mini|hochkant|Kirche Hohensolms von Westen Die Evangelische Kirche Hohensolms ist die Pfarrkirche der Evangelischen Kirchengemeinde Hohensolms in der Gemeinde Hohenahr im mittelhessischen Lahn-Dill-Kreis. Das 1448 errichtete Gebäude besteht aus einem spätgotischen Saalbau und einem während des Ersten Weltkriegs angebauten Chor. Das hessische Kulturdenkmal wird von einem Walmdach mit Haubendachreiter bedeckt. Der Dachstuhl ist wohl noch mittelalterlich. Die Kirche gehört zum Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill der Evangelischen Kirche im Rheinland.
Geschichte von Kirche und Pfarrei mini|hochkant|links|Ansicht von Osten mini|hochkant|Westeingang mit Vorbau und Treppe Der Ort Hohensolms wurde in den ersten Jahrzehnten seines Bestehens durch den Pfarrer von Großaltenstädten betreut und gehörte zum Dekanat Wetzlar und Archidiakonat St. Lubentius Dietkirchen im Bistum Trier.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum. N. G. Elwert, Marburg 1937 (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau, 16). Nachdruck: 1984, S. 196. Die Kirche in Hohensolms wurde 1448 durch Graf Johann IV. von Solms als Burgkapelle für Burg Hohensolms errichtet und ersetzte einen Vorgängerbau, der sich laut mündlicher Überlieferung im Bereich der heutigen Regenbogenhalle befand.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 121. Am 20. Februar 1454 wurde die Burgkapelle vom Erzbischof von Trier zur Pfarrkirche erhoben und diente ab dato auch als Pfarrkirche des Ortes. Das Patronat stand aufgrund des Eigenkirchenrechts dem Grafen als Eigentümer des Gotteshauses zu. Für die gräfliche Familie war an der nördlichen Seitenwand eine Empore mit einer Fürstenloge eingerichtet.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 122.
Noch 1555 war in Hohensolms ein katholischer Hofkaplan im Amt. Für die Jahre 1540–1588 ist Johann Colbinus als evangelischer Pfarrer nachgewiesen, was darauf hinweist, dass die Burgkapelle der gräflichen Familie noch katholisch, die Pfarrei der Stadt aber bereits evangelisch war.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 131. 1623 trat Graf Philipp Reinhard I. von Solms zum Calvinismus über und in Hohensolms wurde eine reformierte Pfarrei eingerichtet. Alle übrigen Pfarreien im Amt Hohensolms blieben unter hessischem Einfluss evangelisch-lutherisch.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 123.
Graf Johann Heinrich Christian von Solms-Hohensolms (1644–1668) trat zum katholischen Bekenntnis über und versuchte, auch unter Einsatz von Gewalt, sein Land zu rekatholisieren. Der reformierte Pfarrer Haas wurde dabei vertrieben, Untertanen bedroht und inhaftiert. Nachdem der Graf am 6. November 1668 im Duell mit seinem Vetter Wilhelm II. von Solms-Greifenstein so schwer verwundet worden war, dass er am 7. November starb, beließ es sein Nachfolger, Graf Ludwig, beim reformierten Bekenntnis.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 37.
Im 18. Jahrhundert blieben die Verhältnisse bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 weitgehend unangetastet. Hohensolms gehörte für kurze Zeit zu Nassau und ab 1815 zu Preußen. Mit der politischen Eingliederung in die preußische Rheinprovinz ging die kirchliche Anbindung an die Rheinische Landeskirche einher. Als Teil des Kirchenkreises an Lahn und Dill gehört die Kirchengemeinde Hohensolms noch heute zur Evangelischen Kirche im Rheinland. 1817 schlossen sich in Preußen die reformierten und lutherischen Christen zur Unierten Kirche zusammen. Überbleibsel der reformierten Tradition hielten sich jedoch noch lange im Ritus des Gottesdienstes in Hohensolms.
1827 wurden Hohensolms und Großaltenstädten pfarramtlich verbunden. Dies blieb so bis 1971. Hohensolms wurde mit Blasbach, Großaltenstädten mit Erda verbunden. Sitz des Pfarrers war weiterhin Hohensolms.
Zum 1. Januar 2020 wurde die Pfarrstelle in Hohensolms vom Kreissynodalvorstand aufgelöst. Die Kirchengemeinde Hohensolms ist seitdem pfarramtlich mit der Kirchengemeinde Erda-Großaltenstädten verbunden. Der Sitz des Pfarrers befindet sich in Erda.Kirchenkreis an Lahn und Dill: Veränderungen im Kirchenkreis an Lahn und Dill zu Jahresbeginn, abgerufen am 21. März 2022. Somit ist Hohensolms zum ersten Mal seit dem Mittelalter kein Pfarrsitz mehr.
Bauliche Ausstattung
Architektur mini|Empore an der westlichen Außenwand mini|hochkant|Gotisches Fenster an der Südwand Das Kirchengebäude besteht aus einem rechteckigen Saalbau des 15. Jahrhunderts, an den sich der während des Ersten Weltkriegs errichtete Chor anschließt. Das gesamte Gebäude besteht aus Bruchsteinmauerwerk und ist nicht verputzt. Auf dem steilen Walmdach des Kirchenschiffs sitzt ein barocker Dachreiter. Der zweifach gestaffelte Turm ist durch geschieferte Hauben gegliedert. Auf alten Bildern erscheint der Turm bis ins 18. Jahrhundert hinein niedriger als heute und hatte auch nur eine einfache Haube. Seine heutige Form erhielt er erst im Jahr 1765, als er von dem Zimmermeister Glöckner ganz neu aufgeschlagen wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein neuer Glockenstuhl gebaut und ein neues Turmkreuz aufgesetzt. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert befand sich auf dem Kirchturm eine Turmuhr, deren Zifferblatt 1877 beseitigt wurde. Im Jahre 2003 wurde der Dachreiter von 1765 komplett abgebaut, unter teilweiser Verwendung des alten Gebälks neu aufgebaut und wieder aufgesetzt.
Der Haupteingang befindet sich auf der Westseite und erfolgt über die lange Treppe, welche vom Dorf zur Burg hinaufführt. Der Kirchentür vorgelagert steht ein kleiner Vorbau. Die Kirche ist mit einer Empore und Wandmalereien ausgestattet.
Uneinheitlich in Form und Größe sind die Fenster. Neben vier relativ kleinen Spitzbogenfenstern finden sich an der Südseite zwei größere Rundbogenfenster. Diese sind jünger und wurden nachträglich zur Aufhellung in die Wand gebrochen. Die Spitzbogenfenster stammen aus der Entstehungszeit und zeigen im Maßwerk zum Teil noch deutliche Stilelemente der Gotik.
Über die Erbauung der Kirche berichtet eine lateinische Inschrift an einem Fensterbogen:
Eine weitere Inschrift auf der rechten Fenstereinfassung weist noch einmal auf das Baujahr der Kirche hin: anno dm M° CCCC XLVIII edificata est cappella.
Innenausstattung mini|links|hochkant|Spätgotische Wandmalerei des heiligen Christophorus mini|hochkant|Kanzel aus dem Jahr 1871 Zur Ausstattung zählen auch die Kanzel, das Wandbild des heiligen Christophorus, Apostelkreuze an den Wänden sowie die im Chor befindliche Orgel. Der Chor liegt um zwei Stufen erhöht zum Schiff, mit dem er durch einen großen Spitzbogen verbunden ist. Ein umlaufend gemalter spätgotischer Fries schließt die Wände zur Decke hin ab.
Ein Achteckpfosten mit vier Kopfstreben stützt die auf einem Längsunterzug liegende Flachdecke.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 429. Seine Stellung im Schiff lässt darauf schließen, dass die Decke ursprünglich von einem weiteren Pfosten gestützt wurde, der aber nachträglich wieder entfernt wurde.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 124.
Die Kanzel befand sich ursprünglich an der Südwand der Kirche. Sie wurde 1916 durch eine im Jahr 1871 für die Petrikirche in Mülheim/Ruhr gefertigte neogotische Kanzel ersetzt und hat ihren Standort an der Nordseite der Kirche.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 126–127.
Im Eingangsbereich ist das Uhrwerk der ehemaligen Turmuhr ausgestellt. Eine Takenplatte im Chor ist datiert mit 1676.
Die Kirche war dem heiligen Christophorus geweiht. An der nördlichen Innenwand befindet sich eine aus der Entstehungszeit der Kirche stammende Wandmalerei, die u. a. den heiligen Christophorus darstellt, der sich dem auf seinem Nacken knienden Christuskind zuwendet. Im Zuge der Reformation wurde das Gemälde übertüncht und blieb danach jahrhundertelang verborgen. Erst 1912 wurde es im Rahmen einer Renovierung wiederentdeckt und freigelegt.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 121–122. Bei der anschließenden Restaurierung durch den Kölner Restaurator Anton Bardenhewer fügte dieser einige zeitgenössische Ergänzungen hinzu.Uta Barnikol-Lübeck: evangelisch-an-lahn-und-dill.de; abgerufen am 8. Januar 2021.
Renovierungen Umfassende Renovierungen erfolgten in den Jahren 1842, während des Ersten Weltkriegs sowie in den Jahren 1954, 1980 und 2003.
Die an einem Stützbalken der Empore eingeritzte Jahreszahl 1842 erinnert noch heute an die damalige Renovierung, bei der das Kircheninnere völlig umgestaltet, die Sitzbänke neu geordnet, verschiedene Türen erneuert und zwei runde Fenster an der hinteren Männerbühne durch ein neues Fenster ersetzt wurden. Nach 1871 wurde es Brauch, die Orden verstorbener Gemeindeglieder in einer Glasvitrine der Kirche auszustellen.
Während des Ersten Weltkriegs wurde der Zugang, der ursprünglich über zwei Türen an der Nordseite erfolgte, auf die Westseite verlegt, wo er sich heute noch befindet. Gleichzeitig entstand der kleine Eingangsvorbau. Die bisherigen Zugänge in der Nordwand wurden verschlossen bzw. als Fenster umgenutzt. Eine weitere Seitentür rechts neben der Orgel führte zu einem kleinen Anbau an der Ostseite, in dem sich das Orgelgebläse befand. Dieser wurde abgerissen und an seiner Stelle der Chor angebaut. Um ihn mit dem restlichen Kirchenschiff zu verbinden, brach man einen großen Spitzbogen gotischen Stils in die Mauer. An dem neuen Bogen brachte man folgenden Spruch an: Herr, Du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 126.
Bei der Renovierung verschwanden auch zwei von drei Emporen. Die Fürstenloge wurde in den neu erbauten Chor verlegt. 1954 wurden die nicht mehr zeitgemäßen Sonderplätze der fürstlichen Familie dann endgültig entfernt. Auch Decke, Wandsprüche, Apostelkreuze und Friese wurden seinerzeit übertüncht.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 127.
Der heutige Innenausbau geht im Wesentlichen auf Modernisierungsmaßnahmen im Jahr 1980 zurück, bei denen der Fußboden und Sitzbänke ausgetauscht, die Stufen zum Altar vorgezogen, die Rückwand unter der Empore nach vorne versetzt und eine Glaswand zum Eingangsbereich hin eingefügt wurden. Auch die 1954 übertünchten mittelalterlichen Friese und Apostelkreuze wurden wieder freigelegt. Im Eingangsbereich war bis in diese Zeit noch die Ordenssammlung ausgestellt.Timo Zimmermann: Hohensolms. Tal, Stadt, Gemeinde und Ortsteil. Zimmermann, Hohensolms 2000, S. 128. Doch noch vor Beginn der Renovierung wurde ein Teil dieser Ehrenzeichen, darunter auch noch einige alte Waterloo-Medaillen aus den Befreiungskriegen, bei einem Kircheneinbruch gestohlen. Die Glasvitrine mit den übrigen Orden wurde daraufhin abgenommen. Im Eingangsbereich befindet sich seitdem eine Bronzetafel mit der Inschrift: Den Opfern von Krieg und Gewalt.Hans Hermann Hagmann: Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinden Hohensolms (1964–1985), Großaltenstädten (1964–1971) und Blasbach (1971–1985). Hohenahr 2010. Ebenfalls im Eingangsbereich ist das Uhrwerk der einstigen Turmuhr ausgestellt.
Orgel mini|hochkant|Altar und Orgel