Eselsbett und Schwarzes Bruch sind zwei Moore auf dem Gebiet der Stadt Lichtenau im Kreis Paderborn in Nordrhein-Westfalen. Sie sind als Naturschutzgebiet Eselsbett und Schwarzes Bruch unter der Schlüsselnummer PB-017 seit 1970 unter Naturschutz gestellt. 2014 wurden sie auch als europäisches Fauna-Flora-Habitat-Gebiet geschützt. Das etwa 294 Hektar große Naturschutzgebiet liegt am Westrand des Eggegebirges und ist dadurch niederschlagsreich (bis zu 1200 mm pro JahrInfoflyer EggeMoore: Schutz und Entwicklung der Moor-Lebensräume im südlichen Eggegebirge der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne.), was das Entstehen der Moore begünstigte. Es ist Teil der Großlandschaft Weserbergland.
Das Naturschutzgebiet wird vom Odenheimer Bach durchflossen und gewässert. Es handelt sich um ein teilweise renaturiertes Moorgebiet. Im Rahmen eines LIFE-Projektes der Europäischen Union wurde das durch langjährigen Torfabbau in Mitleidenschaft gezogene Gebiet in den Jahren 2013 bis 2019 renaturiert. Dazu wurden vor allem zwei Maßnahmen umgesetzt, um die Moore wiederzuvernässen: einerseits wurden Gehölze beseitigt (entkusselt), die im verlandenden Moor eine verstärkte Wasserverdunstung verursachen und außerdem die moortypischen Gewächse beschatten. Andererseits wurden weitere nicht-natürliche Wasserabflüsse geschlossen.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 120.
Biotope mini|Der Odenheimer Bach entspringt im Schwarzen Bruch und durchfließt das Eselsbett Im Naturschutzgebiet gibt es vier schutzwürdige Biotope:
Der Teichkomplex zwischen dem Eselsbett und dem Schwarzen Bruch enthält unter anderem einen dystrophen Teich – eine selten gewordene Form des Moorgewässers. Hier leben die Teich- und Sumpfgewächse Wasser-Schwaden, Schnabel-Segge und Grau-Segge.Objektbeschreibung von BK-4319-0075 („Teichkomplex zwischen NSG „Eselsbett“ im Norden und NSG „Schwarzes Bruch“ im Süden“) auf der Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Hintergrund des Schutzes der Teiche ist, dass im 20. Jahrhundert viele Kleingewässer zur besseren Nutzbarmachung zugeschüttet wurden (Zivilisationslandschaft). Der Erhalt der verbliebenen Teiche ist wichtig, um die auf und an den Kleingewässern lebenden Tierarten – beispielsweise verschiedene Libellen – zu erhalten.Wolfgang Zettelmeyer: Die Bedeutung der Kleingewässer für den Biotop- und Artenschutz. In: Mitteilungen der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Weserbergland. Heft 1, 1986. Das Eselsbett ist ein großflächiges Moorgebiet, das alle Übergänge vom Hochmoor zum Flachmoor enthält. Darin leben unter anderem die Pflanzengesellschaften der Feuchtweiden (mehrere Arten) und des Flutrasens. Die Hochmoorschicht ist bis zu zwei Meter dick. Südlich davon befindet sich eine feuchte Borstgrasweide (eine von Borstgras dominierte Pflanzengesellschaft). Im Eselsbett befinden sich mehrere Quellen sowie zwei Quellbäche des Odenheimer Baches, der das Gebiet durchfließt. Um das Moor herum befindet sich landwirtschaftlich genutztes Grünland. Im Moor vorkommende Gattungen und Arten sind Torfmoose, Scheiden-Wollgras, Pfeifengras (in Bulten), Asch-Weidengebüsche und als kleine Flächen auch Schnabelseggenrieden, Rohrkolbenröhrichte und Sümpfe mit Binsen bzw. Fieberklee. Laut dem Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen handelt es sich insgesamt um einen „International bedeutsame[n] struktur- und artenreiche[n] Moorkomplex mit einem Zwischen bzw. -Hochmoorkern, der in den Randbereichen in Niedermoorausbildungen übergeht mit höchster Repräsentanz für den Naturraum.“Objektbeschreibung von BK-4319-0100 („NSG Eselsbett“) auf der Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Das Schwarze Bruch ist ebenfalls ein großflächiges Moorgebiet, das sich am Westhang des Eggegebirges befindet. Das Hochmoor ist teilweise entwässert, aber insbesondere im südlichen Teil noch weitgehend ungestört: „Hier gibt es noch tiefe unbegehbare, torfmoosgefüllte Schlenken“ (Schlenken sind die zwischen den Bulten hindurchführenden moorigen Wasserkanäle). Neben vereinzelten verkrüppelten Kiefern, Fichten und Weidenbüschen gibt es auch am Südrand einige aus Kiefern bestehende kleinere Moorwälder. Der heutige Zustand des Bruchs mit den beeinträchtigten, entwässerten Mooren im Nordteil ist ein Resultat menschlicher Einwirkung: Nachdem in der Zwischenkriegszeit im Schwarzen Bruch Torf gestochen wurde, kam es 1947 zu einem Brand, der auf die oberste Torfschicht übergriff. Um das Feuer aufzuhalten, mussten Gräben geschaffen werden, die anschließend aber zu einer Entwässerung des Moores führten. Die Gräben wurden erst 1987 wieder geschlossen, was insbesondere im südlichen Teil zu einer Wiedervermoorung führte. Zu den Ideen, um auch den nördlichen Teil als Moor wieder aufzubauen, gehören eine Renaturierung des Odenheimer Baches und ein Rückbau der angrenzenden Fischteiche. Das Naturschutzgebiet Schwarzes Bruch gehört zu einem militärischen Sperrgebiet.Objektbeschreibung von BK-4319-904 („NSG Schwarzes Bruch“) auf der Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen. Die Bülheimer Heide südlich des Schwarzen Bruchs ist eine artenarme Pfeifengrasheide. Darauf wachsen auch Sträucher der Besenheide und der Heidelbeere. Die Heide entwickelte sich vermutlich aus einem entwässerten Moor. Dieses könnte durch mehr Wasser und die Abholzung der Fichtenbestände am Rand der Heide (Fichten haben einen besonders starken wasserentziehenden Effekt) wieder vernässt bzw. vermoort werden. Bis dahin jedoch handelt es sich für das Landesamt nur um „[r]egional bedeutsame Moor-Degenerationsstadien mit moortypischem Restarteninventar“.Objektbeschreibung von BK-4319-0082 („Bülheimer Heide im südlichen Umfeld des NSG Schwarzes Bruch“) auf der Seite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen.
Die Biologische Station Kreis Paderborn-Senne berichtet, dass unter anderen die folgenden gefährdeten Arten im Naturschutzgebiet vorkommen: Rundblättriger Sonnentau, Rauschbeere, Wollgras- und Torfmoosarten, Wiesenpieper, Raubwürger sowie zahlreiche spezialisierte Insektenarten.LIFE-Projekt „Eggemoore“ auf der Seite der Biologischen Station Kreis Paderborn – Senne. Im Gebiet gibt es insgesamt Nachweise für 104 Pflanzensippen, die auf der Roten Liste Nordrhein-Westfalens (einschließlich Vorwarnliste) verzeichnet sind.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 97–104 mit ausführlicher Liste.
Fauna Im Gebiet wurden insgesamt 113 Vogelarten nachgewiesen. Darunter sind 17 bundesweit, 37 landesweit und 34 regional gefährdete Arten. Dazu gehören Baumpieper, Feldlerche, Feldschwirl, Fitis, Kuckuck, Neuntöter, Rotmilan, Schwarzkehlchen, Turteltaube, Wachtelkönig, Waldlaubsänger, Waldohreule, Waldschnepfe und Wiesenpieper.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 105 nach den Arbeiten von Christian Finke (Mitarbeiter der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne) aus dem Jahr 2014. Auch Kornweihe, Kiebitz, Schwarzstorch und Raubwürger kommen vor;liste bedeutsamer Vorkommen von Vogelarten im Gebiet: Fischadler, Braunkehlchen, Bruchwasserläufer, Bekassinen sind als Durchzügler anzutreffen.Infotafel Eggemoore im Beobachtungspunkt Eselsbett, Bild Nr. 2.
An Tagfalter-Arten wurden 31 festgestellt; die meisten davon sind jedoch nicht spezifisch für Moorgebiete. Es gibt jedoch auch Arten, die sich stärker auf feuchte Umgebungen spezialisiert haben, so der Sumpfveilchen-Perlmutterfalter (Boloria selene), der Mädesüß-Perlmuttfalter (Brenthis ino), der Gelbwürfelige Dickkopffalter (Carterocephalus palaemon), das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices), der Schönbär (Callimorpha dominula), der Rotrandbär (Diacrisia sannio) und das Sumpfhornklee-Widderchen (Zygaena trifolii). Der Sumpfveilchen-Perlmutterfalter ist im Eselsbett besonders verbreitet. Im Jahr 2014 konnten jedoch noch keine Vorkommen typischer Hochmoor-Arten wie des Hochmoor-Perlmuttfalters (Boloria aquilonaris; letzter Nachweis im Eselsbett 1984) und des Großen Wiesenvögelchens (Coenonympha tullia; letzter Nachweis im Eselsbett 1968) gefunden werden.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 106–108 nach den Arbeiten von Christian Finke (Mitarbeiter der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne) aus dem Jahr 2014.
An Nachtfaltern existieren ebenfalls 22 gefährdete Arten. Rundflügelbär (Thumata senex) und Brauner Bär (Arctia caja) sind besonders verbreitet. Aus der Gruppe der Eulenfalter ist besonders der 2014 erfolgte Fund von Haworths Mooreule (Celaena haworthii) bemerkenswert, die davor im Naturraum Weserbergland als ausgestorben galt. Ansonsten gibt es auch häufige Vorkommen von Schmalflügel-Motteneule (Schrankia costaestrigalis) und dem tagaktiven Ried-Grasmotteneulchen (Deltote uncula). Gefährdete Arten, die speziell in Mooren leben und hier vorkommen, sind auch die Moorwald-Blättereule (Papestra biren), Graue Heidelbeereule (Eurois occulta) und Heidelbeer-Schnabeleule (Hypena crassalis). Unter den Spannern, einer weiteren Schmetterlingsfamilie, ist besonders der Sumpflabkraut-Blattspanner (Orthonama vittata) zu nennen, der landesweit als „stark gefährdet“ gilt.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 108–111 nach den Arbeiten von Christian Finke (Mitarbeiter der Biologischen Station Kreis Paderborn-Senne) aus dem Jahr 2014.
Unter den Libellen waren laut einer Messung 2016 die Schwarze Heidelibelle (Sympetrum danae), die Falkenlibelle (Cordulia aenea) und der Vierfleck (Libellula quadrimaculata) zahlenmäßig am häufigsten vertreten. Auch die bundesweit gefährdete Speer-Azurjungfer (Coenagrion hastulatum) kommt vor.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 112 nach einer Untersuchung von Mathias Lohr, 2016.
Auch die Groppe kommt im Gebiet vor, ein Fisch, der nur in Gewässern mit hoher Wasserqualität laichen kann und daher in die FFH-Richtlinie aufgenommen wurde.
Böden Aus bodenkundlicher Sicht weist das Naturschutzgebiet Eselsbett und Schwarzes Bruch an Böden vor allem Gleye, Braunerden und Niedermoorböden auf. Außerdem gibt es Kolluvien, Podsol-Braunerden und Stagnogley.Peter Rüther: Das LIFE-Projekt „Eggemoore“ – Natur- und Klimaschutz im südlichen Kreis Paderborn. In: Berichte Naturwiss. Verein für Bielefeld und Umgegend. Band 57, 2020, S. 88–132 (online), hier S. 90 auf Grundlage der Bodenübersichtskarte für Nordrhein-Westfalen (Maßstab 1:50.000).
Menschliche Nutzung
Nutzung als Torfquelle mini|Eine Torflore aus dem Eselsbett in Hakenberg