Die Kirche San Gaetano ist eine Kirche in Brescia, an der Kreuzung der Via Antonio Calegari mit der Via Monti. Es handelt sich um eine Klosterkirche, die für die neu gegründete Ordensgemeinde der Padri della Pace („Väter des Friedens)“ oder Preti riformati („reformierte Priester“) gebaut wurde. Der Bau erfolgte im Barockstil. Etwa sechzig Jahre nach der Fertigstellung wurde sie umgebaut und die Innenausstattung vervollständigt. Sie enthält zahlreiche wertvolle Werke, wie die Ekstase des Sant’Andrea Avellino von Giambattista Pittoni aus dem Jahr 1742, Gemälde von lokalen Künstlern, aber auch Gemälde von Grazio Cossali und Alessandro Maganza, Fresken von Pietro Scalvini und eine Tonoli-Orgel, die 1960 von der Firma Tamburini erweitert wurde.

Geschichte Die Kirche und das angrenzende Kloster wurden im Auftrag von Pater Francesco Cabrino d’Alfianello errichtet, der Ende des 16. Jahrhunderts eine Gemeinschaft von Priestern und Gläubigen um sich versammelte, um eine moralische Reform des Klerus und der Kirche in seinem Bereich auszuarbeiten und durchzuführen, eine häufige Haltung in dieser Zeit. Die kleine Gemeinde, die aus dieser Initiative hervorging, nahm den Namen Padri della Pace oder Preti riformati an. Der Bau der Kirche wurde Giulio Todeschini anvertraut, einem bedeutenden Architekten aus Brescia jener Zeit. Der Bau dauerte 20 Jahre, von 1588 bis 1598. Die Kirchweihe fand im darauf folgenden Jahr statt und war der Santa Maria della Purificazione gewidmet, auch Santa Maria della Pace Vecchia genannt, da sie ursprünglich für die „reformierten Väter“ bestimmt war.

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts entwickelte die Gemeinde ihre moralischen Grundsätze, die sich den Regeln von Philipp Neri annäherten, der einige Jahre zuvor verstorben war. Sie änderten ihren Namen auf Padri Filippini oder Padri dell’Oratorio. Um 1663 wurde das Gebäude nach einem Entwurf des Architekten Agostino Avanzo teilweise umgebaut, vor allem um die Struktur der Kirche aus dem 16. Jahrhundert an die Vorgaben der Gegenreformation anzupassen. Die Padri Filippini blieben in der Kirche und im angrenzenden Klosterkomplex bis 1686, als das Kloster in ein Gebäude der inzwischen ausgestorbenen Familie der Grafen Martinengo verlegt wurde, in dem auch ein neues Oratorium eröffnet wurde.

Der Klosterkomplex in der heutigen Via Calegari wurde dann zum Verkauf angeboten und 1691 von den Theatinern erworben, die als erste Maßnahme die Kirche dem heiligen Kajetan, dem Gründer des Ordens, widmeten. Das Gotteshaus wurde am 20. März 1717 von Bischof Gianfrancesco Barbarigo offiziell dem Orden übergeben. Die neuen Ordensleute führten eine Reihe von Restaurierungsarbeiten durch, um die Kirche zu vergrößern und sie besser an ihre Bedürfnisse anzupassen: das Presbyterium wurde erweitert, wobei der Chor und die Sakristei hinzugefügt wurden. Zusätzlich zu den bestehenden wurden vier Seitenkapellen gebaut, zwei auf jeder Seite. Das Innere der Kirche ist reich verziert mit Stuckfriesen, Marmorintarsien und Fresken des Brescianers Pietro Scalvini und des Franzosen Guy Louis II Vernansal. Die Arbeiten wurden 1750 abgeschlossen.

Nach der Auflösung der Mönchsorden wurde das Kloster, das sich aufgrund der Instabilität der venezianischen Herrschaft bereits im Niedergang befand, 1798 geschlossen: ein Teil wurde Staatseigentum, der Rest wurde an Privatpersonen abgetreten. Die Kirche blieb dank der Bemühungen des Theatiners Gerolamo Chinelli, der sie bis 1844 verwaltete, für die Öffentlichkeit zugänglich. Er bewahrte sie vor der Welle des Antiklerikalismus und der systematischen Vernichtung des religiösen Eigentums, sowohl des beweglichen als auch des unbeweglichen, welche die gesamte erste Hälfte dieses Jahrhunderts kennzeichnete.

1846 wurden die Kirche und das Kloster, das nun in ein Hospiz umgewandelt wurde, an die Franziskaner verkauft, die den gesamten Komplex in Besitz nahmen. 1866 führten andere Repressionen zur erneuten Schließung des Klosters: die Brüder waren gezwungen, sich in den privaten Teil des Klosters zurückzuziehen und das Staatseigentum an das Militärkrankenhaus zu übergeben. Im Jahr 1872 kehrten die Franziskaner endgültig in den Besitz des Klosters zurück, aber auf der linken Seite der Kirche standen nur wenige und sehr kleine Räume zur Verfügung, denen erst im frühen 20. Jahrhundert weitere Räume für die neue Religionsgemeinschaft hinzugefügt wurden.

Von diesem Moment an bis heute widmen sich die noch immer anwesenden Franziskanerinnen und Franziskaner dem religiösen Beistand und der Betreuung der Gefangenen in den nahe gelegenen Gerichtsgefängnissen, aber auch dem Kampf gegen die Jugendkriminalität, wofür das „Haus der Frauenarbeit der Heiligen Familie“ gegründet wurde, das später als ethische Institution anerkannt wurde und heute seinen Sitz in der Via Armando Diaz hat. In den 1960er Jahren wurde das Klostergelände auch in ein Internat für Jugendliche, das Franciscanum, umgewandelt.

Struktur

Außen Die Fassade wurde so positioniert, dass die östliche Seite der Via Monti nach einer nicht zufälligen, sondern gewünschten und während des Baus der Kirche, am Ende des 16. Jahrhunderts, entstandenen Perspektive geschlossen wurde, wobei die Mauern eines davor liegenden Privatgartens abgerissen wurden. An diese Aktion erinnert noch heute eine Tafel an der Nordwestecke des Gebäudes. Das aktuelle Aussehen der Fassade ist weitgehend auf die Restaurierung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen: nüchtern und klassisch, sehr flach, in zwei Ordnungen unterteilt, wobei die erste von vier dorischen Lisene und einem dorischen Gebälk geschmückt ist, während die zweite nur gemalten Tafeln mit sakralen Symbolen aufweist. Auf der Mittelachse befindet sich an der Basis ein Eingangsportal aus Marmor, das von einem kleinen dreieckigen Tympanon überragt wird, das einzige wirklich vorspringende Element der Fassade, während sich in der oberen Reihe ein großes rechteckiges Fenster befindet, über dem eine Inschrift mit der Widmung der Kirche und ein dreieckiges Tympanon, welches die Fassade abschließt.

Innen

mini|Hauptschiff der Kirche Es besteht ein Kontrast zwischen dem nüchternen Äußeren und dem prächtigen Inneren. Dieses ist eines der bedeutendsten Beispiele für den Rokoko in Brescia. Sie besteht aus einem einzigen Schiff, das von geriffelten korinthischen Pilastern gekennzeichnet ist, die auf der Dachlinie einen reichhaltigen Stuckfries mit Putten in Pflanzenmotiven tragen. Darüber verläuft ein langes, ebenfalls in Stuck ausgeführtes Gebälk, das als Abschluss für das Tonnengewölbe dient, das das gesamte Kirchenschiff bedeckt und in dem sich einige Fenster befinden. Im Inneren dieses Gebälks befinden sich unter anderem elf Medaillons, die von Grazio Cossali in Fresko gemalt wurden und in Stuckrahmen von Andrea Colomba eingefasst sind, die Szenen aus dem Alten Testament und das Leben von Maria und Jesus darstellen, sowie vier Rundbögen über den Fenstern, die wiederum von Guy Louis II Vernansal in Fresko ausgeführt sind und die vier Sibyllen darstellen: Cumana, Persica, Eritrea und Tiburtina.

Orgel In der Rückwand der Apsis, über dem Chor hinter dem Hochaltar, befindet sich die Tonoli-Orgel als Opus 5 aus dem Jahr 1871. Im Jahr 1960 restaurierte und erweiterte die Firma Tamburini aus Crema (Opus 418) das Instrument. In diesem Zuge wurde die alte mechanische Traktur beseitigt und durch eine elektropneumatische Traktur ersetzt, aber sowohl die alten Register als auch das ursprüngliche Windwerk wurden beibehalten. Der neue Spieltisch wurde hinter dem barocken Hochaltar platziert und verfügt über zwei Manuale und ein konkav-radiales Pedal. Die Disposition lautet wie folgt: I Grand'Organo C–c4 Principale B 8′ Principale D 8′ Bordone 8′ Flauto Traverso D 8′ Ottava B 4′ Ottava D 4′ Viola B 4′ Decimaquinta (2′) Ottavino D 2′ Decimanona (′) Vigesimaseconda (1′) Vigesimasesta (′) Vigesimanona (′) Trigesima III–VI Cornetto II D Corno Inglese D 16′ Tromba B 8′ Tromba D 8′ Clarone B 4′ Voce Umana 8′ II Espressivo C–c4 Principalino 8′ Bordone 8′ Principalino 4′ Flauto a Camino 4′ Flauto in XII (4′) Ottavina 2′ XIX–XXII Oboe 8′ Tremolo Pedal C–g1 Bordone 16′ Contrabbasso 16′ Ottava 8′ Bordone 8′ Ottava 4′ Trombone 8′

Werke

Ausgehend von der rechten Seite der Kirche sind die folgenden Kapellen und die dazugehörigen Werke enthalten:

Die erste Kapelle, die dem heiligen Andreas Avellino, einer großen Persönlichkeit des Theatinerordens, gewidmet ist, wurde dank des substantiellen Beitrags des Grafen Alessandro Gambara, der sich besonders dem Heiligen zuwandte, errichtet: Das Altarbild ist ein Werk von Giambattista Pittoni aus dem Jahr 1742 und stellt den Moment dar, in dem der Heilige Andreas während der Feier der Messe von tödlicher Trauer über das Übermaß an göttlicher Liebe ergriffen wird. Die Komposition des Gemäldes hängt von zwei divergierenden Diagonalen ab, von denen die eine durch die Verkürzung des Körpers des Heiligen Andreas und die andere durch die horizontale Ebene des Altars gekennzeichnet ist. Auch die bewegte Position des Klerikers, der den sterbenden Heiligen stützt, trägt dazu bei, das Gefühl der illusorischen Tiefe zu betonen. Die Putti und Cherubim aus Marmor sind das Werk von Antonio Calegari. Die nächste Kapelle beherbergt eine doppelte Tribüne aus dem 18. Jahrhundert die wegen ihrer kompositorischen Schönheit und ihrer Aufmerksamkeit für die Skulptur einzigartig in Brescia ist: im unteren Bereich wird sie durch eine Brüstung geschlossen, die mit einem mit Friesen eingelegten gelben Marmorvorhang bedeckt ist. Im oberen Bereich hängt ein weiterer Vorhang mit verschiedenen aschgrauen Mustern, begleitet von zwei ebenfalls meisterhaft in Marmor gemeißelten Kissenimitaten. Die beiden Tribünen sind mit barocken Rahmen aus polychromem Marmor verziert. Die szenografische Darstellung, fast wie eine Theaterinszenierung, bezieht sich auf die Kultur des Hochbarocks, insbesondere auf das Werk Gian Lorenzo Bernini, von dem sich der Autor sehr wahrscheinlich inspirieren ließ. Zwischen den beiden Tribünen befindet sich das Wappen der Theatiner, ein Kreuz, das auf drei Bergen steht. Die dritte Kapelle ist dem Heiligen Kajetan von Thiene gewidmet und beherbergt ein Gemälde aus dem frühen 18. Jahrhundert vom Theatinerpater Filippo Maria Galletti. Das Werk stellt den Heiligen dar, der vor der thronenden Jungfrau kniend aus deren Armen das Kind empfängt. Symmetrisch an den Seiten befinden sich der Heilige Josef und der Heilige Hieronymus. Um die Szene herum, im Hintergrund, sind Engelsköpfe und -figuren zu sehen. An der linken Wand der Kapelle befindet sich ein Gemälde, das wiederum den heiligen Katejan von Thiene darstellt, hier während der Behandlung der Kranken, ein 1705 entstandenes Jugendwerk von Antonio Paglia. Auf der anderen Seite befindet sich ein Ölgemälde von Andrea Nannini, das die Erscheinung des Heiligen Kajtan vor einer Gruppe von Anhängern darstellt, ein Werk aus dem Jahr 1776. Auf der linken Seite derselben Kapelle befindet sich eine Inschrift zur Erinnerung an die Weihe der Kirche an den Heiligen Kajetan von Thiene 1717.