Ein etymologischer Fehlschluss () bezeichnet den Beweisfehler bei Definitionsdiskussionen, von der Herkunft (Etymologie) eines Wortes auf die tatsächliche Bedeutung zu schließen. Eine frühe Beschreibung des Phänomens findet sich bei Richard Whately, einem britischen Logiker. Sie wurde auch von J.S. Mill in seinem Werk A System of Logic aufgegriffen, das 1849 erstmals in deutscher Übersetzung erschien.
Aufbau Ein etymologischer Fehlschluss kann auftreten, wenn ein Wort im Laufe der Zeit seine Bedeutung ändert. Das Berufen auf eine vermeintliche „ursprüngliche Bedeutung“ ist folglich dann logisch nicht zulässig, da die ursprüngliche nicht mehr mit der aktuellen Wortbedeutung kongruent ist.
Beispiele Sprachkritiker bemängeln Formulierungen wie „Börsencrash sorgt für Verunsicherung“, da das Verb sorgen von Sorge komme und der Crash sich weder Sorgen mache noch fürsorglich sei. Diese Kritik ignoriert, dass sorgen eine Bedeutungsentwicklung durchgemacht hat und nun auch „Sorge tragen für“ verursachen bedeuten könne.
Das Wort kommt etymologisch von . Es bedeutete ursprünglich also Landarbeiter. Dennoch wäre es ein Fehlschluss anzunehmen, dass ein villain nicht in der Stadt tätig sein könne.Andrew M. Colman: A Dictionary of Psychology. 4. Auflage, Oxford University Press, Oxford 2015, s. v. etymological fallacy online.
Das atheistische Argument, dass Religion den Menschen nur unfrei mache, denn das Wort komme von , ist ein etymologischer Fehlschluss, denn er ignoriert den Bedeutungswandel, den das Wort im Lauf der Geschichte durchgemacht hat.Leigh Kolb: Etymological Fallacy. In: Robert Arp, Steven Barbone, Michael Bruce (Hrsg.): Bad Arguments. 100 of the Most Important Fallacies in Western Philosophy. Wiley-Blackwell, Oxford 2019, ISBN 978-1-11916-578-1, S. 266–269, hier S. 268.
Einzelnachweise
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