mini|hochkant|Stolpersteine in Fontenay-sous-Bois Die Liste der Stolpersteine in der Île-de-France enthält die Stolpersteine in der französischen Region Île-de-France. Sie erinnern an das Schicksal der Menschen, die während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine wurden von Gunter Demnig verlegt. Sie liegen im Regelfall vor dem letzten selbst gewählten Wohnsitz des Opfers. Die Stolpersteine werden im französischen Sprachbereich zumeist pavés de mémoire genannt, die wörtliche Übersetzung wäre „pierres sur lesquelles on trébuche“.

Die ersten Verlegungen in dieser Region fanden am 29. April 2019 in Fontenay-sous-Bois statt.

Verlegte Stolpersteine Charenton-le-Pont In Charenton-le-Pont wurde ein Stolperstein verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px IN CHARENTON-LE-PONTWOHNTESARAH LEADOLINEGEB. APTEKAR 1887VERHAFTET 16.7.1942INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 7.3.1944AUSCHWITZERMORDET 3.8.1942 2, Place Aristide BriandCharenton-le-Pont , geborene Aptekar (1887–1942)

Chatou In Chatou wurde ein Stolperstein verlegt. Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben 120px IN CHATOU LEBTEHELENE METZGERGEB. BRÜHL 1889VERHAFTET 8.2.1944INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 7.3.1944AUSCHWITZERMORDET 12.3.1944 12, Rue des ÉcolesChatou , geborene Brühl (1889–1944)Post de Ville de Chatou, abgerufen am 14. Mai 2025

Fontenay-sous-Bois Fontenay-sous-Bois ist ein im Osten von Paris gelegener Vorort im Département Val-de-Marne. Bei der Volkszählung des Jahres 1936 hatte die Stadt 31.546 Einwohner. Während der deutschen Besatzung und des Zweiten Weltkrieges waren 276 Opfer zu verzeichnen, davon 30 während der Befreiungskämpfe von 23. bis 25. August 1944. Mitglieder der Résistance und deutsche Truppen der Feldgendarmerie lieferten sich heftige Gefechte. Die letzte sinnlose Tat der deutschen Truppen vor ihrem Abzug aus Fontenay-sous-Bois war, den Güterbahnhof mit einem Bombenteppich zu zerstören.Anonymes, Justes et Persécutés durant la période Nazie dans les communes de France (ajpN): Fontenay-sous-Bois en 1939-1945, abgerufen am 17. Januar 2020 Zwischen 1942 und 1944 wurden 79 Juden aus Fontenay-sous-Bois verhaftet, interniert und deportiert. Sie wurden alle in Auschwitz, Sobibor oder Majdanek ermordet mit Ausnahme des 1914 in Fontenay geborenen Lehrers Raymond Lévy, der Auschwitz überlebte. Er kehrte nach der Befreiung des Konzentrationslagers durch sowjetische Truppen und nach dem Untergang des NS-Regimes nach Fontenay-sous-Bois zurück und lebte hier bis zu seinem Tod. 81 Mitglieder der Résistance wurden vom NS-Regime verhaftet, deportiert und zur Zwangsarbeit verurteilt. Mehr als 63 % starben in den Konzentrationslagern, zumeist als NN deklariert, laut Nacht-und-Nebel-Erlass: „Rückkehr unerwünscht“. 30 Widerstandskämpfer konnten die Konzentrationslager überleben und kehrten zurück. Sie gründeten die Fédération nationale des déportés et internés résistants et patriotes (FNDIRP) und kämpfen seither gegen Rassismus, Antisemitismus und Faschismus.

Stolperstein Übersetzung Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTEJACQUES GAUCHERGEBOREN 1920DEPORTIERT 1942TORGAUERMORDET 16.4.1945 27, Rue Marcel et Jacques Gauchermini|hochkant=0.6|links wurde am 16. August 1920 in Joinville-le-Pont geboren. Seine Eltern waren Marcel Gaucher und dessen Frau Raymonde Mathilde Rigaud. Jacques Gaucher und sein Vater waren Polizisten und in der Résistance aktiv. Wahrscheinlich war er Teil des Hector-Netzwerkes von Alfred Heurteaux. Am 9. Oktober 1941 wurden er und sein Vater verhaftet, an diesem Tag wurde mit der Operation Porto dieses vom deutschen Geheimdienst infiltrierte Netzwerk zerstört. Am 15. Dezember 1941 wurde er vom Pariser Gare de l’Est zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert.Eine weitere Quelle gibt an, er wäre bereits am 10. Dezember 1941 deportiert worden Gaucher war in Hagen, Köln und Sonnenburg interniert. Er war als NN eingestuft, zum Verschwinden verurteilt laut dem Nacht-und-Nebel-Erlass. Er wurde in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt, wo er die Häftlingsnummer 117326 erhielt, schließlich in das KZ Buchenwald und zuletzt in das KZ Langenstein-Zwieberge, in dem mehr als 7000 KZ-Häftlinge aus 23 Ländern körperlich schwerster Zwangsarbeit verrichten mussten. Jacques Gaucher wurde am 16. April 1945 in Torgau ermordet.Archives municipales: , abgerufen am 17. Januar 2020Le Parisien: Des pavés à la mémoire des déportés de Fontenay, abgerufen am 17. Januar 2020 Er wurde posthum im April 1946 mit der Médaille de la Résistance ausgezeichnet.

Sein Vater wurde bereits im Dezember 1944 im KZ Groß-Rosen ermordet. In Fontenay erinnert eine Gedenktafel an Jacques Gaucher, des Weiteren wurde Vater und Sohn die Rue Marcel et Jacques Gaucher gewidmet.Jacques Gaucher, jeune résistant mort en déportation, abgerufen am 21. Januar 2020120px HIER WOHNTEMARCEL GAUCHERGEBOREN 1894DEPORTIERT 1942GROSS-ROSENERMORDET 24.12.1944 27, Rue Marcel et Jacques Gaucher wurde am 29. September 1894 mini|hochkant=0.9|Landschaftsbild von Marcel Gaucher in Paris geboren. Seine Eltern waren Juliette Mathiot und Louis François Gaucher. Er studierte Rechtswissenschaften. Ab 1916 kämpft er im Ersten Weltkrieg im 153. Infanterieregiment. Nachdem er 1919 aus dem Heeresdienst beurlaubt wurde, zog er nach Joinville-le-Pont. Dort heiratete er im September 1919 Raymonde Mathilde Rigaud. Er arbeitete als Vorarbeiter in der Glasschneiderei seines Schwiegervaters. 1920 wurde sein Sohn Jacques geboren. Gaucher war sehr an Musik interessiert, er war bis 1925 Archivar der Société symphonique de Joinville. 1925 wurde er Redakteur im Pariser Polizeipräsidium. Er war Vorsitzender einer Musikgesellschaft, die er 1935 mit einer Kunstmesse zu einem Kunstverein zusammenschloss. Gaucher malte selbst, und stellte bei Präfekturmessen dreimal seine Landschaftsgemälde aus. Marcel Gaucher zog mit seiner Familie nach Fontenay-sous-Boi in die Rue Squéville, dann in die Rue Castel. 1929 erhielt er die médaille de la mutualité in Bronze. 1932 gewann er einen Preis der Zeitung L’Œuvre bei einem großen Wettbewerb zum Thema Politik. Er erhielt 1931 und 1937 den Ordre des Palmes Académiques. Im Jahr 1940 wurde er demobilisiert und speziell der Polizeipräfektur zugewiesen. Nachdem das Amtsblatt eine Liste der Würdenträger der Freimaurer veröffentlicht hatte, in der auch Gaucher genannt worden war, wurde er am 26. September 1941 aus dem Polizeidienst entlassen. Dort war er zum Schluss stellvertretender Büroleiter und verantwortlich für Personal, Budget und Ausrüstung. Seit 1940 war Gaucher im Widerstand aktiv, gründete in der Präfektur eine Untergrundgruppe, er kümmerte sich um die Organisation falscher Papiere und um Waffendepots. Am 1. Oktober wurde er P1-Agent im Hector-Netzwerk von Alfred Heurteaux. Dieses Netzwerk war mit dem Nachrichtendienst der französischen Luftwaffe verbunden. Am 9. Oktober 1941 wurde er P2-Agent der 3. Klasse. Am selben Tag wurde er verhaftet, das Netzwerk war infiltriert worden und wurde mit der Operation Porto genannten Aktion zerschlagen. Er wurde gemeinsam mit seinem Sohn am 15. Dezember 1941 vom Pariser Gare de l’Est zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Er war in Hagen, Köln, Wittlich, Wolfenbüttel und Hamburg interniert. Gaucher war als NN eingestuft, zum Verschwinden verurteilt laut dem Nacht-und-Nebel-Erlass. Marcel Gaucher wurde in das KZ Groß-Rosen überstellt und dort am 24. Dezember 1944 ermordet. Er wurde postum im April 1946 mit der Médaille de la Résistance ausgezeichnet, 1947 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt, am 21. Juli 1947 wurde er vom damaligen Innenminister Édouard Depreux mit dem Titel Citation à l’ordre de la Nation geehrt.Marcel Gaucher, fonctionnaire franc-maçon, peintre et mélomane, héros de la Résistance, abgerufen am 21. Januar 2020

Sein Sohn wurde in den letzten Tagen des NS-Regimes in Torgau ermordet. In Fontenay erinnert eine Gedenktafel an Marcel Gaucher, eine Bushaltestelle trägt den Namen Mallier-Gaucher, des Weiteren wurde Vater und Sohn die Rue Marcel et Jacques Gaucher gewidmet. Von ihm gemalte Bilder befinden sich im Gemeindearchiv der Stadt.Archives municipales: , abgerufen am 21. Januar 2020120px HIER WOHNTEBAZI KOUPERVASSERGEBOREN 1890INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 1.8.1942 77, Rue Pasteur , auch Houvervasser, wurde am 1. Januar 1890 in Russland geboren. Koupervasser wurde am 27. Juli 1942 mit dem Konvoi No. 11, Zug D 901-6, vom Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort am 1. August 1942 – unmittelbar nach der Ankunft ermordet.The Central Database of Shoah Victims’ Names: Bazi Houfervasser, beruhend auf dem Memorial to the Jews Deported from France 1942–1944 von Serge Klarsfeld, abgerufen am 22. Januar 2020Déporté(e)s né(e), domicilié(e), et/ou arrêté(e)s de 1940 à 1944, abgerufen am 22. Januar 2020120px HIER WOHNTEIDA LEVINEGEBOREN 1913INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1942AUSCHWITZERMORDET 19.9.1942 2, Rue Mallier wurde am 22. Januar 1913 in Paris (12ème) geboren. Sie hatte einen Bruder und eine Schwester. Die Familie lebte zusammen in der Rue Mallier. An der Victor-Duruy-Schule war sie Sportlehrerin. In einem anonymen Brief wurde sie als denunziert. Am 13. Oktober 1941 wurde sie verhaftet. Lévine wurde im Gefängnis La Santé inhaftiert, da aber nichts Belastendes gefunden wurde, wurde sie am 19. November 1941 wieder entlassen. Im Mai 1942 wurde sie erneut verhaftet, am 10. Juni 1942 im Lager Les Tourelles interniert, danach kam sie ins Sammellager Drancy. Am 22. Juni 1942 wurde sie mit dem Konvoi No. 3 von Drancy in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Ida Lévine wurde am 19. September 1942 ermordet.The Central Database of Shoah Victims’ Names: IDA LEVINE, beruhend auf einem Eintrag in Serge Klarsfeld: Memorial to The Jews Deported from France 1942-1944, New York, abgerufen am 26. Januar 2020Archives municipales: , mit einem Foto von Ida Levine, abgerufen am 26. Januar 2020120px HIER WOHNTERAYMOND LEVYGEBOREN 1914INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1944AUSCHWITZÜBERLEBT 131, Avenue de la République wurde am 11. September 1914 in Fontenay-sous-Bois geboren. Er war Lehrer. Er wurde verhaftet und im Sammellager Drancy interniert. Am 10. Februar 1944 wurde er mit Konvoi No. 68 nach Auschwitz deportiert. Raymond Lévy konnte das NS-Regime überleben und in die Heimat zurückkehren. Er lebte bis zu seinem Tod in seiner Heimatstadt.

Er war der einzige Jude aus Fontenay-sous-Bois, der den Holocaust überleben konnte.120px HIER WOHNTEODETTE STARCKGEBOREN 1925INTERNIERT DRANCYDEPORTIERT 1943SOBIBORERMORDET 30.3.1943 12, Rue Pauline, auch Stark, wurde am 7. Mai 1925 in Paris geboren. Sie hatte einen jüngeren Bruder, Sylvain (geboren 1926).The Holocaust History Project: FRENCH CHILDREN OF THE HOLOCAUST, abgerufen am 26. Januar 2020 Die Geschwister wurden verhaftet und im Sammellager Drancy interniert. Am 25. März 1943 wurden sie mit dem Konvoi No. 53 von Drancy in das Vernichtungslager Sobibor deportiert. Odette Starck und ihr Bruder wurden unmittelbar nach der Ankunft am 30. März 1943 in einer Gaskammer ermordet.The Central Database of Shoah Victims’ Names: ODETTE STARK, beruhend auf einem Eintrag in Serge Klarsfeld: Memorial to The Jews Deported from France 1942-1944, New York, abgerufen am 26. Januar 2020