorleistung des schwerfälligen Bentley die in den Kurven verlorene Zeit auf den geraden Streckenabschnitten immer wieder wettmachen konnte. Für die Anzeige von Überholmanövern hatte er sogar die an seinem Wagen vorhandene Hupe verwendet, was sicher ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Grand-Prix-Rennen gewesen sein mag.
Ergebnisse Meldeliste Team Nr. Klasse Fahrer Info Chassis Motor Reifen Jean Poniatowski 2 1.5l DNA Alphi CIME 1.1L I6 Louis Casali 4 1.5l La Perle Six Bignan 1.5L I6 Kompressor 6 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor Babe Stapp 8 DNA Duesenberg Model A Duesenberg 4.0L I8 & Philippe Étancelin 10 3.0l Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 44 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor Georges Bouriano 12 3.0l DNA Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 14 2.0l Bugatti T35CBugatti 2.0L I8 Kompressor 34 2.0l DNS 58 2.0l 2.0l RES 16 1.5l Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor 18 Bentley Blower UU 5871 Bentley 4.5L I4 Kompressor 20 1.5l Delage Type 15 S 8 Delage 1.5L I8 Kompressor Enzo Grimaldi 22 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor Claude Arthez 24 2.0l DNA Bugatti T35 Bugatti 2.0L I8 Attila Lenart 26 2.0l DNA Bugatti T35 Bugatti 2.0L I8 Jean de Maleplane 28 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor 30 Montier SpécialeFord 3.3L I4 66 32 3.0l Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor Albert de Bondeli 36 1.5l Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor Baron Jean de l’Espée 38 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor Louis Charavel 40 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor Guy Daniel 42 3.0l Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor 3.0l RES 46 3.0l DNA Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor Maurice Henry 48 3.0l Peugeot 174SPeugeot 4.0L I4 74 3.0l 3.0l RES Etiénne Lepicard 50 1.5l DNA Donnet Donnet 1.1L I4 52 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor 54 1.5l Bugatti T37A Bugatti 1.5L I4 Kompressor José Scaron 56 1.5l DNA Amilcar C 6 Amilcar 1.1L I6 Kompressor 60 1.5l DNA Amilcar C 6 Amilcar 1.1L I6 Kompressor Armand Rodansky 62 2.0l DNA Bugatti T35 Bugatti 2.0L I8 Aristide Lumachi 64 3.0l Bugatti T35B Bugatti 2.3L I8 Kompressor Max Fourny 68 2.0l Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor 70 2.0l DNS Bugatti T35C Bugatti 2.0L I8 Kompressor 72 Ariès Ariès 3.3L I4
Startaufstellung Die Startpositionen wurden in der Reihenfolge der vorab zugeteilten Startnummern vergeben.
Rennergebnis Pos. Fahrer Konstrukteur Runden Stopps Zeit Start Schnellste Runde Ausfallgrund 1 25 2:43:18,4 h 16 2 25 + 3:26,2 min 6 3 25 + 3:36,4 min 11 4 25 + 8:08,6 min 2 5 25 + 11:10,4 min 13 6 25 + 13:10,2 min 7 7 25 + 17:39,6 min 9 8 25 + 17:47,8 min 17 9 25 + 25:50,0 min 25 10 25 + 38:00,8 min 24 — 24 DNF 4 Motorschaden — 21 NC 22 abgewunken — 21 NC 8 abgewunken — 19 NC 1 abgewunken — 16 DNF 15 Ausfall — 15 DNF 12 Ausfall — 12 DNF 20 6:10,000 Motorschaden — 10 DNF 14 Unfall — 7 DNF 19 Ausfall — 4 DNF 10 Ausfall — 3 DNF 21 Motorschaden — 2 DNF 5 Kompressorschaden — 2 DNF 23 Motorschaden — 2 DNF 18 Motorschaden — 1 DNF 3 Getriebeschaden
Klassensieger Gruppe I (über 3000 cm³): (Bentley), 142,449 km/h Gruppe II (2000–3000 cm³): (Bugatti), 142,304 km/h Gruppe III (1500–2000 cm³): (Bugatti), 145,447 km/h Gruppe IV (bis 1500 cm³): (Delage), 134,592 km/h
Weblinks
Anmerkungen
#1930 Frankreich Kategorie:Sportveranstaltung in Pau