Jan Bucher Carmichael []Peter Oliver: Calgary ‘88 – Freestyle. In: Skiing. Januar 1988, S. 69 (englisch). (* 17. November 1957 in Salt Lake City, Utah) ist eine ehemalige US-amerikanische Freestyle-Skierin. Sie war auf die nicht mehr ausgetragene Disziplin Ballett (Acro) spezialisiert, bestritt anfangs aber auch Wettkämpfe auf der Buckelpiste. 1986 und 1989 wurde sie jeweils Weltmeisterin, dazu gewann sie zwei Silbermedaillen. Mit 57 Weltcupsiegen und siebenfachem Gewinn der Disziplinenwertung ist sie die mit Abstand erfolgreichste „Ski-Ballerina“ der Geschichte.

Biografie Kindheit und Jugend Jan Bucher kam 1957 in Salt Lake City zur Welt. Ihr Vater John Richard Bucher (1915–2016) war aus West Virginia eingewandert und zum Mormonentum konvertiert. Nach seinem Armeedienst hatte er für verschiedene Restaurantketten gearbeitet. Ihre Mutter Beulah Bucher (geb. Sowards, 1914–2006) war Lehrerin. Jan wuchs mit drei älteren Geschwistern auf. Ihre älteste Schwester Gerrie Ann (1938–2009) tanzte für das San Francisco Ballet, Schwester Jyll ist Opernsängerin und Bruder John Richard II Anwalt für Strafrecht.Demmie Stathoplos: Cutting the Mustard. In: Sports Illustrated. 27. Januar 1988. Online, abgerufen am 8. Februar 2020 (englisch).

Nachdem sie als Kind sehr viel Zeit im familieneigenen Schwimmbecken verbracht hatte, begann sie im Alter von zehn Jahren auf eine Karriere im Eiskunstlauf hinzuarbeiten.Nicholas Howe: High-Style. In: Skiing. Dezember 1990, S. 196–198. Online, abgerufen am 8. Februar 2020 (englisch). Im Alter von 16 Jahren galt sie als Nachwuchstalent und wurde neben der späteren Olympiasiegerin und Weltmeisterin Dorothy Hamill von Carlo Fassi trainiert, zunehmende Rückenschmerzen bereiteten ihr jedoch Probleme. 1975 kam sie abseits der Eisbahn zu Sturz und erlitt neben einem Knochenbruch Bänderrisse im rechtenRay Grass: Bucher-Judge Turned to Skiing by Accident. In: Deseret News, Ausgabe vom 13. November 1988. Online, abgerufen am 8. Februar 2020 (englisch). Knöchel, womit die Aussicht auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Innsbruck sowie eine Fortsetzung der Karriere dahin war.

Sportliche Laufbahn Im Alter von 18 Jahren übernahm Bucher einen Job als Eislauflehrerin auf der Bahn von Salt Lake City. Dort kam die Studentin an der University of Utah zufällig mit einer Gruppe von Ballett-Skifahrern ins Gespräch, die auf der Suche nach neuen Kunststücken waren. Ohne jemals auf Ski gestanden zu haben, begann sie mit der Freestyle-Disziplin und erhielt dabei finanzielle Unterstützung durch ihre Kollegen, für die sie sich mit der Lehre neuer Tricks revanchierte. Nachdem sie diesen neuen Karriereweg ihren Eltern zunächst verheimlicht hatte, stieg sie in ihrem ersten Jahr als Amateurin zur Nummer eins der Western Division des US-amerikanischen Skiverbandes auf. 1978 gewann sie den nationalen Amateurmeistertitel und qualifizierte sich mit einem Wettbewerbssieg in British Columbia für das US-Skiteam.Freestyle USA Today. In: Skiing. Januar 1981, S. 68 (englisch).

1979 bestritt Bucher ihre erste internationale Saison, die sie erstmals in ihrem Leben auch nach Europa führte. Obwohl sie sich im Laufe des Winters eine Lebensmittelvergiftung und bei einem Sturz innere Verletzungen zuzog, konnte sie sechs Siege feiern und die Gesamtwertung für sich entscheiden. Im Januar 1980 lancierte die FIS den Freestyle-Skiing-Weltcup und Jan Bucher dominierte das Ballett von Beginn weg. Sie gewann die ersten fünf Austragungen und kürte sich mit einer perfekten Bilanz zur ersten Disziplinensiegerin. Auch in den kommenden vier Wintern entschied sie die Ballettwertung jeweils für sich und legte eine Siegesserie nach der anderen hin. Zwischen dem 16. Januar 1982 und dem 22. März 1985 belegte sie 34-mal in Folge einen Podestplatz. Bis Februar 1982 trat sie vereinzelt auch in der Buckelpisten-Disziplin Moguls an, kam aber mit einer Bestleistung von zwei elften Plätzen nie in die Punkteränge.

Vor der Weltcup-Saison 1984/85 wechselte Bucher ihren Choreografen und begann mit Verletzungen zu kämpfen. Einer Sehnenscheidenentzündung in der rechten Hand folgte ein Knorpelriss im rechten Knie und auch ihre Rückenbeschwerden kamen wieder auf. So musste sie sich in der Disziplinenwertung erstmals der Französin Christine Rossi geschlagen geben. Nach Rückkehr ihres alten Choreografen konnte sie ihren Titel ein Jahr später zurückerobern. Bei den ersten Weltmeisterschaften 1986 in Tignes wurde sie ihrer Favoritenrolle gerecht und gewann vor Rossi die Goldmedaille. Bei den Olympischen Spielen in Calgary, wo das Ski-Ballett erstmals als Demonstrationswettbewerb ausgetragen wurde, musste sie sich wiederum hinter Rossi mit Platz zwei begnügen. Nachdem Bucher die Disziplinenwertung zweimal in Folge an ihre Dauerrivalin verloren hatte, intensivierte sie Kraft- und Ausdauertraining und stand 1988/89 wieder an der absoluten Weltspitze. In Abwesenheit der zurückgetretenen Rossi gewann sie acht von elf Weltcups, davon sieben in Serie, was ihr zum ersten Mal seit drei Jahren und zum insgesamt vierten Mal in ihrer Karriere glückte. Außerdem krönte sie sich bei den Weltmeisterschaften am Oberjoch erneut zur Ballett-Weltmeisterin. Den Winter 1989/90 musste Bucher nach nur drei Wettkämpfen verletzungsbedingt abbrechen. In der darauffolgenden Saison fand sie in der Schweizerin Conny Kissling eine nahezu übermächtige Gegnerin und schloss die Disziplinenwertung nach zuletzt acht zweiten Plätzen in Folge – so auch bei der WM in Lake Placid – auf Rang zwei ab.

Nach Gewinn ihres letzten von drei US-Meistertiteln trat Bucher im April 1991 im Alter von 33 Jahren vom Leistungssport zurück.

Privatleben Ende 1978 lernte Bucher während ihrer ersten internationalen Saison den kanadischen Freestyle-Skier Peter Judge kennen, den sie 1985 heiratete. Nachdem Judge 1984 seine aktive Karriere beendet hatte, übernahm er den Posten als Cheftrainer der kanadischen Freestyle-Mannschaft, den er bis 1997 innehatte. Weil er viel Zeit in Ottawa verbringen musste, während Jan weiterhin im Weltcup unterwegs war, führten die beiden lange Zeit eine Fernbeziehung. Später war Bucher mit dem erfolgreichen Moguls-Skier Nelson Carmichael aus Steamboat Springs, Colorado, verheiratet,Julie Barton Tarasovic: The Slopes of Summer. In: Ski. Mai/Juni 1995, S. 103 (englisch). mit dem sie einen gemeinsamen Sohn hat. Sie lebt heute in White Salmon, Washington, wo sie sich bis zu dessen Tod 2016 um ihren Vater kümmerte.

Stil und Rezeption mini|Am Mount Hood leitete Jan Bucher jahrelang ein Sommer-Trainingslager Jan Bucher wird heute als Pionierin des Ski-Balletts angesehen. Dank ihres Hintergrunds im Eiskunstlauf war es ihr möglich, neue Elemente der Akrobatik in den Freestyle-Sport einzubringen. So übernahm sie etwa die Tricks Waagepirouette, Sitzpirouette und Spreizsprung und führte diese während ihrer gut zweiminütigen Routinen regelmäßig auf. Als größten Unterschied zum Eislauf bezeichnete sie die im Vergleich zu den Kufen der Schlittschuhe längeren Skikanten, die ihr mehr Stabilität verliehen. Außerdem brachte sie ein besseres Gefühl für die Bewegung im Takt der Musik mit als die meisten ihrer Konkurrentinnen und sorgte somit für mehr Ästhetik.

Schon in den Anfangsjahren ihrer Weltcup-Karriere begann Jan Bucher mit der Leitung eines mehrtägigen Freestyle-Sommercamps auf dem Palmer Glacier am Mount Hood in Oregon. Dabei wurde sie von sportlichen Weggefährten wie Frank Beddor, Hilary Engisch oder Bob Howard unterstützt.Ski Camps. In: Skiing. Frühling 1985, S. 97 (englisch). Daneben sah sie sich gezwungen, weiterhin Eislauf zu unterrichten und selbst als Eiskunstläuferin aufzutreten, bis der US-Skiverband dem Freestyle-Sport ausreichend finanzielle Mittel zusagte.Ballerina Bucher: Freestyle Superstar. In: Snow Country. Volume 2, No. 7 (Juli 1989), S. 62 (englisch). Wie viele andere Freestyler hatte Bucher am Beginn ihrer Laufbahn mit der Akzeptanz ihres Sports zu kämpfen. So wurde sie etwa als „Doggie“ oder „Hot Dogger“ (damals eine gängige Beleidigung für Freestyle-Skisportler) verspottet und einmal sogar während des Trainings mit Hundeleckerli beworfen.

Bucher bestritt in ihrer Karriere 102 Weltcups und stand dabei 91-mal auf dem Podest. Ein einziges Mal (9. Januar 1982 in Blackcomb) lag sie als Zwölfte außerhalb der besten zehn. Mit 57 Siegen überbot sie außerdem die zuvor von Phil Mahre gehaltene US-Bestmarke in einer FIS-Sportart (27 Siege) deutlich. Ihr eigener nationaler Rekord wurde erst im Jahr 2012 durch Lindsey Vonn übertroffen. Innerhalb des Freestyle-Skiing-Weltcups ist sie hinter Conny Kissling die zweiterfolgreichste Athletin und jene mit den meisten Siegen in einer Einzeldisziplin. Aufgrund dieser Erfolge bezeichnete sie das Fachmagazin Snow Country 1991 als „Grande dame of ballet“.Bruce Stoff: The World Beaters – America’s Freestyle Team. In: Snow Country. Mai/Juni 1991, S. 78 (englisch).

Erfolge Olympische Spiele Calgary 1988: 2. Ballett (Demonstrationswettbewerb)

Weltmeisterschaften Tignes 1986: 1. Ballett Calgary 1988: 2. Ballett Oberjoch 1989: 1. Ballett Lake Placid 1991: 2. Ballett

Weltcupwertungen Saison Gesamt Ballett Platz Punkte Platz Punkte 1980 7. 32 1. 32 1981 6. 48 1. 48 1982 5. 48 1. 48 1983 9. 12 1. 60 1984 8. 12 1. 72 1984/85 7. 11 2. 80 1985/86 6. 12 1. 60 1986/87 5. 12 2. 70 1987/88 5. 11 2. 80 1988/89 4. 12 1. 84 1989/90 30. 5 9. 31 1990/91 7. 11 2. 99

Weltcupsiege Bucher errang im Weltcup 91 Podestplätze, davon 57 Siege:

Datum Ort Land Disziplin 9. Januar 1980 Poconos USA Ballett 10. Januar 1980 Poconos USA Ballett 1. März 1980 Oberjoch Deutschland Ballett 13. März 1980 Tignes Frankreich Ballett 29. März 1980 Whistler Kanada Ballett 17. Januar 1981 Livigno Italien Ballett 9. Februar 1981 Seefeld Österreich Ballett 14. Februar 1981 Oberjoch Deutschland Ballett 28. Februar 1981 Mont Sainte-Anne Kanada Ballett 14. März 1981 Poconos USA Ballett 15. März 1981 Poconos USA Ballett 21. März 1981 Calgary Kanada Ballett 3. Januar 1982 Snoqualmie USA Ballett 22. Januar 1982 Angel Fire USA Ballett 26. Januar 1982 Poconos USA Ballett 6. Februar 1982 Mont Sainte-Anne Kanada Ballett 27. Februar 1982 Sella Nevea Italien Ballett 6. März 1982 Adelboden Schweiz Ballett 13. März 1982 Livigno Italien Ballett 20. März 1982 Oberjoch Deutschland Ballett 3. Januar 1983 Mariazell Österreich Ballett 20. Januar 1983 Tignes Frankreich Ballett 29. Januar 1983 Oberjoch Deutschland Ballett 2. Februar 1983 Livigno Italien Ballett 11. März 1983 Squaw Valley USA Ballett 17. März 1983 Angel Fire USA Ballett 20. Januar 1984 Breckenridge USA Ballett 3. Februar 1984 Courchevel Frankreich Ballett 28. Februar 1984 Ravascletto Italien Ballett 3. März 1984 Oberjoch Deutschland Ballett 20. März 1984 Sälen Schweden Ballett 27. März 1984 Tignes Frankreich Ballett 12. Januar 1985 Mont Gabriel Kanada Ballett 25. Januar 1985 Breckenridge USA Ballett 22. März 1985 Sälen Schweden Ballett 17. Dezember 1985 Zermatt Schweiz Ballett 10. Januar 1986 Mont Gabriel Kanada Ballett 23. Januar 1986 Breckenridge USA Ballett 24. Januar 1986 Breckenridge USA Ballett 28. Februar 1986 Oberjoch Deutschland Ballett 8. März 1986 Voss Norwegen Ballett 9. Januar 1987 Mont Gabriel Kanada Ballett 22. Januar 1987 Breckenridge USA Ballett 31. Januar 1987 Calgary Kanada Ballett 6. März 1987 Oberjoch Deutschland Ballett 12. Dezember 1987 Tignes Frankreich Ballett 15. Januar 1988 Lake Placid USA Ballett 11. März 1988 La Clusaz Frankreich Ballett 6. Januar 1989 Mont Gabriel Kanada Ballett 14. Januar 1989 * Lake Placid USA Ballett 20. Januar 1989 Calgary Kanada Ballett 27. Januar 1989 Breckenridge USA Ballett 10. Februar 1989 La Clusaz Frankreich Ballett 10. März 1989 Voss Norwegen Ballett 22. März 1989 Suomu Finnland Ballett 8. Dezember 1989 Tignes Frankreich Ballett

* ex-aequo mit Conny Kissling

Weitere Erfolge 3 US-amerikanische Meistertitel (Ballett 1988, 1989 und 1991) US-amerikanische Amateurmeisterin 1978 6 internationale Siege in der Prä-Weltcup-Ära