mini|Leutnant Walter Krupinski (1943) mini|Walter Krupinski (zweiter von rechts) neben Günther Rall in der Ukraine, 1943 Walter Gustav Krupinski (* 11. November 1920 in Domnau; † 7. Oktober 2000 in Neunkirchen-Seelscheid) war ein Offizier und Jagdflieger der deutschen Luftwaffe des Zweiten Weltkrieges. Nach einer Zwischenzeit bei der Organisation Gehlen, dem Vorgänger des Bundesnachrichtendienstes, trat er 1955 in die neugegründete Luftwaffe der Bundeswehr ein, aus der er als Generalleutnant ausschied. Von 1974 bis 1976 war er Kommandierender General des Luftflottenkommandos.
Kindheit Krupinski, Sohn eines Obergerichtsvollziehers, verbrachte seine Kindheit in Braunsberg in Ostpreußen. Sein Vater, Friedrich Krupinski, war nach dem Ausscheiden aus der Reichswehr 1924 in den Staatsdienst gegangen, zuerst bei der ostpreußischen Landesversicherungsanstalt, später als Gerichtsvollzieher. Die Arbeit führte ihn 1929 nach Königsberg, bevor die Familie 1933 nach Braunsberg umzog.Kurt Braatz, Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General. NeunundzwanzigSechs Verlag, Moosburg 2010, S. 15 ff. Krupinskis Mutter, Auguste Krupinski, geb. Helmke, zog ihn und seine beiden Brüder PaulPaul Krupinski trat nach dem Abschluss der Schulausbildung in die Kriegsmarine ein und absolvierte die Ausbildung zum U-Boot-Fahrer. Zuletzt eingesetzt auf U-771, fiel er, als das Boot vor der norwegischen Küste durch das britische U-Boot HMS Venturer versenkt wurde. Siehe hierzu auch den englischen Eintrag zu Krupinski. und Günther groß. Anders als später in der NS-Propaganda behauptet, hatte Krupinski in seiner Jugend keinerlei Kontakt zum Segelflug, obwohl dies die Nähe zum damaligen Leistungssegelflugzentrum in Rossitten nahegelegt hätte. Er wandte sich stattdessen dem Segelsport zu und trat 1936 in die Marine-HJ-Gruppe in Braunsberg ein. In dieser Zeit erwarb er sich auch das Kleine Patent. Mehr schlecht als recht schloss Krupinski am 21. März 1939 die Schule ab und wurde am 1. April 1939 zum Reichsarbeitsdienst (RAD) eingezogen, den er in Freystadt in der Nähe von Deutsch-Eylau abzuleisten hatte.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 18 ff.
Wehrmacht Nach Abschluss des RAD Anfang September 1939 wurde Krupinski am 1. Oktober 1939 zur Luftwaffe eingezogen. Seine erste Bewerbung im Jahre 1937 ging noch an die Marine, die ihn aber aufgrund mangelnder Leistungen in der Eignungsfeststellung nicht nahm und ihm stattdessen empfahl, sich bei der Luftwaffe zu bewerben. Die damit verbundenen Tests schloss Krupinski dann im Februar 1939 erfolgreich ab.
Ausbildung zum Offizier und fliegerische Ausbildung Krupinskis erster militärischer Verband war das Luftwaffen-Ausbildungsregiment 10, welches im nördlich von Braunsberg gelegenen Neukuhren beheimatet war. Schon nach sechs Wochen wurden die angehenden Offiziere an die Luftkriegsschulen der Luftwaffe versetzt; Krupinski verschlug es am 1. November 1939 nach Berlin-Gatow zur Luftkriegsschule 2,Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 22 ff. wo der Offizierlehrgang und die fliegerische Grundausbildung stattfanden. Am 24. Juni 1940 erhielt Krupinski den letzten in Gatow zu erwerbenden Flugschein und wurde im gleichen Monat zum Fähnrich befördert.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 25. Nachdem seine Vorgesetzten seine Eignung zum Jagdflieger festgestellt hatten, wurde er nach Wien-Schwechat an die Jagdfliegerschule 5 versetzt. Dort lernte er später bekannte Jagdflieger wie Hans-Joachim Marseille und Walter Nowotny kennen, ebenso wie Paul Galland, Bruder des Generals der Jagdflieger Adolf Galland. Schulkommandeur war zu dieser Zeit der Träger des Pour le Mérite Eduard Ritter von Schleich.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 27 ff. An die Ausbildung vor den Toren der österreichischen Landeshauptstadt schloss sich ein kurzes Intermezzo in Merseburg an. Bei der dortigen Jagdergänzungsgruppe kam Krupinski allerdings nicht zu vielen Flügen. Er und die anderen Flugschüler waren daher erfreut, dass sie Anfang November 1940 endlich zur Ergänzungsgruppe des Jagdgeschwaders 52 in Krefeld versetzt wurden. Später wurde die Ausbildung des besseren Wetters wegen ins südfranzösische Cognac verlegt.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 30 ff. Ende Januar 1941 wurde Krupinski zum Leutnant befördert und Ende Februar zur II. Gruppe des Jagdgeschwaders 52 in Belgien versetzt.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 36.
Westfront 1941 Krupinski wurde in Maldegem der 6. Staffel unter Rudolf Resch zugeteilt. Die neuen Flugzeugführer kamen jedoch nicht zu vielen Einsätzen, da sie im Gegensatz zu den erfahreneren Piloten nicht auf freie Jagd nach England fliegen durften, sondern Sitzbereitschaft im wörtlichsten Sinne hatten: Sie saßen angeschnallt in den Messerschmitt Bf 109 der Staffel und warteten auf Angriffe der Royal Air Force. Zwischenzeitlich verlegte die Staffel nach Raversijde bei Oostende, aber auch dort kam es nicht zu großen Kampfhandlungen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 40 ff. Im Vorfeld des Unternehmens Barbarossa wurde die II./JG 52 über Umwege nach Warnien in der Nähe von Suwałki verlegt, um die Luftunterstützung der Heeresgruppe Mitte sicherzustellen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 48.
Ostfront 1941–1944 Am 16. August 1941 erzielte Walter Krupinski seinen ersten Luftsieg über eine I-18.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 52 ff. Die Gruppe folgte dabei dem schnellen, auf Moskau gerichteten Vormarsch der Wehrmacht, bis dieser schließlich im Winter etwa 30 Kilometer vor der russischen Hauptstadt steckenblieb. Dabei unterstützte sie neben der Heeresgruppe Mitte auch die Heeresgruppe Nord, die Leningrad einnehmen sollte. Bis Ende des Jahres 1941 erzielte Krupinski noch sechs weitere Abschüsse.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 316–321. Während er über Weihnachten 1941 zu Hause war, musste seine Staffel starke Verluste hinnehmen, da sie aufgrund der schlechten Witterung als Infanterie eingesetzt wurde. Sie wurde in Jesau daraufhin neu aufgestellt sowie reorganisiert, der alte Gruppenkommandeur wurde durch Johannes Steinhoff ersetzt, die 4. Staffel erhielt Gerhard Barkhorn als neuen Staffelkapitän.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 61 u. 63.
Bis zum 22. August 1942 konnte er 50 Feindflugzeuge abschießen, wofür ihm das Deutsche Kreuz in Gold verliehen wurde. Nach 56 Luftsiegen erhielt er am 29. Oktober 1942 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes. Von Januar bis März 1943 wurde er als Ausbilder in der Jagdergänzungsgruppe Ost eingesetzt. Inzwischen zum Oberleutnant befördert, ernannte man ihn am 15. März 1943 zum Staffelkapitän der 7. Staffel. Nach 174 Luftsiegen wurde ihm am 2. März 1944 noch das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes zuerkannt.
Westfront 1944–1945 Nach 177 Abschüssen und der kurz zuvor erfolgten Verleihung des Eichenlaubs kam Krupinski am 18. April 1944 in die Reichsverteidigung und führte von nun an die 1. Staffel des Jagdgeschwaders 5. Am 1. Mai 1944 zum Hauptmann befördert, wurde er Mitte Mai 1944 als Nachfolger von Günther Rall Kommandeur der II. Gruppe des Jagdgeschwaders 11, mit der er auch an der Invasionsfront in der Normandie eingesetzt war. Ab dem 27. September 1944 führte er die III. Gruppe des Jagdgeschwaders 26. Bei Kriegsende hatte er 1100 Feindflüge absolviert; ihm waren insgesamt 197 Luftsiege zuerkannt worden.
Jagdverband 44 Am 1. April 1945 bekam Walter Krupinski in Bad Wiessee Besuch von Adolf Galland und Johannes Steinhoff. Sie boten ihm an, die Messerschmitt Me 262 im Jagdverband 44 zu fliegen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 158. In diesem Verband sammelte Galland die erfahrensten Jagdflieger der Luftwaffe. Zu diesem Verband, der am 24. Februar 1945 aufgestellt wurde, gehörten neben den bereits erwähnten Günther Lützow, Gerhard Barkhorn, Johannes Trautloft, Erich Hohagen und viele weitere, die sich bis zu diesem Zeitpunkt einen Namen gemacht hatten. Am 16. und 26. April erzielte Krupinski mit der Me 262 seine letzten Abschüsse im Zweiten Weltkrieg, die ihn auf eine Gesamtsumme von 197 Abschüssen brachten. Krupinski war auch Zeuge des schweren Startunfalls von Johannes Steinhoff, der diesen zeitlebens zeichnete.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 166. Der Jagdverband 44 verlegte noch in den letzten Apriltagen nach Salzburg und ergab sich dort den Amerikanern. Nach zahlreichen Befragungen aufgrund seines Wissens um die Me 262 wurde Krupinski am 28. September 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft entlassen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 170.
Organisation Gehlen Als sich Reinhard Gehlen Ende 1945 in den Dienst der Amerikaner stellte, benötigte seine Organisation Gehlen Männer, die sich mit Luftkrieg auskannten. Krupinski wurde eingestellt und arbeitete bis 1953 mit daran, Informationen über die Streitkräfte in der sowjetischen Besatzungszone zu sammeln.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 177 ff.
Bundeswehr Amt Blank Am 7. April 1953 wurde Krupinski Sachbearbeiter im Amt Blank, dem Vorläufer des späteren Bundesministeriums der Verteidigung. Da Deutschland zu diesem Zeitpunkt noch keine eigenen Streitkräfte unterhielt, bestand seine Aufgabe vor allem darin, Berichte der Westalliierten zur Taktik der Jagdflieger und Jagdbomber auszuwerten und Schlüsse daraus für eine eventuelle deutsche Luftwaffe zu ziehen. Krupinskis „Vorgesetzter“ im Amt Blank, Johannes Steinhoff, wurde aus dem Grund bereits 1953 von den Amerikanern in Fürstenfeldbruck auf Lockheed F-80 und T-33 eingewiesen. Krupinski selbst erhielt die Gelegenheit, seine fliegerischen Fähigkeiten in Wiesbaden im Sommer 1953 wieder aufzufrischen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 184 ff. Darüber hinaus wirkte Krupinski an der Entscheidung mit, welche Schulflugzeuge die Luftwaffe beschaffen sollte, um über kurz oder lang die Piloten der Kampfflugzeuge selbst auszubilden.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 187 f. Am 1. November 1955 wurde er offiziell als Soldat in die Bundeswehr übernommen.
Schulung in Großbritannien und Kommodore in Büchel Nach der Ausbildung der ersten drei deutschen Piloten für die Luftwaffe in den Vereinigten Staaten von Amerika erhielt die Bundeswehr ein gleichlautendes Angebot der Royal Air Force. Neben Walter Krupinski wurden Herbert Wehnelt und Gerhard Barkhorn ausgewählt, die zusammen am 16. Januar 1956 nach Großbritannien aufbrachen.Kurt Braatz: Walter Krupinski. Jagdflieger, Geheimagent, General., 2010, S. 194. Krupinski kam der Abschied aus der ihm ungeliebten Stabsarbeit sehr recht, seine Abneigung sollte sich in seiner Ära in der Luftwaffe der Bundesrepublik noch häufiger zeigen. Die Ausbildung auf Schul- und Einsatzflugzeugen dauerte bis Ende September 1956, danach kehrte er wieder ins Ministerium zurück, allerdings nur für kurze Zeit.