mini|Kirche von Norden mini|Kirche mit Treppenaufgang und Ehrenmal mini|hochkant|Romanischer Kirchturm mit Grabstein an der Ostseite Die Evangelische Kirche Großaltenstädten ist eine von zwei Pfarrkirchen der evangelischen Kirchengemeinde Erda-Großaltenstädten in der Gemeinde Hohenahr im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Sie gehört zum Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill der Evangelischen Kirche im Rheinland. Das Kirchengebäude ist Kulturdenkmal aus geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen.

Geschichte von Pfarrei und Kirche Das Dorf Großaltenstädten gehörte im Mittelalter zum Dekanat Wetzlar und Archidiakonat St. Lubentius Dietkirchen im Bistum Trier.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16). N. G. Elwert, Marburg 1937, ND 1984, S. 196. Unweit des sogenannten Rennwegs gelegen, war seine Lage im Mittelalter sehr günstig. Die Nähe zu dieser alten Handelsstraße mag ein Grund dafür gewesen sein, dass der Ort schon früh eine eigene Kirche besaß. Dies ist umso bemerkenswerter, da der Standort des Dorfes eher eine Zugehörigkeit zur Kirche des Nachbarorts Altenkirchen nahelegt, dem im Mittelalter elf Orte der Umgebung pfarramtlich zugeordnet warenMaria Wenzel: Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden 2003, S. 280. und das noch heute Mittelpunkt eines großen Kirchspiels ist.

Die Ersterwähnung einer Kirche in „Aldynstedin“ geht auf eine Eintragung im sogenannten Roten Buch des Klosters Altenberg im fürstlichen Archiv in Braunfels von 1310 zurück. Sie wurde demnach durch einen Pleban namens Theoderich verwaltet.700 Jahre Groß-Altenstädten. Herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Hohenahr, Hohenahr 2011, S. 24. Für das Jahr 1325 wird dann ein Pfarrer Conradus erwähnt.Gemeinde Hohenahr. Herausgegeben von der Gemeinde Hohenahr, Hohenahr 2006, S. 11. Kirchenpatronat und Zehnten besaßen die Herren von Bicken, von denen sie 1294 durch Kauf an die Grafen von Solms übergingen.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten. Band 2, 1920–1949. Der Pfarrer von Großaltenstädten war zunächst auch für das ab 1350 neu entstandene Hohensolms zuständig.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Hohensolms 2000, S. 121. Als dieses 1454 einen eigenen Pfarrer erhielt, verlor der Großaltenstädter Pfarrer einen Teil seiner Einkünfte. Mit der Einführung der Reformation ging die selbstständige Pfarrstelle in Großaltenstädten dann endgültig ein. 1548 war der Ort bereits evangelisch-lutherisch.700 Jahre Groß-Altenstädten. Herausgegeben vom Heimat- und Kulturverein Hohenahr, Hohenahr 2011, S. 3. Das Gebiet um Hohensolms und Königsberg war seinerzeit gemeinsamer Besitz der Grafen von Solms-Lich und der Landgrafen von Hessen. Dies beinhaltete auch die gemeinsame Aufsicht über die Geistlichkeit. Hessen beanspruchte das Patronat über Großaltenstädten, was zur Folge hatte, dass der Ort pfarramtlich lange Zeit der hessischen, später hessen-darmstädtischen Pfarrei Königsberg zugeordnet war und vom dortigen Pfarrer betreut wurde. Schon 1548 ist Großaltenstädten als Filial von Königsberg belegt.

Als Hessen-Darmstadt und Solms-Hohensolms das Land 1629 unter sich aufteilten, wurde Großaltenstädten zwar eine solmsische Gemeinde, doch blieb die Aufsicht in Schul- und Kirchenfragen weiterhin gemeinschaftlich. Unter hessen-darmstädtischem Einfluss blieb Großaltenstädten stets evangelisch-lutherisch, selbst als das Haus Solms-Hohensolms 1623 das evangelisch-reformierte Bekenntnis annahm und in seiner Residenz Hohensolms eine reformierte Pfarrei einrichtete.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Hohensolms 2000, S. 123. Solms-Hohensolms sah sich durch den Einfluss Hessen-Darmstadts stets in seiner Landesherrschaft beeinträchtigt. Einseitig vorgenommene Bestellungen von Schul- bzw. Kirchendienern in Großaltenstädten, entweder von Seiten Hessen-Darmstadts oder von Seiten Solms-Hohensolms', führten bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Reichsständen. Mit der Auflösung des Fürstentums Solms-Hohensolms-Lich wurde Großaltenstädten 1806 nasssauisch und 1815 preußisch. 1827 wurde es Filialgemeinde von Hohensolms. Trotz Zugehörigkeit beider Gemeinden zur Unierten Kirche Preußens seit 1817 waren Unterschiede im Ritus des Gottesdienstes noch lange spürbar. So war es noch in den 1960er Jahren üblich, dass der Pfarrer in Großaltenstädten mit seiner lutherischen Tradition vor, in Hohensolms dagegen, das rund 200 Jahre lang reformiert gewesen war, hinter dem Altar stand. Auch bei der Reichung des Abendmahls gab es deutliche Unterschiede.Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985). Hohenahr 2010, S. 10. 1971 wurde die pfarramtliche Verbindung mit Hohensolms aufgelöst. Großaltenstädten wird seitdem von Erda aus versorgt, mit dem es heute auch eine gemeinsame Kirchengemeinde bildet.Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985). Hohenahr 2010, S. 61. Der Sitz des Pfarrers ist in Erda.

Architektur mini|hochkant|Grabstein an der Ostseite mini|links|Südseite des Kirchenschiffs Die Kirche liegt auf einem kleinen Hügel am Ortsrand.Maria Wenzel: Kulturdenkmäler in Hessen. Lahn-Dill-Kreis II. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege, Wiesbaden 2003, S. 299. Einen großen Dorfbrand am 23. August 1798, dem 12 Gehöfte zum Opfer fielen, überstand sie unbeschadet. Das Gebäude besteht aus einem Turm, einem Schiff und einem kleinen Eingangsvorbau. Das gesamte Mauerwerk ist in Bruchsteinbauweise errichtet und weiß verputzt. Ältester Teil ist der romanische Turm. Er wird auf die Zeit zwischen 1300 und 1350 datiert. Die Mauerstärke beträgt einen Meter. Seine schmalen Fensternischen waren als Schießscharten nutzbar, sodass von einer wehrhaften Nutzung auszugehen ist. Bei Grabungen im Turm in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entdeckte Lehrer Ludwig Schneider in zwei Metern Tiefe ein Einzelgrab mit einer männlichen Leiche. Anhand der aufgefundenen Sarggriffe datierte der Provinzialkonservator der Rheinprovinz, Edmund Renard, das Begräbnis auf das 14. Jahrhundert. Verbrannte Holzteile und Reste des Deckenverputzes im aufgeschütteten Boden deuteten zudem auf einen Brand des Turms hin. Inschriften im Gebälk des Turms verweisen auf eine Erneuerung von Glockenstuhl und Gebälk im Jahr 1680.

Das Schiff wurde ab 1841 anstelle eines alten, baufälligen Langhauses errichtet und war nach einem Jahr soweit fertiggestellt, dass es am 13. November 1842 eingeweiht werden konnte. Es ist auf beiden Längsseiten durch je drei große Rundbogenfenster gegliedert und mit einem Krüppelwalmdach versehen. Vor dem Neubau von 1841 soll die Kirche jener im benachbarten Erda sehr geähnelt haben.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten. Band 1, 1877–1919. Der Turm war zum Schiff hin offen und bildete eine Art Apsis mit Plätzen für die Alten. Beim Neubau wurde der Turm vom Schiff durch eine Scheidewand abgeteilt und zur Sakristei umfunktioniert. Durch die Grabungen im Turm konnte zudem nachgewiesen werden, dass der Fußboden der alten Kirche etwa einen Meter tiefer gelegen hatte als der heutige.

An das Gebäude schließt sich der Friedhof an. In die Außenwand des Turms ist der Grabstein für Pfarrer Friedrich Wilhelm Petri und seine Frau Aenne eingelassen, welche am Fuß des Turms begraben liegen. Am Treppenaufgang vom Dorf zur Kirche steht das Ehrenmal für die 13 Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es wurde am 7. Oktober 1923 eingeweiht. und ist in Form eines Pfeilers mit aufgesetztem Eisernen Kreuz gestaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es um die 27 Namen der Gefallenen des letzten Krieges erweitert.

Ausstattung mini|links|Dreiseitig umlaufende Empore mini|hochkant|Kanzel und Altar Durch die Abtrennung des Chorturms bildet das Schiff heute einen flach gedeckten Saalbau. Raumbestimmend sind die axial ausgerichtete Kanzel an der Ostwand, der davor stehende Altar und die dreiseitige Empore mit der Orgel auf der Westseite. Vor dem Neubau von 1841 stand die Kanzel seitlich an der nördlichen Ecke. Das gesamte Holzwerk ist farblich in verschieden hellen Brauntönen gehalten. Ein Wandspruch über der Kanzel lautet: „Verlaßt Euch stets auf den Herrn, denn Gott der Herr ist ein ewiger Fels, Jesaja 26, 4“. Fresken in den Fensternischen des Turms werden auf das 14. Jahrhundert datiert. Sie sind jedoch übertüncht. Bei einer Renovierung in den Jahren 1967–1968 wurde der Innenraum einheitlich in einem spätklassizistischen Stil der Zeit um 1850 wiederhergestellt. Da auch der damalige Altar mit seiner dunklen Holzverkleidung nicht in das angestrebte Gesamtbild passte, wurde er durch einen Altar aus schwarz-weißem Lahnmarmor ersetzt, der aus einer Kirche bei Idstein stammte. Die Gemeinde im Taunus hatte ihn unentgeltlich abgegeben. Die fehlende Rückwand des Altars konnte mit Schupbacher Marmor nachgefertigt werden, obwohl der Marmorabbau dort bereits eingestellt war.Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985). Hohenahr 2010, S. 55–56.

Orgel mini|Raßmann-Orgel von 1892 Großaltenstädten erhielt 1766 erstmals eine Orgel. Es handelte sich dabei um ein gebrauchtes Instrument, das vorher in einem der Wetzlarer Klöster gestanden hatte und nach einigen Querelen bezüglich der Anschaffungskosten nach Großaltenstädten transportiert wurde. Die Aufstellung verzögerte sich aber bis 1767. Erst mussten eine Orgelempore und ein Balggehäuse hinter der Kirche errichtet werden.

Die Orgel mag nicht lange in Gebrauch gewesen sein, denn bereits aus dem Jahr 1824 ist überliefert, dass seinerzeit keine funktionierende Orgel vorhanden war, wohl aber ein defektes „Orgelchen“ auf dem Kirchenspeicher, bei dem es sich um das 1766 angeschaffte Instrument gehandelt haben dürfte.Georg Karl Backes: Erinnerungen aus der Jugendzeit eines Volksschullehrers. Zusammengestellt von Ernst Frei. Schotten 1897, S. 10. Der damalige Dorflehrer Georg Karl Backes setzte es mit Hilfe eines Schreiners wieder in Stand.Georg Karl Backes: Erinnerungen aus der Jugendzeit eines Volksschullehrers. Zusammengestellt von Ernst Frei. Schotten 1897.

Die heutige Orgel wurde von der Firma Raßmann in Möttau gebaut. Sie kostete 2200 Mark und wurde am 12. Juni 1892 eingeweiht.Chronik der Pfarrei Hohensolms-Großaltenstädten. Band 1, 1877–1919, S. 129–130. Sie hat ihren Platz auf der Empore an der Westseite. Der Prospekt hat Ähnlichkeit mit der etwa gleich alten Orgel im benachbarten Erda, die auch vom selben Erbauer stammt. Die Orgel in Großaltenstädten verfügt über acht Register, die auf einem Manual und Pedal verteilt sind. Die Disposition lautet wie folgt: I Manual C–f3 Gedackt 8′ Salicional 8′ Principal 4′ Hohlflöte 4′ Octave 2′ Mixtur B/D 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Bassflöte 4′ Koppel: I/P Spielhilfe: Windauslass

Geläut mini|Ehemalige Kirchenglocke von Großaltenstädten aus dem Jahr 1787 – Skizze von 1917