mini|Wendelin Stahl (1999) Wendelin Stahl (* 20. April 1922 in Höhr-Grenzhausen; † 12. Juni 2000 in Klotten) war ein deutscher Keramiker und Kunsthandwerker.

Leben mini|Keramik-Knospe von Wendelin Stahl für Else Harney’s Grab Wendelin Stahl war ein Sohn des gleichnamigen Vaters Wendelin Stahl (1888–1954) und dessen Ehefrau Katharina, geb. Schwickert. Im Zeitraum von 1938 bis 1939 absolvierte er eine Töpferlehre in der keramischen Werkstätte von Kunow & Drose in Höhr-Grenzhausen. Nachdem er von 1940 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg seinen Kriegsdienst geleistet hatte, setzte er seine Ausbildung von 1945 bis 1951 im Betrieb seines Bruders und Töpfermeisters Rudi Stahl (1918–1987) in Höhr-Grenzhausen fort. Im Jahre 1952 eröffnete er gemeinsam mit seiner „Madame“ Else Harney (1919–1984), einer gelernten Malerin und Bildhauerin sowie Tochter des Bankiers und Konsuls Hans Harney (1877–1954), auf Burg Coraidelstein in Klotten im alten Herrenhaus eine keramische Werkstatt. Seine Meisterprüfung legte er im Jahre 1955 in Höhr-Grenzhausen ab. Nachdem er in den 1950er Jahren seine Objekte noch teilweise mit Engoben oder Ritz-Dekor versehen hatte und er ab den 1960er Jahren den Weg über die Herstellung klassisch-schöner Kristall-Glasuren gegangen war, widmete er sich ab den 1970er Jahren der Manufaktur künstlerisch vollendeter Seladon-Glasuren der ostasiatischen Keramik aus klassischen Zeiten. Seine auf der Töpferscheibe gedrehten Gefäße aus Steinzeug und Porzellan in Kugelform, als Schale, Dose oder als Vasen mit Enghals stellte er oxidierend im Brennofen oder reduzierend im selbstgebauten Holzofen her.

Stahls Formen und Glassuren zeichneten sich Kennern zeitgenössischer Keramik zumeist durch ein besonderes Farbenspiel der gebrannten Seladone in Kupferrot, Manganviolett- oder Titanblau aus. Seine Gefäße mit Kristallglasuren auf Zink-Barium-Basis oder Kupferreduktionsglasuren, die eigentlich „nur“ Träger seiner unerreicht schönen Glasuren waren, wiesen dabei stets eine klare Linearität und vollkommene Klarheit auf. In weiteren Anläufen gelang es ihm die Glasurtechnik so weit zu verbessern, dass diese schließlich im Begriff des „Tenmoku“, einer chinesischen Glasurart, kulminierten. Tenmoku ist durch ein tiefes warmes Braun charakterisiert, in das zarte Grüntöne, manchmal ein helles Braun oder dezente Blautöne einfließen können. Anlässlich eines Besuchs zum 70. Geburtstags bei Wendelin Stahl durch den Autor Wolfgang Bickel, bei dem das Gespräch um Formtendenzen, den Umgang mit Ton auf der Töpferscheibe, das Brennen im Holzofen ging, sagte Bickel:

Hierauf antwortete Stahl:

mini|Keramikschale mit Kristall-Glasur von Jochen Kuhnhenne In ihrer gemeinsamen Zeit des Schaffens mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Else Harney hatten beide Anteil an der künstlerischen Weiterentwicklung von Keramiken in Europa. Es kamen Schüler aus aller Welt, um dort das Handwerk des Töpferns zu erlernen. Einer der erfolgreichsten Schüler Stahls war der gebürtige Herforder und frühere Bundeswehrpilot Jochen Kuhnhenne (1935–1999), der über viele Jahre eine eigene Töpferwerkstatt in Cochem-Brauheck betrieb. Kuhnhennes Vorliebe galt den klassisch schönen Objekten „von der Töpferscheibe“, die er ebenso wie Stahl mit aufwendigen Kristall- oder Crackle-Glasuren versah.Jochen Kuhnhenne, In: clemenswerth.deReinhold Schommers (Autor): Die Welt sehen – die Welt deuten. Bildende Künstler im Kreis Cochem-Zell. In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 1999. S. 35–46.Painter Vladimir Fomin, Exhibitions 8. November 1995, Gallery Renate and Jochen Kuhnhenne in, the Cochem-Brauheck, Germany, In: onegro.ru (englisch)1991 Ausstellung am Buß- und Bettag, Cochem-Brauheck-Germany, Maggie Barnes Jochen Kuhnhenne, Natalja Sawinowa & Wasilij Zygankow, In: maggiebarnes.co.uk Eine weitere erfolgreiche Schülerin ist die in Wiesbaden lebende Keramik-Künstlerin Ayca Riedinger. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch spannungsvolle Gefäßformen mit bildhaft großen Einzelkristallen aus, die an naturalistische Formen und Phänomene erinnern. Ihrer Art, den Keramiken farbig-lichtvollen Glanz mit kristalliner Schönheit zu verleihen, hat sie es zu verdanken, dass viele ihrer Objekte in zahlreichen internationalen Museen für zeitgenössische Keramik ausgestellt sind.Malerisch gelegene Burg Coraidelstein wurde zu einem besonderen Ort – Gelungene Synergie der Künste, 15. Oktober 2014, In: blick-aktuell.deEine gelungene Synergie der Künste auf Burg Coraidelstein, 12. Oktober 2014, In: andymo.de

Auszeichnungen und Mitgliedschaften 1977: „Deutsche Keramik 77 Westerwaldpreis“, 1. Preis 1977: Ernennung zum Mitglied der Academie Internationale de la Ceramique, GenfWendelin Stahl, In: keramik-sammler.de Gründungsmitglied der Gruppe 83Wendelin Stahl 1922–2000, Klotten/Mosel, In: gruppe83.de 1999: Ehrenpreis der Handwerksmesse Koblenz

Ausstellungsorte Keramikmuseum Keramion in Frechen Deutsches Keramikmuseum Hetjens in Düsseldorf

Familie Wendelin Stahl war verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.

Literatur Alfons Friderichs (Hrsg.): Stahl, Wendelin, In: Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell, Kliomedia, Trier 2004, ISBN 3-89890-084-3, S. 340 f. Uschi Friderichs (Autorin): Von der Römerfeste zur Töpferburg - Burg Coraidelstein, Vorbem.: Facharbeit am staatlichen Peter-Wust-Gymnasium, Wittlich, Schuljahr 1986/87, In: Heimatjahrbuch Kreis Cochem-Zell 1988. S. 237–246. Harald Reinhold (Hrsg.): Wendelin Stahl und Schüler, Keramikmuseum Westerwald, Deutsche Sammlung für historische und zeitgenössische Keramik, Ausstellung vom 9. Mai bis 31. Mai 1992, Kreisverwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur in Verbindung mit dem Keramikmuseum Westerwald (Hrsg.), Höhr-Grenzhausen 1992, ISBN 978-3-921548-48-6, 109 S.Wendelin Stahl und Schüler Keramikmuseum Westerwald, Deutsche Sammlung für historische und zeitgenössische Keramik, Ausstellung vom 9. Mai bis 31. Mai 1992, In: zvab.com

Weblinks

Wendelin Stahl, (German 1922–2000), In: design-and-art.com Stahl, Wendelin, In: kunst-sandra.de Keramik-Unikate auf Burg Coraidelstein: Einheit von Natur und Kunst, von Stephanie Krannich, In: aerzteblatt.de Töpferei Burg Coraidelstein, (Wendelin Stahl), Inh. Wendelin Stahl, Klotten a. d. Mosel, In: keramiksammlung.jimdo.com Wendelin Stahl, In: freeformsnyc.com Wendelin Stahl/Studiokeramik ca. 1960er, In: adoremodern.com Literatur von Wendelin Stahl und Else Harney, In: Uni-Frankfurt

Einzelnachweise

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