mini|Logo des Staatstheaters ab 2021

Das Staatstheater Meiningen ist ein Vier-Sparten-Theater in der südthüringischen Kreisstadt Meiningen. Das Theater trug bis April 2017 den Namen „Das Meininger Theater – Südthüringisches Staatstheater“ und danach bis 2021 den Namen „Meininger Staatstheater“. Seit Beginn der Spielzeit 2021/2022 lautet die offizielle Bezeichnung „Staatstheater Meiningen“. Umgangssprachlich nennt man das Theater oft "Meininger Theater", "Theater Meiningen" oder in Meiningen selbst schlicht "(unser) Theater". Das heutige Gebäude wurde 1909 im Stil des Neoklassizismus eröffnet.

Das Ensemble des Theaters bietet Musiktheater, Schauspiel, Konzert und Puppentheater. Dem Theater angeschlossen ist des Weiteren die Meininger Hofkapelle. Die traditionsreiche Bühne wird unter dem Dach der Kulturstiftung Meiningen-EisenachZur Kulturstiftung gehört auch das Theatermuseum Meiningen. vom Land Thüringen, der Stadt Meiningen und dem Landkreis Schmalkalden-Meiningen gemeinsam getragen.

Das Haus ist die Wiege des bis heute praktizierten modernen Regietheaters.Thüringer Staatskanzlei - Theater und OrchesterPlanet Wissen Theaterstadt Meiningen, Absatz: Mit Teamgeist zum Erfolg. Ende des 19. Jahrhunderts hatte es als Meininger Hoftheater des Herzogtums Sachsen-Meiningen diese tiefgreifende Theaterreform mit zahlreichen Gastspielen in ganz Europa bekannt gemacht. Diese Tradition und weitere Blütezeiten ließen das Meininger Theater zu einer nicht nur in Thüringen bedeutenden Bühne werden und sichern ihm bis heute eine Sonderstellung in der Theaterwelt. Dies prägt weiterhin das Selbstverständnis der Stadt Meiningen als Theaterstadt.Alfred Erck: Die Geschichte des Meininger Theaters, Meiningen 2006.

Theaterbetrieb Leitung Das Staatstheater Meiningen wird seit der Spielzeit 2021/2022 von Jens Neundorff von Enzberg (Intendant) geleitet, der zugleich Operndirektor des Hauses ist. Weitere künstlerische Vorstände sind: Frank Behnke (Schauspieldirektor), Kora Tscherning (Puppentheaterdirektorin), Killian Farrell (Generalmusikdirektor), Gabriela Gillert (Leitung Junges Theater und Leitung Bürgerbühne), Alexander John und Susanne Tenner-Ketzer (beide Leitung Junge Musik) sowie Roman David Rothenaicher (Chordirektor). Kommissarische Verwaltungsdirektorin ist aktuell Andrea Stenzel, der Technische Direktor ist Christoph Masur.

Sparten Die vier Sparten des Staatstheaters Meiningen sind: Musiktheater mit Opernchor Konzert, bespielt von der Meininger Hofkapelle Schauspiel Junges Staatstheater (ab 2021) mit Meininger Puppentheater, Jungem Schauspiel, Junger Musik

Das Angebot wird von Ballett-Aufführungen des Landestheaters Eisenach ergänzt.

Zum Staatstheater gehören weiterhin:

der Extrachor mit rund 30 Mitgliedern Statisterie des Staatstheaters Meiningen die 2014 entstandene „Bürgerbühne Meiningen“

Spielstätten Großes Haus mit 726 Plätzen (Musiktheater, Schauspiel, Konzert, Ballett) Kammerspiele mit 162 Plätzen (Puppentheater, Kammeropern, Schauspiele, Revue und Ballett) Foyer im Großen Haus (Foyerkonzerte, Lesungen und Matineen) Rautenkranz (Junges Staatstheater mit den Sparten Junges Theater, Puppentheater, Junge Musik), ab der Spielzeit 2021/22 Wartburg Eisenach

Geschichte

Anfänge mini|Kurtheater Comödienhaus Bad Liebenstein um 1900 mini|Das Meininger Hoftheater von 1831 bis 1908 Die erste dauerhafte Theaterspielstätte in Meiningen befand sich im „Riesensaal“ des Schlosses Elisabethenburg, die am 5. Juni 1776 mit dem Trauerspiel „Die Gunst des Fürsten“ von Christian Heinrich Schmidt eröffnet wurde. Die Bühne maß 15 m in der Breite und 11 m in der Tiefe. Der Zuschauerraum war bereits in Parkett, Parterre und einen Rang unterteilt. Bespielt wurde das Theater bis zur Eröffnung des neuen Hoftheaters anfänglich vom Herzoglichen Liebhabertheater, das der Herzog Karl von Sachsen-Meiningen 1774 gründete. Zwischen 1776 und 1780 wurden unter anderem Das Kaffeehaus oder die Schottländerin von Voltaire, Der Hausvater von Denis Diderot und Julius von Tarent von Johann Anton Leisewitz aufgeführt.Caspar Reiserecht (Pseudonym für Fritz Maubach): Heimstatt der leichten Muse. In: Die Rhön (= Merian, Jg. 17 (1964), Heft 4), S. 86–89, hier S. 88. Anschließend zeigten dort eine bürgerliche Laientheatergesellschaft sowie Wanderschauspieltruppen ihre Darbietungen.Lexikon zur Stadtgeschichte Meiningen, Bielsteinverlag 2008, S. 214–217.

Ab Juni 1801 stand im Herzogtum Sachsen-Meiningen das kleine Kurtheater Comödienhaus in Bad Liebenstein mit 344 Plätzen zur Verfügung, dessen Errichtung Herzog Georg I. veranlasste. 1820 beschloss das Meininger Herzoghaus den Neubau eines Hoftheaters in Meiningen. Der Baubeginn verzögerte sich auf Grund finanzieller Engpässe und der Neuordnung des Herzogtums im Jahr 1826 auf das Jahr 1829. Unter Herzog Bernhard II. entstand nach Plänen des Braunschweiger Hofbaurats Carl Theodor Ottmer und unter Leitung von Hofbaurat August Wilhelm Döbner ein für diese Zeit modernes und großes Gebäude mit 600 Sitz- und 160 Stehplätzen im klassizistischen Stil. Als Hauptfinanzier gilt die Prinzessin Adelheid von Sachsen-Meiningen, der späteren Queen Adelaide von England, die mit 25.000 meißnischen Gulden rund ein Drittel der Kosten übernahm. Insgesamt verschlang das Bauwerk 70.000 Gulden.Erck/Schneider: Adelheid Die Meiningerin auf dem englischen Königsthron. Manuskript, Hrsg. Fremdenverkehrsverband Meiningen 1999.

Am 17. Dezember 1831 fand die Eröffnung des Meininger Hoftheaters mit der Oper Fra Diavolo von Daniel-François-Esprit Auber statt. In den ersten Jahren wurden die Spielzeiten unter Einbeziehung der Meininger Hofkapelle von Theatergesellschaften bestritten, die für ein oder mehrere Jahre verpflichtet wurden. 1860 bekam das Hoftheater ein eigenes Ensemble in den Sparten Schauspiel und Oper. Zum ersten Intendanten wurde Karl Freiherr von Stein berufen. Das noch junge Ensemble brachte 1865 in einer Uraufführung das Stück „Frau Lucrezia“ vom späteren Literatur-Nobelpreisträger Paul Heyse auf die Bühne.

Theaterherzog Erbprinz Georg, der spätere Herzog Georg II., erfuhr eine langjährige umfangreiche Kunstausbildung und begann noch zur Regierungszeit seines Vaters Bernhard II. großen Einfluss auf die Theaterarbeit zu nehmen. Sein Hauptinteresse galt dem Schauspiel, insbesondere den Dramen von Shakespeare, Schiller, Kleist, Molière, Goethe und Lessing. Unzufrieden mit den damals üblichen, wenig authentischen Aufführungen aller deutschen, ja europäischen Theater, entwarf das künstlerische Multitalent eigenhändig historisch korrekte Kostüme, Bühnenbilder und Requisiten und begann, die Stücke werkgetreu und in hoher Perfektion aufführen zu lassen.

mini|hochkant|Georg II. mini|hochkant|Ellen Franz, 1870. Gemälde von Oscar Begas mini|hochkant|Ludwig Chronegk

Nach seinem Regierungsantritt 1866 übernahm Georg II. die künstlerische Leitung des Theaters, löste das Opernensemble auf und konzentrierte die Kräfte des Hauses auf das Schauspiel. Der Herzog führte demokratische Methoden in der Regiearbeit ein, bei denen mit den wichtigsten Schauspielern Besprechungen zum Repertoire und über Probleme der Theaterarbeit geführt wurden. Daraufhin wurde er – anfangs eher spöttisch gemeint, dann voll Anerkennung – als „Theaterherzog“ bekannt.Caspar Reiserecht (Pseudonym für Fritz Maubach): Heimstatt der leichten Muse. In: Die Rhön (= Merian, Jg. 17 (1964), Heft 4), S. 86–89, hier S. 89. Um den Aufführungen noch mehr Profil zu geben, engagierte er 1867 den bekannten Shakespeare-Übersetzer Friedrich von Bodenstedt als Intendanten. Dieser konnte die Schauspielerin Ellen Franz für das Hoftheater gewinnen, die entscheidende Impulse in die Theaterarbeit brachte. Nach anfänglichen Erfolgen scheiterte die Zusammenarbeit mit von Bodenstedt wegen Meinungsverschiedenheiten bei der Regiearbeit. Daraufhin ernannte Georg II. 1869 Karl Grabowsky zum neuen Intendanten und den einflussreichen Schauspieler Ludwig Chronegk zum Oberregisseur. Im gleichen Jahr inszenierten beide in deutschen Erstaufführungen die Stücke „Halte-Hulda“ und „König Sigurd“ des Norwegers Bjørnstjerne Bjørnson.

Die Theaterreform Die Reform der Regiearbeit und des Inszenierungsstils war kein einmalig geplanter Akt, sondern ein allmählicher Prozess, der hauptsächlich zwischen 1866 und 1874 stattfand und durch die rasante politische, gesellschaftliche, künstlerische und technische Entwicklung Ende des 19. Jahrhunderts überfällig war. Es war einem Herzog vorbehalten, der neben großen künstlerischen Talenten, einer großen Liebe zum Theater und einer gesellschaftlichen Aufgeklärtheit die notwendigen finanziellen und politischen Mittel und ein leistungsstarkes Theaterensemble besaß, diese Reform durchzuführen.

Herzog Georg II. und Chronegk führten jetzt gemeinsam Regie. Sie bauten die Zusammenarbeit mit dem Coburger Theatermaler Max Brückner aus, um die Bühnenprospekte so weit zu verbessern, bis diese eine nahezu perfekte Illusion der Wirklichkeit auf der Bühne hervorriefen. Weiterhin arbeiteten sie mit Theaterspezialisten wie Ernst von Possart oder dem Literaturprofessor Karl Werder zusammen, um richtungsweisende Mustervorstellungen zu schaffen. Um die Leistung des Ensembles weiter zu steigern, wurden herausragende Darsteller engagiert. Dazu gehörten Karl August Devrient und Ludwig Dessoir. Die sich einstellenden Erfolge ließen die Theaterwelt aufhorchen, die Shakespeare-Gesellschaft und Rezensenten großer Zeitungen wurden auf das Hoftheater aufmerksam.

Bald entstand die Idee eines Gastspiels in Berlin. Der 1870 ausgebrochene Deutsch-Französische Krieg verhinderte zunächst dieses Vorhaben. 1873 heiratete Georg II. die Schauspielerin Ellen Franz, die von da an den Namen Helene Freifrau von Heldburg trug. Sie leistete am Theater die Hauptarbeit auf dem Gebiet der Dramaturgie, bei Engagements- und Besetzungsentscheidungen sowie bei der Ausbildung und Erziehung junger Eleven.

Meininger Prinzipien

Georg II., seine Frau Helene und Chronegk erarbeiteten seit 1866 eine Reihe von Positionen und Neuerungen, die man die Meininger Prinzipien nannte und auf die sich die Theaterreform stützte.

Diese Prinzipien folgten dem Kunstideal, Theater historisch getreu und stilvoll vorzuführen. Dazu gehörten eine absolute Werktreue und eine Priorität in der Ensemblebildung und der Massenregie. Dieser hatte sich jeder Darsteller unterzuordnen, der nach einer Hauptrolle auch als Statist oder Chormitglied mitwirken muss. Selbst kleinste Rollen mussten mit äußerster Präzision gespielt werden. Starallüren wurden rigoros unterbunden. Eine Neuerung waren weiterhin die eindrucksvollen, bis ins kleinste Detail durchdachten Massenszenen, die es bis dahin auf keiner Theaterbühne gab. Das Bühnenbild sollte stets historisch korrekt und asymmetrisch gestaltet sein und die Hauptakteure durften nie lange im Zentrum der Bühne verweilen.Lexikon zur Stadtgeschichte Meiningen, Bielsteinverlag, 2008, S. 155.

Die Meininger Prinzipien wurden während der Gastspielzeit von vielen anderen Bühnen übernommen. Herausragende Theaterexperten, Regisseure und später auch Filmemacher wie Stanislawski, Max Reinhardt, Elia Kazan, Lee Strasberg, Erich Ziegel und Otto Brahm studierten die Meininger Aufführungen und griffen bei ihrer Arbeit für Theater und Film auf diese Prinzipien zurück.

Die Meininger auf Reisen

links|mini|Bühneneingang mit Englischem Garten