mini|Vom ehemaligen Schloss Alt Warthau ist nur noch eine Ruine übrig. Schloss Alt Warthau () ist ein Schloss in Warta Bolesławiecka (deutsch Alt Warthau) im Powiat Bolesławiecki (Kreis Bunzlau) in der Woiwodschaft Niederschlesien in Polen. Der Orstnamenzusatz «Alt» ist seit 1786 belegt.

Geschichte In „Warte“, das erstmals 1217 urkundlich erwähnt wurde, befand sich eine herzogliche Zollstation, die vermutlich zur Sicherung der Hohen Straße errichtet wurde. Westlich der heutigen Anlage lässt sich archäologisch eine mittelalterliche Burganlage nachweisen, die mit Wall und Wassergraben gesichert war. Deren Besitzer waren 1237 Lorenz von Stiebitz und 1406 Burgold von Stiebitz. Ab 1426 war die Burg in Besitz der von Zedlitz, von denen sie in den 1530er Jahren aufgegeben wurde, da sie ein neues Schloss im Stil der Renaissance (vermutlich unter Mitwirkung des Wendel Roskopf) errichteten. Dieses wurde mehrfach umgebaut und zu einer unregelmäßigen zweigeschossigen Dreiflügelanlage erweitert. Die Ostseite erhielt markante Schweifgiebel.

Ab 1550 war das Schloss in Besitz des Hans von Glaubitz, der nordöstlich des Schlosses ein Verwalterhaus errichten ließ, das durch einen gedeckten Gang mit dem Schloss verbunden war. Ab 1588 waren die von Sommerfeld Eigentümer, ab 1651 die Freiherren von Hohberg. 1683 gelangte es durch Heirat an Hans Wolfgang von Frankenberg, dessen Nachkommen aus der Seitenlinie Frankenberg-Ludwigsdorf bis Ende des 19. Jahrhunderts Guts- und Schlossherren waren. In dieser Zeit, beziffert auf 1720, wurde ein barockes Portal angelegt, das über eine Brücke über den Graben erreichbar war. Nach der Heirat der Gräfin Johanna von Frankenberg-Ludwigsdorf-Freiin von Schellendorff (1848–1924) mit dem kgl. preuß. Oberst Klemens August von Merveldt-Freiherr zu Lembeck (1845–1923) wurde die Anlage 1897 umgebaut und die Sgraffitodekorationen an der Außenfassade durch Zementputz überfangen. Zu ihrer Zeit wurde ein umfangreiches Alt-Warthauer Schlossarchiv geführt.Verein für Geschichte und Alterthum Schlesiens/Konrad Wuttke (Hrsg.): Codex Diplomaticus Silesiae. Band 20: Schlesiens Bergbau und Hüttenwesen. Urkunden (1136–1528). E. Morgenstern (E. Wohlfarth), Breslau 1900, S. 265, Anm. 1). ErbinGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft (D. A. G.). Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha Herbst 1941, S. 355. war deren 1881 geborene Tochter Erica, die 1901 in Berlin den Grafen Erich Franz von Hacke (1862–1926) heiratete, er selbst besaß mit Bugk und Groß Schauen bei Storkow zwei kleine Güter südöstlich von Berlin. Erica Gräfin von Hacke bewirtschaftete das Gut bis zum Kriegsende 1945 und ging dann nach US-Amerika, nähere Daten dazu lagen nicht vor.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1955. Band, II Band 10 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1955, S. 297 f.

Nach dem Übergang an Polen 1945 wurde das Dominium von einer volkseigenen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft verwaltet, im Schloss wurden Unterkünfte für die Gutsarbeiter eingerichtet. Da es nicht instand gehalten wurde, verfiel es ab den 1960er Jahren zusehends. Nach der politischen Wende 1989 gelangte die Schlossruine 1994 in privatem Besitz und wurde nachfolgend teilweise wieder aufgebaut und restauriert. mini|Schloss Alt Warthau aus der Sammlung Alexander Duncker sen. Berlin. Bauwerk Außen ist der Gebäudekomplex durch originale oder im 19. Jahrhundert restaurierte Sgraffitodekorationen geprägt. Am Nordflügel befinden sich Schweifgiebel und ein zweigeschossiger Eckerker nach Westen. Der zwischen den Gebäudeflügeln liegende Innenhof hatte im Barock einen Arkadengang, der im 19. Jahrhundert abgetragen wurde. Bemerkenswert sind die Ausstattungsteile aus der Bauzeit, z. B. die Innenportale mit Inschrift «Gottes Vord bleibet evig - nach Chri[sti] Geburt 1540».

Der zugehörige Landschaftspark wurde Anfang des 19. Jahrhunderts mit Eichen- und Hainbuchenalleen angelegt. Nahe dem Schloss steht das ruinöse Mausoleum der Familie von Merveldt aus den 1920er Jahren.

Literatur Alexander Duncker: Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den Königlichen Familien-, Haus-Fideicommiß- und Schatull-Gütern in naturgetreuen, künstlerisch ausgeführten, farbigen Darstellungen nebst begleitendem Text. Band 2, Selbstverlag, Berlin 1859/1860, Textblatt 083. Hans Lutsch: Die Kunstdenkmäler des Regierungsbezirk Liegnitz. Lieferung III: Die Denkmäler der Fürstentümer Schweidnitz und Jauer. II. (Kreis Bunzlau). Verlag Wilh. Gottl. Korn, Breslau 1890, S. 580 f. Hugo Weczerka (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten. Band: Schlesien. In: Kröners Taschenausgabe. Band 316, Kröner, Stuttgart 1977, ISBN 3-520-31601-3, S. 5 f. Arne Franke: Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. Band 1: Niederschlesien. Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn, Görlitz 2015, S. 79–80.

Einzelnachweise

Kategorie:Schloss in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Niederschlesien Kategorie:Gmina Bolesławiec Kategorie:Schlossruine in Polen Schloss Alt Warthau Kategorie:Ersterwähnung 1217 Kategorie:Schloss in Schlesien Alt Warthau Kategorie:Bauwerk des Adelsgeschlechts Merveldt