Die BANTAM war eine Panzerabwehrlenkwaffe der 1. Generation aus Schweden. BANTAM steht für Bofors ANti-TAnk Missile.
Entwicklung BANTAM wurde ab 1956 von Bofors als privates Projekt entwickelt. Anfang der 1960er Jahre bekundete Schweden Interesse an dem System. Dort wurde BANTAM ab 1963 unter der Bezeichnung Robot 53 (Rb 53) bei den Schwedischen Streitkräften eingeführt. Im Jahr 1965 konnte die Schweiz und später Argentinien als weitere Kunden gewonnen werden. Nach der Produktion von 33.000 Lenkwaffen wurden 1978 die BANTAM-Produktionslinien bei Bofors geschlossen.
Technik Die BANTAM war eine Panzerabwehrlenkwaffe zur Bekämpfung von Kampfpanzern und anderen Panzerfahrzeugen auf Distanzen von bis zu 2 km. Die minimale Schussdistanz lag bei 230–250 m. Das Waffensystem bestand aus Start- und Transportbehältern mit den Lenkwaffen, einer Steuerkonsole sowie Kabelspulen mit jeweils 20 m Datenleitungen. Das komplette BANTAM-System wog rund 29 kg und konnte von Infanteristen getragen und eingesetzt werden.Ian Hogg: Jane's Infantry Weapons 1987–1988. 1987, S. 737–738.
Steuerkonsole Die Steuerkonsole bestand aus einer monokularen Tageslicht-Zieloptik, einem Kommandogeber und einem kleinen Steuerhebel (Joystick). Die Konsole hatte ein Gewicht von 5 kg. An die Konsole wurden die Datenkabel angeschlossen, die zu den Transportbehältern mit den Lenkwaffen führten.Marshall Cavendish: The Directory of the World’s Weapons. 1996, S. 67. An die Steuerkonsole wurden normalerweise vier Transportbehälter angeschlossen werden. Über zusätzliche Verteilboxen konnten bis zu 18 Transportbehälter angeschlossen werden. Für den Transport der Kabel standen kleine und große Kabelspulen zur Verfügung. Der Schütze konnte mit der Steuerkonsole jeweils eine Lenkwaffe starten und steuern.
Transportbehälter Die Lenkwaffen waren in Start- und Transportbehältern aus Aluminium und GFK verstaut. Ein Lenkwaffenbehälter hatte eine Länge von 0,97 m bei einer Breite von knapp 0,18 auf 0,18 m. Beladen wog er 11,5 kg. Der Lenkwaffenbehälter war mit einem Tragegurt, einem Zweibein und einem Bodennagel versehen und wurde als Abschusslafette für die Lenkwaffe verwendet.
Lenkwaffe Die BANTAM-Lenkwaffe wog 7,6 kg und war in drei Sektionen aufgeteilt. Hinter der ogiven Lenkwaffenspitze war der 1,9 kg schwere Hohlladungs-Gefechtskopf mit einem Durchmesser von 107 mm untergebracht. Die Hohlladung verwendete die Einlage bzw. Auskleidung () aus 266 g Kupfer und dahinter war Oktogen einlaboriert. Hinter dem Gefechtskopf befand sich der piezoelektrische Aufschlagzünder sowie eine Batterie für die Elektrizitätsversorgung. Dahinter folgten zwei Feststoffraketentriebwerke, mit zwei seitlich am Rumpf angeordneten Düsen. Die Triebwerke hatten eine Brenndauer von rund 25 Sekunden. Neben den Triebwerken waren ein Signalempfänger mit Amplifier sowie gegenüber ein Behälter mit etwas mehr als 2.000 m Lenkdraht platziert. Hinter den Triebwerken waren in einem Fach das Gyroskop mit dem Kommutator sowie dem Aktor verbaut. Hinten auf dem Fach aufgesetzt, befand sich das Raketentriebwerk für den Flugkörperstart. Um dessen Düse waren vier Leucht-Fackeln platziert. Am Lenkwaffenrumpf waren vier trapezförmige Stabilisierungsflügel aus GFK montiert. An deren Flügelwurzeln befanden sich kleine Störklappen (Vibrationsspoiler), die durch Mikroschalter gesteuert wurden. Die Stabilisierungsflügel waren zusammengefaltet, während sich die Lenkwaffe in dem Lenkwaffenbehälter befand. Sie entfalteten sich unmittelbar nach dem Start.Edward L. Korb: The World’s Missile Systems. Seventh Edition. 1982. S. 33–34.Foi.se: Experimentellt vidareutvecklad modell för dimensionering av skadebegränsande åtgärder mot RSV-penetration vid ammunitionsröjning (PDF; 5,7 MB)
Funktion & Einsatz Ein BANTAM-Trupp bestand mindestens aus drei Mann; zwei trugen je ein Start- und Transportbehälter und der Truppführer die Steuerkonsole. Um das BANTAM-Waffensystem einsatzbereit zu machen, wurden 1–3 Minuten benötigt. Dabei wurden die Transportbehälter vorne auf das Zweibein gestellt und mit rund 10° himmelwärts geneigt. Vorne wurde die Abdeckung geöffnet und die Transportbehälter mit Datenkabeln an die Steuerkonsole angeschlossen. Die Behälter können in einer Entfernung von bis zu 20 m von der Steuerkonsole platziert werden. Mit zusätzlichen Verlängerungskabeln konnte diese auf maximal 120 m vergrößert werden.
Die Lenkung der Lenkwaffe erfolgte nach dem Prinzip des manuellen Zieldeckungsverfahrens mit Hilfe der Zieloptik und der Steuerkonsole. Der Schütze erfasste das Ziel visuell mit der monokularer Zieloptik und verfolgte dieses. Der Seitenrichtbereich der Steuerkonsole betrug ±50°. War das Ziel in Schussdistanz, startete der Schütze die BANTAM-Lenkwaffe. Diese startete mit Hilfe des Starttriebwerk aus dem leicht himmelwärts geneigten Transportbehälter. Das Starttriebwerk beschleunigte die Lenkwaffe auf eine Geschwindigkeit von rund 85 m/s. Nach einer Flugzeit von rund 1,2 Sekunden und einer Flugstrecke von 45 m war das Starttriebwerk ausgebrannt und das Marschtriebwerk zündete. Von diesem wurde nun diese Geschwindigkeit konstant gehalten. Am Lenkwaffenheck wurden zur besseren Erkennbarkeit der Flugbahn, nacheinander vier Leucht-Fackeln gezündet. Um den Flug zu stabilisieren, wurde die Lenkwaffe durch die Stabilisierungsflügel und den Antrieb in der Längsachse in Rotation versetzt, wobei das Gyroskop für eine stabile Flugbahn sorgte. Jetzt erfasste der Schütze die Lenkwaffe in der Zieloptik. Er musste nun die Lenkwaffe in eine Zielachse mit dem Panzer bringen und führte die Lenkwaffe mit dem Steuerhebel an das Ziel heran. Dabei musste er sowohl die Lenkwaffe wie auch das Ziel mit der Zieloptik verfolgen. Sämtliche Bewegungen des Steuerhebels wurden als Steuerbefehle über den 0,16 mm dicken Lenkdraht an die Lenkwaffe gesendet. Dabei korrigiert die Lenkwaffe mit den Störklappen die Flugbahn. Die Flugzeit auf die maximale Einsatzdistanz von 2 km betrug 24–25 Sekunden. Beim Aufschlag im Ziel wurde der Gefechtskopf gezündet. Dieser Zündete auch bei einem flachen Auftreffwinkel von 10°. Die Hohlladung hatte eine Durchschlagskraft von etwas mehr als 500 mm Panzerstahl.
Das MCLOS (Manual Command to Line of Sight) genannte Steuerverfahren erforderte vom Schützen ein hohes Maß an Geschicklichkeit und Konzentration. Gemäß Hersteller sollte mit der BANTAM eine Treffererwartung von rund 85 % erreicht werden. In der Praxis lag diese aber bei 25–30 %.
Einsatzplattformen Die BANTAM konnte von Infanteristen getragen und eingesetzt werden. Daneben konnte sie auch auf Fahrzeugen, an Hubschraubern und an Leichtflugzeugen installiert werden. Die Schwedischen Streitkräfte setzten die BANTAM auf dem Volvo C202 (Pansarvärnsrobotterrängbil 9032) ein. Weiter konnte BANTAM mit den Hubschraubertypen Agusta-Bell 204 (4 Lenkwaffen), Westland Scout (4 Lenkwaffen) sowie mit den Leichtflugzeugen SK 61 Bulldog (4 Lenkwaffen) und Saab MFI-17 Supporter (6 Lenkwaffen) zum Einsatz gebracht werden.
BANTAM in der Schweiz 1965 startete das Eidgenössische Militärdepartement (EMD) eine Ausschreibung für die erste Panzerabwehrlenkwaffe für die Schweizer Armee. Bei anschließenden Versuchen der Gruppe für Rüstungsdienste setzte sich die BANTAM knapp gegen die französische ENTAC sowie die Mosquito aus der Schweiz und Italien durch. Daraufhin beschaffte die Schweizer Armee 800 Steuerkonsolen und 8000 Lenkwaffen. BANTAM wurde ab 1967 unter der Bezeichnung Panzerabwehr-Lenkwaffen System BANTAM Boden-Boden 65 (PAL BB 65) in der Schweizer Armee eingeführt. Dort war das Waffensystem auf dem Steyr-Puch Haflinger installiert. Auf dessen Ladefläche war ein drehbarer Werfer für neun Lenkwaffenbehälter montiert. Die Fahrzeuge wurden innerhalb der Infanterieregimenter, zusammen mit der Rückstossfreien Panzerabwehrkanone 1958 (10,6 cm rsf Pak 58) zur Panzerabwehr eingesetzt. BANTAM wurde ab 1990 durch den Panzerjäger 90 mit TOW-Panzerabwehrlenkwaffen ersetzt.
Kriegseinsatz BANTAM kam während des Falklandkriegs von Seiten der Streitkräfte Argentiniens zum Einsatz.Nicholas van der Bijl: Victory in the Falklands. 2007, S. 53.
Status & Verbreitung Die BANTAM wurde ab den 1990er-Jahren durch modernere Panzerabwehrlenkwaffen ersetzt und ausgemustert. Bei den Schwedischen Streitkräften wurde sie durch die BILL und in der Schweizer Armee durch die BGM-71 TOW ersetzt. In Argentinien entstand auf Bais der BANATM die Mathogo-Panzerabwehrlenkwaffe. Es befinden sich keine BANTAM-Systeme mehr im Einsatz.
Daten ausThe International Institute for Strategic Studies (IISS): The Military Balance 1991–1992. Vereinigtes Königreich, 2019, ISBN 978-0-08-041325-9.Airandspaceforces.com: Airforce Magazine - The Military Balance 1980/81 (PDF; 48 MB)
Literatur
Weblinks
RB53 BANTAM im Arboga Robotmuseum (schwedisch) Missile Bantam bei globalmilitary.net (englisch) RB53 BANTAM bei waffen-der-welt.alices-world.de (deutsch) BANTAM ATGM 1965 Werbefilm über BANTAM bei youtube.com
Einzelnachweise
Kategorie:Panzerabwehrrakete Kategorie:Militärische Ausrüstung (Schweden) Kategorie:Militärtechnik (Schweizer Armee)