mini|hochkant=1.9|Schema zu Digitalem Zentralbankgeld (CBDC), Bargeld, Giralgeld sowie dazu bestehenden Forderungen bzw. Verbindlichkeiten Digitales Zentralbankgeld ( CBDC) ist elektronisches Geld, das von einer Zentralbank emittiert wird und einem größeren Nutzerkreis zur Verfügung steht als die derzeitige digitale Form der monetären Basis für Geschäftsbanken.Central Bank Digital Currencies (CBDCs) Monetary Economics: Central Banks – Policies & Impacts eJournal. Social Science Research Network. In seiner weitesten Ausprägung könnte jeder Bürger oder jedes Unternehmen ein Konto bei der Zentralbank führen. Für den Zahlungsverkehr und zur Wertaufbewahrung könnten Mobile Apps oder anonyme Guthabenkarten genutzt werden. Derzeit gibt es erste Umsetzungen auf den Bahamas, Jamaika und Nigeria (Stand Juli 2025) sowie zahlreiche Pilot- und Forschungsprojekte in anderen Nationen.CBDC Tracker. Atlantic Council. Abgerufen am 15. Februar 2026.Digitaler Euro: Eurosystem startet die nächste Phase. Deutsche Bundesbank, 19. Oktober 2023; abgerufen am 21. Oktober 2023.

Entwicklungsgeschichte Die Idee, von der Zentralbank emittiertes Geld direkt den Privathaushalten zugänglich zu machen, erwähnte schon 1985 James Tobin. Allerdings gab es zu dieser Zeit noch nicht die technologischen Voraussetzungen für eine ortsungebundene Kontoführung. 1993 unternahm die Bank of Finland einen ersten Umsetzungsversuch mit dem Avant Card Smart System. es handelte sich dabei um eine Chipkarte, die mit Geld aufgeladen werden konnte. Da Transaktionen jedoch Gebühren kosteten, konnte sie nicht die nötige Verbreitung erreichen und wurde 2006 eingestellt. Nach den ersten – meist kartenbasierten – Entwürfen für elektronisches Geld griffen die Zentralbanken der G10 das Thema 1995 auf. Allerdings sahen sie sich damals noch nicht in der Rolle, selbst elektronisches Geld anzubieten. Sie diskutierten ausschließlich darüber, wie Anbieter von elektronischem Geld reguliert werden sollten.

Erst 2009 war die technologische Entwicklung so weit, dass mithilfe von Blockchain die erste Kryptowährung Bitcoin an den Markt ging. Danach beschäftigten sich Zentralbanken wieder verstärkt damit, selbst elektronisches Geld anzubieten. 2014 kündigte die Zentralbank in Uruguay ihr Pilotprojekt e-Peso an. Es folgte die Bank of England mit ihrer One Bank Research Agenda zur Erforschung von digitalen Währungen sowie die Pilotprojekte e-krona (schwedisch) und Jasper (kanadisch). Eine breite Aufmerksamkeit bekam das Thema, als 2019 Facebook die Einführung eines Stablecoins Libra bzw. Diem ankündigte, der aber letztendlich aufgrund von Widerständen der Federal Reserve Bank nicht umgesetzt wurde. Die Diskussion wurde dadurch und auch durch die Ankündigung der Chinesischen Zentralbank, nach Pilotversuchen in Regionen mit dem Digital Currency Electronic Payment bald digitales Zentralbankgeld herauszubringen,Mathias Müller: China verabschiedet sich langsam vom Bargeld. NZZ online, 28. Januar 2021; abgerufen am 28. Januar 2021. angeheizt.derstandard.at, Ruf nach digitaler Währung wird immer lauter 2020 wurde das weltweit erste nationale digitale Zentralbankgeld eingeführt – der Sand Dollar auf den Bahamas.Digital Bahamian Dollar. sanddollar.bs, abgerufen am 2021-01-28.Public Update on the Bahamas Digital Currency Rollout. Central Bank of the Bahamas, 2020-12-31, abgerufen am 2021-01-28. 2020 veröffentlichte das World Economic Forum (WEF) einen Leitfaden (CBDC Policy–Maker Toolkit) für Entscheidungsträger.Central Bank Digital Currency Policy–Maker Toolkit. WEF, 22. Januar 2020: (Seite und PDF (PDF) archiviert, Worksheet (PDF) als PDF, Appendixe (PDF) als PDF archiviert). Einer Umfrage im Jahr 2021 nach untersuchen rund 80 % der Zentralbanken weltweit CBDCs, wobei 40 % bereits Proof-of-Concept-Tests durchführen. 2021 veröffentlichten die G7-Staaten Richtlinien zur Einführung von digitalem Zentralbankgeld. mini|Zur Nutzung digitaler Identität (WEF 2018/22) 2021 erklärte die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gegenüber der Presse: „Die vielversprechendste Ausgestaltung ist digitales Zentralbankgeld, das an eine digitale Identität geknüpft ist […]“23. Juni 2021: Digitales Zentralbankgeld läutet neue Ära für das Geldsystem ein. Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Pressemitteilung.

Als Alternative zu Blockchain-basierten Verfahren und dem Diem-Systems startete die niederländische Nonprofit-Organisation NGI im Januar 2024 das Pilotprojekt NGI-Taler basierend auf dem freien GNU Taler-Zahlungsverfahren. Der NGI-Taler wird aus dem Forschungsprogramm Horizont Europa der Europäischen Kommission und dem Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation finanziert, Projektpartner sind Universitäten und Banken, unter anderem die GLS Gemeinschaftsbank. Im Juli 2022 empfahl die Österreichische Nationalbank das GNU Taler-System als möglichen Kandidaten für eine europäische CBDC.

Funktionsprinzip Digitales Zentralbankgeld soll ähnlich dem Bargeld in Umlauf kommen. Die Zentralbanken wären allein berechtigt, digitales Zentralbankgeld in der jeweiligen Währung zu erzeugen. Es käme in Umlauf, indem Bankkunden (Unternehmen und Privathaushalte) das durch die herkömmliche Geldschöpfung der Geschäftsbanken erzeugte Buchgeld in digitales Zentralbankgeld umtauschen. Dazu müssten die Geschäftsbanken zunächst einen Teil ihrer Reserven in digitales Zentralbankgeld (wie Bargeld eine andere Form von Reserve) tauschen, um es dann auf die Kunden übertragen zu können. In der Folge könnte das digitale Zentralbankgeld – ebenfalls ähnlich dem Bargeld – unabhängig von Geschäftsbanken im Zahlungsverkehr benutzt oder aufbewahrt werden.

CBDC-Konten bei der Zentralbank können in Form einer von der Zentralbank verwalteten Blockchain (Distributed-Ledger) oder als herkömmliche Datenbanken organisiert sein. Möglich wäre die Verwaltung des persönlichen Zentralbankkontos im Rahmen des Online-Bankings einer Geschäftsbank. Die Führung dieses Kontos würde aber treuhänderisch erfolgen und die Positionen darauf wären, im Gegensatz zum Geschäftsbankenkonto, nicht Teil der Bilanz der Bank.

Digitales Zentralbankgeld unterliegt der Geldpolitik der Zentralbank und könnte je nach Ausgestaltung auch gesetzliches Zahlungsmittel sein.wirtschaftsdienst.eu, Digitales Zentralbankgeld als neues Instrument der Geldpolitik Man unterscheidet zwischen CBDC, welches von der entsprechenden Zentralbank nur an Geschäftsbanken und Nichtbank-Finanzinstitutionen (NBFI wie Versicherungen) ausgegeben wird (Wholesale CBDC) und einem System, bei welchem CBDC Privathaushalten (Endkunden) direkt zugänglich ist (Retail CBDC).Marc Badertscher: Neues digitales Geld. In: Handelszeitung, 6. Februar 2020, S. 8. In der aktuellen Diskussion ist allerdings fast ausschließlich von der zweiten Variante die Rede. Vorteil des Retail CBDC für Unternehmen und Privathaushalte ist unter anderem, dass sie nicht mehr wie bei Giralgeld dem Gegenparteirisiko z. B. durch Insolvenz einer Geschäftsbank ausgesetzt wären. Auch könnten grenzüberschreitende Zahlungen bei Umgehung von Geschäftsbanken billiger und schneller werden.

Einige Zentralbanken führen Forschung zum Digitalen Zentralbankgeld durch.riksbank.se, E-krona project reportsEuropäische Zentralbank, Eurosystem, Ein digitaler Euro, Erklärung und BerichteStudie: Notenbanken bei digitalem Zentralbankgeld zurückhaltend. bundesbank.debis.org (PDF; 1,8 MB) Banko Central del Uruguay, Uruguayan e-Peso on the context of financial inclusion, 2018 Eine Gruppe um die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich stellte 2020 fest, dass die Entwicklung von CBDC in digitalisierten Volkswirtschaften mit ausgeprägter informeller Wirtschaft am fortgeschrittensten ist. Keines der untersuchten Projekte zielte darauf ab, Bargeld zu ersetzen, sondern es lediglich digital zu ergänzen. Besonders verbreitet ist ein hybrides System, bei dem das digitale Geld eine bargeldähnliche Direktforderung an die Zentralbank darstellt, der Privatsektor jedoch alle kundenbezogenen Aktivitäten abwickelt.Jürgen Stark: Die Zukunft des Geldes. In: NZZ, 8. Februar 2020, S. 12

Als weitere Details der Ausgestaltung von CBDC werden diese Punkte diskutiert:Digitales Zentralbankgeld, Erhaltung oder Überwindung des Giralgeldregimes? Designprinzipien die den Unterschied machen. vollgeld.page Soll Digitales Zentralbankgeld ähnlich dem Bargeld zinsfrei sein oder Zinsen einbringen? (Im Falle von negativen Zinsen würde sich das Guthaben mit der Zeit verringern) Falls es Zinsen auf CBDC gibt, sind sie gleich dem Einlagesatz bei der Zentralbank, oder wird hier ein neuer Leitzins definiert? Soll die Zentralbank oder der Staat die Möglichkeit bekommen, Geld direkt auf den CBDC-Konten zu erzeugen im Sinne von Helikoptergeld oder Quantitative Easing for the people? Sind das Buchgeld der Banken und digitales Zentralbankgeld in beliebiger Höhe 1:1 konvertierbar oder gibt es Höchstgrenzen und bildet sich evtl. ein Wechselkurs? Sind anonyme Zahlungen mit einer Mobile App oder einer Art Prepaidkarte bis zu einer bestimmten Grenze möglich oder soll das Prinzip Know your customer für alle Zahlungen gelten? Welche Sanktionen von Konten mit kriminellen Aktivitäten oder Geldwäsche sind möglich? Sind Geschäftsbanken, die Zentralbank oder andere Dienstleister die treuhänderischen Verwalter der Konten oder Betreiber einer Blockchain? Muss man insbesondere Kunde eines Unternehmens sein, um am Zahlungsverkehr mittels CBDC teilzunehmen? Werden im Falle einer Implementierung als Blockchain Smart Contracts im Sinne eines digitalen, programmierbaren Euros möglich sein?

Im Umgang mit der neuen Geldform stellen sich diese Fragen: Akzeptieren staatliche Organe z. B. Steuerzahlungen oder Rundfunkbeiträge ausschließlich in Form von CBDC oder weiterhin auch mittels Buchgeld? Kann mit der Einführung von Digitalem Zentralbankgeld die Einlagensicherung für Buchgeld abgeschafft oder aufgeweicht werden? Wird das Geschäftsmodell der Geschäftsbanken für von ihnen erzeugtes Buchgeld auf Girokonten im Zahlungsverkehr wenig Zinsen zu zahlen gefährdet?

Verbreitung Europa Zuerst befasste sich in Europa 2016 die Bank of England,Ben Broadbent: Central banks and digital currencies. (PDF; 0,2 MB) Bank of England, März 2016. insbesondere Michael Kumhof2016 verfasste Kumhof ein Working Paper für den Internationalen Währungsfonds. The Truth about Banks. imf.org – Banks are not intermediaries of loanable funds – and why this matters. Bank of England, 2015. mit CBDCs (Central Bank Digital Currencies).John Barrdear, Michael Kumhof: Staff Working Paper No. 605 – The macroeconomics of central bank issued digital currencies. (PDF; 0,9 MB) Bank of England.

Im Dezember 2019 erklärte die EZB, die Kosten und Vorteile der Ausgabe einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) zu prüfen.

Am 2. Oktober 2020 veröffentlichte die EZB einen Bericht über den vorgeschlagenen digitalen Euro und leitete eine Versuchsphase sowie eine öffentliche Konsultation ein, um die Vorteile einer solchen digitalen Zentralbankwährung zu untersuchen. Auf dieser Grundlage entschied sie Mitte 2021, die Pläne für einen digitalen Euro weiter zu verfolgen, da in der Erprobungsphase keine technischen Hindernisse festgestellt wurden. Die bis 2023 geplanten Untersuchungen zielen auf die Verteilung an Händler und Bürger, Auswirkungen auf die Märkte sowie die erforderliche europäische Gesetzgebung ab.

Seit 2020 wurden mehrere Projekte In Zusammenarbeit mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) gestartet, bei denen die Ausgabe, Kontrolle und Übertragung von CBDC sowie Wertpapier-Token und Smart Contracts auf einer Blockchain getestet wurden. mini|Wholesale CBDC und Tokenisierung innerhalb des „European Unified Ledger“