Die Kunstsammlungen der Veste Coburg sind ein kulturgeschichtliches Museum. Den vielgestaltigen Sammelinteressen der Coburger Herzöge verdanken sich die vier Schwerpunkte des Museums: das Kupferstichkabinett, die Glassammlung, die historische Waffensammlung sowie die Sammlung altdeutscher Meister mit ihrem Schwerpunkt auf Werken von Lucas Cranachs d. Ä. und seinem Umkreis. Zu den Kunstsammlungen gehört zudem das Europäische Museum für Modernes Glas in Rödental. Träger der Kunstsammlungen ist die Coburger Landesstiftung.

Geschichte des Museums Die Kunstsammlungen der Veste Coburg sind historisch mit der namengebenden Burganlage verbunden. Diese war um 1200 als eine der größten stauferzeitlichen Wehranlagen entstanden, erlebte eine Blütezeit als kursächsisches Schloss im Zeitalter der Reformation und war zudem mehrere Jahrhunderte als sächsische Landesveste strategisch bedeutsam. Während des Augsburger Reichstags 1530 bot sie Martin Luther sichere Unterkunft.Klaus Weschenfelder: Die Lutherveste. Luthermemoria in Coburg zwischen Volk und Fürst, in: Peter Wolf u. a. (Hrsg.): Ritter, Bauern, Lutheraner. Katalog zur Landesausstellung 2017 in den Kunstsammlungen der Veste Coburg und in der Stadtkirche St. Moriz, Darmstadt 2017, S. 98–107. Die schrittweise erweiterten Fortifikationen der Veste lassen zudem die Geschichte konfessioneller Konflikte von den Hussitenkriege über die Zeit des Schmalkaldischen Bundes bis hin zum Dreißigjährigen Krieg ablesen. Bis 1802 diente die Burganlage als Garnison.

Anfänge des Museums mini|Georg Konrad Rothbart, Die Hofstube der Veste Coburg, eingerichtet als Waffensaal (um 1850) 1837 begann Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha (1784–1844), die inzwischen ruinöse Anlage im Sinne eines romantisierenden Historismus zu restaurieren. Bau und Ausstattung im neugotischen Stil erfolgten unter der künstlerischen Leitung von Carl Alexander Heideloff (1789–1865). Die Reaktivierung der Veste als Stammsitz des Herzogshauses sollte auch im Dekor der Innenräume zum Ausdruck kommen, die man zu diesem Zweck mit Teilen der herzoglichen Sammlungen sowie mit kirchlichen Kunstschätzen der Region ausstattete. Bereits im Vorfeld hatte Ernst I. veranlasst, dass Teile der Altenburger Waffensammlung und die städtischen Zeughausbestände von Gotha und Coburg auf die Veste verbracht und in die hiesigen Zeughausbestände integriert wurden. 1839 wurden die ersten Burgräume öffentlich zugänglich gemacht, 1843 eine erste Beschreibung im Sinne eines Museumsrundgangs gedruckt.Friedrich Wilhelm von Kawaczynski: Die Veste Coburg. Eine Monographie für Einheimische und Fremde. Coburg 1843.

Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (1818–1893) bot die Veste als Zeugnis nationalpatriotischer Gesinnung 1853 dem ein Jahr zuvor gegründeten Germanischen Nationalmuseum als Heimstatt an. Nachdem sein Angebot 1854 ausgeschlagen worden war, begann der Herzog, den dynastischen Erinnerungsort aus eigenen Kräften zu einem planvollen Museum auszubauen. Dabei orientierte er sich offensichtlich nicht an dem damals neuartigen Typus der Spezialsammlung, sondern an dem klassischen, enzyklopädischen Sammelprinzip einer Kunst- und Wunderkammer. Bereits 1854 ließ er das herzogliche Kupferstichkabinett, das sein Großvater, Erbprinz Franz Friedrich Anton von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806), einer der bedeutendsten Graphiksammler seiner Zeit, angelegt hatte, aus dem städtischen Zeughaus auf die Veste verlagern. Es folgten Kunst und Kunsthandwerk aus verschiedenen herzoglichen Schlössern. 1860 erwarb Ernst II. die Türkenbeute des kaiserlichen Feldmarschalls Prinz Friedrich Josias von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1737–1815) sowie die bemerkenswerte Waffensammlung von dessen Sohn, Friedrich Freiherr von Rohmann (1789–1873). Seit 1863 war zudem das Herzogliche Naturaliencabinet auf der Veste untergebracht, das 1914 als Naturkunde-Museum Coburg im Hofgarten wiedereröffnet wurde. Auch Ernsts Bruder Prinz Albert (1819–1861), Gemahl der britischen Königin Victoria (1819–1901), förderte gezielt den Ausbau der „Herzoglichen Kunst- und Alterthümersammlung“ auf der Veste.

Ernsts Neffe und Nachfolger, Herzog Alfred von Sachsen-Coburg und Gotha (1844–1900), stellte die Sammlung 1897 mit Karl Koetschau (1868–1949) erstmals unter wissenschaftliche Leitung.Clementine Schack von Wittenau: Herzog Alfreds Kunstschätze aller Zeiten und Länder, in: Windsor – Coburg: Geteilter Nachlass – Gemeinsames Erbe. Eine Dynastie und ihre Sammlungen (Prinz-Albert-Studien, Band 25), München 2007, S. 133 ff. ISBN 978-3598214257 Aus dem Nachlass Herzog Alfreds stammt die mehrere tausend Objekte umfassende Kollektion venezianischer Gläser, die den Weltruf der Coburger Glassammlung begründet. Unter dem letzten Coburger Regenten, Herzog Carl Eduard (1884–1954), kam es von 1907 bis 1924 zur erneuten umfassenden Sanierung der Veste durch Bodo Ebhardt. Erstmals seit dem 16. Jahrhundert wurden dabei auch wieder fürstliche Wohnräume auf der Veste eingerichtet und auf diese Weise museale und dynastische Intentionen erneut miteinander verschmolzen.

1919 bis heute mini|Altdeutsche Sammlung, neu eingerichtet 2015 mini|Artillerieausstellung "Gebt Feuer", eröffnet 2017 mini|Schatzkammer Glas, neu eingerichtet 2018 Mit dem Ende des Herzogtums Sachsen-Coburg und Gotha wurden große Teile des herzoglichen Kunstbesitzes in das Eigentum der 1919 gegründeten Coburger Landesstiftung überführt, um „zur Förderung der Volksbildung und der Wohlfahrt“ für die Öffentlichkeit erhalten zu bleiben. Die Baulichkeiten der Veste Coburg gingen 1920 an den Freistaat Bayern über, der die Baulast trägt und der Coburger Landesstiftung ein unentgeltliches Nutzungsrecht an den Räumen einräumt. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war ein Wehrmachtskommando in den Museumsräumen der Veste einquartiert. Infolge der Beschießung durch amerikanische Truppen am 10. und 11. April 1945 wurden der Herzoginbau, das Hohe Haus und der Carl-Eduard-Bau schwer beschädigt. Die Sammlungen erlitten dank umsichtiger Auslagerung verhältnismäßig geringe Kriegsverluste; am gravierendsten wiegt der Verlust des Brautwagens Johann Friedrichs des Großmütigen aus dem Jahr 1527.

Die Kunstsammlungen der Veste Coburg präsentieren sich in einer Kombination aus historischen Räumen und moderner musealer Inszenierung. Nachdem 1998 mit dem Tod von Friedrich Josias Prinz von Sachsen-Coburg und Gotha das Nutzungsrecht der herzoglichen Familie am Fürstenbau erloschen war und dieser in der Folge umfänglich saniert und restauriert wurde, wird nunmehr die gesamte Veste durch die Kunstsammlungen genutzt. Die Sammlungsschwerpunkte werden durch Ankäufe und Stiftungen kontinuierlich ausgebaut und erweitert. 1977 wurde der Coburger Glaspreis, ein in unregelmäßigen Abständen stattfindender internationaler Wettbewerb zeitgenössischer Glaskunst, initiiert und in diesem Zusammenhang die Sammlung internationalen zeitgenössischen Glases ausgebaut. 1989 wurde als Zweigmuseum der Kunstsammlungen der Veste Coburg das Museum für Modernes Glas in der Orangerie im Schlosspark Rosenau in Rödental eröffnet, das 2008 als Europäisches Museum für Modernes Glas in einen gegenüber errichten Neubau umzog.Susanne Netzer: Museum für Modernes Glas / Museum for Modern Glass, Orangerie Schloss Rosenau, Kunstsammlungen der Veste Coburg, hrsg. von Joachim Kruse, Coburg 1989, ISBN 978-3-874-72067-0Clementine Schack von Wittenau: Neues Glas und Studioglas / New Glass and Studio Glass. Ausgewählte Objekte aus dem Museum für Modernes Glas, Orangerie Schloss Rosenau, Kunstsammlungen der Veste Coburg, Regensburg 2005, ISBN 3-7954-1619-1

Direktoren 1854 bis 1896: Georg Konrad Rothbart 1897 bis 1902: Karl Koetschau 1902 bis 1921: Johannes von Loßnitzer 1921 bis 1931: Ludwig Kaemmerer 1931 bis 1936: Oskar Lenz 1937 bis 1942: August Brüschwiler 1943 bis 1947: Hans Thoma (kommissarisch) 1947 bis 1950: Günther GrundmannHeino Maedebach: Günther Grundmann. Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg in den Jahren 1947–1950. In: Schlesien 17, 1972, S. 51–52. 1950 bis 1960: Heinrich Kohlhaussen 1960 bis 1978: Heino Maedebach 1978 bis 1994: Joachim Kruse 1995 bis 2001: Michael Eissenhauer 2002 bis 2018: Klaus Weschenfelder Seit 2018: Sven Hauschke

Sammlungen Gemälde und Skulpturen mini|hochkant|Lucas Cranach, Johann der Beständige (um 1513) Unter den Gemälden sticht die Sammlung altdeutscher Kunst hervor. Diese setzt sich im Wesentlichen aus herzoglichen Beständen und aus der 2003 erworbenen Sammlung altdeutscher Gemälde des Schweinfurter Industriellen Georg Schäfer (1896–1975) zusammen. Ein Schwerpunkt liegt auf Werken von Lucas Cranach d. Ä., Lucas Cranach d. J., der Werkstatt und dem unmittelbaren Umkreis (47 Gemälde). Dazu zählen Fragmente des Coburger Fürstenaltars, den der kursächsische Hofmaler 1513 für die Veste Coburg geschaffen hatte. Des Weiteren bietet die Sammlung einen Einblick in die süddeutsche Tafelmalerei des ausgehenden 15. und des 16. Jahrhunderts, hier vertreten durch Matthias Grünewald und Maler der Dürerschule (Hans Baldung Grien, Hans Süß von Kulmbach, Hans Schäufelein), Hans Holbein d. Ä. und Hans Holbein d. J., den Meister von Meßkirch und zahlreiche weitere Künstlerpersönlichkeiten.

Der Bestand an spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Skulpturen stammt überwiegend aus Franken und Thüringen. Hervorzuheben sind die Coburger Pietá (um 1360/70), die zu den ältesten Vesperbildern nördlich der Alpen zählt und ein herausragendes Werk mittelalterlicher Bildhauerkunst darstellt, sowie die „Goldene Bamberger Madonna“ (1330), eine der wichtigsten altgefassten Holzskulpturen dieser Kunstregion. Mit dem Gandersheimer Evangeliar (Metz, um 860-70) bewahren die Kunstsammlungen zudem ein bedeutendes Werk spätkarolingischer Elfenbeinschnitzkunst und Buchmalerei.

Graphik mini|hochkant|Rembrandt, Selbstbildnis mit aufgerissenen Augen, 1630 Die Sammlung des Kupferstichkabinetts der Kunstsammlungen der Veste Coburg umfasst über 220.000 Blatt Zeichnungen und Druckgraphik aller Länder, Schulen und graphischen Techniken vom 15. bis zum 21. Jahrhundert. Über 9.000 Künstler sind hier mit ihren graphischen Werken vertreten. Eine Gruppe von Zeichnungen des „Meisters der Coburger Rundblätter“ (Ende 15. Jahrhundert), der „Codex Coburgensis“ (16. Jahrhundert), acht Dürer-Zeichnungen und das nahezu vollständig vorhandene druckgraphische Werk von Albrecht Dürer, Cranach und Rembrandt charakterisieren den Rang der Sammlung. Da der Hauptteil auf das kennerschaftliche Sammeln Herzog Franz Friedrich Antons von Sachsen-Coburg-Saalfeld (1750–1806) zurückgeht, sind die Bestände bis um 1800 besonders umfassend.

Zum Kupferstichkabinett gehört auch eine nennenswerte Autographensammlung, die von Herzog Ernst II. und seinem Bruder Albert begründet wurde.

Kunsthandwerk mit Schwerpunkt Glas mini|hochkant|Große Millefiorikugel mit Figur (16. Jh.) Die historische Glassammlung umfasst etwa 2.700 Objekte und bietet einen repräsentativen Einblick in die Entwicklung der europäischen Glasherstellung seit dem Spätmittelalter. Zugleich enthält sie kostbare, teils ältere Einzelstücke wie das Coburger Hedwigsglas (11. Jahrhundert) aus dem Besitz Martin Luthers. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden Werke des 15. bis 17. Jahrhunderts aus Venedig sowie Gläser à la façon de Venise, darunter eine technisch einmalige Millefiorikugel mit Mohrenfigur als Bekrönung (16. Jahrhundert). Ergänzt wird dieser Bestand vor allem um Gläser des Barock, darunter Service-Vorräte und Prunkstücke der herzoglichen Hofhaltung, deutsches Emailglas, Rubinglas und eine Abteilung mit Schnittdekor des 17. und 18. Jahrhunderts. Wichtige Objekte des 19. Jahrhunderts sowie Gläser des Jugendstils und des Art déco runden die Auswahl ab. Die in den 1960er Jahren begründete Sammlung moderner und zeitgenössischer Glaskunst wird heute im Europäischen Museum für Modernes Glas in Rödental präsentiert.