mini|Nachzeichnung einer prähistorischen Felsmalerei von Bogenjägern bei Jagd auf Hirsche in der Cova dels Cavalls (Höhle der Pferde), Spanien
mini|Männer vom Volk der Hadza auf der Jagd|alternativtext= mini|Männer vom Volk der Hadza beim Bogenschießtraining|alternativtext=mini|Asiatischer Bogenreiter bei der Jagd auf Hirsche
Die Bogenjagd indigener Völker beschreibt die Ausführung der Bogenjagd zur Nahrungsbeschaffung (Subsistenz-Jagd) durch indigene Völker. Diese Form der Bogenjagd ist bis heute ein essenzieller Bestandteil der Jagd weltweit. Aufgrund der Verbreitung von Feuerwaffen, aber auch wegen des massiven Rückgangs von Lebensraum ist die Bogenjagd indigener Völker jedoch rückläufig. Dagegen nimmt die moderne Bogenjagd rasant zu. Die Bogenjagd heute noch jagender lokaler Gemeinschaften ist mit ihren Jagdstrategien und mit der Technik des Jagdgerätes in sehr vielen Aspekten vergleichbar mit der Bogenjagd frühzeitlicher Menschen.
Allgemeines Die kennzeichnenden Elemente der Bogenjagd sind sowohl bei den so genannten „Naturvölkern“ als auch der modernen Variante sehr ähnlich und unterscheiden sich im Wesentlichen durch die Effizienz der eingesetzten Technik.
Ähnlichkeiten bestehen bei,
Pfeil und Bogen als Jagdgerät; Der Nähe zum Wild; Die notwendige Kenntnis der Jagdumgebung und des Wildverhaltens; Das Lesen von Pirschzeichen und effektive Tarnung; Kontinuierliches Training und Erfahrung im Umgang mit dem Jagdgerät.
Je nach Umgebung, in der die Bogenjagd ausgeführt wird, können sowohl das Jagdgerät als auch Jagdtaktik und Jagdstrategie natürlich verschieden sein.
Die Jäger der San in Afrika beispielsweise, haben in Sachen Spurenlesen ein scharfes Auge. Selbst im lockeren Wüstensand können sie Spuren von kleineren Lebewesen ausmachen. Diese Menschen leben im Grunde genommen heute noch genauso wie die Jäger und Sammler der Steinzeit. Um zu überleben, sind sie darauf angewiesen, das Verhalten der Tiere rechtzeitig zu deuten, wenn sie auf die Jagd gehen. Diese Jäger sind hervorragende Spurensucher und Spurenleser. Darum nimmt ein Jäger seine Umgebung sehr genau wahr. Von abgebrochenen Zweigen, Bodenspuren und anderem vermag er viel zu „lesen“. Doch es ist nicht nur die Kunst des Spurensuchens alleine: Aus den Geräuschen von anderen Tieren kann ein erfahrener Jäger sehr viel deuten. Im Gegensatz zu den Raubtieren fehlen ihm ein feiner Geruchssinn, ein sensibles Gehör und das scharfe Sehvermögen. Um trotzdem erfolgreich auf der Jagd zu sein, gehören Vorstellungs- und Einschätzungsvermögen zu den wichtigsten Eigenschaften eines Jägers. Jäger und Sammler müssen, um zu überleben, ein hohes Wissen und Können an den Tag legen, um erfolgreich zu sein.
Zu den wohl bekanntesten Jägern mit Pfeil und Bogen zählen die Indianer Nordamerikas und die mongolischen Reitervölker. Die Jagd bei diesen Völkern hat sich mit dem Einfluss der eingebrachten Technologie beispielsweise der europäischen Eroberer schrittweise verändert. Die Bogenjagd in ihrer ursprünglichen Form als eine der Hauptjagdarten zur Nahrungsgewinnung ist dort praktisch nicht mehr existent. Jagd zur ergänzenden Nahrungsmittelgewinnung wird bei den Reitervölkern heute fast ausnahmslos mit Feuerwaffen ausgeübt. Pfeil und Bogen sind vornehmlich noch zu kulturellen Zwecken oder als Sportgerät im Einsatz.
Zusammenfassend kann man sagen, dass sich die frühzeitliche Form der Bogenjagd heutiger noch jagender indigener Völker und auch deren Waffentechnik um Pfeil und Bogen bis in heutige Zeit bewahrt haben. Eine Zwischenstufe der Entwicklung mit besseren Bögen oder Pfeilen, wie sie bei den Reitervölkern Asiens oder den Indianern Nordamerikas in der Vergangenheit der Fall war, ist dort nicht erkennbar. Einzig die Verwendung von Metallen bei den Jagdspitzen bezeugt einen einfachen Technologiesprung. Insbesondere bei den indigenen Völkern auf dem afrikanischen Kontinent ist dieser gut erkennbar.
Pfeil und Bogentechnik indigener Völker mini|Langbogen der Papua mit PfeilPfeil und Bogenbau unterliegen bei den primitiven Bögen ebenso wie die modernen Versionen den gleichen Gesetzmäßigkeiten der Physik. Ihre grundsätzlichen Funktionsprinzipien sind damit den heutigen Bögen vergleichbar, aber besondere Konstruktionsmerkmale wie Recurvespitzen, Backings und Zieleinrichtungen moderner Bögen fehlen. Es sind einfache, natürliche Werkstoffe in Verwendung. Wesentlich hierbei ist die Verfügbarkeit der Materialien wie Holz und Sehnen mit hinreichender Festigkeit, Steifigkeit und Leichtigkeit. Geeignete Materialien, das überlieferte Wissen um Herstellungsmethoden und Gebrauch sind von entscheidendem Einfluss auf die Bauweisen der Bögen und Pfeile.
Bogen mini|hochkant|Komposit-Recurve-Reiterbogen der Awaren
Bei den heute noch jagenden indigenen Völkern des Regenwaldes und bei den Jägern der Savanne Afrikas, sind im Wesentlichen die Varianten des Langbogens im Einsatz. Die Bögen der Jäger in der Savanne, wie den San oder den Hadza, weisen eine sehr einfache Bauweise des Langbogens auf. Diese Bögen sind daher auch in ihrer Reichweite und Durchschlagsleistung der Pfeile recht begrenzt.
Eine erfolgreiche Jagd ist mit dieser Technik auf etwa 15 m möglich, auch wenn die maximale Flugstrecke des Pfeiles weiter ist. Hierbei ist aber nicht von einem dauerhaft wiederholgenauen Schuss moderner Bögen auszugehen, sondern nur dass das Wild vom Pfeil getroffen wird. Er ist mit seiner oft vergifteten, scharfen Jagdspitze auch über diese Distanz hinaus noch gefährlich und durch das Pfeilgift wirkungsvoll.
Im Dschungel des Regenwaldes ist die Jagddistanz nicht nur horizontal, sondern auch vertikal wesentlich. Um Beute in den Bäumen machen zu können, müssen Pfeil und Bogen eine geeignete Reichweite liefern, denn die Baumkronen, in denen sich Wild aufhält, sind oft über 20 m hoch. Bei den Urvölkern im Amazonasgebiet wie den Waika werden sehr große Langbögen von bis zu 3,2 m Länge verwendet, die die Reichweite der Pfeile ausreichend erweitern. Für die Bögen werden langfaserige Hölzer wie Limbumholz, Seje-Palmholz oder auch Pijiguao-Palme verwendet. Diese ertragen die hohen Biegebelastungen, denen ein langer Bogen beim Spannen unterworfen ist, besser als kurzfasrige Hölzer.
Die Bögen sind allesamt ohne Zielvorrichtung und werden „blank“ geschossen. Für den Jagderfolg ausschlaggebend sind daher die Treffgenauigkeit des Jägers, die richtige Jagdstrategie und -taktik.
Über die Nutzung modernerer Bogentypen heutiger indigener Völker, wie dem Kompositbogen oder Recurvebogen, wie sie bei den Indianern der westlichen nordamerikanischen Stämme oder der Reitervölker Asiens in der Vergangenheit genutzt wurden, liegen keine Erkenntnisse vor. Die Reitervölker mussten sich beim Bogenbau der neuen Herausforderung stellen, um auch vom Pferd schießen zu können. Dabei muss der Bogen klein genug und leistungsstark, trotzdem aber noch während des Reitens problemlos einsetzbar sein.
Jagdpfeil mini|Jäger der Waika mit langen Pfeilen und Langbogen mini|Pfeiltypen für die Jagd mit unterschiedlichsten Jagdspitzen aus MetallWesentliches Werkzeug der Bogenjagd ist der Jagdpfeil. Es gibt unzählige Varianten und Grundformen die sich an das zu jagende Wild anpassen und auch Jagdtaktik und Strategie widerspiegeln. Auch die Wahl der Materialien und Fertigungstechniken sind breit gefächert und reichen von Steinspitzen zu Holz und Metall, aber auch von Vollschäften aus einfachen Hölzern, bis hin zu Hölzern mit Hohlquerschnitt wie Bambus.
Pfeilschaft mini|Herstellen eines Pfeilschaftes durch einen Jäger der San|alternativtext=Die Pfeilschäfte sind, wie bei modernen Bögen auch, den Bogentypen und -eigenschaften angepasst. Diese können somit in ihrer Länge dem Durchmesser und den verwendeten Materialien sehr unterschiedlich sein. Speziell im Regenwald fallen die schweren und besonders langen Pfeilschäfte auf. Die Längen betragen zwischen 1,5 und 2,1 m. Grund hierfür sind die hohen Zuggewichte dortiger Bögen, zum Erreichen größerer Schussweiten und die hierfür benötigte höhere Steifigkeit (Spine) des Pfeilschaftes. Schwerere und längere Pfeile lassen sich aber auch beim Kontakt mit Teilen des Bewuchses der Baumkronen, wie Blättern und kleine Ästen, weniger aus ihrer Flugbahn ablenken und sind in diesem Fall treffgenauer.
Eine Besonderheit der Pfeilschäfte aus dem Regenwald ist es, angebautes Pfeilrohr zu verwenden. Rohre sind bei gleicher Knicksteifigkeit (Spine) leichter als Vollstäbe. Mit steiferen Pfeilen kann man auch höhere Zuggewichte beim Bogen verwenden, dadurch kann man zum einen weiter schießen und wegen des Gewichts der Pfeile auch in größeren Höhen noch effektiv das Wild durchdringen.
Die Pfeilschäfte der Jäger in der Savanne oder Grassteppe sind hingegen verhältnismäßig gering in Durchmesser und Länge (ca. 60 cm). Auch diese sind angepasst an den Bogen und die verfügbaren Materialien zum Bau von Bogen und Pfeilen.
Jagdspitzen mini|Pfeil und Bogen der Hochlandpapuas mit verschiedenen Jagdspitzen|alternativtext= Es gibt eine große Vielfalt an verschiedenen Jagdspitzen. Je nach Wild wird die Jagdspitze und der Pfeilschaft passend ausgewählt. So sind auch bei den Indigenen zur Jagd auf Vögel sogenannte „Blunts“ oder auch „Stupfspitzen“ im Einsatz. Eine weitere Besonderheit sind Heulpfeile, diese haben eine Jagdspitze mit einem Pfeifenkörper (hohle Nussschale), welche das Wild beim Abschuss des Pfeils kurzzeitig schrecken und verharren lässt. Damit versucht der Jäger das Wild durch Aufschrecken so lange am Ort zu bannen, bis der Pfeil es erreicht hat.
Auf dem afrikanischen Kontinent ist schon seit langer Zeit die einfache Gewinnung von Metallen, wie Eisen oder Kupferlegierungen, insbesondere zur Herstellung von Werkzeugen bekannt. Hierzu zählen Messerklingen, einfache Ackerwerkzeuge oder Jagdspitzen. Das ist von Völkern aus dem Regenwald weniger bekannt. Als Beispiel seien hier die Korowai genannt. In Regenwaldgebieten findet man mehr die Nutzung von Hartholz, Knochen, Horn und Stein als Werkzeugmaterialien. Natürlich sind in der Neuzeit durch Kontakte mit den modernen Volksgruppen dieser Gebiete, über einfachen Handel, auch Metallwerkzeuge bis in den tiefsten Regenwald vorgedrungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese dort eine traditionelle Anwendung hatten oder Ressourcen und das Wissen zur eigenständigen Herstellung vorliegen.
Nicht in allen Fällen haben Pfeil und Bogen dieser Gemeinschaften so große Wirkungen, dass das Wild vom Pfeil vollständig durchdrungen wird. Man verlässt sich mehr auf die Wirkung von vergifteten Jagdspitzen und Widerhaken. Solche Jagdspitzen sichern durch kontinuierlichen Blutfluss die Schwächung des beschossenen Tieres. Hierbei gibt es sowohl Jagdspitzen, die den ganzen Pfeil im Wildkörper verankern, aber auch Mehrfachspitzen, welche Sollbruchstellen oder Trennstellen haben und so bewerkstelligen, dass der vergiftete Teil der Jagdspitze möglichst lange im Wildkörper verbleibt.
Darüber hinaus haben sich unzählige Formen für Jagdspitzen entwickelt, die je nach Jagdart, Wild, Mode und Material stark in ihrem Design variieren.
Befiederung Viele der Pfeiltypen, insbesondere bei den Regenwaldvölkern, haben große Federn zur Stabilisierung des Pfeilfluges. Besonderheiten sind auch hier die sogenannten Flu-Flu-Befiederungen, welche nach kurzer Flugzeit die Pfeile stark bremsen. Die Federn sind nicht glatt gestrichen, sondern aufgefasert und erhöhen so den Luftwiderstand nach dem Abschuss. Damit wird die Flugweite der Jagdpfeile begrenzt und es ist für den Jäger anschließend leichter, die wertvollen Pfeile in der näheren Umgebung wiederzufinden. Bei den Waika werden beispielsweise die Federn des Pajui (Crax alector) genutzt. Bei den Jägern der Steppe oder Savanne sind die Befiederungen eher kurz und relativ nieder gehalten, damit sie bei den geringeren Pfeilgewichten keinen so großen Luftwiderstand aufweisen und weiter fliegen können.
Nock und Fassungen