Die Architektur in Königsberg (1871–1918) stand im Zeichen von Historismus und Reformarchitektur. Sie spiegelt das prosperierende Deutsche Kaiserreich.
Hintergrund Der Friede von Frankfurt hatte Frankreich auferlegt, Reparationen von 5 Milliarden Francs zu zahlen und dem deutschen Handel die Meistbegünstigung zu gewähren.Siegfried Schindelmeiser: Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr. Band 1, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6, S. 231. Die Euphorie der (neu-)reichen Gründerjahre ließ im maßvollen und „gemütlichen“ Königsberg ganze Straßenzüge mit fünfgeschossigen Bauten entstehen: Kaiserstraße, Schönstraße, Steindamm, Schloßstraße, Königsstraße und am Roßgärter Markt. Von der Kaiserstraße in der Vorderen Vorstadt gelangte man über die Kaiserbrücke zum Weidendamm. Die Kaiserstraße überquerte zuerst die Vorstädtische Langgasse und führte dann in östliche Richtung auf die Kaiserbrücke (Königsberg) am Weidendamm zu. Die Kaiserbrücke verband die östliche Königsberger Vorstadt mit der Lomse. Die Brücke heißt heute Jubiläumsbrücke, weil sie zum 750-jährigen Stadtjubiläum 2005/2008 originalgetreu rekonstruiert wurde.
Neorenaissance Nach der Reichsgründung wurde der Stil der italienischen Renaissance als „nationaler Stil“ propagiert, man orientierte sich an der Architektur der Renaissance. Dabei wurden die wesentlichen Gestaltungselemente der römischen Antike übernommen. In Königsberg waren aber auch Beispiele für eine Bezugnahme auf die Nordische Renaissance zu finden.
Das Landeshaus an der Königsstraße wurde 1878 im Park des Dönhoff’schen Grunds nach Entwurf von Landesbaurat Krah erbaut. Es war der Sitz der Provinzialverwaltung Ostpreußen. Es wurde bei den Luftangriffen auf Königsberg zerstört.
Der Artushof, Großer Domplatz 3, wurde 1883 im Stil der italienischen Renaissance erbaut.Köster, S. 23 Das Gebäude soll rekonstruiert werden..
Die Neue Börse wurde 1870–1875 im Stil der italienischen Renaissance nach Entwürfen des Bremer Architekten Heinrich Müller erbaut.
Die Staats- und Universitätsbibliothek Königsberg entstand 1901 auf dem Grundstück Mitteltragheim 22.Karl: Geschichtliches Straßenverzeichnis der Stadt Königsberg i. Pr. Hamburg 1964. Sie geht zurück auf die von Herzog Albrecht von Preußen 1527 gegründete Schlossbibliothek.
1880 wurden Portal und Gebäude des Börsengartens fertiggestellt. Der Börsengarten war lange der Treff- und Mittelpunkt der Königsberger Gesellschaft. Auch Kaiser Wilhelm I. gab dort am Abend vor seiner Krönung einen Empfang. In der Folge der Inflation konnte die Kaufmannschaft die Kosten nicht mehr tragen; 1929 verkaufte sie das Grundstück und später auch den Garten an die Gesellschaft Parkhotel, die dort das 1930 eröffnete „Parkhotel“ nach Entwurf des Architekten Hanns Hopp im Stil des Neuen Bauens errichtete.
Das Gebäude der Bernsteinmanufaktur wurde 1899 im Stil der italienischen Renaissance erbaut. 2013 wurden Pläne vorgestellt, in dem Haus das legendäre Bernsteinzimmer zu rekonstruieren. Zudem soll das Gebäude auch die Ausstellungen des Kaliningrader Bernsteinmuseum beherbergen.
Das Polizeipräsidium, Sowjetski-Prospekt 3–5, wurde um 1912/1924 im Stil der nordischen Renaissance nach Entwürfen des Geheimen Oberbaurats Oskar Launer unter Leitung des Geheimen Oberbaurats Eduard Fürstenau erbaut. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Polizeipräsidium, Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis, abgerufen am 15. November 2015
Die Villa SchmidtSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Villa Schmidt dem Werk von Köster, S. 192, Nr. 111 Villa Schmidt. steht auf dem früheren Grundstück Lawsker Allee 30 in Amalienau, heute pr. Pobedy 24, und wird heute immer noch als Kindergarten genutzt. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wurde um 1903 im Stil der nordischen Renaissance erbaut.
Im Gebäude Kneiphöfische Langgasse 11–12 befand sich das Bankhaus J. Simon Witwe & Söhne, das am 1. Januar 1839 gegründet wurde. Erbaut wurde das Bankgebäude „in einem Stilpuralismus […] mit einer gewissen Betonung der Neorenaissance.“Köster, S. 242.
Die Königsberger Bezirksregierung saß im „vornehmsten und auch prächtigsten Gebäude dieser Zeit“Köster, S. 25., das nach Entwürfen von Karl Friedrich Endell 1872–1880 im Stil der italienischen Renaissance erbaut wurde. Das in den 1950er Jahren abgebrochene Gebäude stand an der Mitteltragheimer Straße zwischen der Schönstraße und der Schützenstraße.Podehl, S. 214, Abb. 238: Das Regierungsgebäude in Königsberg. Das Regierungsgebäude war zugleich Sitz des Oberpräsidiums für Ostpreußen.Zeitschrift für Bauwesen, 29. Jahrgang 1879, ...Zeitschrift für Bauwesen, 31. Jahrgang 1881, ...
Das Hotel „Bellevue“ mit seiner weißen, üppig dekorierten Fassade zeigte eine Mischung aus Renaissanceelementen und gotisierenden Zutaten. Das Café-Restaurant „Bellevue“ stand am östlichen Ufer des Schlossteichs an der Schlossteichbrücke und gegenüber der Weißgerberstraße. Es war auch Kneiplokal des Corps Masovia und der Burschenschaft Gothia.Eduard Loch, Hans Lippold: Geschichte des Corps Masovia 1830–1930. 3 Bände, Königsberg i. Pr. 1930/1933.Rüdiger Döhler (Hrsg.): Corps Masovia. Die 175-jährige Geschichte von Königsbergs ältester und Potsdams erster Korporation im 21. Jahrhundert. München 2005.
Das Gebäude der Eisenbahndirektion, Lenin-Prospekt 111–117, wurde 1895 im Stil der Neurenaissance erbaut.
Die Königin-Luise-SchuleSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Königin-Luise-Schule (Lyzeum) dem Werk von Köster, S. 82, Nr. 26: Lyzeum Königin-Luise-Schule. steht auf dem früheren Grundstück Landhofmeisterstraße 24, heute ul. Tjulenina 6–8, und wird heute als Bürogebäude genutzt. Das Gebäude wurde um 1901 errichtet und steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Gebäude der Königin-Luise-Schule (Lyzeum) Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Die Medizinische UniversitätsklinikKöster, S. 104 f., Nr. 38: Medizinische Universitätsklinik., Drummstraße 25–29, heute ul. Bonitschnaja 34–38, gehörte zu den Krankenhäusern in Königsberg und wird heute als Hafenkrankenhaus genutzt. Das 1890–1895 erbaute Gebäude steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Medizinische Universitätsklinik Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Die Gebäude der Kommandantur, Hinterroßgarten 43a/43b, heute ul. Klinitscheskaja 65, wurde 1888–1889 im Stil der Neorenaissance erbautKöster, S. 120, Nr. 51: Kommandantur . und steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Neue Kommandantur Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Das Gebäude der IntendanturSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Intendanturgebäude dem Werk von Köster, S. 121, Nr. 52: Intendanturgebäude., Königsstraße 26, heute ul. Frunse 65, wurde 1880 im Stil der italienischen Renaissance erbaut.Köster, S. 121, Nr. 52. Es beheimatet heute das städtische Gesundheitsamt von Kaliningrad und steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Intendanturgebäude Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Das Verwaltungsgebäude der Ostpreußischen FeuersozietätSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Ostpreußische Feuersozietät dem Werk von Köster, S. 121, Nr. 52 B: Intendanturgebäude., Königsstraße 93/94, heute ul. Frunse 105, wurde 1890–1895 erbaut. Es wird heute als Verwaltungs- und Wohngebäude genutzt und steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Gebäude der Ostpreussischen Feuersozietät Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Das Verwaltungsgebäude der Ostpreußischen Landwirtschaftskammer ()Köster, S. 121, Nr. 52 A., ul. Kirova 24, wurde 1896 erbaut und dient heute als Verwaltungsgebäude der Baltischen Flotte. Es steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Gebäude der Ostpreussischen Landwirtschaftskammer Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Die Feuerwache OstSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Feuerwache Ost dem Werk von Köster, S. 170, Nr. 88 A: Feuerwache Ost., Yorckstraße 79/80, heute ul. 1812 goda 59, wurde um 1900 nach Entwürfen von Paul Mühlbach erbaut. Erhalten ist auch die Feuerwache Nord, Wrangelstraße 12, heute ul. Tschernjachowskowo.Köster, Nr. 88B, S. 170. Denkmalschutz Gebäude der Feuerwache Ost Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Das Königliche HufengymnasiumSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt Hufengymnasium dem Werk von Köster, S. 83–85, Nr. 27:Hufengymnasium. steht auf dem Eckgrundstück Hufenallee 38–42 / Tiergartenstraße, heute ul. Zoologitscheskaja 2, und wurde 1913–1915 nach Entwürfen von Baurat Klehmet im Stil der Neorenaissance erbaut.Köster, S. 83–85, Nr. 27.Podehl, S. 41: „Polizeipräsidium und Hufengymnasium waren im Stil der Neo-Renaissance gebaut worden.“ Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Gebäude Hufengymnasium Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Das Gebäude ul. Klinicheskaya 81 wurde im 19. Jahrhundert im Stil der Neorenaissance erbaut und steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz Gebäude der Klinicheskaya-Straße 81. Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015
Die Rossgärter Passage war eine überdachte Ladenpassage an der Königsstraße, die zum Vorderroßgarten führte. Erbaut wurde sie 1889 im Stil der Neorenaissance. Das Passage-Theater in der Rossgärter Passage wurde nach Entwürfen des Königsberger Architekten Otto Walter Kuckuck für das 1910 gegründete Neue Schauspielhaus umgebaut.Köster, S. 92.Podehl, S. 31.
Das Geschäftshaus des Juweliers Carl George Maximilian Steyl (* 1810 in Königsberg)Wolfgang Scheffler: Goldschmiede Ostpreußens. Daten, Werke, Zeichen. de Gruyter, Berlin / New York 1983, S. 220, Nr. 348., Steindamm 132–133, wurde 1883 im Stil der Neorenaissance erbaut.Köster, S. 98.
Neogotik
Kants Grabkapelle am Dom war eine neogotische Backsteinkapelle, die von 1880 bis 1923 bestand. Die Fassade zeigte zwei neogotische Staffelgiebel. Hinter der von Carl Friedrich Hagemann geschaffenen Kantbüste zeigte ein Fresko Raffaels Die Schule von Athen.Köster, S. 52, Nr. 11.Köster, S. 57, Nr. 12.
Der Schlossturm wurde 1866–1877 nach einem Entwurf von Friedrich August Stüler neugotisch gestaltet. Der Turmhelm bestand aus aufeinander gesetzten Segmenten und verfügte über vier Ecktürmchen.
Das 1902 erbaute Hauptpostamt und Telegraphenamt am Gesekusplatz sollte mit dem „neogotischen Stil an die Ordensarchitektur anknüpfen“. Natalja Alexandrowna Sehlenkowa, 1958/1959 Stadtarchitektin Kaliningrads, regte an, das neogotische Postamt wiederaufzubauen und darin das Hauptpostamt unterzubringen.Hoppe, S. 128. Nachdem Sehlenkowa das Amt abgegeben hatte, wurde das neogotische Postamt im Jahr 1960 gesprengt.Blick auf das ehemalige Postamt heute auf streetview.deHoppe, S. 130.
Die Liberale Synagoge Königsberg wurde, wie die Hannoversche Synagoge und die Breslauer Synagoge, gotisierend nach dem Vorbildern des Wormser Doms und des Aachener Doms gestaltet. Der Bau entstand 1892 nach Entwürfen des Berliner Architekturbüros Cremer & Wolffenstein. Der Altbau wird derzeit nach alten Plänen originalgetreu rekonstruiert.
Das St.-Georgen-HospitalSofern nicht anders ausgewiesen, folgt der Abschnitt St. Georgen-Hospital dem Werk von Köster, S. 108, Nr. 41:St. Georgen-Hospital. steht auf dem Grundstück Turnerstraße 4, heute ul. Krasnooktjabrskaja 3. Das Gebäude wurde 1894–1897 nach Entwürfen von Stadtbaumeister Worms erbaut. Das Bauwerk zeigt eine „Klinkerfassade mit […] neugotischen Verzierungen der 90er Jahre des 19. Jhs.“Köster, S. 108, Nr. 41. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Denkmalschutz St. Georgen-Hospital. Datenblatt im russischen Denkmalverzeichnis. Abgerufen am 15. November 2015