Stoltebüll (dänisch: Stoltebøl) ist eine Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein.
Geografie Stoltebüll liegt im Osten Angelns, etwa zehn Kilometer von der Ostsee entfernt, in einer abwechslungsreichen hügeligen Landschaft mit Höhen bis zu 57 m über NN. Die Landschaft ist geprägt von Knicks, den landschaftstypischen Wallhecken, von Feldern, Wiesen und kleinen Wäldern. Die Siedlungsstruktur ist geprägt durch kleine Ortsteile und eine Vielzahl verstreut stehender Höfe und Wohnhäuser. Das größte Waldgebiet ist das Drülter Holz. Das Waldgebiet ist fast deckungsgleich mit dem NATURA-2000-Schutzgebiet FFH-Gebiet Drülter Holz.
Neben Stoltebüll liegen Gulde-Schörderup (Gulde-Skørdrup), Vogelsang (Fuglsang) und Wittkiel (Hvidkilde), die bis 1970 eigenständige Gemeinden waren, im Gemeindegebiet. Weitere Ortsteile sind Belgrad, Dammstedtfeld (Damstedmark)M. Mørk Hansen: Kirkelig Statistik over Slesvig Stift: Med historiske og topografiske bemærkninger, Kjøbenhavn 1864, Band 2, S. 404, Deckerkate (Tækkerhuset), Drült (Drølt), Guldeholz (Guldeholt), Levshöh (Levshøj), Marschall (Markskel zusammengesetzt aus mark und skel≈Feldgrenze)Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, Band 2, København 1867, S. 271, Schrepperie (Skræpperyde, auch Skræppery nach skræppe≈Ampfer)Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, Band 2, København 1867, S. 353, Spannbrück (Spanbro)M. Mørk Hansen: Kirkelig Statistik over Slesvig Stift: Med historiske og topographiske Bemarkninger, Band 2, S. 404, Stenneshöh (Stenneshøj), Stoltebülldamm, Stoltebüllheck (Stoltebølhegn), Stoltebüllholz (Stoltebølholt), Sünnerschau (Sønderskov), Vogelsangfeld, Vogelsangholz (Fuglsangholt), Vogelsangwiese und Wittkielhof (Hvidkildegaard).
Geschichte Hünengräber im Gemeindegebiet zeugen von einer Besiedlung, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht.
Die Orte Drült, Schörderup und Stoltebüll wurden 1394 erstmals erwähnt, als sie als Hochzeitsgeschenk an das Gut Rundhof, das heute zu Stangheck gehört, übergeben wurden. Gulde wurde 1497 erstmals erwähnt.
Der Ortsname Stoltebüll geht auf dän. -bøl für eine Siedlung und stolt zurück und bedeutet etwa Siedlung des Stolte(n)Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 624. Der Ortsname Schörderup geht auf thorp und entweder auf dän. skyr (altnordisch: skor) für einen Einschnitt zurück, was hier einen am Dorf vorbeifließenden Bach meint oder auf einen Beinamen zu altdänisch skyrth für Deich, Damm von Stöcken oder älter ErnteWolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 583 Möglich ist auch eine Erklärung zu altn. skȳra für bestimmen, erklären.Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, Band 2, København 1867, S. 355 Der Ort Wittkiel (Hvidkilde) fand erstmals 1357 schriftliche Erwähnung. Der Ortsname ist eine Zusammensetzung aus dän. kilde für eine Wasserquelle und entweder dän. hvid (≈weiß) oder ved (altdän. with, altnord. viðr) für Wald. Der Ortsname bezeichnet somit entweder eine weiße Quelle oder eine Quelle am/im Wald.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 705 Der Name Schrepperie (dän. Skræppery(de)) geht auf dän. skræppe für Ampfer und -ryde für eine Rodung zurück.Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 584Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland. Band 2, København 1867, S. 353 Drült ist ein schwer zu deutender OrtsnameWolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 221, der evtl. auf altn. drȳgja (dän. drøj) für etwa lang andauernd zurückgeht. Möglich ist auch eine Zusammenziehung von Dyrholt (≈ Tierwald).Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland, Band 2, København 1867, S. 112
Bis zum Deutsch-Dänischen Krieg 1864 gehörte der Ort zum Kirchspiel Toestrup (Tøstrup Sogn) in der Schliesharde im Herzogtum Schleswig (≈ Sønderjylland).
Thingplatz in Gulde Der historische Thingplatz in Gulde trägt den Namen Guly-Thing. Er wurde von der Gemeinde 2003 etwas abseits der historischen Stelle rekonstruiert. Es handelt sich um einen Steinkreis aus Findlingen. Das Dorfthing regelte die Gerichtsbarkeit und alle Streitfragen in dem Ort. Dieses Dorfthing bestand bis ins 19. Jahrhundert.
Gut Drült Das Gut wurde 1397 als Trölegaard zum ersten Mal namentlich erwähnt. Das klassizistische Herrenhaus des in weitläufigen Waldgebieten gelegenen Guts wurde nach einem Brand durch Blitzschlag um 1800 in einem englischen Landschaftsgarten neu errichtet. Es enthält eine große, über die Jahrhunderte gesammelte Bibliothek.
Politik Gemeindevertretung
Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt neun Sitze vergeben. Von diesen erhielt die Kommunale Wählergemeinschaft Stoltebüll vier Sitze, die Wählergemeinschaft Aktiv für Stoltebüll drei Sitze und die Grünen zwei Sitze.
Bürgermeister Bürgermeister ist Claus Messer aus dem Ortsteil Vogelsang.
Wappen
Blasonierung: „Von Silber und Grün schräglinks geteilt. Oben ein Lindenblatt mit einem Samenstand, unten eine schräglinks mit dem Blatt nach außen gestellte Sense, beide Figuren in verwechselten Farben.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Wirtschaft Stoltebüll ist vor allem landwirtschaftlich geprägt. Im südlichen Bereich der Gemeinde befinden sich Windkraftanlagen. Im Ortsteil Stenneshöh wurde 2007 eine Biogasanlage zur Erzeugung von Strom gebaut. Zudem sind in der Gemeinde zwei IT-Firmen ansässig.
Sehenswürdigkeiten In der Liste der Kulturdenkmale in Stoltebüll stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
Persönlichkeiten Friedrich Henning Adolf von Rumohr (1790–1833) auf Drült, Landrat in Schleswig und Holstein, Amtmann des Amtes Hütten Friedrich Johannsen (1897–1983), Erfinder des Krupp-Rennverfahrens Henning von Rumohr (1904–1984) auf Drült, Verwaltungsbeamter und Schriftsteller
Weblinks
Gemeinde Stoltebüll Website über den Thingplatz in Gulde
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kreis Schleswig-Flensburg Kategorie:Ort in Südschleswig