mini|Emblem der Strategischen Kampfunterstützungstruppe Das Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee () ist eine seit 2017 der Hauptabteilung Raumfahrt der Strategische Kampfunterstützungstruppe unterstehende, in Peking stationierte Einheit der Volksbefreiungsarmee. In ihr sind die bis 2018 ausschließlich den Luftstreitkräften der Volksrepublik China entstammenden Raumfahrer organisatorisch zusammengefasst. Auswahl und Ausbildung der Raumfahrer findet dagegen im Raumfahrer-Ausbildungszentrum der Abteilung für Waffenentwicklung der Zentralen Militärkommission statt. Kommandant des Raumfahrerkorps ist seit Mai 2023 Großoberst Chen Dong, der selbst zwei Raumflüge absolviert hat.

Geschichte Am 21. September 1992 wurde vom Ständigen Ausschuss des Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas das bemannte Raumfahrtprogramm der Volksrepublik China genehmigt, wegen des Datums auch „Projekt 921“ genannt. Dort befasste man sich zunächst mit den grundlegenden Problemen bei der Konstruktion eines Raumschiffs. Im August 1995 reichte jedoch General Ding Henggao, der Kommandant des Raumfahrtprogramms, bei der Zentralen Militärkommission einen Bericht ein, in dem er vorschlug, aus den aktiven Piloten der chinesischen Luftwaffe Kandidaten für zukünftige Raumfahrer auszuwählen. General Ding hatte in dem Bericht um Unterweisung gebeten, wie in der Angelegenheit weiter zu verfahren wäre. Einen Monat später, im September 1995, kam die schriftliche Antwort der damals von Jiang Zemin geleiteten Militärkommission, dass man dem Vorschlag zustimmte.

Durch den Raumfahrerauswahlprozess beim Shuguang-Projekt 1970/71 verfügte das Forschungsinstitut für Raumfahrtmedizin und -technik, die Vorgängerorganisation des Chinesischen Raumfahrer-Ausbildungszentrums, bereits über reichlich Erfahrung auf diesem Gebiet. Wenn auch das eigentliche Shuguang-Raumschiff nie über ein Modell aus Holz und Pappe hinausgekommen war, so zeigten doch die Personalakten der seinerzeit ausgewählten Raumfahrer, die sich trotz der Wiederaufnahme einer regulären Kampfpilotentätigkeit alle eines langen und gesunden Lebens erfreuten, dass die seinerzeit angelegten Maßstäbe absolut richtig gewesen waren.Mark Wade: Auf dieser Basis wurden nun von den Weltraummedizinern folgende Kriterien definiert:

Willensstärke Aufopferungsbereitschaft Umgänglichkeit und Toleranz Körpergröße 1,60 m bis 1,72 m Gewicht 55 kg bis 70 kg Alter 25 bis 35 Jahre Abfangjäger- oder Jagdbomber-Pilot Mindestens 600 Flugstunden Hochschulabschluss Hervorragende Leistungen als Pilot Keine Flugunfälle Nichtraucher, Nichttrinker, keine sonstigen Suchtkrankheiten Bei den regelmäßigen medizinischen Untersuchungen in den letzten drei Jahren immer Tauglichkeitsgrad 1

Auswahlgruppe 1998 Auf der Grundlage des positiven Bescheids der Zentralen Militärkommission wurde im Oktober 1995 eine „Führungsgruppe Raumfahrerkandidatenauswahl“ (预备航天员选拔领导小组) mit Mitgliedern aus der damaligen Kommission für Wissenschaft, Technik und Industrie für Landesverteidigung und den Luftstreitkräften der Volksrepublik China gebildet, die über die Personalakten die ersten 1506 den Kriterien des Forschungsinstituts für Raumfahrtmedizin entsprechenden Piloten auswählte. Aus diesen 1506 wurden in einer zweiten Runde gut 800 ausgewählt, bei denen in ihren Heimatkasernen eine Ganzkörperuntersuchung durchgeführt wurde. Am Ende wurden 60 Kandidaten ausgewählt, die sich nach Peking zu begeben hatten, wo sie in das Krankenhaus des Forschungsinstituts für Raumfahrtmedizin eingewiesen und erneut untersucht wurden, sowohl körperlich mittels Humanzentrifuge, Unterdruckkammer etc. als auch psychologisch. Da von Anfang an Außenbordeinsätze geplant waren, wurden in dieser Runde unter anderem Kandidaten aussortiert, die für Dekompressionskrankheit anfällig waren.

Nur 20 der 60 Kandidaten bestanden diese Tests. Bei diesen 20 Kandidaten führten die Ärzte Nachforschungen zu Krankheitsgeschichten in deren Familien durch, die direkten Angehörigen (Ehepartner und Kinder) wurden einer medizinischen Untersuchung unterzogen. Alle 20 Kandidaten bzw. deren Familien bestanden diese Stufe des Auswahlprozesses. Da die Zahl der Raumfahrerkandidaten des ersten Jahrgangs begrenzt war, wurde Mitte April 1997 unter dem Vorsitz von General Cao Gangchuan, dem neuen Kommandanten des bemannten Raumfahrtprogramms, eine Gutachtertagung abgehalten, bei der Experten aus sämtlichen großen Krankenhäusern des Landes die Untersuchungsberichte studierten und schließlich 12 Mann auswählten.

Um die russische Kosmonautenausbildung zu studieren und von ihr zu lernen, hatte man im November 1996 Großoberst Li Qinglong und Großoberst Wu Jie, die nach den Kriterien des Forschungsinstituts für Raumfahrtmedizin und -technik ausgewählt worden waren, nach einem achtmonatigen Sprachkurs an der Pekinger Fremdsprachenuniversität an das Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum bei Moskau geschickt, wo sie die regulär vier Jahre dauernde Ausbildung in einem Jahr durchliefen, um dann in China als Ausbilder für die anderen Raumfahrer zu fungieren.杨江华: 神舟飞船的故事. Beijing Book Co., Linden 2014.Mark Wade: Mark Wade: Im Dezember 1997 genehmigte die Zentrale Militärkommission offiziell die Aufstellung des Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee. Am 5. Januar 1998 bezogen die 14 Raumfahrerkandidaten ihr Quartier in der Raumfahrtstadt im Norden des Pekinger Stadtbezirks Haidian, wurden zum „Raumfahrer des Raumfahrerkorps der chinesischen Volksbefreiungsarmee“ (中国人民解放军航天员大队航天员) ernannt und mit dem Raumfahrerschwur („Ich gelobe, mich der bemannten Raumfahrt zu widmen ...“) auf die chinesische Fahne vereidigt. Dies gilt als Gründungstag des Raumfahrerkorps. Enthält Foto von der Vereidigung.

Im August 1998, sieben Monate nach der Indienststellung des Raumfahrerkorps, unterzeichnete Jiang Zemin, der Vorsitzende der Zentralen Militärkommission, die „Richtlinien für die Raumfahrer der chinesischen Volksbefreiungsarmee“ (中国人民解放军航天员条例), in denen der Ausbildungsbetrieb, Besoldung und medizinische Versorgung sowie die Sicherstellung der körperlichen Unversehrtheit geregelt waren. So ist es den chinesischen Raumfahrern nicht gestattet, außerhalb der Kantine zu essen, ihre Unterkunft während Urlaub und Feiertagen zu privaten Zwecken zu verlassen, in Kontakt mit unbekannten Personen zu treten, ihre Identität zu enthüllen und selbstverständlich jeglicher Alkohol- und Tabakkonsum – die sogenannten „Fünf Verbote“ (五不准), eine Anspielung auf die nicht unähnlichen „Fünf Entsagungen“ (五戒), denen buddhistische Mönche unterliegen. Obwohl Ehepartner und Kinder ebenfalls in der Raumfahrtstadt untergebracht sind, dürfen die Raumfahrer sie nur an den Wochenenden besuchen und leben ansonsten abgeschlossen in ihren eigenen Apartments. Wenn es nötig ist, für öffentliche Auftritte das Gelände zu verlassen, erfolgt dies nur in Dienstwagen mit Chauffeur – das eigenhändige Führen von Kraftfahrzeugen ist Raumfahrern streng verboten – und unter dem Schutz von Leibwächtern. Sämtliche Mahlzeiten, inklusive Frühstück, werden von Ernährungswissenschaftlern zusammengestellt, das Gemüse stammt aus biologischem Anbau am Stadtrand von Peking.

Auswahlgruppe 2010 Am 7. Mai 2010, also gut ein Jahr bevor Chinas erstes Raumlabor Tiangong 1 gestartet wurde, wurde der zweite Jahrgang in das Raumfahrerkorps aufgenommen, sieben Kampfpiloten, darunter zwei Frauen, alle mehr als 10 Jahre jünger als – mit Ausnahme von Liu Wang (* 1969) – die Raumfahrer des ersten Jahrgangs. Da nach der Shenzhou-7-Mission 2008 zunächst keine Außenbordeinsätze mehr vorgesehen waren, die ein besonderes Training erforderten, nahmen Major Liu Yang und Oberstleutnant Wang Yaping im Juni 2012 bzw. Juni 2013 nach nur zwei- bzw. dreijähriger Ausbildung an Raumflügen teil. Als 2014 jedoch alle Mitglieder des zweiten Jahrgangs ihre volle Ausbildung absolviert hatten, wurden die vier ältesten Mitglieder des ersten Jahrgangs sowie Pan Zhanchun (* 1966), die alle an keinen Missionen teilgenommen hatten, zur Luftwaffe zurückversetzt. Enthält Fotos der ausgeschiedenen Raumfahrer.

Auswahlgruppe 2020 Im Zusammenhang mit der modularen Raumstation starteten das Büro für bemannte Raumfahrt und das Chinesische Raumfahrer-Ausbildungszentrum am 23. April 2018 eine neue Anwerbungskampagne. Anders als bisher wurden nun nicht mehr nur Kampfpiloten angesprochen, sondern auch Ingenieure, die für Wartung und Reparatur der Station benötigt wurden, sowie Wissenschaftler von chinesischen Forschungsinstituten und Universitäten für die Durchführung anspruchsvoller Experimente. Während bei den frühen Shenzhou-Flügen etwa alle zwei Jahre ein Start stattfand, wechselt die Besatzung der neuen Raumstation alle sechs Monate. Daher wurden bei dieser Auswahlgruppe anstatt 14 (1998) oder 7 (2010) nun 17 bis 18 Männer und Frauen gesucht.

Aus 2500 Kandidaten wurden in einem im September 2020 abgeschlossenen, dreistufigen Selektionsprozess unter der Leitung von Chefausbilderin Huang Weifen 18 Personen ausgewählt (darunter eine Frau), die nach dem Übergang in die Nutzungs- und Erweiterungsphase der Raumstation ab der Mission Shenzhou 16 dort als Besatzung fungieren sollen. Anders als bei den ersten beiden Auswahlgruppen wurden die Kandidaten nun in drei Gruppen eingeteilt: Raumschiffpiloten, Bordingenieure und Nutzlastexperten. Alle Raumfahrer bewegen sich bei den Einsätzen in der gleichen Weltraumumgebung, daher wurden alle Kandidaten den gleichen Tests auf Schwindelfreiheit, psychologische Eignung etc. unterzogen. Andere Anforderungen waren je nach Kategorie unterschiedlich. Die Raumschiffpiloten müssen nicht nur das Shenzhou-Raumschiff nach einem vom Bodenpersonal vorgegebenen Flugplan manuell steuern und Koppelmanöver durchführen können, sondern sind auch für die Überwachung der Lageregelungssysteme und die Steuerung der Fluglage der Raumstation zuständig. Hierfür wurden nur aktive Kampfpiloten der Luftwaffe in Betracht gezogen, die bei den Zentrifugentests im Auswahlverfahren höheren g-Kräften ausgesetzt wurden als die Bewerber für die anderen beiden Kategorien.

Bei den Bordingenieuren waren die körperlichen Anforderungen etwas geringer, und bei den Nutzlastexperten noch einmal niedriger. Dafür wurden bei diesen beiden Kategorien relativ hohe Anforderungen an die fachliche Qualifikation gestellt. Nutzlastexperten können mit den Laboreinrichtungen der Raumstation eigene Forschungsprojekte durchführen, sind aber für die Betreuung und Bedienung aller wissenschaftlichen Geräte und Nutzlasten zuständig, sowohl im Inneren der Station als auch bei den Außennutzlasten. Im Einzelnen wurde folgendes Personal ausgewählt: 7 Raumschiffpiloten 7 Bordingenieure 4 Nutzlastexperten

Die neuen Raumfahrer, auch die Zivilisten, wurden am 1. Oktober 2020, dem chinesischen Nationalfeiertag, in das Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee aufgenommen. Am 30. Mai 2023 nahmen mit Bordingenieur Zhu Yangzhu, außerordentlicher Professor an der Hochschule für Raumfahrttechnik der Strategischen Kampfunterstützungstruppe der Volksbefreiungsarmee, und Nutzlastexperte Gui Haichao, ordentlicher Professor an der Universität für Luft- und Raumfahrt Peking, die ersten beiden Mitglieder dieser Auswahlgruppe an einer Mission zur Chinesischen Raumstation teil. Bei dieser Mission fungierte Jing Haipeng von der Auswahlgruppe 1998 als Kommandant, der bereits drei Raumflüge absolviert hatte. Bei Mannschaften, die nur aus Mitgliedern der Auswahlgruppe 2020 (und späteren Auswahlgruppen) zusammengesetzt sind – wobei immer mindestens ein Raumfahrer mit Flugerfahrung und einer ohne Flugerfahrung in der Mannschaft sein muss – soll in der Regel der Raumschiffpilot als Kommandant fungieren, oder auch ein erfahrener Bordingenieur.

Ausbildung