Die ehemalige Evangelische Kirche in Wielbark () ist ein Bauwerk aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie ist ein ehemaliges Gotteshaus, das bis 1945 das gottesdienstliche Zentrum des evangelischen Kirchspiels im ostpreußischen Willenberg (Masuren) war, danach in das Eigentum der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen überging und heute ein nicht genutztes, wohl aber sehr ausbesserungsbedürftiges Gebäude in der Stadt Wielbark in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren ist.

Geographische Lage Die Stadt Wielbark liegt in der südlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren, zwanzig Kilometer südlich der Kreisstadt Szczytno (). Durch den Ort verläuft die Landesstraße 57 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128). Eine Bahnanbindung besteht zurzeit nicht.

Die Kirche steht im Stadtzentrum östlich der Hauptstraße.

Kirchengebäude mini|150px|Der zwecks Bauarbeiten im Jahr 2016 eingerüstete Turm der Kirche Ein evangelisches Gotteshaus dürfte es im masurischen Willenberg schon um 1557 gegeben haben. Damals bereits wurde der Ort als Kirchdorf bezeichnet.Amtshaus, Kirchen (in Willenberg) bei ostpreussen.net Das damalige Gebäude fiel jedoch wohl dem Tatareneinfall 1656/57 zum Opfer. 1721 wurde an seiner Stelle eine Holzkirche errichtet.Kościół ewangelicki w Wielbarku in Leksykon Kultury Warmii i Mazur Aus bautechnischen Gründen wurde sie 1819 abgerissen, und so entstand in den Jahren 1825 bis 1827 nach einem Entwurf der Karl-Friedrich-Schinkel-Schule das heute noch bestehende Bauwerk. Am 27. September 1827 wurde es seiner Bestimmung übergeben.

Bei der Kirche in Wielbark handelt es sich um einen verputzten Backsteinbau mit vorgelegtem quadratischen Turm.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 129–130, Abb. 605–607 Das Bauwerk zeichnet sich äußerlich durch Einfachheit in Form und Detail aus. Der Turm ist mit einem Zeltdach bedeckt, auf dem sich ein aus der alten Kirche stammender geschmiedeter Adler auf einer kupfernen Kugel befand. Er war bis 1911 das Wappentier der Stadt Willenberg. Auf dem Kirchenschiff befindet sich ein Satteldach.

Der einheitlich im klassizistischen Stil gehaltene Innenraum in flach gedeckt und hat seitliche auf Säulen ruhende Emporen, die hellen Lichteinfall durch jeweils zwei Reihen Fenster zulassen. Die Fenster sind mit Rundbogen abgeschlossen.

Die hölzerne barocke Kanzel befand sich ursprünglich links vom Altar Dieser sowie ein Taufbecken und zahlreiche andere Ausrüstungsgegenstände im Stile der Kaiserzeit wurden dem Bildhauer Wilhelm Biereichel (Rößel, ) zugeschrieben. Außerdem schmückte die Kirche die Barockskulptur eines Taufengels aus der Zeit um 1720.

Eine Orgel erhielt die Kirche im Jahre 1827 als Werk des Berliner Orgelbaumeisters Carl August Buchholz. Sie hatte 35 Register.

Das Geläut der Kirche bestand aus zwei Glocken. Am 15. Juli 1922 wurden neue Glocken, als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg abgelieferten, eingeweiht.

Während des Ersten Weltkrieges diente die Kirche als Lazarett.Wielbark: Dawny kościół ewangelicki bei mojemazury.pl Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Kulturhaus eingerichtet. mini|150px|Bauarbeiten im Kircheninnern 2016 Seit vielen Jahren nun wird das Gotteshaus nicht mehr als solches genutzt. Seit einiger Zeit unternimmt man schrittweise Ausbesserungs- und Erhaltungsarbeiten. So wurden 2009 aufwändige Sicherungsmaßnahmen am einsturzgefährdeten Turm durchgeführt. Über eine zukünftige Verwendung wird derzeit diskutiert.

Kirchengemeinde Kirchengeschichte Eine Kirchengemeinde wurde in Willenberg bereits in vorreformatorischer Zeit gegründet.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 496 Mit Einführung der Reformation in Ostpreußen wurde sie evangelisch. Bis 1945 war sie in den Superintendenturbezirk Ortelsburg (polnisch Szczytno) im Kirchenkreis Ortelsburg der Kirchenprovinz Ostpreußen in der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert. Im Jahre 1925 zählte das Kirchspiel Willenberg mehr als 7050 Gemeindeglieder. Die Gemeinde hatte ab 1853 zwei Pfarrstellen,Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, S. 150–151 eine dritte wurde ab 1893 mit Sitz in Flammberg (bis 1904 Opalenietz, polnisch Opaleniec) eingerichtet.

Seit 1888 existiert in Willenberg auch eine römisch-katholische Pfarrei.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung meist evangelischer Konfession setzten dem Leben der evangelischen Gemeinde in Wielbark nach 1945 ein Ende. Die Kirche hat man lange Zeit sich selbst überlassen, erst seit den 2000er Jahren gibt es Erhaltungs- und Ausbesserungsarbeiten. Heute in Wielbark und Umgebung lebende evangelische Einwohner gehören zur Gemeinde in Szczytno innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspielorte (bis 1945) Zum Kirchspiel Willenberg gehörten bis 1945 die Stadt Willenberg sowie mehrere Dörfern, Ortschaften und Wohnplätze:Der * kennzeichnet einen Schulort.

Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name *Alt Werder Ostrowy *Kollodzeygrund1933–1945 Radegrund Kołodziejowy Birkenthal Cegielnia *Kutzburg Kucbork *Borken1938–1945 Borkenheide Borki Wielbarskie Neu Werder Maliniak Fröhlichswalde Wesołówko *Nowojowitz1934–1945 Neuenwalde Nowojowiec *Glauch Głuch Röblau Lejkowo Groß Dankheimbis 1900 Groß Przesdzienk Przeździęk Wielki *Rodefeldbis 1928 Czenczel Ścięciel *Groß Lattana1938–1945 Großheidenau Łatana Wielka Rohrdorfbis 1877 Trzianken Trzcianka *Groß Piwnitz1938–1945 Großalbrechtsdorf Piwnice Wielkie Schrötersau Zapadki Jankowen1938–1945 Wildenort Jankowo *Sendrowen1938–1945 Treudorf Sędrowo *Jeschonowitz1938–1945 Eschenwalde Jesionowiec Wagenfeld Olędry *Kannwiesen Chwalibogi *Waldpusch Stachy *Kiparren1938–1945 Wacholderau Kipary *Wessolowen1938–1945 Fröhlichshof Wesołowo Klein Dankheimbis 1900 Klein Przesdzienk Przeździęk Mały *Willenberg Wielbark Klein Lattana1938–1945 Kleinheidenau Łatana Mała *Wolka1938–1945 Georgsheide Wólka Wielbarska

Pfarrer (bis 1945) An der Evangelischen Kirche in Willenberg amtierten bis 1945 als Geistliche:Pfarramtssitz in Opaleniec/Flammberg Bartholomäus Kulwitz, 1598 Johann Lishler, ab 1603 Albert Stawinski, bis 1650 Andreas Bock Georg Otter, 1651–1656 N. Blennau Christoph Senftenberg, 1687/1698 Jacob Jeglinski, 1701 Johann Stigallus, 1701–1708 Erhard Wilde, 1708–1723 Samuel Rogatzki, 1723–1737 Jacob Hampe, 1738–1755 Georg Biehan, 1755–1796 Samuel Ferdinand Schulz, 1791–1796 Jacob Drwenski, 1796–1822 Johann Henrich Nadrowski, 1818–1820 Friedrich Wilhelm Traugott Frenzel, 1821–1860 August Wilhelm Czygan, 1853–1874 Gustav Adolf Majewski, 1860–1866 Carl Friedrich Nadolny, 1866–1876 Johann Julius G. Romarski, 1874–1875 Karl Adolf Schrage, 1875–1883 Gustav Adolf Stange, 1876–1883 Gustav Friedrich Bercio, 1880 Adolf L.H.C.Fr. Korella, 1883–1886 Friedrich Julius Gauda, 1884–1911 Rudolf Leopold Kopkow, 1887–1888 Albert Lange, 1887–1911 Karl Leopold Czypulowski, 1891 °Franz Karl Dopatka, 1892–1907 Ernst Büchler, 1895–1899 Ferdinand Baginski, ab 1900 Rudolf Wisniewski, 1900–1910 °Richard Fischer, 1908–1920 Paul Ewert, 1910 Georg Friedrich Foltin, 1911–1914 Gustav Adolf Stange, 1911–1915 Ernst Kolodzeyczyk, 1912–1913 Walther Wittkowski, 1914–1915 Joseph Rosenberg, 1916–1922 Paul Terpitz, 1919–1920 Max Schmidt, 1918 °Otto Nikutowski, 1920 Friedrich Bolz, 1921 Helmut Lappoehn, 1921 °Otto Rehfeld, 1921–1923 Johannes Worm, 1922–1926 Karl Ernst Czygan, 1923–1934 °Oskar Gaidies, 1923–1945 Johannes Wenzel, 1927–1934 Eduard Gustav Grüner, 1928 Hugo Schmalenbach, 1932–1945 Ewald Weidekamm, 1935–1945

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Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1820er Jahren Kategorie:Backsteinkirche Kategorie:Neuromanisches Kirchengebäude Kategorie:Kirchengebäude der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Wielbark Kategorie:Backsteinbauwerk des Historismus Kategorie:Neuromanisches Bauwerk in Polen