Die Liste von Zwischenfällen mit der Lockheed Hercules umfasst sowohl die militärische Lockheed C-130 Hercules als auch die zivile Lockheed L-100 Hercules. Die Hercules wurde seit 1954 unter den Lockheed-Typenbezeichnungen 082, 182, 282 und 382 hergestellt.Peter C. Smith: The Lockheed Martin C-130 Hercules – A Complete History. Manchester 2010, ISBN 978-0-85979-153-3, S. 373–382.René J. Francillon: Lockheed Aircraft since 1913. Putnam Aeronautical Books, London 1987, ISBN 0-85177-805-4, S. 355–368.
In der jahrzehntelangen Einsatzgeschichte der Hercules kam es zu hunderten von Totalverlusten verschiedener Art.Smith 2010, S. 385 ff. Es gab, inklusive der zivilen Varianten, mindestens 381 Flugzeugverluste mit über 3782 Toten.Lockheed Hercules Statistics, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 17. Oktober 2025. Die hiesige Liste ist noch im Aufbau begriffen. Auszüge:
1950er-Jahre
Am 2. September 1958 schossen sowjetische MiG-17-Kampfflugzeuge eine als Aufklärer ausgerüstete C-130A-II-LM der United States Air Force (USAF) ab (Kennzeichen 56-0528), die in den Luftraum der Armenischen SSR eingedrungen war. Alle 17 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben (siehe auch Abschuss einer Lockheed C-130 über der Armenischen Sozialistischen Sowjetrepublik 1958).Unfallbericht C-130A 56-0528, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. Februar 2020.
Am 19. September 1958 kollidierte eine C-130A der US Air Force (56-0526) mit einer Dassault Mystère IV der Französischen Luftstreitkräfte nahe Triel-sur-Seine (Frankreich). Alle 6 Insassen sowie der Pilot der Mystère kamen ums Leben.Unfallbericht C-130A Hercules 56-0526, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 20. Mai 1959 überrollte eine C-130A der US Air Force (57-0468) auf dem Militärflugplatz Ashiya (Japan) das Landebahnende und krachte in Kasernengebäude. Einer der neun Insassen kam ums Leben.Unfallbericht C-130A Hercules 57-0468, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
1960er-Jahre
Am 3. September 1964 verschwand eine C-130B der indonesischen Luftstreitkräfte (Kennzeichen TNI-AU A-1307) in der Meerenge Karimata-Straße. Ausgelöst durch indonesische Angriffe auf das neugegründete Malaysia kam es zu Konfrontationen, in deren Verlauf die Maschine entweder abgeschossen wurde oder bei extremem Tiefflug auf das Wasser aufschlug. Alle 55 Insassen, 8 Besatzungsmitglieder und 47 Passagiere, kamen ums Leben.Unfallbericht C-130B Hercules TNI-AU A-1307, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 12. Mai 1968 sollten mit einer C-130B der US Air Force (60-0297) so viele Personen wie möglich aus dem belagerten Camp Kham Duc, heutige Provinz Quảng Nam (Südvietnam), evakuiert werden. Die schwer beladene Maschine startete von der Erdpiste, schwankte abrupt, geriet außer Kontrolle und stürzte etwa 1600 Meter hinter der Startbahn ab. Ob dies aufgrund der Überladung oder durch gegnerischen Beschuss geschah, ist unbekannt. Alle 155 Insassen, 6 Besatzungsmitglieder und 149 Passagiere, wurden getötet. Es war der – an der Zahl der Todesopfer gemessene – zweitschwerste Unfall einer Lockheed Hercules.Unfallbericht C-130B Hercules 60-0297, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 16. Juli 1969 landete eine mit Maschinen beladene Lockheed L-100 Hercules der kanadischen Pacific Western Airlines (CF-PWO) bei dunstigem oder nebligem Wetter auf dem Flugplatz in Caycaya (oder Cayaya, Caucaya) (Peru). Die rechte Tragfläche schlug auf dem Boden auf und brach ab, das Flugzeug geriet nach rechts von der Landebahn ab. Alle Besatzungsmitglieder des Frachtflugs überlebten. Außer Pilotenfehlern wurde auch das Fehlen von Flugsicherung und fest installierten Landehilfen als Ursachen aufgeführt.Air-Britain Archive: Casualty compendium part 105 (englisch), Dezember 2007, S. 2007/191.Unfallbericht Lockheed L-100 CF-PWO, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 4. Februar 2020.Lars Olausson: Lockheed Hercules 1954–2005. S. 64. Såtenäs 2004.
1970er-Jahre Am 12. November 1971 verunglückte eine Lockheed C-130E Hercules der US Air Force (Luftfahrzeugkennzeichen 69-6578) beim Start von der Little Rock Air Force Base (Arkansas, USA). Während des Starts kam es zu einem Strömungsabriss, der zum Absturz der Maschine führte. Von den 11 Insassen kamen 10 ums Leben, nur einer überlebte. Das Flugzeug wurde zerstört.Unfallbericht C-130E Hercules 69-6578, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 2. Februar 2026.
Am 19. Februar 1972 kollidierte eine C-130E Hercules der US Air Force (62-1813) im Anflug auf die Little Rock Air Force Base (Arkansas, USA) mit einem Trainingsjet des Typs Cessna T-37B Tweet der USAF (59-0322). Die Hercules stürzte 5 Kilometer östlich des Flugplatzes ab. Alle 5 Insassen kamen ums Leben. Beide Flugzeuge wurden zerstört. Die beiden Piloten in der T-37 konnten sich mit dem Schleudersitz retten.Unfallbericht C-130E Hercules 62-1813, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 2. Februar 2026.
Am 12. September 1972 geriet eine C-130K Hercules der britischen Royal Air Force (Kennzeichen XV194) bei der Landung auf dem Flughafen Tromsø von der Landebahn ab und krachte in einen Graben. Alle Insassen überlebten; die Maschine wurde irreparabel beschädigt.Unfallbericht C-130K XV194, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. August 2018.James J. Halley: Broken Wings. Post-War Royal Air Force Accidents. Air-Britain (Historians), Tunbridge Wells, 1999, ISBN 0-85130-290-4, S. 226.
Am 30. August 1974 explodierte eine L-100 der US-amerikanischen Alaska International Air (N100AK), als auf dem Flughafen Galbraith Lake (Alaska, USA) die aus Treibstoff bestehende Fracht entladen wurde. Personen kamen nicht zu Schaden. Das Flugzeug wurde zerstört.Unfallbericht L-100 Hercules N100AK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 10. Februar 2020.
Am 27. Oktober 1974 befand sich eine Lockheed L-100 Hercules der Alaska International Air (N102AK) im Anflug auf den Flughafen Bettles (Alaska, USA), als in der Nähe von Old Man’s Camp die Hälfte der rechten Tragfläche abbrach und die Maschine abstürzte. Ursache war ein Ermüdungsbruch, der aufgrund mangelhafter Wartung unentdeckt blieb. Alle 4 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.Unfallbericht L-100 Hercules N102AK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 10. Februar 2020.
Am 21. November 1976 stürzte eine L-100-20 Hercules der kanadischen Pacific Western Airlines (C-FPWX) bei Kisangani, Zaire ab. Die Piloten suchten nach einer Möglichkeit, die Maschine bei schlechter Sicht notzulanden, als ihre Maschine mit Bäumen und Termitenhügeln kollidierte. Dabei starben fünf von sechs Personen an Bord. Für eine Umkehr zu einem anderen Flughafen war nicht genug Kerosin an Bord (siehe auch Flugunfall der Pacific Western Airlines bei Kisangani).Unfallbericht Lockheed L-100-20, C-FPWX Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 6. April 2019.
1980er-Jahre Am 14. März 1980 explodierte im Anflug auf die Incirlik Air Base (Türkei) 15 Kilometer westlich des Luftwaffenstützpunkts der linke Treibstofftank einer C-130H der United States Air Force (Kennzeichen 74-2064). Alle 18 Insassen, 6 Besatzungsmitglieder und 12 Passagiere, kamen ums Leben.Unfallbericht C-130H 74-2064, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. November 2017.
Am 16. Mai 1981 wurde eine L-100-30 der TAAG Angola Airlines (D2-EAS) beim Landeanflug auf den Flughafen Menongue abgeschossen. Alle vier Insassen, die Besatzung des Frachtfluges, starben.
Am 13. April 1982 stürzte eine C-130H der US Air Force (74-1678) bei Gevenlik (Türkei) ab. Die Maschine befand sich im Reiseflug von Erzurum nach Erzincan. Der Unfall ereignete sich, als die Halterung des Triebwerks Nr. 4 (rechts außen) versagte, was zum Abbrechen des Flügels führte. Alle 27 Insassen wurden getötet.Unfallbericht C-130 74-1678, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 13. Januar 2025.
Am 30. Juli 1982 stürzte eine HC-130H der United States Coast Guard (USCG 1600) auf der Insel Attu (USA) bei einem Landeversuch wegen schlechten Wetters ab. Zwei an Bord befindliche Mitglieder der Küstenwache kamen dabei ums Leben.Unfallbericht KC-130H USCG 1600, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 9. November 2025.
Am 27. August 1983 flog eine L-100-30 (N17ST) der Transamerica Airlines 50 Kilometer südlich des Zielflughafens Dundo in Angola bei schlechten Sichtverhältnissen gegen einen Berg. Alle 7 Insassen, 4 Besatzungsmitglieder und 3 Passagiere, wurden getötet.Unfallbericht L-100 Hercules N17ST, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. Februar 2020.
Am 29. Dezember 1984 wurde eine L-100-30 (N24ST) der Transamerica Airlines bei einem Feuergefecht auf dem Flughafen Cafunfo in Angola beschädigt. Die Maschine musste als Totalverlust abgeschrieben werden. Personen wurden nicht verletzt.Unfallbericht L-100 Hercules N24ST, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. Februar 2020.
Am 21. November 1985 flog eine C-130H-MP der indonesischen Luftstreitkräfte (TNI-AU A-1322) gegen den Vulkan Sibajak (Sumatra, Indonesien). Alle 11 Insassen wurden getötet.Unfallbericht C-130H-MP Hercules TNI-AU A-1322, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 4. Oktober 1986 stürzte eine L-100-30 der US-amerikanischen Southern Air Transport (N15ST) kurz nach dem Abheben von der Lackland Air Force Base (Texas, USA) aus einer Höhe von rund 200 Metern nahezu senkrecht ab. Ursache war die Blockierung des Höhenruders, die durch die Benutzung einer unzulässigen Vorrichtung des Betreibers verursacht wurde. Alle 3 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben (siehe auch Southern-Air-Transport-Flug 15).Unfallbericht L-100-30 Hercules N15ST, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 8. April 1987 stürzte eine L-100-30 der US-amerikanischen Southern Air Transport (N517SJ) kurz nach dem Abheben von der Travis Air Force Base (Kalifornien, USA) in einer steilen Fluglage auf das Flugplatzgelände, nachdem zwei Triebwerke nahezu gleichzeitig die Leistung verloren hatten. Auslösende Ursache war mangelhafte Wartung durch Southern Air Transport. Alle 5 Besatzungsmitglieder wurden getötet (siehe auch Southern-Air-Transport-Flug 517).Unfallbericht L-100-30 Hercules N517SJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. Februar 2020.
Am 14. Oktober 1987 wurde eine L-100-30 der schweizerischen Zimex Aviation (HB-ILF) 40 Kilometer westlich des Startflughafens in Kuito (Angola) während des Bürgerkriegs von Angola abgeschossen. Die Maschine war im Auftrag des IKRK unterwegs. Alle 6 Insassen, 4 Besatzungsmitglieder und 2 Passagiere, wurden getötet. Auch am Boden kamen 2 Menschen ums Leben (siehe auch Abschuss einer Lockheed L-100 der Zimex Aviation).Unfallbericht L-100-30 Hercules HB-ILF, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 8. Februar 2020.Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle:
Am 17. August 1988 stürzte eine C-130B der pakistanischen Luftstreitkräfte mit dem Kennzeichen 23494 kurz nach dem Start bei Bahawalpur ab. Alle 30 Insassen starben, darunter der pakistanische Staatspräsident Mohammed Zia-ul-Haq, der US-Botschafter, ein US-General und 17 hochrangige pakistanische Militärangehörige. Die Ursache ist nicht eindeutig geklärt, es wird technisches Versagen oder Sabotage angenommen.Unfallbericht C-130B PakAF 23494, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 7. Februar 2020.