Konrad II. Herr von Pottendorf (* um 1240, 1253 erstmals genannt; † zwischen 8. November 1321 und 21. Dezember 1324) war ein österreichischer Adeliger aus dem Haus der Herren von Pottendorf, die sich urkundlich bis 1130 zurückverfolgen lassen und im Mittelalter im Herzogtum Österreich zu den bedeutendsten Familien des Herrenstandes zählten. Dies zeigt die Mutter Konrads, Euphemia von Kuenring-Weitra, die aus der bedeutendsten niederösterreichischen Ministerialenfamilie, den Kuenringern abstammt und die nicht nur wesentlich zur Vergrößerung des Besitzes, sondern auch zur Erweiterung der Verwandtschaft der Familie beitrug, wodurch Konrad II. von Kreuzrittern und sogar von bedeutenden reichsunmittelbaren Dynastien abstammt. Durch seine zweite Ehe mit Hedwig von Goldegg ergaben sich Beziehungen zu bedeutenden Familien des Herrenstandes in Salzburg und in der Steiermark.

Konrad lebte zu einer Zeit dynastischer Umbrüche im Herzogtum Österreich, die eine flexible Loyalität erforderten. Nachdem die Pottendorfer lange treue Ministerialen der Babenberger gewesen waren, wandte sich nach deren Aussterben im Jahre 1246 erst Konrads Vater Rudolf III. und später auch Konrad II. dem neuen Herzog von Österreich, Ottokar II. Přemysl Erbprinz, später König von Böhmen zu, in dessen Urkunden sie vielfach auftreten. Nach der Erklärung der Reichsacht gegen König Ottokar II. schloss sich Konrad II. mit seinen Brüdern 1275 König Rudolf I. und dessen Söhnen an.

Konrad II. wurde zum Stammvater des Astes der Herren von Pottendorf zu Ebenfurth und zu Kirchschlag in der Buckligen Welt, der sich unter seinen Enkeln in zwei Zweige – den zu Ebenfurt und den zu Kirchschlag – teilte, die fast gleichzeitig 1484/86 bzw. 1488 in männlicher Linie erloschen. In weiblicher Linie leben jedoch – insbesondere über die Herren von Liechtenstein, die Herren von Puchheim und die Herren von Zelking – Nachkommen des Konrad II. von Puchheim bis heute.

Herkunft Die Pottendorfer zählen zu den „Apostelgeschlechtern“ des Herzogtums Österreich, d. h. zu den Adelsgeschlechtern, die bis in die Zeit der 1246 erloschenen Herzoge von Österreich aus dem Haus der Babenberger zurückreichen.

Nach Witte-HagenauHeinrich Witte-Hagenau: Genealogische Untersuchungen zur Reichsgeschichte unter den salischen Kaisern. In: Mitteilung des Instituts für österreichische Geschichtsforschung (MIÖG). Ergänzungsband 5, 1896–1903, S. 409. waren sie edelfreier Herkunft, da sie sich von einem Boto aus dem Geschlecht der Aribonen, den Pfalzgrafen von Bayern ableiten.

Von diesem Poto von Pottenstein, der im Tullnerfeld begütert war, leitet sich die Sippe der edelfreien Potonen ab, deren wichtigste Zentren Pottenbrunn, Pottendorf und Aspan an der Zaya waren.Heinz Dopsch: Österreichische Geschichte 1122–1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Ueberreuter, 2003, ISBN 3-8000-3973-7, S. 226. Dessen Sohn Rudolf nannte sich vor 1136 nach Pottendorf.Heinz Dopsch: Österreichische Geschichte 1122–1278. Die Länder und das Reich. Der Ostalpenraum im Hochmittelalter. Verlag Ueberreuter, 2003, ISBN 3-8000-3973-7, S. 231.

Laut Enikels Landbuch sollen die Herren von Pottendorf als Gefolgsleute der Grafen von Sulzbach nach dem Tod von Graf Gebhard III. von Sulzbach († 1188) in den Dienst der die Babenberger eingetreten sein, als deren Ministerialen sie später nachweisbar sind.Monumenta Germaniae Historica (MGH) Scriptores: Deutsche Chroniken und andere Geschichtsquellen des Mittelalters. Band III, S. 718 f.

Die zeitlich früheste Nennung der Familie enthält der Klosterneuburger Traditionskodex, wo um 1130 Gertrud von Pottendorf, die Ehefrau Rudolfs und deren Tochter Adelheid, dem 1114 von Markgraf Leopold III. gegründeten Stift Klosterneuburg zum Seelenheil ihres Gemahls Rudolf Gülten zu „Wazichindorf“ (Watzendorf bei Pulkau) schenken.Christiane Buzzi: Die Herren von Pottendorf. Sonderdruck aus Jahrbuch der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“. Jahrgang 1982/83, Der ganzen Reihe dritte Folge, Band 11, Wien 1983, S. 76.

Konrads Vater Konrads Vater, Rudolf III. von Pottendorf († 1263) tritt erstmals 1246 in einer Urkunde Heinrichs von Seefeld in Erscheinung und lebte zu einer Zeit, als nach dem Tod von Herzog Friedrich II., genannt, der Streitbare († 15. Juni 1246); dem letzten Herzog von Österreich aus dem Haus der Babenberger, der österreichische Adel in zwei Parteien zerfiel, von denen eine für und die andere gegen die Übernahme der Herrschaft in Österreich durch Ottokar II. Přemysl (* um 1232; † 26. August 1278) (König von Böhmen von 1253 bis 1278) war, nachdem dieser 1251 von Österreich Besitz ergriffen und 1252 eine Erbtochter der Babenberger, Margarete von Babenberg (1205–1267) geheiratet hatte.

Rudolf III. von Pottendorf stand eindeutig auf der Seite von Ottokar II., da er an dem von diesem – als neuem Herzog von Österreich – im Dezember des Jahres 1251 in Korneuburg einberufenen Landtag teilnahm.Max Vancsa: Geschichte Nieder- und Oberösterreichs. Band 1, Gotha 1905, S. 495 f.

Bemerkenswert ist ein Großonkel von Konrad II., namens Konrad I. von Pottendorf, der zwischen 1194 und 1223 mehrfach urkundlich genannt wird, Pfarrherr von Großrußbach bei Korneuburg und kulturgeschichtlich von Interesse ist, da er von manchen als der Autor der österreichischen Version des Nibelungenliedes angesehen wird.

Konrads Mutter mini|Kuenringer-Wappen Charakteristisch für den hohen Status der Familie war, dass sich Konrads Vater Rudolf III. von Pottendorf mit Euphemia von Kuenring vermählte, die aus der Familie der Kuenringer, stammt der damals mächtigsten österreichischen Ministerialenfamilie, die in der Wachau und im Waldviertel über zahlreiche und sehr ausgedehnte Besitzungen verfügte. Ihr Vater war Heinrich III. von Kuenring (* um 1185; † um 1233, begraben Stift Zwettl) genannt „der Hund“, der eine wichtige politische Rolle als einer der engsten Berater und Vertrauensleute von Herzog Leopold VI. von Österreich spielte, 1228 zum Marschall des Herzogtums Österreich ernannt wurde und in Abwesenheit des Herzogs sogar mehrfach als Verweser des Herzogtums eingesetzt wurde.

Euphemia war eine resolute Persönlichkeit, die in den 60er Jahren des 13. Jahrhunderts die Geschicke der Familie lenkte und dabei nicht nur mit dem Stift Zwettl im Dauerstreit lag, weil dieses die Beisetzung ihres Vaters in der Familiengruft verweigerte, sondern auch den Verwalter des Bischofs von Freising aus der Herrschaft Hernstein vertrieb, da sie überzeugt war, über ihre Mutter Erbansprüche auf diese Herrschaft zu haben.

Konrads mütterliche Vorfahren mini|Falkenstein-Wappen codex Über seine Mutter Euphemia von Kuenring stammte Konrad II. in weiblicher Linie von einer Reihe bedeutender Adelsgeschlechter ab, die weit über den üblichen Umkreis österreichischer Ministerialen hinausgehen.

Konrads mütterliche Großmutter war Adelheid von Falkenstein-Neuburg (cl. 1222–1226, † nach 1226). Sie stammte aus der bedeutenden bayerischen Dynastie der Grafen von Falkenstein-Neuburg, die sich bis auf Patto von Dilching, Graf von Weyarn im oberbayerischen Landkreis Miesbach († um 1040) zurückverfolgen lässt. Und die zu ihrer Blütezeit weite Ländereien in Bayern aber auch bis hinein nach Tirol, in das Mangfalltal, nach Niederösterreich und den Chiemgau beherrschte und im Herzogtum Österreich Burg und Herrschaft Hernstein nahe Baden bei Wien in Niederösterreich besaß.

Auf diese Herrschaft Hernstein erhob Konrads Mutter Euphemia von Kuenring Erbansprüche, da sie eine Enkelin der Grafen Sigiboto V.,Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln. Neue Folge. Band XVI, Tafel 48, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a. M. 1995, ISBN 3-465-02741-8.manfred-hiebl.de: Sigiboto V. Graf von Falkenstein-Neuenburg-Hartmannsberg-Hernstein, Vogt von Kloster Herrenchiemsee, (cl. um 1155/1222 bis 1226, † vor 1231) und dessen Gemahlin († um 1196) Adelheid Gräfin von Valley war.

Weiter zurückliegende Vorfahren Adelheid Gräfin von Valley war eine Tochter von Graf Konrad II. von Valley († 1198/1200) und der Gräfin Mathilde von Ortenburg († nach 1198), die ihrerseits eine Tochter des Grafen Rapoto I. von Ortenburg (* im 12. Jahrhundert; † 26. August 1186) aus dem Haus der SpanheimerEuropäische Stammtafeln, Neue Folge. Band IV, Tafel 118. und der Elisabeth († 1206), Tochter des Grafen Gebhard III. von Sulzbach war.

Graf Gebhard III. von Sulzbach (* um 1114; † 28. Oktober 1188) war mit Mathilde († 16. März 1183), der Tochter des Herzogs von Bayern Heinrich IX. (auch: Heinrich der Schwarze oder Heinrich der Welf genannt), und dessen Gemahlin Wulfhild, die eine Tochter des letzten Sachsenherzogs Magnus aus dem Hause der Billunger war, verheiratet.

Graf Gebhard III. von Sulzbach war ein Sohn von Graf Berengar I. von Sulzbach und dessen zweiter Ehefrau Adelheid († 1126) Gräfin von Dießen-Wolfratshausen.

Bemerkenswert sind die Schwestern des Grafen Gebhard III. von Sulzbach: Gertrud (* um 1114; † 14. April 1146 in Hersfeld) ⚭ Konrad III., (* 1093 oder 1094; † 15. Februar 1152 in Bamberg) aus dem Adelsgeschlecht der Staufer, der erst Gegenkönig von Lothar III. und 1138–1152 König im römisch-deutschen Reich war.

Bertha († 1158/1160) ⚭ 1146 als dessen erste Gemahlin unter dem Namen Irene Manuel I. Komnenos (* 28. November 1118; † 24. September 1180), der von 1143 bis 1180 als byzantinischer Kaiser regierte, wodurch Bertha von 1146 bis 1158/69 Kaiserin von Byzanz war. Manuel I. gilt dabei als einer der letzten bedeutenden Herrscher des Byzantinischen Reiches.

Luitgard von Sulzbach († nach 1163) ⚭ I. um 1139 Gottfried II. (* um 1110; † 13. Juni 1142), Graf von Löwen, Landgraf von Brabant, als Gottfried VII. auch Herzog von Niederlothringen und dadurch Markgraf von Antwerpen, und ⚭ II. um 1143 Hugo II., Graf von Dagsburg und Metz

Mathilde von Sulzbach († 1165) ⚭ um 1139/40 Engelbert III. (* vor 1124; † 6. Oktober 1173), aus dem Hause der Spanheimer, Markgraf von Istrien, Markgraf von Tuscien, Graf von Kraiburg und MarquartsteinEuropäische Stammtafeln. Band XVI, Verlag J. A. Stargardt, 1995, Tafel 93 a.

Konrad II. von Pottendorf besaß daher Vorfahren und Verwandte, die weit über den Rang von Mitgliedern des Österreichischen Herrenstandes hinausgehen.

Bezug zu den Kreuzzügen Im Jahr 1291 erschütterte das dramatische Ende des Königreiches Jerusalem die abendländische Politik, da am 28. Mai 1291 die damalige Hauptstadt des Königreiches, die Stadt Akkon von den Mameluken erobert wurde.

Dieses plötzliche Ende jahrhundertelanger westlicher religiöser und politischer Ambitionen im Heiligen Land traf Konrad II. von Pottendorf auch persönlich, da er selbst Verwandte und Vorfahren hatte, die an den Kreuzzügen teilgenommen hatten.

Dies einerseits über seine mütterliche Großmutter Adelheid von Falkenstein-Neuburg, da deren Onkel Kuno Graf von Falkenstein-Neuenburg 1190 am Dritten Kreuzzug unter Kaiser Friedrich Barbarossa teilgenommen hatte. Nach dem Tod des Kaisers schloss er sich mit anderen deutschen Kreuzfahrern dem Heer von Herzog Leopold V. von Österreich an, kämpfte bei der Belagerung von Akkon und fiel dort 1290 im Kampf.

Bei diesem Kreuzzug gab es zwei folgenschwere Ereignisse: Herzog Leopold V. von Österreich wurde von Richard Löwenherz König von England durch Beseitigung seiner Fahne beleidigt und zugleich entstand – der Legende nach – in der Schlacht auch der Bindenschild, das österreichische Stammwappen: Rot-Weiß-Rot.

Ein noch direkter Bezug zu den Kreuzzügen besteht über Konrads mütterlichen Großvater, Heinrich III. dem Hund von Kuenring, denn dessen Vater, Hadmar II. von Kuenring (* um 1140; † 22. Juli 1217)Europäische Stammtafeln. Band XVI, Tafel 27. Herr zu Weitra, Zwettl, Gmünd, Kühnring, Zistersdorf, Hadmarstein, Burgruine Aggstein und auch zu Dürnstein in der Wachau spielte eine bemerkenswerten Nebenrolle in der Geschichte der Kreuzzüge.