Ludwig Voigt, vollständig Johann Ludwig Voigt (* 28. November 1752 in Coburg; † in Riga) war ein deutscher Lehrer und Freimaurer.
Leben Ludwig Voigt war der älteste Sohn des Cancellisten Johann Friedrich Voigt († 1772) und dessen Frau Henriette Dorothea, geb. Meitzen († 1794).Biographische Stationen im Wesentlichen nach Rigasche Biographieen... (Lit.) Er besuchte das Gymnasium Casimirianum in Coburg; ab 1770 studierte er an der Universität Jena. Da sein Vater 1772 starb und sein Stipendium nicht ausreichte, musste er schon früh anfangen, Privatunterricht zu geben. 1775 erhielt er auf Empfehlung seines Lehrers Justus Christian Hennings die Stelle eines Hauslehrers bei den Kindern des Herrn von Berg auf Kadfer (lettisch Katvari, Kirchspiel Ubbenorm/Umurga) in Livland.Der Landrat Friedrich Reinhold von Berg (1736–1809) hatte selbst in Leipzig studiert. 1780 begleitete Voigt zwei Söhne der Familie Berg an die Universität Göttingen.Jakob Gottfried Frobeen: Rigasche Biographieen nebst einigen Familien-Nachrichten, Band 2: 1830–1855. Schnakenburg, Riga 1883, S. 56. Dort stand er ihnen noch zwei Jahre als Hofmeister in ihren Studien zur Seite. In Göttingen erneuerte er seine Bekanntschaft mit Johann Georg Heinrich Feder und hospitierte bei Ludwig Timotheus Spittler. Voigt blieb insgesamt sieben Jahre im Dienst der Familie Berg. mini|Autograph von Ludwig Voigt: Eintrag im Album amicorum von Nikolaus Heinrich Julius 1813 Voigt war im November 1784 in Göttingen Freimaurer in der Loge Zum goldenen Zirkel geworden.Christian Wirkner: Logenleben: Göttinger Freimaurerei im 18. Jahrhundert. Walter de Gruyter, 2018, S. 618. In Lübeck trat er 1786 der Loge Zum Füllhorn bei; er diente ihr als Sekretär und 1789/90 nach v. Wickedes Konkurs und Rücktritt kurzzeitig als Meister vom StuhlJohannes Hennings: Geschichte der Johannis-Loge „Zum Füllhorn“ zu Lübeck, 1772–1922. Lübeck 1922, S. 95. 1789 war er einer der Mitgründer der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit.200 Jahre Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in Lübeck 1789–1989. Lübeck 1989, S. 23. In Hamburg war er Mitglied und Meister von Stuhl der Loge Emanuel zur Maienblume sowie Mitglied der Patriotischen Gesellschaft. In Riga engagierte er sich in der Literärisch-practischen Bürgerverbindung und lehrte an der von ihr gegründeten Luther-Sonntagsschule.Geschichte der Allerhöchst bestatigten literärisch-praktischen Bürger-Verbindung zu Riga. Bei Gelegenheit ihrer fünfzigjahrigen Jubelfeier am 12. December 1852. S. 33
Von Voigt sind in der Datenbank Repertorium alborum amicorum zwei Einträge in Stammbüchern verzeichnet: 1776 in Jena im Stammbuch von Anton Christian NiehausEintrag in der Datenbank Repertorium alborum amicorum sowie 1813 in Hamburg im Stammbuch von Nikolaus Heinrich Julius.Eintrag in der Datenbank Repertorium alborum amicorum
Zu Michaelis 1785 kam Voigt als Lehrer an das neugegründete Lehrinstitut von Friedrich Bernhard von Wickede in Lübeck. 1786 wurde er mit seinen Schülern Zeuge des Ballonaufstiegs von Jean-Pierre Blanchard in Hamburg. Als das Institut 1790 einging und von Wickede Konkurs anmelden musste, nahm Voigt einen Ruf als Professor und Rektor in Hildburghausen an. 1794 erhielt er eine Berufung als Rektor im finnischen Åbo. Er verpasste das letzte Schiff des Herbstes, blieb bis zum Frühjahr 1795 in Lübeck und gab Privatstunden. Dann folgte er dem Rat „wohlmeinender Freunde“ und ging nach Hamburg, um dort ein „Erziehungsinstitut für Knaben“ zu gründen. Das Institut lief sehr gut an; er konnte es schon bald Dank der Verbindung mit dem Schriftsteller Leonhard Wächter vergrößern. Im Sommer 1803 besuchte er seinen Bruder in Riga, 1810 seine Verwandten in Coburg. Die Folgen der Hamburger Franzosenzeit und der Befreiungskriege, insbesondere die Belagerung und Befreiung der Stadt 1813, brachten jedoch sein Institut zum Erliegen.
So nahm Voigt die Einladung seines Bruders, ganz nach Riga zu kommen, an, und reiste im Sommer 1814 mit seinen beiden Söhnen ins Baltikum. Er gab zunächst Privatstunden. Am 8. Januar 1815 wurde er als Lehrer bei der Zweiten Kreisschule eingeführt. Zwei Jahre später wurde er zum Lehrer an der „Stadttöchterschule“ ernannt. Am 1. September 1820 wurde er provisorischer Inspektor der zweiten Kreisschule. Am 23. April 1821 erhielt er die Vokation als Inspektor.
Ludwig Voigt starb nach langer schwerer Krankheit am 8./20. Januar 1835. Die Bestattung des „verdienstreichen Patriarchen unter Riga’s Schulmännern“Jakob Gottfried Frobeen: Rigasche Biographieen nebst einigen Familien-Nachrichten, Band 2: 1830–1855. Schnakenburg, Riga 1883, S. 60. geschah vom Dom zu Riga aus am 14. Januar, unter zahlreicher Begleitung von Angehörigen und Freunden, Lehrerkollegen und vormaligen und letzten Schülern und Schülerinnen. mini|Erinnerungstafel an die Gründung der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit in der Großen Petersgrube 27 in Lübeck
Familie Ludwig Voigt war seit Anfang 1790 mit Friederike Christine Magdalena, geb. Ludemann († 6. Oktober 1810 in Hamburg), einer Tochter des Hauptmannes Ludemann in Lübeck, verheiratet. Das Paar hatte vier Töchter und zwei Söhne. Zwei der Töchter starben im Kindesalter.
Auszeichnungen Titel Collegiensecretair (15. Februar 1825)Siehe die Rangtabelle für das russische Kaiserreich. Titulärrat (15. November 1826) Ehrenzeichen für untadelhaften fünfzehnjährigen Dienst (15. Oktober 1828)
Schriften Reise der Zöglinge des Lübeckischen Erziehungsinstituts nach Hamburg bey Gelegenheit der Blanchardischen Luftreise. Gotha: Ettinger 1788 Lieder zum Gebrauch der unter der Constitution der großen Provinzialloge von Hamburg und Niedersachsen arbeitenden Logen. Als Manuscript für Brüder. Hamburg 1801 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).
Literatur Jakob Gottfried Frobeen: Rigasche Biographieen nebst einigen Familien-Nachrichten, Band 2: 1830–1855. Schnakenburg, Riga 1883, S. 54–60: Johann Ludwig Voigt (Digitalisat). Vogt (Johann Ludwig), in: Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart. Band 7, Hamburg 1879, S. 515, Nr. 4167 Johann Ludwig Voigt In: Karl Gödeke/Edmund Götze: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. Band 7, Dresden: Ehlermann 1906, S. 390f Arvo Tering (Hrsg.): Lexikon der Studenten aus Estland, Livland und Kurland an europäischen Universitäten 1561–1800. Böhlau-Verlag, Köln 2018
Fußnoten
Kategorie:Freimaurer (18. Jahrhundert) Kategorie:Freimaurer (19. Jahrhundert) Kategorie:Freimaurer (Deutschland) Kategorie:Schullehrer Kategorie:Person (Lübecker Geschichte) Kategorie:Person (Riga) Kategorie:Geboren 1752 Kategorie:Gestorben 1835 Kategorie:Mann