Heigenbrücken ist eine Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Aschaffenburg und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Heigenbrücken.

Geologie mini|links|Heigenbrückener Sandstein Geologisch prägt die Landschaft ein Unterer Buntsandstein, den 1894 Wilhelm von Grümbel nach seinem Fundort als Heigenbrückener Sandstein bezeichnete. Im 19. Jahrhundert wurde der feinkörnige weiße Sandstein als Baumaterial abgebaut. Aufgelassene Steinbrüche befinden sich nördlich der Gemeinde (Geotop 671A011) sowie südlich an der Staatsstraße 2317 am Pollasch-Denkmal (Geotop 671A030).

Geografie mini|Detaillierter Ortsplan von Heigenbrücken mini|Gemeindeteile von Heigenbrücken Lage Die Gemeinde liegt in der Region Bayerischer Untermain inmitten des Spessarts. Der topographisch höchste Punkt der Gemeinde befindet sich an der Steigkoppe mit , der niedrigste liegt am Lohrbach südöstlich von Heigenbrücken auf .

Das Dorf Heigenbrücken liegt im Tal des Lohrbachs zwischen Jakobsthal und Neuhütten. Der höchste Punkt der Dorfgemarkung befindet sich am Hang des Schwarzkopfes auf , der niedrigste entspricht dem der gesamten Gemeinde. Durch Heigenbrücken führt der Kahltal-Spessart-Radweg, sowie der Spessartweg 3.

Gemeindegliederung Es gibt zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Heigenbrücken (Pfarrdorf), mit (2023) 2115 Einwohnern Jakobsthal (Kirchdorf), mit (2023) 282 Einwohnern

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Heigenbrücken und Jakobsthal. Die Gemarkung Heigenbrücken hat eine Fläche von 4,819 km². Sie ist in 2828 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 1704,01 m² haben.

Nachbargemeinden

Name Etymologie Der ursprüngliche Name Heygerbruck geht auf die mittelhochdeutschen Wörter Heiger, das Reiher bedeutet, und brücke zurück. Als Erklärung ergibt sich Brücke, an der sich Reiher aufhalten. Eine Verbindung mit bruch, das Sumpf bedeutet, kann durch die Schreibweise im 16. Jahrhundert …zur Heygerbrucken wohl ausgeschlossen werden.

Frühere Schreibweisen Frühere Schreibweisen des Ortes aus diversen historischen Karten und Urkunden: 1477 Heygerbruck 1518 Haigersbrücken 1526 Heygerbrucken 1551 Heyger Brucken 1633 Haigenbrücken 1819 Heigenbrücken

Geschichte Bis zur Gemeindegründung Die erste urkundliche Erwähnung als „Heygerbruch“ erfolgte im Jahr 1477.

Verwaltungsgeschichte Als Teil des Erzstifts Mainz fiel Heigenbrücken in der Säkularisation 1803 an das neugebildete Fürstentum Aschaffenburg des Fürstprimas Carl von Dalberg. Danach lag Heigenbrücken in der Districtsmairie Rothenbuch des Departements Aschaffenburg im Großherzogtums Frankfurt. 1812 hatte es 92 Feuerstellen und 521 Seelen (Einwohner). Maire war Heinrich Bachmann, sein Adjunct hieß Sebastian März. Schullehrer war Michael Fleischer. Infolge der Verträge von Paris kam Heigenbrücken 1814 zu Bayern und gehörte zunächst zu dem am 1. Oktober 1814 gegründeten Landgericht zweiter Klasse Rothenbuch. Die heutige Gemeinde entstand im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern mit dem Gemeindeedikt von 1818.

Am 1. Juli 1862 wurde durch Zusammenschluss der Landgerichte Rothenbuch und Aschaffenburg das Bezirksamt Aschaffenburg gebildet, auf dessen Verwaltungsgebiet Heigenbrücken lag. Im Jahre 1939 wurde wie überall im Deutschen Reich die Bezeichnung Landkreis eingeführt. Heigenbrücken war nun eine Gemeinden im Altkreis Aschaffenburg. Dieser schloss sich am 1. Juli 1972 mit dem Landkreis Alzenau in Unterfranken zum neuen Landkreis Aschaffenburg zusammen.

Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurde Jakobsthal eingemeindet.

Demografie Religionen (Haupt- u. Nebenwohnsitz) Religion Anzahl katholisch 1302 evangelisch 153 sonstige 313

(Stand: 15. Mai 2022)

Einwohnerentwicklung Jahr18121970198719911995200020052010201520202024Einwohner5212330233225442518249922982243227722762207 Im Zeitraum 1988 bis 2018 sank die Einwohnerzahl von 2343 auf 2294 um 49 Einwohner bzw. um 2,1 %. 1996 hatte die Gemeinde 2551 Einwohner. Quelle: BayLfStat

Politik

Gemeinderat Der Gemeinderat hat 14 Mitglieder. Weiteres Mitglied und Vorsitzender des Gemeinderates ist der Erste Bürgermeister. Bei der Kommunalwahl vom 8. März 2026 haben von den 1727 stimmberechtigten Einwohnern in der Gemeinde Heigenbrücken 1283 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, womit die Wahlbeteiligung bei 74,3 % lag. Die Sitze im Gemeinderat verteilen sich auf 5 Sitze für die SPD-Fraktion, 5 Sitze für die ABV-Fraktion und 4 Sitze für die CSU-Fraktion.Ergebnis Kommunalwahl 2026 Abgerufen am 17. März 2026.

Bürgermeister Bei der Kommunalwahl vom 8. März 2026 wurde Jochen Drechsler (ABV) mit 52,1 % der Stimmen wiedergewählt. Sein Vorgänger war Werner Englert (SPD), im Amt von Mai 2002 bis April 2020.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirchen mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche St. Wendelin in Heigenbrücken Heigenbrücken gehörte im Mittelalter zur Pfarrei Wiesthal und wurde erst 1916 eine selbstständige katholische Pfarrei. Einen Kirchen-Erstbau (St. Wendelinus) erhielt die Gemeinde indes bereits 1730, gefolgt von einem eigenen Friedhof 1821. Die baufällige barocke Kirche wurde 1892–1893 durch einen neogotischen Neubau ersetzt, der 1935 um ein Querschiff erweitert wurde. Innere Umgestaltungen und Restaurierungen erfolgten 1954, 1972, 1998 und 2001. Kernstück der Ausstattung ist ein Marienaltar aus der Entstehungszeit der Kirche, flankiert von Skulpturen der Gottesmutter Maria und des Heiligen Wendelinus. Ein neues Chorbogenkruzifix (in neoromanischer Fassung) von dem Ehepaar Warrings (Bischofsheim/Rhön) stammt von 2003. Die evangelische Gemeinde erhielt erst 1969 mit der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ein eigenes Kirchengebäude. Dieses wurde im Winter 2001/2002 innen renoviert und umgestaltet. Das Altargemälde und die Entwürfe zu den Fensterbildern schuf die Laufacher Künstlerin Cordula Stein.

Profanbauten mini|Villa Daniel Heiter (1854)

In der heterogenen Bausubstanz von Heigenbrücken fallen zwei Fachwerkbauten auf; das ältere mit Giebel und verzierten Kraghölzern (Hauptstraße 8, 16./17. Jahrhundert) beherbergt heute ein Café; das jüngere (Jägerstraße 5, um 1800) ist in Privatbesitz. In der Lindenallee gibt es zwei von dem Steinbruchbesitzer und Bauunternehmer Daniel Heiter Mitte des 19. Jahrhunderts konzipierte Villenbauten im spätklassizistischen Stil. Die Villa mit Park neben dem Tunneleingang (Lindenallee 31) errichtete er 1854 für sich selbst; nach seinem Tod verkaufte die Witwe das Gebäude an die bayerische Forstverwaltung. Das Forstamt Heigenbrücken (bzw. seit der Verwaltungsreform 2005 der Forst- und Ausbildungsbetrieb der Bayerische Staatsforsten AöR) hat seinen Sitz in diesem Gebäude. Eine zweite Villa mit Park am Lohrbach auf der gegenüberliegenden Straßenseite plante Daniel Heiter 1884 als Freizeitdomizil für den Kaufmann Rudolf Marburg. Diese Villa Marburg wurde in den Jahren 2002 bis 2007 von Werner Wenzel zu einem Vier-Sterne-Tagungs- und Wellnesshotel umgebaut. Das ehemalige Bahnhofsgebäude stammt ebenfalls aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (s. u.)

Gedenksteine mini|Ehrenmal auf dem Pollasch (1927)

Auf dem Pollasch steht ein Ehrenmal des Vereins der Hochspessartfreunde Rothenbuch e. V.Frankfurt am Main für die 140 im Ersten Weltkrieg gefallenen Mitglieder. Der Heigenbrückener Steinmetz Georg Lippert gestaltete es 1927 aus lokalem Buntsandstein. 2009 wurde die Aussichtsplattform am Pollasch in der Weise neu gestaltet, dass die nach dem Oberförster Christian Wodianka benannte Schutzhütte (1934) von der gegenüberliegenden Straßenseite der St 2317 auf die Denkmalsseite versetzt wurde, damit sie wie früher, als diese Straße noch ein Wanderweg war, als Ensemble mit dem Denkmal und mit dem Aussichtspunkt empfunden werden sollte. Die Aussicht reicht weit in das Laufachtal hinein über den namensgebenden Ort hinweg. Am Parkplatz Hirschhörner unterhalb dieses Aussichtspunktes gibt es einen unklaren Gedenkstein aus der Zeit des Ersten Koalitionskrieges, das Sternheimer Kreuz (verwitterte – grammatisch nicht korrekte – Inschrift 1980 erneuert): 1796 hat an dieser Stelle der kurmainzische Oberförster Heinrich Sternheimer in Heigenbrücken und seinem treuen Helfer Jakob vier Franzosen und einen Offizier erschossen, welcher mit seiner Abteilung das ganze Dorf ausgeplündert hatten und ihnen ihre Beute aus dem Marsche nach Aschaffenburg abjagte. Der Vorfall ist lokalhistorisch nicht belegt. Einen privaten Gedenkstein zusammen mit einer Buntsandstein-Skulpturengruppe Christus am Ölberg ließ Theo Kunkel auf seinem Grundstück am Nordhang des Pollasch errichten (am Gründonnerstag 2007 eingesegnet und beabsichtigt als Besinnungsort für Wanderer und Ortsbewohner).

Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Geschichte: Glasmacherei mini|Glasbläser-Skulptur

Im Mittelalter – spätestens im 15. Jahrhundert – und der frühen Neuzeit lag Heigenbrücken im Zentrum der Glasmacherei im Spessart. Im Bächlesgrund südlich des Ortes, wo zwei Glashütten nachgewiesen sind, wurde zur Glasherstellung – wie üblich – Quarzsand verwendet. Die oft zitierte Verwendung von Schwerspat (Baryt) im Glas ist inzwischen widerlegt worden und auch nicht technologisch begründbarLORENZ, J. (2008a): Schwerspat im Spessart-Glas?- S. 93–94, 1 Abb.- In FLACHENECKER, H., HIMMELSBACH, G. & STEPPUHN, P. (2008): Glashüttenlandschaft Europa Beiträge zum 3. Internationalen Glassymposium in Heigenbrücken/Spessart.- Historische Studien der Universität Würzburg Band 8, 211 S., ca. 100 Abb., Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg.. Weitere Glashütten in der Nähe gab es im gesamten Lohrbachtal, in Jakobsthal sowie von Wiesthal bis Partenstein. Sie stellten nur einfaches Gebrauchsglas (Waldglas) her und wurden im 17. Jahrhundert geschlossen, da Kurmainz sich auf wenige Standorte – u. a. Weibersbrunn – zur Produktion hochwertigen Qualitätsglases konzentrierte. Bis ins 16. Jahrhundert fanden im Bächlesgrund am Pfingstmontag die Jahresversammlungen des 1406 gegründeten Bundes der Spessarter Glasmacher (Gleser uff (und) umb den Spethßar) statt, die Verstöße gegen die Zunftordnung in puncto Arbeitszeit, Produktionsbedingungen und Mengenbeschränkungen ahndeten.

An diese Ära erinnert heute – außer der Blasonierung im Wappen (s. o.) – nur noch eine stark verwitterte Skulptur eines Glasbläsers im Bereich des alten Bahnhofsgeländes.

Wirtschaft einschließlich Land- und Forstwirtschaft Es gab 2023 nach der amtlichen Statistik insgesamt 238 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 939. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keinen, im Bauhauptgewerbe einen Betrieb. Es gab im Jahr 2020 einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2023 insgesamt 2.170.000 €.

Tourismus mini|Wegweiser des 19. Jh. mit Hirschgeweih

Der Gemeindeteil Heigenbrücken ist ein staatlich anerkannter Luftkurort. Die gesamte Gemeinde liegt im größten zusammenhängenden Laubwaldgebiet Deutschlands und ist ein traditioneller Urlaubsort mit einer Vielzahl von Einrichtungen.

Der Fremdenverkehr in Heigenbrücken wurde bereits im 19. Jahrhundert durch den Eisenbahnanschluss (s. u.) ermöglicht. 1880 wurde der lokale Verein der Spessartfreunde gegründet, einer von mehreren Vorläufern des Spessartbundes. Ein aus dem 19. Jahrhundert erhaltener Wegweiser mit Hirschgeweih unterhalb des Pollasch (Parkplatz Hirschhörner) an der Wegkreuzung Rothenbuch/Heigenbrücken/Hain-Laufach/Jakobsthal dokumentiert diese frühe Phase des Wandertourismus.

Eine Reihe von Beherbergungsbetrieben und Freizeiteinrichtungen (Schwimmbad) entstanden in den 1920er Jahren.