mini|Annie Vivanti Chartres, 1910 mini|Annie Vivanti mit ihrer Tochter Vivien, 1901 Annie Vivanti (geboren 7. April 1866 als Anna Emilia in London; gestorben 20. Februar 1942 in Turin) war eine italienische Schriftstellerin. Ihr schriftstellerisches Pseudonym war George Marion.Gaetana Marrone, Anne Urbancic: Annie Vivante. In: Encyclopedia of Italian Literary Studies. Band: A-J. Taylor & Francis, 2007, S. 1242

Leben und Werk Vivanti wurde als Tochter des Seidenhändlers Anselmo Vivanti und der deutschen Salonnière, Schriftstellerin und Übersetzerin Anna Vivanti-Lindau, Schwester der berühmten Literaten Paul und Rudolph Lindau, in London geboren, wo ihr Vater nach den Aufständen von 1851 in Mantua politisches Asyl gefunden hatte. Sie wuchs in Italien, England, der Schweiz und den USA auf, wo ihr Vater Präsident der Società Reduci delle Patrie Battaglie und der italienischen Handelskammer von New York war. Sie veröffentlichte 1880 die Gedichtsammlung Lirica, die in Italien mit einem Vorwort von dem späteren Nobelpreisträger Giosuè Carducci veröffentlicht wurde und dort sofort einen großen Erfolg erzielte. 1891 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, Marion Artista di Caffè Concerto. Nach ihrer Heirat 1892 mit dem Iren John Chartres lebte sie fast zwanzig Jahre in England und den USA und schrieb während dieser Zeit nur in englischer Sprache. Wie ihr Ehemann unterstützte sie die irische Unabhängigkeit, schrieb Artikel für verschiedene Zeitungen und assistierte 1919 der irischen Delegation in Versailles. Im gleichen Jahr kehrte sie definitiv nach Italien zurück. Nach dem Krieg unterstützte sie Benito Mussolini und schrieb für nationalistische italienische Zeitungen wie Il Popolo d’Italia und L’Idea Nazionale. 1941 wurde sie in Arezzo von den Faschisten wegen ihrer Verbindungen nach England unter Hausarrest gestellt. Ihre Bücher waren in Italien eine Zeit lang wegen ihrer jüdischen Abstammung verboten. Mussolinis direkte Fürsprache ermöglichte es ihr nach Turin zurückzukehren. Gesundheitlich angeschlagen verschlechterte sich ihr Zustand, nachdem sich ihre Tochter Vivien, eine begabte Violistin, im Herbst 1941 in Brighton das Leben genommen hatte. Sie starb kurz nachdem sie zum Katholizismus konvertiert war. Sie ist auf dem Monumentalfriedhof in Turin beigesetzt und ihr einfacher Grabstein trägt die ersten Zeilen des berühmtesten Gedichts, das Carducci ihr gewidmet hatte. Aufgrund ihres Internationalismus und ihrer unzusammenhängenden literarischen Ausbildung gehört sie weder zu einer einzigen literarischen Gattung noch zu einer bestimmten kulturellen Bewegung. Ihre fortwährende Verbindung mit Carducci hat ihren persönlichen Stil verstärkt und sie von den Themen und Stilen distanziert, die typisch für die Frauenschriften ihrer Zeit sind.

Werke (Auswahl) Englische Romane 1896: The Hunt for Happiness 1904: Winning Him Back Englische Theaterstücke 1898: That Man 1900: The Ruby Ring Englische Novellen 1910: The Devourers 1912: Circe 1915: Marie Tarnowska Italienische Werke 1890: Lirica, Milano, Treves 1891: Marion artista di caffè-concerto, Milano, Chiesa 1911: I divoratori, Milano, Treves 1912: Circe, Milano, Quintieri 1915: L'Invasore, Milano, Quintieri 1917: Vae Victis, Milano, Quintieri 1918: Zingaresca, Milano, Quintieri 1918: Le bocche inutili, Milano, Quintieri 1920: Naja tripudians, Firenze, Bemporad 1921: Gioia, Firenze, Bemporad 1921: Marion, Firenze, Bemporad 1922: … Sorella di Messalina, Torino, Letteraria 1923: Sua altezza (Favola candida), Firenze, Bemporad 1925: Terra di Cleopatra, Milano, Mondadori 1926: Perdonate Eglantina, Milano, Mondadori 1927: Mea culpa, Milano, Mondadori 1931: Fosca, sorella di Messalina, Milano, Mondadori 1932: Salvate le nostre anime, Milano, Mondadori 1933: Il viaggio incantato, Milano, Mondadori Deutsche Übersetzungen 1903: Marion, die Sängerin des Café-chantant, Leipzig, Seemann 1940: Mea Culpa, Stuttgart, Bonz 1953: Nancy war ein Genie (I divoratori), Zürich, Rascher

Literatur B. Allason, „Ricordi di Annie Vivanti“ in Nuova Antologia, April 1952, S. 369–381 „Annie Vivanti“ in Biography Index. A Cumulative Index to Biographical Material in Books and Magazines. Volume 20: September, 1994–August, 1995. New York: H.W. Wilson Co., 1995. „Annie Vivanti“ in: Columbia Dictionary of Modern European Literature, First edition, New York, Columbia University Press, 1947 „Annie Vivanti“ in Columbia Dictionary of Modern European Literature. Second edition. Edited by Jean-Albert Bede and William B. Edgerton. New York: Columbia University Press, 1980. „Annie Vivanti“ in: Dizionario generale degli autori italiani contemporanei, II, Firenze, Vallecchi 1974. „Annie Vivanti“ in: Encyclopedia of Continental Women Writers, Vol. 698, New York: Garland Publishing, 1991 „Annie Vivanti“ in: The Bloomsbury Guide to Women’s Literature, New York: Prentice Hall General Reference, 1992 „Annie Vivanti“ in Who Was Who in Literature, 1906–1934. Based on entries that first appeared in Literary Yearbook (1906–1913), Literary Yearbook and Author's Who’s Who (1914–1917), Literary Yearbook (1920–1922), and Who’s Who in Literature (1924–1934) „Annie Vivanti“ in: Women in World History, A Biographical Encyclopedia. Band 17, Yorkin Publications, 1999 „Annie Vivanti Chartres“ in Enciclopedia Judaica, Band 16, Jerusalem 1971 C. Catanzaro, „Annie Vivanti“ in La donna italiana nelle scienze, nelle lettere, nelle arti, Firenze, Biblioteca editrice della rivista italiana, 1899, pp. 206–207.

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