mini|Wolfgang Pohle als Verteidiger in Nürnberg Wolfgang Pohle (* 28. November 1903 in Erfurt; † 27. August 1971 in München) war ein deutscher Wirtschaftsjurist, Industrieller und Politiker der CDU, später der CSU.
Leben Pohle studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten in Göttingen, dort war er Mitglied im Corps Hannovera Göttingen, sowie in Leipzig und in Heidelberg. 1925 promovierte er zum Dr. jur. und wurde Referendar, später Assessor in Erfurt. Pohle begann seine Tätigkeit in den Spitzenverbänden des Ruhrbergbaus und wurde 1940 Chefjustitiar, später Generalbevollmächtigter und 1954–59 Vorstandsmitglied der Mannesmann AG. Ab 1959 war er Generalbevollmächtigter der Friedrich Flick KG und ab 1965 deren persönlich haftender Gesellschafter. Als Anwalt verteidigte er 1946–48 deutsche Industrielle bei den Nürnberger Nachfolgeprozessen: beim Krupp-Prozess war Friedrich von Bülow sein Mandant,Records of the United States Nuremberg War Crimes Trials. Band. 9 (= Green Series Band 9). United States Government Printing Office, District of Columbia 1950, S. 6 (). er war Verteidiger im Flick-Prozess und vertrat Hermann Reusch als Zeugen beim I.G.-Farben-Prozess.
Pohle war verheiratet mit Ingeborg Kölle, ihre gemeinsame Tochter war die Fotografin Karin Székessy.
Partei Pohle trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.915.076).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/32840706 Nach dem Krieg war Pohle ursprünglich Mitglied der CDU. Nach seinem Umzug nach Bayern trat er zur CSU über. Er war Schatzmeister der CSU.Werner Biermann: Strauß Aufstieg und Fall einer Familie. Rowohlt Verlag, 2006, S. 231 ff.
Abgeordneter Pohle gehörte insgesamt 10 Jahre lang dem Deutschen Bundestag von 1953 bis 1957 und von 1965 bis zu seinem Tode 1971 an. Von 1969 an vertrat er den Landkreis Kempten (Allgäu) im Parlament. Sein Spezialgebiet war die Haushalts- und Finanzpolitik. Von 1965 bis zu seinem Tode leitete er den Arbeitskreis Haushalt, Steuern und Finanzen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Vom 10. Dezember 1953 bis zum 29. Oktober 1957 war er auch Mitglied des Europaparlaments.
Auszeichnungen Pohle war seit 1968 Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern. Er war weiter Träger des Bayerischen Verdienstordens, des Komturkreuzes des Verdienstordens der Italienischen Republik, des Großkreuzes des Ordens Cisnero (Spanien) und des Großkreuzes almerito mit Schulterband und Stern des Ritterordens vom Heiligen Grabe zu Jerusalem.
Schriften mit Werner Mansfeld: Kommentar zum Reichsknappschaftsgesetz. 1931.
Literatur und Quellen
Der Nachlass Pohles wird im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Abteilung Rheinland verwahrt und bildet dort den Bestand RWN 0218. Rudolf Vierhaus, Ludolf Herbst (Hrsg.), Bruno Jahn (Mitarb.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages. 1949–2002. Bd. 2: N–Z. Anhang. K. G. Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 649–650. Hubert Seliger: Politische Anwälte? Die Verteidiger der Nürnberger Prozesse. Nomos, Baden-Baden 2016, ISBN 978-3-8487-2360-7, S. 549.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Wirtschaftsjurist Kategorie:Person (Wirtschaft im Deutschen Reich, 1933–1945) Kategorie:Person (Mannesmann) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Strafverteidiger in den Nürnberger Prozessen Kategorie:Bundestagsabgeordneter (Nordrhein-Westfalen) Kategorie:Bundestagsabgeordneter (Bayern) Kategorie:Mitglied des Europäischen Parlaments für Deutschland vor 1979 Kategorie:CDU-Mitglied Kategorie:CSU-Mitglied Kategorie:Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern Kategorie:Träger des Bayerischen Verdienstordens Kategorie:Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Komtur) Kategorie:Großkreuz-Ritter (Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem) Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1903 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann