Der Türkische Wasserfrosch, Levante-Wasserfrosch oder Bedriagas Wasserfrosch (Pelophylax bedriagae oder Pelophylax cf. bedriagae, Synonym: Rana bedriagae, Rana levantina) gehört innerhalb der Ordnung der Froschlurche zur Familie der Echten Frösche (Ranidae), wo er den Wasserfröschen (Pelophylax) zugeordnet wird. Die Art ist über Teile von Kleinasien, den Nahen Osten bis in das Delta des Nils und den Nil aufwärts in Ägypten verbreitet. Seit dem Nachweis von Pelophylax bedriagae als eigene Art und der Abgrenzung von Pelophylax ridibundus erfährt sie großes Forschungsinteresse.

Merkmale Der Türkische Wasserfrosch hat eine Körperlänge von etwa 80 bis 100 Millimetern, wobei die Männchen Größen bis maximal etwa 80 Millimetern und die Weibchen von maximal 100 Millimetern erreichen. Es handelt sich damit um vergleichsweise große Wasserfrösche mit einem ausgeprägten Sexualdimorphismus.

Die Rückenfärbung ist sehr variabel und reicht von grün über graubraun bis braun. Die Rückenseite weist in der Regel große und unregelmäßige dunkelbraune, -grüne oder schwarze Flecken auf. Dunkle Markierungen, meist in Form von Querbändern, erstrecken sich auf den Hinterbeinen bis zu den Füßen. Fast immer ist ein schmaler, hellgelber bis -grüner Mittelrückenstreifen ausgebildet. Er beginnt an der Schnauzenspitze, seine Breite nimmt meist bis zum Ende des Kopfes oder Anfang des Rückens leicht zu, danach verschmälert er sich allmählich wieder und endet am Hinterende des Körpers oder kurz davor. Die Bauchseite ist weißlich bis grau und dunkel gefleckt oder marmoriert. Die Männchen besitzen dunkelgraue Schallblasen, die Kehle ist dunkler als der übrige Körper. Der Frosch hat eine spitze Schnauze und zwei ausgeprägte, dorsolateral verlaufende Rippen an den Seiten des Rückens. Die hinteren Gliedmaßen sind lang und mit ausgedehnten Schwimmhäuten zwischen den Zehen ausgestattet. Bei den geschlechtsreifen Männchen ist im Anschluss an die Mundspalte auf beiden Seiten eine Hautfalte ausgebildet, aus denen beim Rufen die Schallblasen hervortreten. Während der Paarungszeit haben die Männchen an den äußeren und ventralen Teilen des ersten Fingers gut entwickelte Schwielen.

Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Türkischen Wasserfrosches 1960 geben Mertens und Wermuth Damaskus, Syrien, als Terra typica für Rana esculenta var. bedriagae , 1882 an,Robert Mertens, Heinz Wermuth: Die Amphibien und Reptilien Europas. Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main, 1960. 264 S. somit ist Damaskus die Typuslokalität für Pelophylax bedriagae. Im Gebiet von Damaskus beschränkt sich das Vorkommen von Pelophylax bedriagae weitgehend auf den Barada Fluss mit seinen Nebengewässern, ferner auf die vom Barada abzweigenden Bewässerungskanäle und die von ihm gespeisten Fischteiche,Hans Schneider: Calls and reproductive behaviour of the water frogs of Damascus, Syria (Amphibia: Anura: Rana bedriagae Camerano, 1882). In: Zoology in the Middle East. Band 15 (1), 1997; S. 51–66. außerdem wurde der Levante-Wasserfosch an zahlreichen anderen Lokalitäten Syriens nachgewiesen.Ulrich Sinsch, Hans Schneider: Taxonomic reassessment of Middle Eastern water frogs: Morphological variation among populations considered as Rana ridibunda, R. bedriagae or R. levantina. In: Journal of Zoological Systematics and Evolution Research. Band 37, 1999, S. 67–73. Auch in anderen Ländern des östlichen Mittelmeerraums und dem angrenzenden Asien bis zum Kaukasus und dem Süden der Krim kommt diese Art vor. Im Einzelnen umfasst das Verbreitungsgebiet die westliche und südliche Türkei,Gerhard Joermann, Ibrahim Baran, Hans Schneider: The mating call of Rana ridibunda (Amphibia: Anura) in western Turkey: Bioacoustic analysis and taxonomic consequences. In: Zoologischer Anzeiger, Band 220, 1988, S. 225–232.Hans Schneider, Ulrich Sinsch: New bioacoustic records of Rana bedriagae Camerano, 1882 (Anura: Ranidae) from Turkey. In: Bonner zoologische Beiträge. Band 50, 2002, S. 35–48. LibanonSouad Hraoui-Bloquet, Riyad A. Sadek, Roberto Sindaco, Alberto Venchi: The herpetofauna of Lebanon: new data on distribution. In: Zoology in the Middle East. Band 27, 2002, S. 35–46. und Israel.Eviatar Nevo, Hans Schneider: Structure and variation of Rana ridibunda mating call in Israel (Amphibia: Anura). In: Israel Journal of Zoology. Band 32, 1983, S. 45–60.Hans Schneider: Calls of the Levantine Frog, Rana bedriagae, at Birket Ata, Israel (Amphibia: Anura). In: Zoology in the Middle East. Band 19, 1999, S. 101–116. In Jordanien ist Pelophylax bedriagae im Tal des Jordan und benachbarten Lokalitäten heimisch, ferner in Wadis am Ostufer des Toten Meeres, dort auch in Wasserläufen, die von heißen Thermalquellen abführen und in das Tote Meer münden. In großer Zahl kommt der Frosch in der Araq Desert Oase vor, auch in Fließgewässern von heißen Mineralquellen.Ahmad M. Disi, Zuhair S. Amr: Morphometrics, distribution and ecology of amphibians in Jordan. In: Vertebrate Zoology. Band 60, 2010, S. 147–162. In Ägypten ist der Levante-Wasserfrosch im Nildelta häufigMamdouh Saad Ahmed Akef, Hans Schneider: The eastern form of Rana ridibunda (Anura: Ranidae) inhabits the Nile delta, In: Zoologischer Anzeiger. Band 223, 1989, S. 129–138. und syntop mit Ptychadena nilotica.Abd Al-rahman Tawfik, Mamdouh Saad Ahmed Akef, S. S. Abdel-Mageid: Electrophoretic and morphometric evidence for two species of the genus Rana (Amphibia, Ranidae) and some aspects of their variability. In: Comparative Biochemistry and Physiology. Band 107B, 1994, S. 573–577. Nach Sichtungen kommt er auch in der Fayum-Senke und den Nil aufwärts bis Luxor vor, nachgewiesen ist er an beiden Ufern des Suezkanals und auf Sinai.Adel A. Ibrahim: First record of Pelophylax bedriagae (Amphibia, Ranidae) in the Suez Canal region. In: Egyptian Herpetological Notes. Band 4, 2011, S. 332–332.Sherif S. Baha El Din: A guide to the reptiles and amphibians of Egypt. The American University in Cairo Press, El Cairo, 2006, 360 S. ISBN 978-977-424-979-2 Im Iran besiedelt die Art die nordwestlichen und südwestlichen Teile des Landes.Alireza Pesarakloo, Eskandar Rastegar-Pouyani, Nasrollah Rastegar-Pouyani, Hajigholi Kami, Masoumeh Najibzadeh, Azar Khosravani: The first taxonomic revaluation of the Iranian water frogs of the genus Pelophylax (Anura: Ranidae) using sequences of the mitochondrial genome. In: Mitochondrial DNA PartA. Band 28, published online 2016, S. 392–398. In Bulgarien wurde Pelophylax bedriagae 2010 auf der Basis der Paarungsrufe sowohl bei Primorsko als auch am Fluss Vurbitza nahe Momtschilgrad ebenfalls nachgewiesen.Simeon Lukanov, Georgi Popgeorgiev, Nikolay Tzankov: First bioacoustic and morphological data for the presence of Pelophylax bedriagae in Bulgaria. In: Acta Scientifica Naturalis. Band 5, 2018, S. 54–63. Auch auf Zypern wurde er nachgewiesen,Wolfgang Böhme, Hansjörg Wiedl: Status and zoogeography of the herpetofauna of Cyprus, with taxonomic and natural history notes on selected species (genera Rana, Coluber, Natrix, Vipera). In: Zoology in the Middle East. Band 10, 1994, S. 31–52. neuerdings gilt er jedoch als eine neue Art, Pelophylax cypriensisJörg Plötner, Felix Baier et al.: Genetic data reveal that water frogs of Cyprus (genus Pelphylax) are an endemic species of Messinian origin. In: Zoosystematic and Evolution. Band 88, 2012, S. 261–283. Ferner ist der Levante-Wasserfrosch auch auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Samos, Astypalea, Karpathos anzutreffen.

Als Neozoon wurde der Levante-Wasserfrosch für Belgien nachgewiesen, wohin er wahrscheinlich über den Tierhandel kam. Auch in Malta wurde es wahrscheinlich über die Terrarienhaltung eingeführt und konnte sich dort im Naturschutzgebiet L-Ghadira ta’ Sarraflu auf der Insel Gozo in einem der wenigen permanenten Süßwasserteiche Maltas etablieren. Die Art steht hier in potenzieller Konkurrenz zu dem heimischen Gemalten Scheibenzüngler (Discoglossus pictus) und könnte zusätzliche negative Effekte auf die aquatischen Ökosysteme haben.Arnold Scibberas, Patrick J. Schembri: Occurrence of the alien Bedriaga's frog (Rana bedriagae) Camerano, 1882 in the Maltese Islands, and implications for conservation Herpetological Bulletin, März 2006; S. 2–5.(Volltext).

Lebensweise mini|Türkische Wasserfrösche im Amplexus In der Lebensweise entspricht der Levante-Wasserfrosch weitgehend den anderen Arten der Gattung. Es handelt sich um eine aquatische Art, die in permanenten Gewässern mit reicher Wasservegetation lebt, unter anderem in Flussarmen, Tümpeln und permanenten Teichen, Regenbecken, Seen, Bächen, Bewässerungsgräben, Fischteichen und Reisfeldern. Zudem ist er auch in den umliegenden feuchten terrestrischen Lebensräumen zu finden. Er ist anpassungsfähig und in der Lage, auch in Gewässern mit organischer Verschmutzung und in Nebenflüssen aus heißen Mineralquellen sowie in künstlich angelegten Gewässern zu leben.

Die Art ist weitgehend tagaktiv, wird jedoch auch nachts gesichtet oder gehört, die Fortpflanzung ist saisonal, und die Paarungszeit der Tiere findet vor allem im Mai bis Juni in flachen, permanenten und geschützt liegenden Gewässern statt.

Fortpflanzung Im Tal des Jordans beginnt die Ruf- und Paarungszeit Ende Januar und Anfang Februar, im nördlichen Hochland Jordaniens im März und April, im südlichen Hochland Ende April und Mai. Im Nildelta setzt das Rufen bereits Ende Februar ein und ist von März bis September hoch. Während dieser Zeit rufen die Männchen anhaltend und meist in Chören. Die Rufaktivität dieser Frösche wird durch das Rufen anderer Männchen stimuliert. Ihre Rufserien sind länger und die Pausen zwischen den Rufen kürzer als bei einzeln rufenden Männchen. Rufende Levante-Wasserfrösche sind territorial. Große Männchen halten größere Abstände untereinander ein als kleine. Eindringlinge in die Territorien werden mit Revierrufen oder durch gezieltes Anschwimmen vertrieben.Mamdouh S. A. Akef, Hans Schneider: The eastern form of Rana ridibunda (Anura: Ranidae) inhabits the Nile delta. In: Zoologischer Anzeiger. Band 223, 1989, S. 129–138.

Das Verhalten der Levante-Wasserfrösche wurde in Judaydat Al-Wadi (Idaide Al-Wadi) und in Otaybah (Otaya) zirka 15 km nordwestlich, beziehungsweise zirka 25 km östlich von Damaskus untersucht. Die Frösche hielten sich im Tal des Barada Flusses in Kleingewässern, Bewässerungskanälen mit einer Breite von zirka 1 Meter und in Fischteichen auf. Alle Gewässer wurden vom Barada gespeist. Im Barada selbst kamen Levante-Wasserfrösche nur an wenigen Stellen vor, an denen die Fließgeschwindigkeit gering war.

Bei Beginn der Beobachtungen am 25. Mai 1997 befanden sich die Frösche noch in der Vorlaichzeit. Die Männchen riefen anhaltend am Vormittag, wenig oder gar nicht am frühen Nachmittag, danach setzte das Rufen erneut ein und hielt bis in die Abendstunden an. Der Übergang zur Hauptlaichzeit erfolgte um den 26. Mai 1997. Die Männchen begannen am Vormittag zu rufen und riefen durchgehend bis in die späte Nacht. Die Frösche befanden sich in kleinen Arealen mit reicher, niedriger Vegetation. Die Abstände zwischen ihnen waren gering, meist betrugen sie nur einige Zentimeter, trotzdem war kein ausgeprägtes Territorialverhalten zu beobachten. Revierrufe kamen daher und auch im Vergleich mit anderen Wasserfroscharten verhältnismäßig selten vor. In dieser Zeit paarten sich die Frösche. Weibchen schwammen auf die Männchen zu und wurden augenblicklich umklammert. Die Eipakete wurden an der Wasseroberfläche zwischen den Pflanzen abgesetzt. Die Hauptlaichzeit dauerte nur weniger Tage. Danach nahm die Zahl der rufenden Frösche stark ab.

Rufe